Smart Industry

Fitnessprogramm für jeden Datenbestand

Datenklassifikation und automatische Aufbereitung unterstützt ERP-Einführung
Manz Automation entwickelte für die Photovoltaikproduktion unter anderem das „OneStep Selective Emitter-Verfahren“, das per spezieller Laseroptik den Wirkungsgrad von Solarzellen erhöht.Bilder: Manz Automation
Um ihr IT-System dem Unternehmenswachstum anzupassen, führte die Manz Automation AG ein ERP-System von SAP ein und holte sich für die Datenmigration die Unterstützung der Simus Systems GmbH. Durch den Aufbau einer firmenspezifischen, zu SAP kompatiblen Klassifikation sowie der automatischen Aufbereitung von 180.000 Materialstammsätzen gewährleistete der Optimierungsspezialist den termingetreuen Vollzug des PLM-Teilprojektes. Als Leitmedium für die Konstruktion hilft die Simus-Klassifikation zusätzlich, die Bauteilwiederverwendung zu forcieren sowie Managementvorgaben in der Entwicklung sicherzustellen.

Bei Manz Automation stehen alle Weichen auf Wachstumskurs. Denn das Unternehmen mit Sitz in Reutlingen bewegt sich in boomenden Zukunftsmärkten. Als einer der führenden Technologieanbieter von Produktionssystemen für Photovoltaik, Flat Panel Displays und die Lithium-Ionen-Batteriefertigung profitiert Manz Automation von dem weltweiten Trend zu regenerativen Energien, der Smartphone- und Tablets-Euphorie sowie der sich entwickelnden Elektromobilität im Automotive-Bereich.

Im Zuge der dafür notwendigen Kapazitätserweiterung wuchs die Mitarbeiteranzahl von etwa 200 im Jahr 2006 auf derzeit rund 1.900. Die Übernahme eines taiwanesischen Unternehmens eröffnete 2008 den chinesischen Markt, wo mittlerweile die meisten Flat Panel Displays auf Manz-Systemen gefertigt werden. Selbst in der Wirtschaftskrise blieb Wachstum im Zentrum der Firmenstrategie. Die Stammbelegschaft und Produktionskapazitäten wurden gehalten, in Forschung und Entwicklung zusätzlich investiert. Eine gesunde Ausgangsbasis für das internationaler werdende Geschäft zu schaffen, hat für Manz Automation stets Top-Priorität.

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Zeitplan ohne Ausfall eingehalten

Diese Überlegungen führten Mitte 2008 zum Entschluss, das bisherige ERP-System durch SAP zu ersetzen. Die Vorgabe des Vorstands an Lars Firchau, Leiter Organisation und Prozessmanagement bei Manz Automation, war fordernd: Binnen eines halben Jahres sollte das neue System mit nahezu allen SAP-Modulen produktiv gehen. Gleichzeitig sollte der Datenbestand von etwa 180.000 Materialstammsätzen aufgeräumt, klassifiziert und von Dubletten befreit werden.

Für Roland Mann, Gruppenleiter CAD/PLM Administration bei Manz Automation, war schnell klar, dass diese Aufgabe nur mit externer Unterstützung zu lösen ist. Die passende Inspiration fand er ganz klassisch in einem Fachzeitschriftenartikel, der den Einsatz der Software Simus Classmate der Karlsruher Simus Systems GmbH beschrieb. Der Karlsruher Optimierungsspezialist bot mit seinem Portfolio aus Know-how für Klassenstrukturen, automatischer Datenaufbereitung und direkter Anbindung von Solid Edge, dem strategischen CAD-System von Manz Automation, das richtige Leistungspaket. „Die Möglichkeit, den kompletten Datenbestand in kurzer Zeit in einen maßgeschneiderten Materialstamm und eine SAP-Klassifikation zu überführen, war genau das Gewünschte“, erinnern sich Firchau und Mann.

Mit Hilfe der Karlsruher und deren Softwarewerkzeugen war es möglich, den Materialstamm zu migrieren und gleichzeitig eine Klassifikation aufzubauen sowie standardisierte Materialkurztexte abzuleiten. Zur Optimierung erhielt Simus Systems von Manz Automation alle Artikelstammsätze aus dem alten ERP-System als Access-Datenbank.

Die Software Simus Classmate analysiert nach ihrem patentierten Verfahren die Stammdaten und erfasst charakteristische Merkmale, welche als Grundlage für die Klassendefinition genutzt werden. Für die automatische Umsetzung in die Klassifikation lässt sich mittels eines grafischen Editors ein Regelwerk entwickeln und anschließend verfeinern. Damit reichert die Software die Daten um weitere Klassifikationsinformationen an, vereinheitlicht deren Bezeichnungen und ordnet sie in die entsprechenden Klassen ein. Das Ergebnis ist eine übersichtliche Klassifikationsstruktur, die bereits automatisch bewertete Elemente enthält. „Der Regeleditor und die externe Aufbereitung haben mir sehr gefallen“, sagt Roland Mann. „Damit haben wir die Grundlagen für das SAP-System gebaut und mehrmals verbessert, ohne jemals die Grunddaten manuell anzufassen.“

1.000 Euro für die Datenpflege eines Bauteils

Anschließend spürte die integrierte automatische Dublettenanalyse mehrfach angelegte Datensätze, insbesondere bei Norm- und Kaufteilen, auf. „Größtenteils sind Abweichungen in der Benennung des gleichen DIN-Teils minimal. Der eine Konstrukteur schreibt es etwa mit Bindestrich und ein anderer ohne“, beschreibt Mann das Problem. Bei Projektstart beschäftigte Manz Automation etwa 30 Konstrukteure – mittlerweile sind es an die 100. Diese Anwenderanzahl erschwert naturgemäß das Vorhaben, einheitliche Benennungen zu wahren. Allein durch die Identifizierung über Materialstamm und Merkmale konnten ungefähr 500 Dubletten entfernt werden. Angesichts von Studien, welche die Kosten pro Jahr eines Bauteils im Lebenszyklus auf etwa 1.000 Euro schätzen, offenbarte sich Manz Automation ein deutliches Einsparpotenzial.

Zeitgleich zum Aufbau der Klassifikation bereiteten die Karlsruher die Migration des Materialstamms vor. Durch das regelbasierte Verarbeiten der Quellfelder und den Ergebnissen der Klassifikation konnte ein optimierter Materialstamm aufgebaut sowie ein mehrsprachiger standardisierter Materialkurztext abgeleitet werden.

Im Dezember wurde die Simus-Klassifikation mit harmonisiertem Datenbestand testweise ins System von Manz Automation eingespielt. Anfang Januar war sie parallel zum Go-Live von SAP lauffähig. „Wir hatten keinen Tag ungeplanten Ausfall“, schildert Roland Mann. „Selten verlaufen SAP-Migrationsprojekte so gut wie dieses.“ Momentan nutzt nur die Manz-Zentrale in Reutlingen das ERP-System von SAP. Die Tochterfirmen sollen zu einem späteren Zeitpunkt migrieren – die Unterstützung durch Simus Systems ist bereits fest eingeplant.

Zwischenzeitlich arbeitete Roland Mann wieder daran, die Simus-Klassifikation zu einem Leitmedium für die Konstruktion auszubauen. Gegenüber ihrem SAP-Pendant weist sie gewisse Vorteile auf. Durch direkten SAP-Zugriff ermöglicht Simus Classmate eine komfortablere Datenpflege und eine erleichterte Konfiguration des Klassensystems. Die Schnittstellen SAP Connector und Classmate Synchronizer sorgen für eine reibungslose Datensynchronisierung. „Die SAP-Anbindung ist sehr gut. Wir können die Klassifikation durch Simus Classmate steuern und uns trotzdem auf der SAP-Basis bewegen“, erklärt Mann. Die Software klassifiziert dabei automatisch jeden neu angelegten Materialstammsatz und stellt ihn für SAP bereit. Ebenso werden alle neu definierten Bauteile im CAD-System Solid Edge analysiert und in die Klassenstruktur eingeordnet. Dadurch erzielt die Entwicklung bei Manz Automation einige Prozessvereinfachungen. So wurden in der Klassifikation beispielsweise so genannte Vorzugselemente definiert. Konstrukteure sind angehalten, gewisse Bauteile aus Kosten-Nutzen-Aspekten oder wegen vorhandener Qualitätsprüfungen bevorzugt in ihre Projekte einzubauen. Ebenso spiegelt die Klassifikation den Status im Lebenszyklus eines Bauteils wieder. Dies soll verhindern, dass inaktive Artikel in aktuellen Konstruktionen verwendet werden. Gerade entwickelt Mann für die Klassifizierung ein System zum effizienteren Schutz des geistigen Eigentums. Bauteile werden unterschiedlichen Sicherheitsebenen zugeordnet, für die in SAP verschiedene nachfolgende Sicherheitsprozesse hinterlegt sind.

Den Hauptnutzen der Klassifikation sieht Roland Mann jedoch ganz rudimentär: „Simus Classmate ist für mich ein strategisches Tool für eine bessere Wiederholrate. Jetzt gilt es, unsere Konstrukteure an die Klassifikation zu gewöhnen“. Aus einem 3D-Entwurf in Solid Edge schlägt die Software per Mausklick via Geometriescan und Ähnlichkeitsanalyse aus der Klassifikation ähnliche Bauteile vor. In der Suchmaschine Classmate Finder werden dem Anwender neben den Maßen der Bauteile auch die Prozentzahl der Ähnlichkeit sowie ein 3D-Vorschaubild angezeigt. Dadurch kann der Konstrukteur leichter bereits vorhandene Teile identifizieren und wieder verwenden.

Für eine weitere Prozessvereinfachung strebt Manz Automation eine direkte Kopplung zwischen SAP, Classmate Finder und Solid Edge an. Aus der Classmate-Oberfläche soll per Mausklick das Bauteil automatisch in den CAD-Entwurf übernommen werden. Diese vollendete Prozesskette trüge zusätzlich zur Akzeptanz der Klassifikation bei. „Wiederverwendung ist eine Frage der Erziehung. Ich muss durch geeignete Werkzeuge Fluchtwege verbauen. Aber wenn sich die Anwender mit dem Thema Klassifikation beschäftigen, dann erkennen sie auch den großen Nutzen“, betont Roland Mann. -sg-

Manz Automation AG, Reutlingen Tel. 07121/9000-0, http://www.manz-automation.com

Simus Systems GmbH, Karlsruhe Tel. 0721/830843-0, http://www.simus-systems.com

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