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Interview mit Hewlett Packard Enterprise: Integrierte OT-IT-Lösungen

Supply-Chain-RisikomanagementDigitalisierung mit Hilfe künstlicher Intelligenz

KI

Unterbrechungen in der Lieferkette können einem Unternehmen erheblich schaden. Daher müssen diese auf Störungen möglichst schnell reagieren. Dazu überwacht ein Risiko-Managementsystem alle verfügbaren Informationen in Echtzeit und erstellt einen digitalen Supply-Chain-Zwilling.

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Integrierte OT-IT-Lösungen„Informationen und Daten zur richtigen Zeit am richtigen Ort“

Hewlett Packard Enterprise kooperiert mit ABB, um mit der benötigten Technik und Expertise die beiden Welten von OT und IT zu vereinen. Wie dies gelingen kann und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, erklärt Volkhard Bregulla, Vice President Global Manufacturing, Automotive and IoT von Hewlett Packard Enterprise der SCOPE-Redaktion.

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Volkhard Bregulla

SCOPE: HPE und ABB haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, um IT und OT näher zusammenzubringen. Wie wird die praktische Umsetzung aussehen?

Volkhard Bregulla: Beide Firmen gehören zu den Weltmarktführern auf ihrem Gebiet: ABB bei Industrie-Technologie, HPE bei IT-Technologie. In der Partnerschaft führen wir unsere Technik, Expertise und Dienstleistungen zusammen und schaffen integrierte OT-IT-Lösungen. Im Fokus steht dabei Folgendes: Wir helfen Kunden, große Mengen an Betriebsdaten in Steuerungsinformationen umzuwandeln und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen. Ein Beispiel: Ein Fertigungsunternehmen lässt Condition-Monitoring-Lösungen von ABB auf sehr leistungsfähigen IT-Systemen direkt in seinen Fabriken laufen, um die Präzision der Vorhersagen zu maximieren. Gleichzeitig überträgt dieses Unternehmen ausgewählte Daten in sein Rechenzentrum oder in die Cloud, um eine intelligente Planung von Wartungseinsätzen über mehrere Standorte hinweg zu ermöglichen. Hierbei kommen hybride IT-Plattformen zum Einsatz: Sie geben dem Kunden die Wahl, wo er eine Applikation laufen lässt, sorgen aber auch für die Konsistenz von Daten und Anwendungen über Standorte hinweg. Solche Lösungen werden wir gemeinsam entwickeln, vertreiben, implementieren, betreiben und warten.

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SCOPE: Worin liegen die Herausforderungen?

Bregulla: Industrielle Maschinen und Anlagen erzeugen heute riesige Mengen an Sensordaten, die ein enormes Mehrwertpotenzial bergen – allerdings wird in vielen Firmen nur ein kleiner Teil dieser Daten tatsächlich so erfasst und verarbeitet, dass sie daraus Erkenntnisse oder Steuerungsimpulse für die Automation ableiten können. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist technischer Natur: Industrieanlagen haben oft eine große Zahl unterschiedlicher OT-Systeme, die große Mengen an heterogenen Daten erzeugen. Das stellt besondere Anforderungen an die Datenerfassung, -analyse und die Netzwerke. Gefordert sind spezielle IT-Systeme, die OT- und IT-Funktionen gemeinsam auf einer Standard-IT-Architektur laufen lassen. Diese Systeme müssen außerdem dafür optimiert sein, in unmittelbarer Nähe der Maschinen und Anlagen zu laufen, um die Schnelligkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit zu bieten, die Produktionsumgebungen erfordern. Eine weitere Herausforderung ist der Mangel an kombinierter OT-IT-Expertise. Studien zeigen, dass fehlende Qualifikationen eine der größten Hürden für die Umsetzung von Industrie-4.0-Strategien ist. Das liegt daran, dass integrierte OT-IT-Lösungen neue Architekturen, Prozesse und Management-Verfahren erfordern, und da fehlt es eben oft an Kenntnissen und an Erfahrung. Diese zwei Probleme zu lösen – das technische und das der Expertise – ist exakt das Ziel der ABB-HPE-Partnerschaft.

SCOPE: Wen adressieren HPE und ABB mit ihren gemeinsam entwickelten Lösungen?

Bregulla: Wir sprechen mit einem breiten Spektrum an Industrieunternehmen weltweit, aus Branchen wie Fertigung, Transport, Energieversorgung, Bergbau oder Öl und Gas. Praktisch jedes Unternehmen in diesen Branchen arbeitet bereits in irgendeiner Form mit ABB oder mit HPE zusammen. Jetzt haben wir die Möglichkeit, mit diesen Kunden über den kombinierten Mehrwert beider Firmen zu sprechen.

SCOPE: Beide Unternehmen kooperieren auch bei der Forschung und Entwicklung: Welches Problem wollen Sie als nächstes lösen?

Bregulla: Aktuell liegt der Fokus auf der Fertigstellung der Lösungen, die wir in unserer kurzfristigen Entwicklungs-Roadmap haben. Wir werden zum Beispiel ABB-Ability-Anwendungen auf hybriden HPE-Plattformen lauffähig machen – damit können Kunden den Ort wählen, an dem sie die Ability-Anwendungen betreiben, um die spezifischen Anforderungen hinsichtlich Leistung, Sicherheit oder standortübergreifende Zusammenarbeit zu erfüllen. Wir werden außerdem gemeinsame Rechenzentrums-Lösungen bereitstellen – etwa ein speziell für raue Industrie-Umgebungen entwickeltes Mini-Rechenzentrum, das leistungsfähige IT-Systeme näher an die Datenquellen und Steuerungssysteme bringt. Mittelfristig werden wir daran arbeiten, neue Technologien, Anwendungen und Plattformen in unser gemeinsames Lösungsangebot zu integrieren – beispielsweise durch Zusammenarbeit mit Startups oder durch Einsatz von neuartigen Computer-Architekturen. Mit Memory-Driven Computing hat HPE eine Computer-Architektur entwickelt, die völlig neue Möglichkeiten für die Verarbeitung bisher unvorstellbarer Datenmengen bietet – hier liegt ein riesiges Potenzial für die Optimierung und Automatisierung von industriellen Prozessen.

SCOPE: Inwieweit wird das Thema Künstliche Intelligenz bzw. Deep Learning eine Rolle bei den gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben spielen?

Bregulla: Künstliche Intelligenz ist die konsequente Weiterentwicklung der bisherigen Analytics-Verfahren, und zwar ganz im Sinne der Grundideen von Industrie 4.0. Wie schaffen wir die wandelbare Fabrik mit ihren dynamischen und selbstkonfigurierenden Produktionslinien? Indem wir die Maschinen befähigen, selbständig auf Betriebsdaten zu reagieren. Wie machen wir das? Indem wir Systeme bereitstellen, die in der Lage sind, riesige Datenmengen zu erfassen, zu speichern, extrem schnell zu analysieren und die Ergebnisse am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt bereitzustellen. Sie sehen, diese Beschreibung entspricht genau dem Fokus der ABB-HPE-Partnerschaft. Machine Learning und Deep Learning sind dabei sehr sinnvolle Verfahren, allerdings nur, wenn eine Firma bereits die Grundlagen im Bereich Big Data gelegt hat. Im Übrigen ist auch hier eine hybride Architektur in der Regel zu empfehlen: Machine-Learning-Algorithmen laufen vor Ort in der Fabrik, während High-Performance-Computer in entfernten Rechenzentren die Daten vieler Fabriken aggregieren und Deep-Learning-Verfahren darauf anwenden. Die Erkenntnisse gehen dann wieder zurück in die Fabrik und machen die Maschinen und Anlagen damit mit der Zeit immer intelligenter.

SCOPE: Handelt es sich um eine exklusive Partnerschaft? Wen würden HPE und ABB noch als bereicherndes Mitglied aufnehmen?

Bregulla: Wir sind der Überzeugung, dass Industrie 4.0 nur in Ökosystemen funktionieren wird, denn kein einzelnes Unternehmen kann die ganze Breite der Anforderungen abdecken. ABB und HPE brachten mehrere Partnerschaften in die Ehe ein – erwähnen möchte ich hier ausdrücklich Microsoft: Die Azure Public Cloud war bereits zuvor sowohl für ABB als auch für HPE eine strategische Plattform, und wir nutzen sie jetzt, um gemeinsam hybride Industrie-Lösungen zu bauen. Wir werden je nach Kundensituation weitere Partner aus unseren jeweiligen Ökosystemen einbinden. Die ABB-HPE-Partnerschaft ist damit zwar nicht exklusiv, aber ist sie doch einzigartig: keine andere OT-IT-Partnerschaft hat eine vergleichbare Tiefe und Breite – von der Fabrik bis zur Cloud, von der Entwicklung bis zu Vertrieb und Service. Das wird uns in besonderer Weise in die Lage versetzen, Komplettlösungen bereitzustellen, die die digitale Transformation unserer Kunden beschleunigen und ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen.

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