Internet of Things

„Fangen Sie bei IoT-Lösungen klein an“

Schon heute spielt das „Internet of Things“ (IoT) eine wichtige Rolle in der Fertigung. Vorausschauende Wartung ist nur eine von vielen Anwendungen, die darauf basieren. Dazu müssen viele Komponenten miteinander kommunizieren. Es ist also die entsprechende Hardware-Infrastruktur notwendig, ebenso wie eine Software-Plattform, die die schnelle und unkomplizierte Anbindung der unterschiedlichen Geräte und Protokolle an die IoT-Umgebung sowie an die Unternehmenssysteme erlaubt.

Werner Rieche, Geschäftsführer der Software AG Deutschland. (Bild: Software AG)

Werner Rieche, Geschäftsführer der Software AG Deutschland, erklärt im Interview, warum das IoT auch für kleinere Betriebe immer wichtiger wird, welche Voraussetzungen ein Unternehmen erfüllen muss, um eine IoT-Infrastruktur aufzubauen und wo die Vorteile der neuen Lösungen liegen. Darüber hinaus geht er auch auf die Veränderungen ein, die auf die Branche zukommen und wagt einen Blick in die Zukunft der vernetzten Dinge.

SCOPE: Das Internet der Dinge ist in Teilbereichen vieler großer Unternehmen bereits etabliert. Kommen Fertigungsbetriebe mittel- und langfristig noch ohne eine IoT-Infrastruktur aus?

Werner Rieche: Im Gegenteil – Unternehmen der Fertigungsindustrie müssen ihre digitale Transformation aggressiv umsetzen, um wettbewerbsfähig und erfolgreich zu bleiben. Neue Herausforderer drängen mit digitalen Technologien auf den Markt und treiben einen Keil zwischen traditionelle Unternehmen und ihre Kunden. Um mitzuhalten, müssen etablierte Unternehmen die digitalen Stärken implementieren, die ihre Herausforderer zu gefährlichen Konkurrenten machen. Mit dem Internet of Things haben Industriebetriebe einen Hebel, um weitere Effizienzsteigerungen in der Fertigung sowie in der Lager- und Transportlogistik voranzutreiben. Es ist aber auch ein wichtiger Baustein, um die Produktqualität zu erhöhen und den Ausschuss zu reduzieren. Wer im globalen Wettbewerb steht, muss sich in diesen Bereichen stets verbessern.

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SCOPE: Warum ist IoT so wichtig für den Unternehmenserfolg, insbesondere in der Fertigung? Und können sich auch kleinere Firmen eine IoT-Infrastruktur leisten?

Rieche: Das IoT und die Analyse der gewonnenen Daten bilden die Grundlage für eine ganz neue Art von Anwendungen, Services und Geschäftsfeldern. Beim Anwendungsfall Predictive Maintenance etwa erhalten Unternehmen detaillierte Informationen zu Anlagen und können vorhersagen, wann die nächste Wartungsmaßnahme ansteht. So senken sie ihre Kosten. Sie können dieses neue Know-how jedoch auch ihren Kunden als Service anbieten und damit Service-Level-Agreements schärfen sowie das Management ihres Ersatzteillagers, die Servicequalität und die Wartungsplanung optimieren. Außerdem können Unternehmen die Daten-analyse nutzen, um die Nachfrage nach einem bestimmten Produkt zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort zu prognostizieren. All dies wird die Industrie immer stärker forcieren. Dank der steigenden Verbreitung des Cloud Computing ist die Unternehmensgröße bei der Nutzung des IoT nicht mehr von Bedeutung. Die Struktur unseres IoT-Kundenstamms reicht beispielsweise von Großkonzernen über Industriekonsortien bis hin zu Mittelständlern.

SCOPE: Welche Probleme ergeben sich beim Einrichten einer IoT-Infrastruktur und wie ermöglicht die Software AG den Unternehmen einen leichten Einstieg?

Rieche: Der Handlungsbedarf ist inzwischen in den Köpfen der Entscheider angekommen – nur der Weg ist oft noch unklar. Auf viele wirkt der IoT-Markt mit derzeit rund 300 Plattformen unüberschaubar. Mit unserer Plattform Cumulocity IoT ermöglichen wir Unternehmen einen agilen Weg in das Internet der Dinge. Der Fokus liegt dabei auf einer schnellen und unkomplizierten Anbindung der unterschiedlichen Geräte und Protokolle an die IoT-Umgebung sowie an die Unternehmenssysteme wie ERP, MES und CRM. Außerdem liefern wir vorkonfigurierte Lösungen für typische Anwendungsfälle wie Track & Trace oder Condition Monitoring, um unseren Kunden einen „Schnellstart“ zu ermöglichen. Dazu kommt ein umfassendes, IoT-spezifisches Partnernetzwerk, das Aspekte wie Sensorik, Konnektivität, Datensicherheit sowie Edge Computing umfassend und zuverlässig abdeckt. Im Rahmen unserer Prime-Methodologie (Platform Rapid Innovation Methology) erhalten unsere Kunden Empfehlungen und proaktive Unterstützung bei der Implementierung ihrer neuen Plattform. Um IoT-Initiativen erfolgreich umzusetzen, empfehlen wir Unternehmen grundsätzlich die folgende Vorgehensweise:

Erstens: Werden Sie kreativ und entdecken Sie neue Perspektiven für Ihr eigenes Geschäft, wenn es darum geht, innovative Ideen zu entwickeln und verborgene Potenziale zu erschließen.

Zweitens: Fangen Sie klein an. Bei einer IoT-Lösung geht es im ersten Schritt nur darum, die zwingend erforderlichen Funktionen und Anwendungsfälle abzudecken. Mit einem überschaubaren Echtbetrieb schaffen Sie eine solide Basis, um ihre Lösung zu testen und schrittweise zu verbessern oder zu erweitern.

Drittens: Der Roll-out sollte zügig erfolgen, sodass das IoT-Projektteam früh Feedback von Mitarbeitern und Kunden erhält, anhand dessen es nachjustieren und die Lösung optimieren kann. „Schritt für Schritt“ heißt die Devise für ein erfolgreiches IoT-Projekt.

SCOPE: Wie schwierig ist es, die notwendige Verbindung von IT und OT herzustellen?

Rieche: Diese Herausforderung hat zwei Komponenten – eine technische und eine organisatorische. Was die Organisation angeht, gehören Operational Technology (OT) und IT unterschiedlichen „Verantwortungssilos“ an, in denen es wenig Wissen über den jeweils anderen gibt. Unternehmen müssen aktiv den Austausch und Wissenstransfer fördern, um die Fertigungswelt mit der kaufmännischen IT-Welt zu verbinden. Auch im Bezug auf die Netzwerktopologie setzt sich diese Trennung bei vielen Unternehmen fort. Technisch gesehen wird die Anbindung der OT an die IT-Systeme jedoch zunehmend einfacher, da Firmen sich stark um den Aufbau von „Plug & Play“-Konnektivität zu den „Dingen“ bemühen. Neue Protokolle und übergreifende Standards wie OPC/UA, LWM2M oder Modbus fördern diesen Trend zusätzlich. Am einfachsten gelingt die Verbindung beider Welten mittels IoT-Plattformen als Dreh-und Angelpunkt, um operationale Technologie mit der IT zu verknüpfen und IoT-Erkenntnisse mit den Geschäftsprozessen des Unternehmens zu kombinieren.

SCOPE: In diesem Zusammenhang ist Security ein zunehmend wichtiges Thema. Wie lässt sich die Sicherheit der IoT-Plattformen gewährleisten?

Rieche: So wie Unternehmen Verfahren etabliert haben, um vernetzte Arbeitsplätze (PCs, Laptops) zu schützen, wird dies auch für „Dinge“ passieren, die mit dem Internet verbundenen sind. Wichtig ist, die Security von Anfang an als integrativen Bestandteil von IoT-Umgebungen einzuplanen. Kein Unternehmen kann sich einen Ausfall des Produktivbetriebs leisten oder gar, mit Datenmissbrauch oder -diebstahl in Verbindung gebracht zu werden.

SCOPE: Wie wird IoT die Fertigungsbranche verändern, was haben wir für die Zukunft zu erwarten und welche Wege plant die Software AG?

Rieche: In wenigen Jahren wird das IoT für alle Fertigungsunternehmen zum Standardwerkzeug gehören. Zunächst werden sie damit ihre eigene Fertigung optimieren: Plattformen für Maschinenlernen werden zur Basis, um Entscheidungsprozesse auf Echtzeit-Daten automatisiert abzuwickeln. Es wird keine guten oder schlechten Entscheidungen mehr geben, wenn diese evidenzbasiert getroffen werden. Daneben werden Unternehmen vermehrt einen digitalen Zwilling ihrer Anlage nutzen, der mit Objekten der realen Welt und ihren Sensoren verknüpft ist. Er kann Prozesse in der Produktion reproduzieren, analysieren und prognostizieren – und zwar in Echtzeit und sehr präzise. Abseits des eigenen Betriebs werden Unternehmen ihr neugewonnenes IoT-Know-how vermehrt in intelligente Produkte investieren und datengetriebene Services entwickeln, mit denen sie sich vom Wettbewerb abheben und neue Umsätze erschließen.

Technisch gesehen wird Edge Computing, also die Vorverarbeitung von Daten möglichst nah an der Datenquelle, eine zunehmende Rolle spielen. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass neue Logik nicht nur auf der zentralen IoT-Umgebung ausgeführt, sondern auch auf die dezentralen Edge-Devices verteilt werden kann. Gleiches gilt für die Fähigkeit, die intelligenten Geräte mit Software-Updates zu versorgen. Auch die Themen Blockchain und IoT werden immer weiter miteinander verschmelzen, zum Beispiel im Rahmen von Smart Contracts zwischen vernetzten Maschinen.

Die größten Fortschritte werden wir jedoch bei künstlicher Intelligenz (KI) sehen. IoT-Plattformen werden nur überleben, wenn sie Advanced Analytics, künstliche Intelligenz und Maschinenlernen integrieren und nutzen. Plattformanbieter werden neben Device-Connectivity und Datenerfassung auch Analysefunktionen anbieten, die sie mithilfe von KI und Maschinenlernen umsetzen. Unser Cumulocity IoT-Lösungsportfolio ist auf diese Trends zugeschnitten und wächst problemlos mit, sodass Unternehmen auch komplexen Anforderungen gerecht werden können. 

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