Digitaldienstleistungen

Andreas Mühlbauer,

„Die Menschen dürfen wir nicht vergessen“

Die Großkundensparte der Deutschen Telekom, T-Systems, soll auf einen neuen Wachstumskurs gebracht werden. Die neue Sparte Digital Solutions bündelt die Kompetenzen der bestehenden Bereiche Management- und Technologieberatung Detecon, des Digitaldienstleisters T-Systems Multimedia Solutions sowie die digital ausgerichteten Bereiche der T-Systems Global Systems Integration. Andreas Mühlbauer sprach mit Ralf Pechmann, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions, über die Neuausrichtung.

Ralf Pechmann, Geschäftsführer von T-Systems Multimedia Solutions, sprach mit SCOPE über die neue Sparte Digital Solutions. © T-Systems

SCOPE: Herr Pechmann, wann startet der neue Digitalbereich und wie profitiert dieser von der Zusammenlegung der bisherigen getrennten einzelnen Bereiche?

Ralf Pechmann: Im Digitalisierungsmarkt finden wir heute ein sehr heterogenes Wettbewerbsumfeld vor. Unternehmen mit unterschiedlichsten Geschäftsschwerpunkten wie Beratung, Kreation, Hard- oder Software erweitern gezielt ihre Kompetenzen – verstärkt auch durch Zukäufe, wodurch der Wettbewerbsdruck weiter zunimmt.

Ein Digitaldienstleister der Zukunft muss Digitalisierung dabei in all ihren Facetten ganzheitlich verstehen und in der Lage sein, mit seinen Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren und ihm im gesamten Prozess der Digitalisierung zur Seite stehen. Ergänzend kommt die Fähigkeit hinzu, mit und für den Kunden Erkenntnisse aus dem operativen Geschäft in neue Strategien und Geschäftsentscheidungen vorzudenken und zu überführen. Aus dem IT- wird so ein Digitaldienstleister.

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Mit der Kopplung unserer drei Bereiche und den dahinter liegenden Kompetenzen und Fähigkeiten stellen wir uns in diesem sich wandelnden Marktumfeld neu auf und prägen maßgeblich die zukünftigen Anforderungen an einen Dienstleister im Umfeld der Digitalisierung. Die gemeinsame Einheit hat der T-Systems-CEO Adel Al-Saleh zur Hannover Messe vorgestellt. Nun gilt es, die Absicht in die Realität zu überführen. Das wollen wir 2019 erreicht haben.

SCOPE: Was hat der Kunde davon und wie wird die Neuausrichtung die Digitalisierung Ihrer Kunden beeinflussen?

Pechmann: Digitalisierung ist kein reines Tech-Thema. Es geht auch um die Geschwindigkeit des Wandels, um Agilität und ein aktives Change Management, um Mitarbeiter und die Management-Ebene abzuholen. Mit der neuen Digitaleinheit sind wir für unsere Kunden der zentrale Ansprechpartner für Projekte rund um Cloud, IoT, KI, Security oder Infrastruktur, aber auch für die einhergehende Beratung und Integration der digitalen Transformation in die Unternehmenskultur. Wir sehen die Neuausrichtung daher als klares Signal an unsere Kunden, ihre Digitalisierung noch umfassender und zielgerichteter voranzutreiben.

SCOPE: T-Systems hat eine Studie zum Stand der Digitalisierung in Unternehmen durchgeführt. Dazu wurden 100 Industrieentscheider aus dem Produktionsumfeld befragt. Es zeigte sich, dass knapp ein Drittel der Unternehmen mit der Digitalisierung neue Geschäftsfelder erschließen wollen. Das wird so immer wieder formuliert, doch was bedeutet das im Produktionsumfeld?

Pechmann: Vor allem geht es darum, auch in konjunkturell guten Zeiten das aktuelle Geschäftsmodell stetig zu hinterfragen und sich zu überlegen, was noch verbessert werden kann. Die Fertigungsqualität der Anlagen ist jedoch oftmals bereits auf höchstem Niveau.

„Business as unusual“ lässt sich deshalb am ehesten noch in anderen Bereichen der Wertschöpfungskette erzielen. Das kann zum Beispiel das Teilen – das Sharing – von Maschinen auf Basis von Blockchain und Smart Contracts sein. Über eine Art agiles, automatisiertes Leasing können freie Maschinen in Produktionsstätten so automatisch zugewiesen und für externe Aufträge outgesourct werden.

Ein anderer Bereich ist die Individualisierung der Produktion – die Losgröße 1. Wie beim Sharing braucht es auch hier eine Datentransparenz in Echtzeit. Diese benötigt eine durchgängige Integration und mehr Interaktion zwischen allen Beteiligten. Die stetige Verfügbarkeit aller gewünschten Teile, ohne überhöhte Bestände in Kauf nehmen zu müssen, muss gewährleistet sein. Aber auch im Servicebereich können Industrieunternehmen mit digitalen Diensten ihrer nationalen wie internationalen Konkurrenz sicher noch einen Schritt voraus sein, etwa im Bereich KI-gestützte Wartung, Ersatzteilmanagement oder Bereitstellung von Informationen.

SCOPE: Auch wenn 100 Befragte eine verhältnismäßig kleine Ausgangsmenge ist, fällt auf, dass nur verhältnismäßig wenige über die Probleme klagen, die häufig als wichtigste Gründe für eine Digitalisierung angeführt werden: lange Wartungszeiten, hoher Ausschuss, schlechte Nachverfolgbarkeit, lange Time-to-Market oder gar mangelndes Wissen über die jeweiligen Maschinenzustände. Vielmehr sorgen sich die meisten um qualifiziertes Personal. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass gar kein großer Bedarf an Verbesserung besteht. Heißt das, die Digitalisierung wird in der Breite überschätzt?

Pechmann: Die Umfrage zeigt in Summe deutlich die diversen geschäftlichen Herausforderungen, wie Time-to-Market, individuelle Produktion, Daten-Intransparenz oder Ausfallzeiten, für die wir eine Lösung in der Digitalisierung sehen. Es ist also durchaus ein Thema der Breite.

Dennoch ist und bleibt das Personalthema ebenfalls ein essenzieller Faktor. Und auch dieser ist untrennbar mit der Digitalisierung verknüpft. Wir sprechen und lesen viel über KI, IoT, Blockchain, Smart-Hier und Smart-Da. Dabei dürfen wir den Menschen nicht vergessen. Für eine erfolgreiche Digitalisierung braucht es die richtigen Mitarbeiter. Solche, die die neuen Prozesse und Dienste auch handhaben und bedienen können. Aber vor allem solche, die den Wandel mittragen. Mit der Digitalisierung ist untrennbar auch ein Change-Management-Prozess verknüpft. Es geht also darum, aktuelles Personal aus- und weiterzubilden, damit dieses hinter den Veränderungen steht. Außerdem lässt sich mit einer modernen, digitalen Aufstellung auch gutes, neues Personal ansprechen und akquirieren.

SCOPE: Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, ihre Daten zur Produktionsauslastung manuell zu erfassen. Würden Sie jedem Kunden raten, diese Vorgänge zu digitalisieren und wie können Sie diesen Kunden bei Bedarf helfen?

Pechmann: Absolut! Wer auf den Bedarf am Markt nach individueller Produktion, globaler Vernetzung oder auch Nachverfolgbarkeit von Teilen und Endprodukten reagieren möchte, der kommt nicht daran vorbei, diese Vorgänge zu digitalisieren. Das kann über Big-Data- oder BI-Lösungen geschehen, genauso wie über IoT-Gateways und Machine-to-Machine-Kommunikation. Und am besten überwacht eine künstliche Intelligenz die Datenströme dabei noch durchgehend, um mögliche Anomalien rechtzeitig zu erkennen. Es gibt hier kein Patentrezept, sondern die entsprechende Lösung muss auf den Einzelfall, die gegebenen Strukturen, das Partnernetzwerk und den Einsatzweck abgestimmt werden. In jedem Fall gilt: Manuelle Datenerfassung ist Sand im Getriebe der industriellen Digitalisierung.

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