Interview Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer Reis

"Standardlösungen greifen oft zu kurz"

Von 2006 auf 2007 stieg der Gesamtumsatz der deutschen Roboter-Hersteller um 22 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro - und für 2008 rechnet der VDMA mit einem weiteren Wachstum von 12 Prozent. Wie sehen die Hersteller die weitere technologische und umsatzseitige Entwicklung? Auf die Fragen von Chefredakteur Hajo Stotz antwortet Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer Reis.
Dr. Michael Wenzel, Geschäftsführer Reis: "Gefragt sind zunehmend flexible Konzepte, welche den Flexibilisierungsanforderungen des Maschinenbaus entsprechen."

SCOPE: Wie bewerten Sie die Roboter-Nachfrage in 2007 für Ihr Unternehmen?

Wenzel: Im vergangenen Jahr konnte Reis Robotics ein Umsatzwachstum von circa 30 Prozent erzielen und lag damit noch oberhalb des ohnehin außergewöhnlichen Wachstums der Roboterbranche. Dieses Wachstum basiert natürlich auf einer entsprechend höheren Roboter-Nachfrage, wenngleich festzustellen ist, dass der Anteil des Systemumsatzes überproportional steigt.

SCOPE: Verspüren Sie einen Trend der produzierenden Industrie, wieder verstärkt in Deutschland zu investieren, um mit einer hoch automatisierten Fertigung und Robotern am Standort Deutschland profitabel zu arbeiten?

Wenzel: Dieser Trend ist sicher vorhanden, stellt jedoch keinesfalls eine Vernachlässigung von Auslandsinvestitionen dar. Es gilt eher das Prinzip ¿sowohl ¿ als auch¿. Fakt ist aber, dass eine Produktionsstätte in Deutschland nur noch hoch automatisiert betrieben werden kann und sich hier entsprechende Chancen für die Roboterbranche ergeben.

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SCOPE: Einer der wichtigsten Absatzmärkte für Roboter bildet die Automobilindustrie. Doch die Nachfrage in anderen Industrien wächst. Welchen Stellenwert nimmt bei Ihnen der Maschinen- und Anlagenbau ein?

Wenzel: Der Maschinen und Anlagenbau weist ja inzwischen eine seiner längsten Wachstumsphasen auf und besticht hierbei durch robustes Wachstum. Auf Grund der guten Entwicklung betreffen die Investitionsvorhaben dieser Branche inzwischen nicht nur Ersatz- sondern zunehmend auch Erweiterungsbeschaffungen, so dass sich hier zusätzliche Chancen ergeben.

SCOPE: Wo sehen Sie die besonderen Anforderungen dieser Branche?

Wenzel: Gefragt sind zunehmend flexible Konzepte, welche den Flexibilisierungsanforderungen des Maschinenbaus entsprechen. Als Beispiele sind die Fertigung in Losgrösse 1 oder die direkte Mensch-Maschine Interaktion zu nennen. Die zahlreichen, erfolgreich realisierten Beispiele hierfür zeigen, dass sich die Roboterbranche auf diese Anforderungen hervorragend eingestellt hat.

SCOPE: Ist die Automatisierung durch Roboter auch eine Lösung für kleinere Unternehmen und Lohnfertiger?

Wenzel: Dies kann man nur uneingeschränkt bestätigen. Gerade kleinere Unternehmen, die in erster Linie in Deutschland für den Inlandmarkt fertigen, befinden sich in einer zunehmend schwierigen Situation zwischen Preisdruck vom Markt und Kostendruck bei der eigenen Fertigung. Sie haben neben der Automatisierung nur wenige Möglichkeiten, sich hieraus zu befreien, die stark steigenden Investitionssummen in diesem Bereich zeigen aber auch, dass dies voll erkannt wurde.

SCOPE: Zunehmend kommen Roboter auch direkt an Werkzeugmaschinen als Handling-Lösung zum Einsatz. Welchen Stellenwert hat diese Automatisierungslösung für Sie als Roboterherstellers? Haben hier nicht die Anbieter von Standardlösungen, also fertigen Zellen, die besseren Karten?

Wenzel: Als Anbieter von schlüsselfertigen, kundenspezifischen Lösungen setzen wir weniger auf das Standardpaket, sondern auf unsere Stärken, auf Kundenwünsche einzugehen. Insbesondere, wenn neben dem Be- und Entladen weitere Operationen direkt an der WZM automatisiert werden sollen, greifen Standardlösungen oft zu kurz. Durch Standards in den Schnittstellen stellt dabei die Anbindung an beliebige Werkzeugmaschinen keinerlei Problem dar.

SCOPE: Welche Bedeutung hat die Automatica in diesem Jahr für die Branche?

Wenzel: Die Automatica stellt für die gesamte Branche und natürlich auch für Reis Robotics die Leitmesse der Robotertechnik dar. Nur hier haben wir die Möglichkeit, neben der reinen Robotertechnik das volle Spektrum der Applikationslösungen zu präsentieren. Auch in diesem Jahr wird auf keiner anderen Messe weltweit das Spektrum der Roboteranbieter so vollzählig vertreten sein.

SCOPE: Welche Neuheiten werden Sie auf der Automatica präsentieren?

Wenzel: Neben diversen Applikationsneuheiten aus den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen ist ein Highlight die Vorstellung einer komplett neuen Baureihe im mittleren Traglastbereich zwischen 40 kg und 130 kg. Diese Maschinen zeichnen sich durch verbesserte Leistungsdaten, eine höhere Steifigkeit und flexible Einsatzmöglichkeit in nahezu allen Applikationen aus. (Anm: Hierzu stellen wir Ihnen gerne gesondert detaillierte Informationen zur Verfügung ¿ bitte bei Bedarf einfach anfordern)

SCOPE: Welche weiteren Entwicklungen sind im Roboterbereich mittelfristig zu erwarten?

Wenzel: Ebenfalls auf der Automatica wird es hierzu eine Menge zu sehen geben. So sei nur auf das Thema SME-Robot (SME: small and medium enterprises ¿ d.h. Roboter für kleine und mittlere Unternehmen) verwiesen. Es würde allerdings den Rahmen dieser Umfrage sprengen, die zahlreichen neuen Konzepte zu beschreiben, an welchen zu diesem Thema entwickelt wird. Daher bleibt nur der Aufruf: Am besten zur Automatica kommen und selbst sehen.

SCOPE: Was erwarten Sie umsatzseitig für 2008 ¿ in Deutschland und weltweit?

Wenzel: Auch das Jahr 2008 wird nochmals Steigerungen im Umsatz mit sich bringen. Diese werden wahrscheinlich nicht so hoch ausfallen wie in 2007, aber sicher über dem gesamtwirtschaftlichen Zuwachs liegen. Von daher blickt die Roboterbranche optimistisch ins Jahr 2008.

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