Barwertmethode, Montageautomation

Schwäbische Gleichung

Ein Berechnungsprogramm, das bereits in der Planungsphase einer Anlage detaillierte Informationen über ihre zukünftigen Lebenszyklus-Kosten liefert, entwickelte das Beratungsunter- nehmen Xpertgate. Die Pfuderer GmbH wendet die so genannte „Barwertmethode“ auf ihre Anlagen an. So werden alle Einfluss- größen der Anlagenproduktion auf eine Formel gebracht und in einer einzigen Bewertungszahl zusammengefasst, um ein Anlagenkonzept mit optimaler Produktivität zu planen.

Mehr Möglichkeiten, mehr Wirtschaftlichkeit: Durch die kreisförmige Anordnung benötigt ein Pfuderer Ringtransfersystem wenig Platz, spart also Produktionsfläche, selbst wenn bis zu 40 Stationen vorgesehen sind.

Eine Montageanlage zu einem angemessenen Preis verkaufen, macht Markus Pfuderer, Geschäftführer der Pfuderer GmbH, einem Unternehmen für automatische Montage- und Prozesssysteme, naturgemäß ganz besondere Freude. Doch neben seiner Profession ist er auch Schwabe und findet daher, dass viel zu viele Einkäufer Geld verschenken. „Verkauft wird eine Maschine in der Regel über dem Preis. Je weniger man bezahlt, damit die gewünschte Anlage in der eigenen Betriebshalle steht, umso besser.“ Gut und günstig Einkaufen ist selbstverständlich ein nachvollziehbares Ansinnen. Doch Investitionskosten allein sind seiner Meinung nach bei weitem nicht aussagekräftig genug, um die Rentabilität einer Maschine einschätzen zu können. Erst wenn die langfristigen Lebenszykluskosten in die Planung einbezogen werden, ist eine Aussage über die Rentabilität einer automatisierten Anlage möglich. Dazu gehören die Anlagenleistung wie Taktrate und Verfügbarkeit und die laufenden Kosten für den Betrieb einer Anlage wie Energie-, Instandhaltungs- und Medienkosten plus Personalkosten. Sie bestimmen den tatsächlichen Preis und Nutzen eines Anlagenkonzepts. Außerdem seien es genau diese Kriterien, die im Betriebsalltag Rentabilitätspotenzial bieten. „Durch die Auswahl eines für das Erzeugnis optimalen Anlagenkonzepts lassen sich Produktivitätsvorteile im zweistelligen Prozentbereich erzielen“, lautet Markus Pfuderers Fazit.

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Weil er fand, dass es noch zu viele Unternehmen gibt, in denen nur auf die Summe geschaut wird, die man aufwenden muss, damit die Anlage in der Produktionshalle steht, und zu wenige, in denen auch die langfristigen, fortlaufenden Kosten einbezogen werden, machte er sich gemeinsam mit Dr. Gerhard Drunk, Geschäftsführer Xpertgate GmbH & Co. KG, an die Beweisführung. Das Beratungsunternehmen hat mit dem Berechnungsprogramm für die Lebenszyklus-Montagekosten nach der „Barwertmethode“ ein Instrument entwickelt, das bereits bei der Planung einer automatisierten Produktionsanlage die langfristigen Kosten berücksichtigt und auf einen Nenner bringt. Und zwar gegenwärtige Einflussgrößen ebenso wie zukünftige, einmalige ebenso wie fortlaufende. Gerhard Drunk: „Mit der Barwertmethode kann ein Anlagenkonzept mit optimaler Produktivität entwickelt werden.“

Gemeinsame Nenner finden

„Wir beginnen mit den Größen, die das Planungsvorhaben bestimmen. Ganz entscheidend und damit ein Kriterium mit hoher Priorität ist das Produktionsvolumen. Welche Stückzahlen sollen in wie vielen Jahren produziert werden? Wie ist die Nutzungsdauer in Jahren ausgelegt? Wie verhält sich die jährliche Laufzeit in Stunden, bezogen auf die Schichten und Arbeitstage?“, berichtet Automationsexperte Drunk. Es folgen Größen aus der Wertschöpfung, wie Stückpreise und Materialkosten. Kalkulationsgrundlagen wie kalkulatorische Zinsen auf Eigen- und Fremdkapital gehören ebenfalls in diesen ersten Schritt. „Danach beziehen wir Anlagenleistung, also Taktrate, technische Verfügbarkeit, Ausschussquote und so weiter mit ein“, ergänzt er. Mit Werten zu den Anlagenkosten wie Beschaffung, benötigter Energie und Instandhaltung und zu den Personalkosten wird die Berechnungsgrundlage komplettiert.

Berücksichtigt man all diese Kosten in einem einzigen Berechnungsprogramm, können die Lebenszyklus-Montagekosten anhand einer vorgegebenen Produktionsverteilung exemplarisch berechnet werden. Damit ermöglicht die Barwertmethode eine Verrechnung einmaliger Investitionskosten mit späteren laufenden Kosten und Erlösen zu einer einheitlichen Größe. Nahezu alle Daten sind variabel einsetzbar. Stückkosten können prinzipiell auf das einzelne Produktlos heruntergebrochen werden. Alle Anlagenparameter können verändert werden.

Um die Probe auf das sprichwörtliche Exempel zu machen, startete das Duo Pfuderer/Drunk einen vergleichenden Praxistest. Sie testeten die Barwertmethode, um für die Montage einer Beschlag-Baugruppe im Bereich von 20 bis 30 Takten pro Minute die rentabelste Anlagenlösung zu finden. „In diesem Fall ging es ganz besonders um die Frage, welche Antriebsform für die Maschine gewählt werden sollte: pneumatisch oder mechanisch“, so Drunk. In einer detaillierten Vergleichsrechnung wurden an der Beschlagsmontagemaschine für beide Antriebsmöglichkeiten die Investitionskosten und die Betriebskosten für einen Zeitraum von acht Jahren im Detail ausgerechnet. „Wir haben eingehend auf die Vergleichbarkeit durch die Übereinstimmung von Aufgabenstellung und Anlagenqualität geachtet“, sagt Gerhard Drunk.

Angewandt auf das Praxisbeispiel führten die Berechnungen zu einem eindeutigen Ergebnis: Es stellte sich heraus, dass ein Anlagenkonzept mit mechanischem Antriebssystem für diesen Fall die langfristig profitabelste Lösung darstellte. Cindy Lenz-Geiß

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