Jahresrückblick

Andreas Mühlbauer,

Das Jahr 2018 in der Industrie

Das Jahr 2018 war geprägt von technischen Weiterentwicklungen rund um die Digitalisierung. Die deutsche Wirtschaft florierte, und viele Unternehmen, aber auch Messen, verzeichneten Rekordzahlen. Industrieroboter erobern zusehends die Produktionshallen, und die additive Fertigung entwickelt sich weiterhin rasant und hat mittlerweile auch die Reife zur Massenproduktion erreicht.

Industrieroboter erobern zusehends die Produktionshallen. © Shutterstock / Zapp2Photo

Erst kurz vor Ende des Jahres überraschte die Deutsche Messe AG mit der Ankündigung, dass die altehrwürdige Cebit in diesem Jahr ihren letzten Auftritt in Hannover hatte und ab 2019 nicht mehr stattfinden wird. Eine Überraschung, die eigentlich keine sein konnte. In ihren Hochzeiten hatte die Messe bis zu stolze 830.000 Besucher – das war im Jahr 2001 – empfangen. Zuletzt waren es gerade noch 120.000 gewesen. Von daher scheint die Entscheidung nur konsequent, sich von der einstmals bedeutendsten Computermesse Europas zu verabschieden – zumal viele Themenbereiche längst von der Hannover Messe aufgegriffen worden sind.

Die Einstellung der Cebit war nur einer der Meilensteine des ablaufenden Jahres. Ansonsten hatten die vergangenen 12 Monate sehr viel Positives zu vermelden. Die bereits angesprochene Hannover Messe zeigte bereits im Frühjahr, wo es technisch und wirtschaftlich in diesem Jahr hingehen sollte. 210.000 Fachbesucher und mehr als 5.000 Aussteller bildeten den Rahmen der bestimmenden Themen: Industrie 4.0 in Form von digitaler Transformation, Robotik, maschinellem Lernen und der Mensch-Maschine-Kollaboration, aber auch additive Fertigung und anderes. Vieles ist im Fluss dieser Tage, und die Hannover Messe hat bereits deutlich gezeigt, wo die Umwälzungen 2018 liegen würden.

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Die Roboter auf dem Vormarsch – und als Kollaborateure

Robotik in all ihren Ausprägungen war wie erwähnt schon ein Thema in Hannover. Den Hauptschwerpunkt bildete sie schließlich auf der Automatica im Juni in München. Nicht nur die Besucherzahlen der Messe waren ein neuer Rekord. Auch die Robotik selbst kennt nur den Weg nach oben. So wies der World Robotics Report vom Oktober eine Verdoppelung des weltweiten Industrieroboter-Absatzes in den vergangenen fünf Jahren aus. 2017 wurden 381.000 Roboter ausgeliefert; das waren 30 Prozent mehr als im Jahr davor. Und auch für die kommenden Jahre sagen die Fachleute eine stetige jährliche Zunahme der Absatzzahlen voraus.

Die Auslieferungen an Industrierobotern erreichten 2017 weltweit Rekordzahlen. Für 2018 und die folgenden Jahre erwarten Fachleute einen jährlichen Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich. © Kuka

Neben den klassischen Industrierobotern prägten die auf die Zusammenarbeit mit Menschen spezialisierten Roboter das Bild auf den Messen: die Cobots. Langsam, aber ebenso mit enormen Wachtumsraten finden die kollaborativen Roboter-Kollegen ihren Weg in die Fabriken.

Dreidimensionale Produktion

Hand in Hand mit der Digitalisierung entwickelt sich rasant ein noch junger Zweig der Produktionstechnik: die additive Fertigung. Nicht nur am deutlichen Besucherzuwachs der Frankfurter Formnext war dieser Trend abzulesen. Vielmehr hält der 3D-Druck in immer mehr Fertigungen Einzug – nicht nur für kleine Stückzahlen. Schnellere Drucker, die mehrere Farben und Materialien verarbeiten, haben die additiven Verfahren reif für die Produktion gemacht. Kaum eine Technik hat sich in so kurzer Zeit aus dem Experimentalstadium über das Nischendasein zur mächigen Alternative oder Ergänzung für konventionelle Verfahren gemausert.

2018 in der Industrie. © Shutterstock / Es sarawuth

Zu den wichtigsten Messen für die Industrie zählt seit jeher die SPS IPC Drives in Nürnberg – im kommenden Jahr dann schlicht „SPS“ (Smart Production Solutions). Auf einer nochmals vergrößerten Ausstellungsfläche zeigten dort im November mehr als 1.600 Aussteller die neusten Trends und Entwicklungen rund um die Automatisierung und Digitalisierung. Dazu zählen unter anderem Echtzeit-Netzwerke und Netzwerk-Standardisierungen, welche im Rahmen der Industrie 4.0 für Entwicklungen in den Bereichen Edge Computing, der Anbindung „intelligenter“ Sensoren oder auch des Machine Learning an Bedeutung gewinnen. Im gleichen Maße treten auch Security-Aspekte in den Vordergrund und vor allem ins Bewusstsein der Anwender. Bei jeder Veranstaltung wird hier deutlich, wie sehr die Innovation des einen Jahres zwölf Monate später bereits Einzug in unzählige Produkte gefunden hat.

Was sonst noch geschah

Heutzutage kommt der Maschinenbau ohne Elektronik nicht mehr aus. Das war freilich nicht immer so. Erst im Zuge der Automatisierung und ganz besonders der Industrie 4.0 haben sich die beiden Branchen einander weiter angenähert. Dabei wurde der „Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie“ bereits im Jahr 1918 gegründet. Am 5. März dieses Jahres durfte der ZVEI nun also bereits sein 100-jähriges Jubiläum feiern.

Heutzutage kommt der Maschinenbau ohne Elektronik nicht mehr aus. © Shutterstock / asharkyu

Ein Unternehmen, das schon lange die Symbiose aus Maschinenbau und Elektrotechnik sowie Elektronik lebt, ist der Produktionstechnik-Hersteller Trumpf. Dessen einstmaliger Lehrling und später langjähriger Eigentümer Prof. Dr. techn. Dr.-Ing. E.h. Berthold Leibinger ist am 16. Oktober im Alter von 87 Jahren verstorben. Von 1989 bis 1992 war er Präsident des VDMA. Leibinger prägte in dieser Position die deutsche Industrie durch seine Bemühungen, die Lage der Betriebe in den neuen Ländern nach der Wiedervereinigung realistisch einzuschätzen und ihnen nach Möglichkeit den Weg zu einer wettbewerbsfähigen Struktur zu ebnen.

Veränderungen gab es auch anderweitig. Ende November überraschte der Augsburger Roboter-Hersteller Kuka damit, dass Till Reuter im Dezember den Posten des Vorstandsvorsitzenden abgeben würde. Offizielle Verlautbarungen über die Gründe und Hintergründe für diesen Schritt gab es allerdings nicht. Tatsächlich jedoch dürfte der chinesische Hauptaktionär Midea nun mehr Einfluss auf das Tagesgeschäft des Traditionsunternehmens erhalten.

Und wie geht es 2019 weiter?

Auch wenn die Wirtschaftsprognosen für das kommende Jahr nicht ganz so rosig aussehen wie für 2018, blicken viele Unternehmen dennoch zuversichtlich in die Zukunft. So konnten die Maschinenbauer in Deutschland laut VDMA noch im Oktober ihren Auftragseingang um real 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Insbesondere in den Wachstumsmärkten Robotik und additive Fertigung besteht allemal Grund zum Optimismus.

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