Biodynamisches Licht

Andrea Gillhuber,

Ins richtige Licht gerückt

Ergonomie am Arbeitsplatz geht weit über die Wahl des richtigen Stuhls hinaus, insbesondere in der Industrie. Zwar ist die richtige Körperhaltung am Arbeitsplatz von großer gesundheitlicher Bedeutung, doch wird in der Diskussion rund um den ergonomischen Arbeitsplatz ein wesentlicher Punkt häufig vergessen: das richtige Licht! Von Florian Schutzbach

Rund 1.000 wartungsfreie Acaneo-Leuchten von Waldmann sorgen in der Fertigung der ZF Friedrichshafen AG für optimale Lichtverhältnisse. Zudem spart die Ausleuchtung in diesem Beispiel 75 Prozent der Stromkosten ein. © Waldmann

Geht es um den ergonomischen Industriearbeitsplatz, ruht der Fokus häufig auf Stuhl, Schreibtisch oder Arbeitsplatzsystem. Wer bei konkreten Verbesserungen nur auf diese Bereiche abzielt, übersieht einen wesentlichen Punkt: Denn Licht nimmt eine Schlüsselrolle ein, wenn es um Wohlbefinden und Gesundheit der Mitarbeiter auch und gerade in der Industrie geht. Höchste Zeit also, das Thema ergonomische Beleuchtung  – im Wortsinn  – ins richtige Licht zu rücken. Denn die Beleuchtung spielt für eine gesunderhaltende Ausstattung eine wichtige Rolle. Licht erleichtert nicht nur Sehaufgaben, es schafft auch optimale Bedingungen für Kommunikation und Konzentration. Zudem vermindert eine hohe Lichtqualität Belastungen bei der Arbeit, beugt Unfällen vor und verbessert gleichzeitig die Leistungsfähigkeit sowie das Wohlbefinden der Mitarbeiter.

Ergonomisches Licht verringert gesundheitliche Probleme und senkt Sehbeschwerden. Schlechte Lichtbedingungen führen dagegen zu Ermüdung oder Kopfschmerzen. Zudem wird oft zum Ausgleich ungünstiger Sehbedingungen eine Fehlhaltung eingenommen, die Beschwerden im Nacken-, Rücken- oder Schulterbereich hervorruft. Deshalb sollten die Lichtverhältnisse an die Sehaufgaben angepasst sein. Die grundsätzlichen Anforderungen an die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen sind in der Norm DIN EN 12464-1 aufgeführt. Diese Anforderungen sollen für eine optimale Sehleistung und besten Sehkomfort für Menschen mit normalem Sehvermögen sorgen. Die Norm setzt sich mit den üblichen Sehaufgaben in allen Innenräumen inklusive der Sehaufgaben am Bildschirm auseinander. Sie legt Gütemerkmale, wie etwa die Beleuchtungsstärke und die Begrenzung von Direktblendung und Reflexion, fest. Die ausreichende Beleuchtungsstärke am Arbeitsplatz ist laut DIN EN 12464-1 von dem jeweiligen Bereich der Tätigkeit abhängig und muss nicht überall im Raum gleich sein. Die Vorgabe unterteilt die Arbeitsumgebung beispielsweise in Verkehrszonen und den Arbeitsplatz. Erstere beschreibt den Umgebungsbereich des Mitarbeiters. Hier braucht es in manchen Bereichen lediglich eine Beleuchtungsstärke von 300  Lux. Anders hingegen beim eigentlichen Arbeitsplatz. Hier sind laut Norm höhere Beleuchtungsstärken vorgeschrieben. Bei anspruchsvollen Sehaufgaben ist in Teilbereichen sogar eine Stärke von 1.000  Lux notwendig.

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Dabei gilt es aber auch zu beachten, dass das zentrale und das periphere Sehfeld gleichmäßig ausgeleuchtet werden, sodass zwischen Umgebung und Arbeitsplatz keine zu starken Helligkeitsunterschiede entstehen. Diese können ermüdend wirken und das Wohlbefinden stören. Auch Blendungen gilt es zu reduzieren. Hier wird zwischen Direktblendungen und Reflexblendungen unterschiedenen. Eine Direktblendung wird durch eine ungeeignete oder falsch angebrachte Beleuchtung verursacht. Eine Reflexblendung wird durch Spiegelungen auf glänzenden Oberflächen hervorgerufen.

Wichtig: Die Norm DIN EN 12464-1 beschreibt lediglich Mindestanforderungen. Und sie bezieht sich nur auf die Anforderungen, die ein gesundes Auge an die Beleuchtungsstärke stellt. So gibt es derzeit noch keine Norm, die altersbedingte Beeinträchtigungen etwa bei der Kontrastwahrnehmung berücksichtigt. Deshalb gilt in jedem Fall: Je besser die Beleuchtungsqualität ist, umso höher sind Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Ergonomisches Licht in der Industrie

Die Gestängeleuchte Taneo wurde neben zwei weiteren Leuchten des Herstellers von der AGR für ihre besondere Eignung zur Ausstattung eines ergonomischen Arbeitsplatzes zertifiziert. © Waldmann

Störungsfreies Sehen ist in der Produktion und an Montagearbeitsplätzen somit primäres Ziel. Für eine homogene Hallenausleuchtung mit geringer Blendung sorgen Hallentiefstrahler, wie etwa Acaneo von Waldmann. Diese ermöglichen eine effiziente Ausleuchtung von Produktions- und Logistikhallen mit bis zu 30  Meter Höhe. Der Hallentiefstrahler ist je nach Bedarf stufenlos dimmbar. Zudem bietet seine Tageslicht- und Präsenz-Sensorik sowie die Anbindungsmöglichkeit an Gebäudemanagement-Systemen zusätzlichen Komfort und Energiesparmöglichkeiten.

Für die optimale Ausleuchtung des Arbeitsplatzes empfehlen sich spezielle Leuchten, die auf die besonderen Sehaufgaben abgestimmt sind und Einstellmöglichkeiten durch individuelle Positionierung oder Dimmung bieten. Bei Präzisionsarbeiten unterstützen Lupenleuchten das Sehen im Nahbereich. Dadurch verhindern sie ein unnatürliches Vorbeugen  – eine typische Fehlhaltung, die Mitarbeiter einnehmen, wenn die Beleuchtung für ihre Sehaufgaben nicht ausreicht. Störungsfreies Sehen im Nahabstand von 40 bis 80 cm ermöglicht hingegen eine Gestänge- oder Systemleuchte. Entsprechende Befestigung und eine leichte Handhabbarkeit erlauben dem Nutzer, die Beleuchtung in verschiedenen Richtungen und Entfernungen auf den gewünschten Sehbereich zu lenken. Eine Orientierung, ob Leuchten insbesondere ergonomisch geeignet sind, bietet die Aktion Gesunder Rücken (AGR  e.V.) mit ihrem Prüfsiegel. Hiermit zeichneten die Ergonomie-Spezialisten die Gestänge- und Systemleuchte Taneo und die Lupenleuchte Tevisio von Waldmann aus.

Die Optiken sorgen für ein außergewöhnlich blendarmes und homogenes Licht. © Waldmann

Wenn es um die Gesunderhaltung, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter geht, bietet vor allen Dingen die biologische Wirkung des Lichts wertvolle Unterstützung. Das Wissen um diese Zusammenhänge ist relativ neu. Licht taktet die innere Uhr des Menschen.

Biodynamisches Licht in der Industrie

In der Natur übernimmt diese Aufgabe das Tageslicht. In Gebäuden und Industrieanlagen reicht durch Fenster einfallendes Licht häufig nicht aus, um dessen biologische Wirkung am Arbeitsplatz erlebbar zu machen. Die Lösung dafür: bio-dynamische Beleuchtung  – ein Kunstlicht, das den natürlichen Tageslichtverlauf nachahmt. Doch anders als im Büro, wo es bereits praxistaugliche Lösungen für biodynamisches Licht gibt, hapert es in der Industriebeleuchtung noch daran. Die wesentlichen Hürden bei biodynamischen Beleuchtungslösungen in der Industrie liegen in den spezifischen räumlichen Gegebenheiten und Arbeitszeitmodellen wie Schichtarbeit. Waldmann arbeitet unter wissenschaftlicher Begleitung an diesem Thema: Die erste Phase eines Pilotprojektes, das die Wirkung des biologischen Lichtes in der Industriehalle in der Praxis untersucht, ist vor kurzem gestartet. Ab Mitte nächsten Jahres wird mit ersten Ergebnissen gerechnet. Erst wenn die zentralen offenen Fragen geklärt sind, können anwendungsspezifische Produktlösungen entwickelt werden.

Florian Schutzbach, Produktmanager bei Herbert Waldmann / ag

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