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SägemaschinenSägen über dem Schnitt

Kleine und mittlere Handwerksbetriebe können sehr erfolgreich sein, wenn die Produktionstechnik mit der sprichwörtlichen Innovationskraft Schritt hält. In vielen Fällen werden jedoch längst nicht alle Möglichkeiten zu einer Steigerung der Produktivität genutzt. Das gilt bereits für den ersten Schritt der Wertschöpfungskette: Das Sägen. Auf was sollten also Schlossereien und kleinere Industriebetriebe bei der Auswahl der Sägemaschine achten?

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Sägemaschinen: Sägen  über dem Schnitt

Wenn eine Ersatzinvestition ins Haus steht, dann herrscht oft Zeitdruck. Und trotzdem sollte das mögliche Potential zur Steigerung von Durchlaufzeiten und Flexibilität erörtert werden. Dabei stellt sich die Frage, welches Sägeverfahren am meisten universell ist: Kreissäge oder Bandsäge? Es lohnt sich, auf die charakteristischen Eigenschaften dieser beiden Sägeverfahren etwas näher einzugehen.

Kreissägen haben durch den höheren Vorschub pro Zahn technologisch bedingt eine höhere Zerspanleistung. In vielen Fällen fällt die Wahl auf Vertikalsägen wie die Kasto-Disc-Baureihe, bei denen das Sägeblatt mit einem maximalen Durchmesser von 350 Millimeter von oben kommt. Der Vorschub erfolgt manuell über einen Handhebel oder kraftbetätigt über einen Hydraulikzylinder. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Auswahl einer Maschine mit dem zum Auftragsspektrum passenden Schnittgeschwindigkeitsbereich. Im einfachsten Fall sollte die Maschine über zwei Schnittgeschwindigkeiten, zum Beispiel 18/36 Meter pro Minute für Vollmaterial im größeren Durchmesserbereich bis maximal 100 Millimeter - mit Einschränkungen höher legierte Materialien wie Edelstahl - oder 36/72 Meter pro Minute für Formstähle und NE-Metalle oder optional über einen frequenzgeregelten Antrieb mit einer stufenlos verstellbaren Schnittgeschwindigkeit von 12-60 Meter pro Minute und damit das optimale Anpassen an das zu sägende Material verfügen. Die Ausführung mit automatischem Werkstückvorschub stellt dabei die einfachste Form der Automatisierung dar, bei der man bei kleineren Serien nicht unbedingt an der Maschine stehen muss und Zeit für andere Arbeiten gewinnt. Gehrungsschnitte bis 45° links oder 60° rechts sind auch ein Pluspunkt dieses Maschinenkonzepts. Der häufigste Grund für eine Entscheidung zur Kreissäge in dieser Leistungsklasse ist jedoch der geringe Platzbedarf.

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Bandsägen, wie die Kasto-Functional, haben konzeptbedingt einen größeren Schnittbereich (ab 260 Millimeter). Ausgestattet mit einem 27 Millimeter hohen Sägeband sollten derartige Schwenkrahmenmaschinen über ein solides Schwenklager verfügen, da darin neben der Präzision für Gehrungsschnitte von 45° links bis 60° rechts in Materialvorschubrichtung die Genauigkeit der Maschine bezüglich Abschnittlänge und Rechtwinkligkeit liegt. Diese Bandsägen sind ähnlich ausgestattet wie die Kreissägen, d. h. sie sind mit gestuften oder stufenlosen Schnittgeschwindigkeiten von 20 -110 Meter pro Minute ausgestattet. In der Automatikversion erfolgt der Werkstückvorschub über eine Kugelrollspindel und Elektromotor, so dass auch bei Kleinserienfertigung höchste Präzision erzeugt wird. Der Generalist und im Einsatz unkritisch ist das Bimetal-Sägeband. Bandsägemaschinen punkten in der Mehrzahl der Anwendungen als flexibleres Maschinenkonzept.

Metallverarbeitende Betriebe müssen sich mit einem vielfältigen Auftragsspektrum auseinandersetzen. In aller Regel sind sie so organisiert, dass sie die meist zu einem Auftrag gehörenden Teile noch selbst herstellen. Das zu sägende Teilespektrum umfasst Vollmaterial mit den Querschnitten Rund- und Vierkantmaterial sowie die ganze Profilvielfalt, die in kleineren Industriebetrieben üblich sind. Bei der Auswahl der Säge ist deshalb der Schnittbereich ein Hauptkriterium. Es müssen Fragen nach dem Anteil Vollmaterial und den Profildimensionen ebenso gestellt werden wie nach dem Anteil der Gehrungsschnitte. Schwenkrahmenmaschinen, wie der Kasto-Cut DU 4 werden vorrangig für den Profilbereich eingesetzt. Eine derartige Bandsäge ist aufgrund ihrer universellen Einsatzmöglichkeiten für Aufgaben des leichteren Stahlbaus, der durchaus zu den Aufgaben von Schlossereien gehört, sehr gut geeignet. So können Träger bis zu einer Breite von 400 Millimeter problemlos und präzise unter 90° gesägt werden und bei Gehrungsschnitten von 45° bzw. 60° ergibt sich immer noch ein Arbeitsbereich von 320 bzw. 250 Millimeter.

Metallverarbeiter, die auch das Produktionssägen als Aufgabe haben, wählen anstelle der Schwenkrahmenmaschine die für die Serienschnitte bestens geeignete Zwei-Säulen-Bandsäge. Beispielsweise besitzt die Kasto-Twin A 2 konstruktionsbedingt einen sehr steifen Maschinenrahmen, das Sägeoberteil wird an zwei Säulen geführt und wird dadurch auch mit höheren Schnittkräften problemlos fertig. Damit sind bessere Schnittzeiten erreichbar, die die Kosten pro Schnitt deutlich reduzieren. Aufgrund des kompakten Aufbaus, der beim Sägen den Kraftfluss in die Maschine voll aufnimmt, ist auch für bestimmte Sägeaufgaben der Einsatz von HM-Sägebändern möglich. Die Flexibilität ist allerdings durch fehlende Gehrungsschnitte eingeschränkter, die Produktivität aber besser.

Bei der Entscheidung für eine neue Sägemaschine spielt neben der Lösung der Sägeaufgabe die Investitionssumme eine wesentliche Rolle. Häufig wird der Fehler gemacht, nur die reinen Maschinengrundkosten zu sehen und zu vergleichen. Dabei sollte aber in jedem Fall sichergestellt sein, dass im Maschinenpreis auch sämtliche gewünschten Optionen enthalten sind. Eine Maschine, und nicht zuletzt eine Sägemaschine, hat ganz entscheidende Folgekosten - das Sägewerkzeug und in kleinerem Umfang die Schmierstoffe. Die Werkzeugkosten erscheinen auch zunächst nicht sehr hoch: Für ein HSS-Sägeband sind je nach Länge zwischen 30 und 80 Euro anzusetzen, für das HSS-Kreissägeblatt abhängig vom Durchmesser und der Zähnezahl 80 bis 150 Euro. Betrachtet man aber die sogenannten "cost per lifecycle", das heißt die Kosten über die Lebensdauer der Maschine, kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, dass die reine Maschineninvestition nur etwa 20 Prozent, die Werkzeugkosten jedoch über 70 Prozent der gesamten Investition ausmachen. Der Rest sind Hilfs- und Betriebsstoffe. Dies sind natürlich nur Anhaltswerte, die im Einzelfall einer genauen Überprüfung, abhängig von den Einsatzbedingungen und der Auslastung, bedürfen.

Dieser Punkt ist von großer Wichtigkeit. Im konkreten Fall ist es immer angeraten, nicht unbedingt das "billigste" Angebot als das kostengünstigste zu betrachten. Und das aus vielerlei Gründen: Eine vermeintlich günstigere Maschine kann aufgrund einer weniger robusten Konstruktion einen höheren Werkzeugverschleiß nach sich ziehen. Da auch die beste Sägemaschine gewisse Verschleißteile hat und gelegentlich Ersatzteile benötigt, ist es ebenfalls ratsam, den Maschinenlieferanten auf die Fähigkeit einer schnellen, unkomplizierten und nachhaltigen Ersatzteillieferung zu prüfen. Eine nicht funktionierende Maschine nützt auch bei geringen Investitionskosten niemandem, und der Aufbau und Unterhalt einer gut funktionierenden Ersatzteilorganisation fordert beim Maschinenhersteller auch seinen Tribut. ee

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