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IndustriekompressorenDruckvoll in die Zukunft

Gerade in unserer schnelllebigen Zeit ist es enorm wichtig, dass man nicht zum Bewahrer wird, sondern sich die notwendige Flexibilität erhält, betont Rolf Struppek. Der Geschäftsführer der Boge Kompressoren, Bielefeld, sieht speziell die kleinen und mittelständischen Firmen großen Herausforderungen ausgesetzt: „Durch die zunehmende allgemeine Transparenz und Geschwindigkeit der Prozesse besteht die Gefahr, dass gerade diese Unternehmen sich in dem globalen Wettbewerb immer schwerer behaupten können. Wir bei Boge gehen diese Herausforderung an, indem wir unsere Prozesse optimieren, in entsprechende Lösungen investieren und in neue Märkte eintreten.“

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Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (MW): Druckvoll in die Zukunft

Die letzten Jahre ist das dem Bielefelder Unternehmen jedenfalls gut gelungen. Bis 2003 konnte Boge sechs Jahre in Folge einen deutlichen Zuwachs beim Umsatz verbuchen, 2004 landete man wie im Vorjahr bei 78 Mio. In diesem Jahr erwartet Struppek, der seit 1996 bei Boge einer von zwei Geschäftsführern ist, wieder einen deutlichen Umsatzschub: „Das erklärte Ziel ist es, unser bisheriges Rekordjahr 2003 in 2005 zu toppen!“

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In Deutschland liegt der Marktanteil im Bereich der Industriekompressoren bei rund 25 Prozent, „das variiert von Produktgruppe zu Produktgruppe“, so der studierte Betriebswirt. „Aber man muss auch darauf achten, dass man die Balance hält zwischen dem Markterfolg auf der einen und der Effektivität der gesamten Organisation, die dahinter steht, auf der anderen Seite. Denn wird das organisatorische Gehäuse nicht den gestiegenen Anforderungen angepasst und modernisiert, wird der Markterfolg nicht von Dauer sein.“

Dieser Erkenntnis folgend, werden fortlaufend die gesamten Unternehmens­prozesse auf den Prüfstand gestellt. Ein Ergebnis: Um die Transparenz zu steigern, die Prozesse zu beschleunigen und die ausländischen Tochtergesellschaften und deutschen Vertriebs- und Serviceniederlassungen besser zu integrieren, wurden Anfang 2004 verschiedene Insellösungen abgelöst und in allen Unternehmensbereichen eine SAP-Lösung eingeführt. „Das war die dritte umfassende ERP-Einführung, die ich selbst mitgemacht habe, und ich kann sagen“, so die Zwischenbilanz des Geschäftsführers nach 18 Monaten, „sie ist die durchweg erfolgreichste.“

Dies bezieht Struppek besonders auch auf die Akzeptanz und Unterstützung der neuen Organisationslösung durch die Mitarbeiter. Diese wurden im Vorfeld durch eine offensive Informationspolitik vorbereitet; dazu wurde in pädagogischer und psychologischer Hinsicht professioneller Rat eingeholt.

Unter dem Motto „Boge Next Step 100“ – ein Hinweis auf das bevorstehende 100jährige Firmenjubiläum in 2007 – gab es im gesamten Unternehmen regelmäßige Newsletter und Infoplakate. „Aufgrund dieser Vorbereitung konnten wir die Mitarbeiter sehr effektiv schulen und motivieren – und das mit einem Budget, das sich deutlich im unteren Bereich vergleichbarer Einführungen bewegt. Aber ohne die Unterstützung und das Engagement der Mitarbeiter kann solch ein Veränderungsprojekt nicht zielorientiert und erfolgreich umgesetzt werden.“

Eingeführt wurde bei Boge die Branchenlösung für Fertigungsunternehmen Mysap-All-in-One Itengine von dem SAP-Systemhaus Itelligence. Derzeit befindet sich Boge in der Optimierungsphase des Plattformwechsels. Der nachfolgende Schritt ist die Organisationsoptimierung. „Wir machen nicht den Fehler und werfen den Softwarewechsel und die Organisationsveränderung in einen Topf“, betont Struppek, „sondern gehen hier schrittweise vor. Mit Hilfe der ERP-Lösung werden wir die Transparenz der Prozesse steigern. Eine integrierte Lösung wie die unsere hat ja den Vorteil, dass das Unternehmen zwangsläufig alle Abläufe genau strukturieren muss. Als Ergebnis gibt es keine Medienbrüche zwischen Papier und Computer mehr, wo z.B. irgendwelches Kopfwissen wieder in den Rechner übertragen werden muss. Diese systematische Strukturierung und Dokumentation der Abläufe für alle Prozessbeteiligten ist der Nebeneffekt, den wir damit erzielen wollten und erzielt haben.“

Bei Boge wurden deshalb alle Prozesse auf Wirksamkeit und Struktur hin – quasi nebenbei – analysiert und gleichzeitig, so Struppek, „die Mitarbeiter an qualitativ hochwertiges Handeln herangeführt. Unser erklärtes Ziel ist es, die Prozesse weiter zu vereinfachen und zu beschleunigen.“

Besonders in den ausländischen Märkten sieht der Kompressorenhersteller die Wachstumspotentiale. Derzeit liegt der Exportanteil bei rund 55 Prozent, „doch wir werden ihn sukzessive in den nächsten Jahren auf 70 Prozent erhöhen – natürlich ohne den nationalen Markt zu vernachlässigen“, betont Struppek.

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem chinesischen Markt. Seit 1999 ist Boge dort über eine eigene Niederlassung vertreten, seit dem Frühjahr 2004 werden in einem Werk in Shanghai Kompressoren für China produziert. Der Markteintritt wurde von Boge strategisch vorbereitet. „Wir haben ganz klassisch hinsichtlich Kompressorenbedarf und Investitionsrisiko analysiert und Prioritäten gesetzt“, so Struppek. Dabei wurden auch Analysten und Experten von Banken und Forderungsversicherern mit einbezogen, sowie IHKs und Außenhandelskammern befragt. Struppeks Fazit: „Da gibt es hervorragendes Material.“

Aus einer großen Reihe möglicher Länderengagements wurden die wichtigsten ausgewählt und systematisch angegangen. Interessante Zukunftsmärkte sind für Boge unter anderem Osteuropa und China. „China ist ein überaus dynamischer Markt, aber auch mit vielen Risiken behaftet“, lauten die Erfahrungen des Geschäftsführers, der das Land inzwischen mehrmals besucht hat. „Als wir 1999 nach China gingen, gab es dort nur wenige Kompressorenhersteller. Inzwischen gibt es allein rund um Shanghai etwa hundert. Die Chinesen lernen sehr schnell und werden immer qualitäts- und preisbewusster. Das ist eine enorme Herausforderung, aber auch eine Chance!“

China bringe jedoch auch Probleme mit sich, die viele Mittelständler in ihrem Heimatmarkt nicht kennen, zum Beispiel die sehr hohe Personalfluktuation. „Man muss Möglichkeiten finden, das Personal zu binden und wenn es zu Fluktuationen kommt, sehr schnell neues Personal zu schulen, um den Qualitätsstandard zu sichern“, erläutert Rolf Struppek. „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen, die den Schritt wagen, müssen sehr viel Kreativpotential mitbringen, um dieser Herausforderung zu begegnen.“

Kreatives Potential setzt Boge auch bei der Entwicklung und Fertigung seiner Produkte frei. Die Kolben-, Schrauben-, Turbokompressoren und Druckluftsystemlösungen werden in Modulbauweise entwickelt und gefertigt, um sie dann entsprechend den Kundenanforderungen aufzubauen. Dazu wurde auch die Organisation entsprechend aufgestellt. „Es gibt bei Boge nicht den klassischen Chefentwickler, der alleine sagt, welche Schwerpunkte in der Produktentwicklung gesetzt werden“, macht Rolf Struppek klar. „Das war in der Vergangenheit die traditionelle Aufstellung, aber heute gibt es bei uns ein Gremium, das alle Ideen – ob von intern oder extern – bewertet. Sowohl in technischer als auch in ökonomischer Hinsicht, in Hinsicht auf Vermarktung und Auswirkungen auf die Organisation.“

Das Gremium trifft regelmäßig oder auf Anforderung zusammen und entscheidet darüber, welche Entwicklungen betrieben werden. Das kann auch zur Folge haben, dass Projekte mit bislang hoher Priorität wieder zurückgenommen werden, wenn einer neuen Idee noch höhere Priorität beigemessen wird. „Denn unsere Entwicklungskapazitäten sind begrenzt“, so Struppek. Daneben gibt es noch einen Expertenrat: Kapazitäten aus der Praxis und der Wissenschaft, die dem Boge Development Center mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Hier wird über Trends gesprochen und damit kommen auch ganz andere Ideen herein, die nicht primär mit dem eigentlichen Kompressorengeschäft zu tun haben. Das ist eine sehr fruchtbare Einrichtung.“

Das hat dann z.B. auch Auswirkungen auf konkrete Weiterbildungsmaßnahmen. So wurde die gesamte Entwicklungsmannschaft in Richtung Mechatronik geschult und mit den neuen Trends und Entwicklungen auf der elektronischen Seite vertraut gemacht. Boge ist „in vorderster Linie Mitglied und Antreiber“, so Struppek, des Innovationsnetzwerkes OWL Maschinenbau, das das Ziel hat, die Leistungskraft der Maschinenbauregion Ostwestfalen-Lippe zu stärken. Speziell für das Netzwerk wurden Seminare entwickelt, zu denen die Mitgliedsfirmen Mitarbeiter an die regionalen Hochschulen zum Know-how-Update entsenden können. „Das bringt eine Menge an Verständnis“, verdeutlicht Rolf Struppek, der nebenher auch Sprecher des Vorstandes des Innovationsnetzwerkes ist. „Zudem sind solche Weiterbildungen, die dafür sorgen, dass eine Entwicklungsabteilung auf der Höhe der Zeit bleibt, wichtiger Bestandteil des Innovationsmanagements.“

Auch an das gesamte Unternehmen Boge wird immer wieder die Messlatte neu angelegt. „Da gibt uns die Mitgliedschaft in OWL Maschinenbau viele Anhaltspunkte, den eigenen Standort zu bestimmen“, erläutert der gebürtige Westfale. „Im Vergleich zu anderen Maschinenbauunternehmen, die ähnlich strukturiert sind wie wir, bekommt man wichtige Benchmarks.“

Auch intern werden die verschiedenen Bereiche und Tochtergesellschaften ständig auf den Prüfstand gestellt. Boge hat dazu ein ausgefeiltes Berichts- und Kennzahlensystem entwickelt, auf dem basierend mindestens monatlich Rankings erstellt werden. „Wenn es Veränderungen gibt, wird schnell hinterfragt“, so Rolf Struppek. „Viele Unternehmen fragen erst nach, wenn sich etwas negativ verändert. Aber auch positive Veränderungen sind wichtige Signale, denn sie können gute Beispiele für andere Unternehmensbereiche sein. Diese Art des Controllings betreiben wir sehr intensiv.“

Trotz seiner fast 100-jährigen Historie ist das Bielefelder Unternehmen agil und hat offene Ohren für besondere Kundenwünsche. So verfügt Boge über eine eigene Anlagenbauabteilung für komplexe Engineering-Projekte. „Wir verschließen uns keinem Kundenwunsch, sondern überlegen immer, ob und wie wir eine solche Anforderung realisieren können“, streicht der Geschäftsführer heraus. „Die Stärken von Boge sind neben Flexibilität und Dynamik unser guter Name und jahrzehntelange Erfahrung. Das ist Gewähr dafür, dass wir in der Lage sind, die gewünschte hohe Qualität zu liefern. Gerade in der heutigen Zeit sind das die wichtigsten Erfolgsgaranten.“ Hajo Stotz

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