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Haimer-Fräser zerspant in Audis Vorseriencenter

KleinstserienfertigungAudis Vorseriencenter braucht Universalwerkzeuge

In der Versuchsteilefertigung bei Audi in Ingolstadt werden anspruchsvolle Bauteile als Prototypen und in Kleinstserien hergestellt. Dabei setzen die Verantwortlichen auf VHM-Fräser von Haimer, die sich durch ihre Geometrie und Qualität für vielfältige Zerspanungsaufgaben eignen. Ihr Dämpfungs- und Rundlaufverhalten ermöglicht es, in Vergleichsfällen die Produktivität um ein Vielfaches zu steigern.

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Audi Q2

Innovationen haben für den Audi-Konzern große Bedeutung. Im Bereich „Technische Entwicklung“ arbeiten daher rund 8.600 Mitarbeiter in Ingolstadt, 1.700 in Neckarsulm und weitere in den Entwicklungszentren in Győr, Peking und San José Chiapa an Verbesserungen und Neuheiten bei klassischen und alternativen Antrieben, bei Leichtbau und Fertigungsverfahren, in der Lichttechnologie und vielem mehr.

Fast am Ende der Entwicklungskette steht die Vorserienfertigung, der die Abteilung „Versuchsteilefertigung“ zugeordnet ist. In Ingolstadt sind dort 75 Mitarbeiter beschäftigt, die dafür sorgen, dass verschiedenste Getriebe-, Motor- und Fahrwerkskomponenten als Prototypen oder in Kleinstserien termingerecht für erste praktische Versuche zur Verfügung stehen.

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Reinhard Kindl, Leiter der „Mechanischen Werkstatt“, erklärt: „Wir müssen ähnliche Qualitätskriterien hinsichtlich Präzision und Oberflächengüte erreichen, wie die Serienfertigung. Doch ohne Sonderwerkzeuge, die für unsere kleinen Stückzahlen sowohl in der Anschaffung als auch in der Programmierung zu teuer wären. Daher benötigen wir leistungsstarke Universalwerkzeuge.“ Dragan Pejcinoski, unter anderem für die Beschaffung von Neuwerkzeugen zuständig, ergänzt: „Am liebsten arbeiten wir mit Werkzeugherstellern zusammen, die nur eine geringe Katalogauswahl bieten, deren Werkzeuge aber universell einsetzbar sind. Wichtig sind für uns ein guter Service inklusive Applikationsunterstützung und kurze Lieferzeiten.“

Partnerschaft ausgebaut

Seit über einem Jahr ist die Haimer GmbH, Igenhausen, bevorzugter Lieferant von Vollhartmetallwerkzeugen. Die eigentliche Zusammenarbeit reicht jedoch schon über 20 Jahre zurück. Werkstattleiter Kindl erinnert sich: „Ursprünglich haben wir nur die Werkzeugaufnahmen von Haimer bezogen, dann auch das passende Schrumpfgerät. 2002 investierten wir in ein Wuchtgerät, um den Rundlauf des eingespannten Werkzeugs zu optimieren.“ Als Haimer vor gut drei Jahren sein Produktprogramm um eigene Vollhartmetallfräser erweiterte, verfolgten die Zerspanungsspezialisten der Audi Versuchsteilefertigung dies mit Aufmerksamkeit.

2015 musste die Audi Vorserienfertigung eine Ausgleichswelle für ein zukünftiges Getriebe herstellen. Dabei traten Schwierigkeiten auf, die Jakob Mosandl, Meister und Technikumsleiter, unter anderem mit ihrer Geometrie erklärt, die Dreh- und Fräsbearbeitungen erfordert. „Die Spannsituation auf unserem Dreh-Fräszentrum WFL M 35 G war leider etwas labil. Zudem hatten wir nur geringe Erfahrungen mit dem Werkstoff der Ausgleichswelle, einem hochvergüteten 42CrMo4-Stahl. Denn zu 90 Prozent zerspanen wir Aluminiumlegierungen.“

Extremer Werkzeugverschleiß

So waren die ersten Fräsversuche an dieser Welle in keiner Weise zufriedenstellend. Für die Vorbearbeitung kam ein Standardfräswerkzeug mit Durchmesser 12 mm in einem Standardschrumpffutter zum Einsatz. Um die geforderten Genauigkeiten von wenigen Hundertstel Millimeter einzuhalten, konnte nur eine maximale Schnittbreite von 1 mm realisiert werden. Trotz dieser „schonenden“ Schnittwerte trat ein weiteres Problem auf: Nach maximal einem Bauteil war das Standzeitende des Werkzeugs erreicht.

So zogen Reinhard Kindl  und sein Team ihre Haimer-Ansprechpartner zu Rate. Da sich die labile Spannsituation nicht ändern ließ, empfahl Oliver Lechner, Haimer-Vertriebsleiter Deutschland Süd, das Komplettwerkzeug neu zu konfigurieren. Denn seiner Erfahrung nach, „genügt es bei einer derart anspruchsvollen Bearbeitungssituation meistens nicht, nur das Fräswerkzeug auszutauschen. Letztendlich hat der Werkzeughalter den gleichen Einfluss auf den Prozess wie die Schneide selbst.“

Haimer Power Mill VHM-Fräser mit Schrumpfaufnahme

Das Team aus Audi- und Haimer-Mitarbeitern ersetzte schließlich den bisherigen Standardfräser durch einen Power Mill VHM-Fräser mit Durchmesser 12 mm und spannte diesen in eine Schrumpfaufnahme der Power-Serie mit Safe-Lock-System. Während das Power Shrink Chuck für die notwendige Schwingungsdämpfung sorgt, gewährleistet die von Haimer entwickelte Ausziehsicherung Safe-Lock, dass das Werkzeug auch bei starker Umschlingung nicht aus der Aufnahme gezogen wird. Das Power Shrink Chuck ist standardmäßig mit dem Cool Jet-System ausgestattet, das über Bohrungen im Spannfutter dafür sorgt, dass der Kühlschmierstoff mit 80 bar bis zur Schneide transportiert wird.

Neunfacher Schnittbreite

Gemeinsam plante das Team den Bearbeitungsprozess, wählte eine passende Programmierstrategie und optimierte die Schnittparameter (siehe Vergleichstabelle Schnittwerte). Das erfreuliche Ergebnis: Bei leicht erhöhten Geschwindigkeiten ließ sich bei gleicher Schnitttiefe die Schnittbreite auf 9 mm – also das Neunfache – steigern.

Dietmar Ungar, Teamleiter Anwendungstechnik bei Haimer, erklärt: „Das Power Mill-Werkzeug aus unserem Hochleistungshartmetall mit zähem Kobaltanteil konnte im Zusammenwirken mit dem verstärkten Power Schrumpffutter die in der Bearbeitung auftretenden Schwingungen dämpfen.“ Die hohe Laufruhe sorgte auch für eine sichtbar bessere Oberflächengüte und für einen geringeren Verschleiß des Werkzeugs. Dessen Standzeit erhöhte sich aufs Dreifache, was Werkzeugwechselzeiten und damit die Maschinenstillstandzeiten reduziert. Durch den gleichmäßig auf alle Schneiden verteilten Verschleiß kann die Haimer-Serviceabteilung das Werkzeug anschließend nachschleifen, wodurch ein erneuter Einsatz möglich wird.“

Auch in einer zweiten Operation, dem Schruppen und Schlichten von Taschennuten mit einem ähnlich aufgebauten Haimer-Komplettwerkzeug vom Durchmesser 8 mm, nahm die Produktivität laut Unternehmen um 300 Prozent zu. Beide Verbesserungen beim Fräsen wirken sich günstig auf die Gesamtbearbeitungszeit und Produktivität aus: Während das Bauteil vorher acht Stunden benötigte, ist es jetzt in fünf Stunden fertig – und die Maschine ist frei für weitere Aufträge.

Gute Versuchsergebnisse

Die erzielten Ergebnisse waren für die Audi-Versuchsteilefertigung Anlass genug, weitere Werkzeuge von Haimer zu testen. Insbesondere der Wunsch nach Universalfräsern, die sich für verschiedene Aufgaben und unterschiedliche Materialien eignen, ließ auch die zweite angebotene Fräser-Geometrie in den Fokus rücken. Der im Vergleich zum Power Mill auf die wesentlichen Produkteigenschaften reduzierte Basic Mill VHM-Schaftfräser ist in fast allen Werkstoffen einsetzbar und eignet sich zum Nut-, Wälz- und Eckfräsen, ebenso zum Rampen bis 45 Grad und sogar durch seine spezielle Stirnschneidengeometrie zum direkten Bohren.

Werkzeugfachmann Dragan Pejcinoski ist nach zahlreichen Projekten mit beiden Haimer VHM-Fräsern sehr zufrieden: „Den Power Mill nutzen wir bei höher vergüteten und besonders anspruchsvollen Materialien, und beim normalen Materialmix – also Alulegierungen und Stahl – nehmen wir die Basic Mill-Geometrie.“

Vor kurzem ging das Audi-Zerspanungsteam um Werkstattleiter Reinhard Kindl noch einen Schritt weiter und testete das Hartmetall-Wechselkopfsystem Duo-Lock: „Wir sind zwar noch im Versuchsstadium, aber die bisherigen Bearbeitungen haben sehr gut funktioniert. Anscheinend hält diese patentierte Schnittstelle, was Haimer verspricht“, freut sich Kindl. Basierend auf einem Gewindedesign mit Doppelkonus und zusätzlicher dritter Abstützfläche im hinteren Bereich der Schnittstelle, soll die Duo-Lock-Technologie hohe Rundlaufgenauigkeit, Stabilität und Belastbarkeit liefern. cs

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