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Interview mit Christian Kübel

Metav 2018Jugendsonderschau: Metallberufe in Szene gesetzt

Jugendsonderschau

"Mach was mit Zukunft. Deine Chance im Maschinenbau" so lautet das Motto der Jugendsonderschau auf der Metav 2018 in Düsseldorf.

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Interview mit Christian Kübel„Heimat für digitale Werkzeuge“

Weltweit existieren weit über 100.000 zerspanende Industrieunternehmen. Ein Großteil dieser Unternehmen benötigt 3D-Grafiken ihrer Werkzeuge für die CAM-Programmierung und Simulationen. Der „Tool Designer“ ist die erste Applikation der neuen Plattform „Internet-of-Tools“. Entwickelt und angeboten wird sie vom Softwarespezialisten für Tool Data Management, TDM Systems. Die Plattform soll zu einer „globalen Heimat digitaler Werkzeuge“ ausgebaut werden, auf der die Nutzer alles vorfinden, was sie für den Werkzeugeinsatz und die zukünftige Werkzeugverwaltung benötigen. SCOPE sprach mit Projektleiter Christian Kübel. 

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Christian Kübel

SCOPE: Herr Kübel, weshalb entwickelt TDM Systems eine Plattform speziell für Werkzeuge?

Christian Kübel: Die Fertigungsunternehmen stehen vor der Herausforderung, Industrie-4.0-fähig zu werden. Ein Einstieg ist die Digitalisierung ihrer Werkzeugdaten. Mit Internet-of-Tools bauen wir eine neue, globale Plattform für das Generieren und Bereitstellen digitaler Werkzeugmodelle auf. Sie ist herstellerneutral. Zielgruppen sind im ersten Schritt die Nutzer von CAM-Programmierungs- und Simulationssystemen. Alles ist webbasiert in der Cloud, sodass ein einfacher Rechner mit Internetbrowser reicht, um die Plattform zu nutzen und sich beispielsweise einen digitalen Zwilling seiner realen Werkzeuge zu erstellen.

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SCOPE: Stichwort Tool Designer: Was hat es damit auf sich?

Kübel: Der Tool Designer zur Generierung von 3D-Grafiken für rotationssymmetrische Komplettwerkzeuge ist die erste in einer Reihe geplanter Applikationen, die wichtige Funktionalitäten webbasiert anbietet. Der Tool Designer ist eine grafische Applikation, mit der man schnell zu 3D-Grafiken auch von Werkzeugen gelangt, die der Hersteller nicht zur Verfügung stellt. Damit sprechen wir in erster Linie NC-Programmierer und Werkzeugverwalter an. Das funktioniert bewusst einfach und intuitiv, man kann kostenlos testen und nach einer kurzen Registrierung sofort produktiv arbeiten. Es müssen keinerlei Programme installiert werden, alles läuft in den gängigen Browsern, sogar auf Tablets – eine echte Software-as-a-Service-Lösung. Zur Zielgruppe des Tool Designers gehören alle, deren tägliche Arbeit wir mit 3D-Werkzeuggrafiken unterstützen können.

SCOPE: Warum sind gerade 3D-Werkzeuggrafiken so wichtig?

Kübel: Sie bilden als digitaler Zwilling den Einstieg in Industrie 4.0 für die Fertigung; mit ihnen lässt sich schnell und einfach die Produktivität in der Fertigungsplanung steigern. Wenn 3D-Modelle als Zwilling die realen Werkzeuge abbilden und den Anforderungen der CAM- und Simulationssysteme entsprechen, führt das zu einer signifikanten Kostensenkung und Arbeitserleichterung. Dadurch lässt sich die Maschinenbearbeitung realistisch planen, Maschinen-Crashs und Werkzeugbruch werden vermieden. Der Tool Designer bietet ein breites Spektrum an Geometrien, Konturen und Radien. Aktuell bereits verfügbar ist das Erstellen von Vollbohr- und Fräswerkzeugen als Vollhartmetall- und Wendeschneidplattenwerkzeuge sowie Aufbohrwerkzeugen mit Wendeschneidplatten. Unser Entwicklungsteam arbeitet derzeit an Gewindebohrwerkzeugen und weiteren Bearbeitungsarten mit rotationssymmetrischen Werkzeugen.

SCOPE: Wie funktioniert das Erstellen eines 3D-Komplettwerkzeuges konkret?

Kübel: In nur drei Schritten. Zunächst wählt der Nutzer aus einer Karussellansicht den gewünschten Werkzeugtyp. Mit vordefinierten Geometrien und einfachen Parameteränderungen erzeugt er die benötigte 3D-Werkzeuggrafik. Die erzeugten Dateien lassen sich nun herunterladen oder als E-Mail-Anhang zusenden. Auf dem Zielrechner müssen die Dateien nur noch in die Werkzeugbibliothek des CAM-Systems importiert werden. Noch einfacher wird es dann, wenn die ersten, gängigen CAM- und Simulationssystem-Formate zur Verfügung stehen. Diese können dann direkt in den NC- oder Simulationsprogrammen verwendet werden.

SCOPE: Wie unterstützen Sie den Nutzer beim Erstellen seiner Komplettwerkzeuggrafiken?

Kübel: Mehr als 100 verschiedene Adapter in den Kategorien HSK, SK und Capto sind bereits mit ihren Abmessungen hinterlegt. Registrierte Anwender können ihre produzierenden Maschinen und somit auch die in Frage kommenden vorbelegten Adapter vorab definieren. Für die Verbindung zwischen Werkzeugaufnahme und schneidender Komponente stehen ein-, zwei- und dreistufige Erweiterungen mit konkaven, konvexen, zylindrischen und kegelförmigen Grundformen zur Verfügung. Sämtliche Geometrien und Konturen lassen sich individuell konfigurieren, um nahezu jedes reale Werkzeug zu digitalisieren. Auch die schneidenden und nicht schneidenden Komponenten des Komplettwerkzeugs können mit bis zu dreistufigen Standardkonturen erzeugt werden. Geometrien und Konturen sind ebenfalls individuell konfigurierbar, entweder über direkte Maßeingabe oder durch Ziehen mit der Maus. Für Bearbeitungsarten wie Bohren oder Fräsen gibt es neben den Solidkonturen auch vordefinierte Wendeschneidplatten-Konturen.

SCOPE: Wie geht es weiter, was sind die nächsten Schritte?

Kübel: Wir wollen jedem Interessenten ermöglichen, bereits in der Anfangsphase produktiv zu arbeiten. Der Tool Designer wird kontinuierlich um weitere Funktionalitäten erweitert. Auf unserer Agenda steht zum Beispiel ein sogenannter Sketcher beziehungsweise 2D-Konturgenerator, mit dem man eine Kontur frei zeichnen kann. Damit decken wir den Bereich Sonderwerkzeuge ab.

SCOPE: Aber die Plattform soll ja noch weitere Applikationen bieten – welche werden das sein?

Kübel: Die Applikation Tool Designer für rotationssymmetrische Werkzeuge auf der Plattform Internet-of-Tools ist nur der erste Schritt. Weitere Applikationen werden folgen. So planen wir bereits eine vergleichbare Applikation für die Generierung von 3D-Modellen für individuelle Komponenten. Hinzu kommt der weitere Ausbau für Dreh- und Stechwerkzeuge, auf Komplettwerkzeug- und Komponentenebene. Die Plattform muss offen sein für Partner. Mit den Anbietern weiterer CAM-Systeme und von Simulationssoftware sind wir im Gespräch. So planen wir auch, die Werkzeugkataloge von führenden Werkzeugherstellern auf der Plattform zu implementieren. Gerade die Kombination aus praxisnahen Anwendungen und Werkzeugkatalogen ist aus unserer Sicht bislang einzigartig. Außerdem werden wir eine Möglichkeit zum Prüfen und Reparieren von STEP-Dateien anbieten. Der „Tool Checker“ prüft hochgeladene Dateien. Findet er Inkonsistenzen, tritt der „Tool Doctor“ in Aktion und korrigiert diese. Letztlich soll der Nutzer in Zukunft alles, was er für den Werkzeugeinsatz braucht, auf dieser Plattform vorfinden.

SCOPE: Wie können die Nutzer Einfluss auf die Entwicklung und die Inhalte nehmen?

Kübel: Wir legen großen Wert auf die Zusammenarbeit mit unseren Nutzern. Das Internet-of-Tools soll sich ihren Wünschen gemäß entwickeln. Wir wollen wissen, welche Anwendungen und Werkzeuge die Nutzer als nächstes sehen möchten und was ihre tägliche Arbeit wirklich verbessert. Dafür steht registrierten Nutzern auf jeder Applikationsseite ein Feedback-Formular zur Verfügung, das direkt bei unserem Entwicklerteam landet. Über Neuigkeiten und Erweiterungen informieren wir natürlich auf der Plattform http://www.internet-of-tools.com, aber auch über unsere Social-Media-Kanäle bei Linkedin und Twitter. Wir wollen den Weg in die Cloud im engen Dialog mit unseren Kunden gehen.

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