Produktionssysteme

Warmwasser, Klima, Lüftung und PLM

PLM-Lösung sorgt bei Stiebel Eltron für Transparenz über Abteilungs- und Ländergrenzen hinweg
Product Lifecycle Management ist weit mehr als CAD-Daten verwalten. Für die unternehmensweite Verfügbarkeit aller Produktdaten und das abteilungsübergreifende Projektmanagement verbindet Stiebel Eltron CIM Database mit ihrem Team Data Management- und ERP-System. Ein Vorteil unter anderen: Die PLM-Lösung hat auch den Änderungsprozess spürbar beschleunigt.

Product Lifecycle Management (PLM) ist die Kunst der Integration von Systemen und Prozessen. Je heterogener der Nutzerkreis, desto schwieriger wird es, alle Anwender mit einer Einheitslösung zu beglücken. Oder ist es vorstellbar, dass die Rechtsabteilung eines Unternehmens die Erstellung eines Vertrags mit demselben Werkzeug managt, mit dem die Produktentwickler die CAD-Daten verwalten? Das Beispiel Stiebel Eltron zeigt, wie man die Stärken unterschiedlicher IT-Lösungen nutzbringend miteinander kombiniert.

Stiebel Eltron gehört zu den international führenden Herstellern von Haus- und Systemtechnik-Lösungen für Warmwasser, Klima und Lüftung sowie die Nutzung erneuerbarer Energien. Gegründet im Jahr 1924 von Dr. Theodor Stiebel mit der Maßgabe, Produkte mit geringem Energieverbrauch, mehr Sicherheit und mehr Komfort zu entwickeln, hat sich das Familienunternehmen zu einer international ausgerichteten Firmengruppe mit weltweit 15 Tochtergesellschaften sowie Vertriebsorganisationen und Vertretungen in 120 Ländern der Erde entwickelt, die rund 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Stiebel Eltron hat im Jahr 2010 mit 3.000 Mitarbeitern weltweit fast 450 Millionen Euro umgesetzt.

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Kern der Firmengruppe, die ihren Hauptsitz in Holzminden hat, sind die Stiebel Eltron GmbH & Co. KG und die Stiebel Eltron International GmbH. In Holzminden ist nicht nur die weltweit operierende Vertriebsorganisation angesiedelt, sondern auch eine der modernsten und größten Produktionsstätten für Wärmepumpen in ganz Europa. Kleinspeicher, Kochendwassergeräte und Händetrockner werden im Hightech-Werk in Eschwege hergestellt, das zugleich als Kompetenzzentrum für die Herstellung thermoplastischer Bauteile dient. Außerdem gibt es drei Fertigungsstätten in der Slowakei, Thailand und China.

Entscheidung für Anwenderfreundlichkeit

In den letzten Jahren hat Stiebel Eltron insbesondere das Geschäft mit Wärmepumpen ausgebaut, wie Matthias Meckle sagt, der als Leiter des Technik Informationszentrums für die Einführung der PLM-Lösung CIM Database von Contact Software verantwortlich ist: „Das macht sich in meinem Bereich unter anderem dadurch bemerkbar, dass die Zahl der Dokumente und Sprachversionen, die wir den Landesgesellschaften bereitstellen müssen, deutlich zugenommen hat. Ein wesentliches Ziel bei der Einführung von CIM Database war es, den weltweiten Zugriff auf diese Unterlagen zu erleichtern und sicherzustellen, dass in allen Ländern die jeweils gültigen Versionen zur Verfügung stehen.“

Wenn Meckle von Dokumenten spricht, dann meint er nicht nur Zeichnungen, die beispielsweise in der Fertigung im slowakischen Proprad oder im chinesischen Tianjin benötigt werden, sondern auch Arbeitsanweisungen, Bedienungsanleitungen, Prüfberichte, Zertifikate, Konformitätserklärungen, Laborberichte, Verträge oder Marketingunterlagen. Viele dieser Dokumente wurden früher in einer zentralen, dateibasierten Ordnerstruktur abgelegt, auf die aber nur die deutschen Standorte direkt zugreifen konnten. Außerdem bot das Dateisystem wenig Möglichkeiten, Beziehungen zwischen Dokumenten herzustellen beziehungsweise verschiedene Versionsstände konsistent zu verwalten.

Auf der Suche nach einer Alternative stellte sich die Frage, ob man nicht das bestehende TDM-System oder die ERP-Lösung zu einer unternehmensweiten Informations-Plattform für die Produktentwicklung und die damit verbundenen Prozesse ausbauen sollte.

Dokumente im weltweiten Zugriff

„Bei näherer Betrachtung haben wir allerdings gesehen, dass beide Systeme von der Handhabung her nicht für den normalen, an seine Windows-Oberfläche gewohnten Anwender geeignet waren, was die Akzeptanz erschwert hätte“, erläutert Meckle. „Außerdem wollten wir ein möglichst einfach zu konfigurierendes System haben, um es bei Bedarf an unsere Anforderungen anpassen zu können. Im Rahmen eines sorgfältigen Auswahlprozesses haben wir uns deshalb für CIM Database entschieden.“

Hauptarbeit bei der PLM-Einführung war die Übernahme der vorhandenen Informationen aus der zentralen Dateiablage und ihre Vernetzung mit den Materialstämmen aus dem ERP-System von SAP. Rund 8.000 Bedienungsanleitungen, 300.000 andere Dokumente und 17.000 Änderungsvorgänge mussten migriert werden. Dank intelligenter Algorithmen konnte das Projektteam die Metadaten aus Dateinamen und Ordnerstruktur weitgehend automatisch übernehmen.
Die Contact-Software ist in Holzminden als Client-Server-Anwendung mit einem zentralen Daten-Vault implementiert, auf den die Anwender an den Entwicklungsstandorten und in den deutschen Vertriebszentren über Standleitung zugreifen. Die Mitarbeiter an den Auslands-Standorten nutzen ein Citrix Access Gateway, um sich mit dem PLM-Server zu verbinden und nach Dokumenten zu recherchieren. Die Rollen- und Rechteverwaltung der PLM-Lösung erlaubt eine feine Abstufung der Zugriffsrechte; ihre Integration mit der unternehmensweiten LDAP-Benutzerverwaltung (Lightweight Directory Access Protocol) erleichtert das User Management. Dank einer MS Outlook-Integration soll CIM Database zukünftig außerdem das einheitliche Management der Kontaktdaten von Partnern und Kunden übernehmen.

Die PLM-Software hat bei Stiebel Eltron die Lücke zwischen TDM- und ERP-System geschlossen, die nicht direkt miteinander gekoppelt sind, und dient als Impulsgeber für alle weiterführenden Geschäftsprozesse im Produktlebenszyklus. Über die SAP-Schnittstelle werden Materialnummern, Lieferantendaten, Änderungsindices et cetera automatisch mit der PLM-Lösung synchronisiert und bei Änderungen aktualisiert. Dort werden sie mit den freigegebenen und ins PDF-Format konvertierten Zeichnungen aus dem TDM-System verknüpft.
„Wir haben mit CIM Database erstmals eine nahtlose Verbindung zwischen der ERP-Welt und den CAD-Daten in unserem TDM-System geschaffen“, sagt Meckle und ergänzt: „Durch die Verknüpfungen können wir alle Dokumente zu einem Material suchen oder von einem Dokument über das Material zu anderen verknüpften Dokumenten und Informationen, beispielsweise den Lieferantendaten gelangen. Demnächst wird es auch Verbindungen zwischen Dokumenten und Projekten beziehungsweise Materialien und Projekten geben.“ Die Vorteile der Verknüpfungen sind enorm, wie Meckle betont. Früher gab es zwar verschiedene Versionen von Dokumenten, aber man konnte beispielsweise keine unterschiedlichen Materialzustände verwalten. Heute sind die Materialien durch einen bestimmten Satz von Dokumenten beschrieben, der sich ändern kann oder auch nicht, je nachdem wie sich das Material weiter entwickelt.

Änderungsaufwand deutlich reduziert

Mit dem Umstieg auf die aktuelle Version von CIM Database hat Stiebel Eltron die Projektmanagement-Funktionen zur Verwendung freigegeben. Damit haben die Anwender in allen Bereichen nun die Möglichkeit, ihre Projekte PLM-gestützt abzuwickeln, das heißt Arbeitsräume anzulegen, Teams zu definieren, Zugangsberechtigungen einzurichten, Aufgaben zu verteilen und ihre Erledigung zurück zu melden. „Wir nutzen die Funktionalität zunächst für Vorhaben wie die Beantragung von Patenten oder das betriebliche Vorschlagswesen. Zukünftig sollen komplette Entwicklungsprojekte nach einer stringenten Projektsystematik mit der Contact-Software unterstützt und abgewickelt werden“, erläutert Meckle. „Die Entwickler müssten dann nicht mehr mit zig Werkzeugen arbeiten, um etwa ihre Projekte zu terminieren, die Arbeitsergebnisse abzulegen und die Stunden zurück zu melden.“

Anwenderkreis wächst kontinuierlich

Stiebel Eltron steuert über die PLM-Lösung außerdem den abteilungsübergreifenden Änderungsprozess, was insofern nahe liegt, als der Anstoß für Änderungen sowohl aus der Technik, aber auch aus anderen Bereichen kommen kann. Was geändert werden soll, welche Materialien von der Änderung betroffen sind, wer darüber informiert werden muss und wann die Änderung in die Produktion einfließen soll, alle diese Informationen werden in der PLM-Lösung abgelegt und bestimmten Workflows zugeordnet. „Der Änderungsprozess ist deutlich schneller geworden, so dass wir mit weniger Personal mehr Änderungen bewältigen können“, versichert Meckle. Seiner Einschätzung nach hat sich der Änderungsaufwand dank PLM um zirka 40 Prozent reduziert, was bei 500 bis 600 Änderungen pro Jahr einer erheblichen Einsparung entspricht.

Seit Produktivschaltung vor etwa zwei Jahren hat sich der Nutzungsgrad der PLM-Lösung kontinuierlich erhöht. Derzeit nutzen weltweit etwa 500 Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Abteilungen CIM Database. Überraschend groß ist der Kreis der Anwender, die nicht nur Informationen abrufen, sondern aktiv bereitstellen: „Das spricht für die gute Akzeptanz der Lösung“, betont Meckle. Neben Entwicklung, Arbeitsplanung, Qualitäts-Management und Normung gehören dazu die Rechtsabteilung, das Patentwesen, die technische Dokumentation, der Kundendienst sowie die Aprobations-Abteilung, die dafür sorgt, dass die Produkte in den anderen Märkten vertrieben werden können. Statt den Ländern umständlich einen Strauß an Dokumenten zusammenzustellen und zuzusenden, können diese die benötigten Unterlagen jetzt selbst aus Knopfdruck einsehen.

Dank der Möglichkeit, unterschiedliche Sprachversionen von Dokumenten zu verwalten, erleichtert die PLM-Lösung zugleich die weltweite Bereitstellung der technischen Dokumentation. Gerade in der Systemtechnik werden immer mehr Bedienungs- und Reparaturanleitungen in der jeweiligen Landessprache erstellt. CIM Database fungiert zwar nicht als Redaktionssystem, aber sobald der Entwurf einer Bedienungsanleitung fertig ist, stellen die Redakteure ihn im PDF-Format den Kollegen in Entwicklung, Produktmanagement und Kundendienst zur Korrektur bereit. Die PLM-Lösung sorgt unter anderem dafür, dass nicht mehrere Anwender gleichzeitig an dem Dokument korrigieren.

Stiebel Eltron liefert im Bereich der Systemtechnik beziehungsweise der erneuerbaren Energien zunehmend kundenindividuelle Lösungen, die auftragsspezifisch konfiguriert und dokumentiert werden. Darum kümmert sich eine separate Planungsabteilung, die in der PLM-Lösung das ideale Werkzeug vorfindet, um diese Konfigurationen über ihren gesamten Lebenszyklus zu pflegen. „Ich sehe deshalb gute Chancen, dass wir auch die kundenspezifischen Projekte in absehbarer Zeit mit dieser Lösung verwalten“, sagt Meckle. Die PLM-Software ist heute eine unternehmenskritische Anwendung, die für das operative Geschäft von Stiebel Eltron unentbehrlich geworden ist: „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt unter anderem davon ab, dass wir die Geltungssicherheit von Informationen gerade nach Änderungen weltweit gewährleisten: CIM Database sorgt hier über Abteilungs- und Landesgrenzen grenzen hinweg für Transparenz“, fasst Meckle die Vorteile der PLM-Lösung zusammen.


Michael Wendenburg, Sevilla

Stiebel Eltron GmbH & Co. KG, Holzminden Tel. 01803/702003, http://www.stiebel-eltron.de

Contact Software GmbH, Bremen Tel. 0421/20153-0, http://www.contact.de

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