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Filteranlagen-Hersteller nutzt die Vorteile einer integrierten CAD/PDM-Lösung
Ein Karlsruher Hersteller führte für die flexible Produktentwicklung eine einfache und dennoch leistungsstarke CAD/PDM-Lösung ein, die zudem skalierbar ist und um eine ERP-Kopplung erweitert wurde. Heute bekommen alle Baugruppen und Teile im PDM-System eine fortlaufende Nummer, die durch Sachmerkmale ergänzt wird. Die zentral im Intranet erstellte Liste gleicht sich automatisch mit der eindeutigen Nummer im PDM ab. Die Anbindung an das ERP-System, wird durch die Artikelnummer sichergestellt.

Der Rheinhafen in Karlsruhe bietet Industrieatmosphäre pur. Mittendrin findet sich die Walter GmbH. Eine Firma, die seit den 70er Jahren auf dem Markt ist. Spezialgebiet: lüftungstechnische Anlagen. Man ist stolz auf die hohe Fertigungstiefe. Planung, Fertigung, Montage und Service werden vollständig am Standort erbracht. Ein wichtiger Trumpf im Wettbewerb ist für das mittelständische Unternehmen eine hohe Flexibilität in der Produktentwicklung. Dort war bis vor einiger Zeit als CAD-System Autocad im Einsatz, was zunehmend typische 2D Probleme mit sich brachte. Die Komplexität der Konstruktionen nahm zu, die Kunden wünschten eine höhere Detaillierung und exakte Angaben zu Gewicht und Abmessungen.

Folglich machte sich die Karlsruher auf die Suche nach einem 3D-CAD-System und einem Datenverwaltungssystem, zunächst beim bisherigen Lieferanten. „Für uns war Inventor als 3D-Paket keine Option. Obwohl es vom gleichen Hersteller wie unsere bisherige 2D-Software kommt und wir augenscheinlich günstig von 2D auf 3D hätten wechseln können. Wir suchten eine Lösung, die sowohl von der Bedienbarkeit als auch von der Bandbreite, unseren Anforderungen gerecht wird. Durch eine Empfehlung kamen wir zu Solidworks. Der Integrationspartner Solidpro GmbH, mit einer Geschäftsstelle im nahe gelegenen Ettlingen, machte die erste Vorführung. Solidpro hat uns so viele Anwendungsmöglichkeiten gezeigt, dass wir uns 2004 innerhalb von 14 Tagen für Solidworks entschieden haben.“ Alexander Zeitler ist Prokurist bei Walter. Mit der Entscheidung für Solidworks erhielt er die Aufgabe, die Einführung der Software zu koordinieren. Oberstes Gebot dabei war, die neue Lösung so effektiv wie möglich für das kleine Unternehmen zu nutzen, um eine maximale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.

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Parametrik beschleunigt

Mit dem Start wurden die vorhandenen drei Autocad-Arbeitsplätze durch Solidworks ersetzt. Stand heute sind fünf Arbeitsplätze mit der Datenverwaltung Enterprise PDM im Einsatz. Alexander Zeitler wollte eine möglichst rasche Ablösung, um umständliche Parallelarbeiten zu vermeiden. Mit dieser Strategie stieß er intern nicht bei jedem auf Begeisterung. Schließlich war man gewohnt, mit Autocad und 2D zu arbeiten. Ergo versuchten einzelne, die alte Arbeitsweise beizubehalten. Das Arbeiten mit 3D öffnet hingegen neue Horizonte in der Produktkonstruktion nur dann, wenn auch die Modelle 3D-gerecht aufgebaut werden. Gemeinsam mit dem Dienstleister wurden praxisgerechte Trainings anberaumt. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. In der Konstruktion kommen viele Wiederholteile vor. Der parametrische Aufbau der Modelle mit der 3D-Lösung beschleunigte die Konstruktion dieser Teile. Die Konstrukteure waren entlastet und konnten mehr Zeit auf die Produktkonstruktion verwenden, statt sich mit dem CAD-System zu beschäftigen.

Teamwork mit PDM-Software

Nachdem der Umstieg auf 3D gelungen war, machte man sich daran, weitere Vorteile von Solidworks zu nutzen. Alexander Zeitler: „Solidpro hat uns hier gut beraten. Natürlich wuchs bei uns der Wunsch, mehr mit 3D zu machen. Da wir noch keine geeignete Zeichnungsverwaltung hatten, riet uns Solidpro, zuallererst hier nachzuziehen. Bis dahin führten wir eine Dateiablage mit Ordnern im Windows-Explorer, wie wir es aus 2D-Zeiten gewohnt waren. Leider kam es häufiger zu Fehlern bei Laden von Baugruppen. Wie sich herausstellte, hat ein Kollege Einzelteile aus den Ordnern verschoben, ohne zu wissen, dass diese verbaut waren. Ein Relikt aus der gewohnten 2D-Arbeitsweise.“ Nach Rücksprache mit dem Dienstleister stand für die Karlsruher die Entscheidung fest, die Produktdatenverwaltung mit Enterprise PDM zu organisieren. Die Rechtevergabe ist dort strikt gehalten und die Konstruktionsrichtlinien können klar definiert werden.

Der Hauptaspekt der PDM-Lösung für die Karlsruher war die Verbesserung des Teamworks. „Wir entwickeln oftmals neue Lösungen für unsere Kunden. Das heißt, wir brauchen Freiraum für Kreativität und Ideen, die wir im Team vorantreiben. Dies lässt sich mit Enterprise PDM leicht kanalisieren, um Beispiel der Eincheckvorgang oder die Versionisierung. Man kommt jederzeit innerhalb eines Modells wieder an einen bestimmten Stand zurück, ohne dass ich fünf verschiedene Stände von Baugruppen habe, von der niemand mehr weiß, welches die aktuell Gültige ist.“ Der Hersteller gewinnt dadurch mehr Flexibilität.

Sehr hilfreich in diesem Zusammenhang ist die Skeletttechnik. Sie ermöglicht das verteilte Arbeiten im Team an einem Projekt. Die Verbindung der einzelnen Baugruppe erfolgt hier nicht direkt. Auf diese Weise entsteht kein schwerfälliger Daten-Koloss. Stattdessen werden die Baugruppen in Ebenen aufgeteilt und erst nach Abschluss zusammengeführt. „So können wir parallel vorgehen, ohne uns zu behindern. Genau wie im 3D muss ich meine Arbeitsweise für PDM entsprechend optimieren. Es bringt uns nichts, wenn ich ein System habe, das fähig ist Teamdaten zu verwalten, aber der Modellaufbau es nicht zulässt, dass zwei Leute an verschiedenen Stellen der Anlagenkonstruktion arbeiten“, sagt Zeitler.

Eindeutigkeit und schnelles Finden

Die grundsätzliche Organisation mit der PDM-Lösung zum Verwalten der Daten erfolgt anhand der Sachmerkmaleigenschaften. Alle Baugruppen und Teile bekommen im PDM-System eine fortlaufende Nummer, die durch Sachmerkmale ergänzt wird. „Das Finden von einmal erstellten Baugruppen und Teilen fällt uns so viel leichter, weil wir mit einer Sachmerkmal-ID beginnen, zum Beispiel FFR für Flach-Flansch-Rund oder E-Motor für Elektromotor und dann immer mehr detaillieren. Beim Flansch ist dies der Innendurchmesser, Anzahl der Bohrungen, der Bohrungsdurchmesser. Das führt dazu, dass die Produkte modularer werden und wir das Rad nicht ständig neu erfinden. Wir können jetzt sogar Auswertungen über eine ganze Anlage fahren und feststellen, wie hoch der Anteil an Fertigungs- und Zukaufteilen ist“, freut sich Zeitler. Für die Verwaltung der Sachmerkmal-IDs kommt Microsoft Sharepoint Services zum Zuge. Die zentral im Intranet erstellte Liste gleicht sich automatisch mit der eindeutigen Nummer in der Produktdatenverwaltung ab und bietet dem Konstrukteur das entsprechende Sachmerkmal an. Die Anbindung an das kaufmännische System von Sage, wird durch die Artikelnummer sichergestellt.

Mehr Zeit für das Wesentliche

Derzeit sind bei den Karlsruhern Überlegungen im Gange, mit der Programmierung eines „Add-In‘s“ die Sachmerkmal-ID-Verwaltung vollständig in Enterprise PDM zu integrieren. „Das ist generell ein Aspekt an Solidworks, der uns sehr gut gefällt. Man kann eigenständig Erweiterungen programmieren, sowohl im 3D-Bereich als auch in PDM. Arbeitsschritte lassen sich so automatisieren und wir schaffen es, unsere Konstrukteure von Verwaltung und Routine zu entlasten um mehr Zeit für das Wesentliche zu bekommen.“

Die kleine GmbH agiert so äußerst flexibel auf dem Markt, wie Alexander Zeitler aufzeigt. „Es bekommt nicht immer automatisch der Billigste den Zuschlag. Wer heute schnell, individuell und vollständig sein Angebot abgibt, hat oftmals die besseren Karten. Wird dies auch noch ergänzt durch einen kurzfristigen Liefertermin, hat man viele Vorteile. Unsere Zuschnitts- und Fertigungsstücklisten erhalte ich sofort in der PDM-Lösung, nachdem ich die Baugruppe erstellt habe. Veränderungen werden direkt aktualisiert. Mit dem Verwendungsnachweis sehe ich, welches Teil in welcher Baugruppe verbaut ist. Kündigt ein Lieferant ein Zukaufteil ab, erkennen wir umgehend, ob es einfach ausgetauscht werden kann, oder ob wir die Konstruktion anpassen müssen.“ -sg-

Walter GmbH, Karlsruhe Tel. 0721/95005-0, http://www.waltergmbh.de

Solidworks Deutschland GmbH, Haar Tel. 089/6129560, http://www.solidworks.de

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