Produktionssysteme

Varianten-Konstruktion arbeitet jetzt Pro/E-like

Der Sonnenschutz-Spezialist Warema optimierte mit Hilfe des CAD-Checks von Inneo Solutions den Einsatz der Pro/Engineer-Software von PTC, im Laufe des Jahres erfolgt das Update auf Creo Parametric. Durch den konsequenten Einsatz der Skelett-Technik sind die Baugruppen nun klar strukturiert, so dass sich die Stärken der Parametrik besser nutzen lassen. Auch die Simulation und Optimierung von Bauteilen wurde in einem ersten Pilotprojekt mit vielversprechenden Ergebnissen umgesetzt. Teil 1 unseres Beitrags beschreibt hier den Einsatz von CAx- und PDM-Software bei Warema, Teil 2 in der folgenden Ausgabe beschäftigt sich mit der zugehörigen Technischen Dokumentation.

Michael Corban, CAD-CAM REPORT

„Wir waren uns nicht sicher, ob sich der Einsatz von Pro/Engineer rechnet“, erinnert sich Jürgen Bauer, Leiter Technischer Service im Bereich Forschung & Entwicklung bei der Warema Renkhoff SE, an die Ausgangssituation im Bereich der Produktentwicklung vor rund vier Jahren. „Wir hatten das Gefühl, dass der Aufwand hinsichtlich Zeit und Kosten für das CAD-System zu hoch war – trotz regelmäßiger Schulungen.“ Mit diesen Bedenken wandten sich die Spezialisten rund um die Sonnenschutztechnik an den Systempartner Inneo Solutions. Zu dessen Angebot gehört ein CAD-Check: Inneo-Berater nehmen dabei den Systemeinsatz beim Kunden unter die Lupe und machen anschließend Vorschläge, wie sich die Prozesse in der Produktentwicklung verbessern und damit effizienter gestalten lassen. Einer der Kernpunkte der Analyse betraf den Baugruppen-Aufbau mit der PTC-Software. „Der war nicht Pro/E-like“, so Bauer weiter. „Wir nutzten damals die Skelett-Technik des Systems nicht und legten einfach Bauteil auf Bauteil – die Referenzen fehlten.“ Heute kann Warema mit dem durch Inneo vermittelten Know-how CAD-Modelle einfacher modifizieren, Varianten leichter ableiten. Das ist bei dem großen Angebot – von Raffstoren über Markisen, Rollladen und Sonnensegel bis hin zu Produkten für den Insektenschutz – ein großer Vorteil. „Hier haben wir einen Riesenschritt nach vorne gemacht und entschieden, dass die Produktentwicklung künftig ausschließlich mit Creo Parametric arbeitet.“ Creo Parametric ist der direkte Nachfolger der 3D-CAD/CAM/CAE-Lösung Creo Elements/Pro, die vor der Umbenennung Pro/Engineer Wildfire hieß.

Anzeige

Die IT-Landschaft bei Warema ist dabei durchaus heterogen aufgebaut. Getrennt von der Produktentwicklung arbeitet beispielsweise der Bereich Anwendungstechnik mit AutoCAD – Hintergrund ist die Verbreitung des Systems im Baubereich. Abhängig von der Gestaltung der Fassade werden hier etwa die Halter für die Raffstoren an die bauspezifische Situation angepasst. Interessant ist auch, dass Warema alle Produkte kundenindividuell fertigt. „Bestellen Sie eine Markise bei uns, wird die in Breite und Ausfalltiefe der Bestellung entsprechend hergestellt“, erläutert Jürgen Bauer. Nur so kann das Unternehmen die hohe Varianz bieten – allein die Stoffauswahl schließt einen Verkauf ab Lager aus. „Allerdings gibt es kein auftragsbezogenes Creo-Modell – in Creo erfolgt nur die Kernproduktentwicklung.“ Sobald die abgeschlossen ist, werden die Unterlagen inklusive Zeichnungen in Neutralformaten im Netzwerk abgelegt.

Entwicklungsseitig erfolgt die Datenverwaltung mit der PDM-Software Windchill PDMLink von PTC. Bereits bei der Einführung der Vorgänger-Lösung Pro/Intralink gab es auch Zweifel bei den Warema-Mitarbeitern, ob man die Software wirklich braucht. „Vorteile ergeben sich allerdings insbesondere in Bezug auf die Versionierung der CAD-Daten“, betont Günter Röhrig, Pro/Engineer- und zukünftig Creo-Administrator bei der Warema Renkhoff SE. Mit einer dateiorientierten Ablage stoße man hier an Grenzen. „Die Daten einer eingecheckten Baugruppe lassen sich heute ohne Probleme in der jeweils aktuellsten Fassung abrufen und wiederverwenden.“ Zuvor konnte es passieren, dass eine Kopie angelegt wurde und damit die Originaldatei ‚verschwand‘.

Um das PDM komme man heute nicht mehr herum, so Röhrig weiter. „Unzufrieden sind wir nur bezüglich des Update-Zwangs; insbesondere mit dem nach der Umstellung auf PDMLink jetzt erneut erforderlichen Umstieg auf Version 10 des PDM-Systems“, sagt Jürgen Bauer, „zumal wir keine zusätzlichen Funktionalitäten benötigen.“ Allerdings bieten sich Warema mit Windchill 10 auch interessante Möglichkeiten durch die Integration der Softwaresuiten InSight für Produktanalytik und Relex für das Qualitätsmanagement in Windchill (siehe dazu CAD-CAM REPORT 6/2011, S. 30). Insbesondere mit InSight – jetzt Windchill Product Analytics – lassen sich beispielsweise Produktkosten analysieren oder Fragen zum Kohlendioxid-Fußabdruck bereits im Laufe der Entwicklung beantworten. „Wie viel Energie in einem Produkt selbst steckt – die so genannte graue Energie – wird zukünftig sicher eine immer wichtigere Rolle spielen“, fährt Bauer fort.

Schnittstellen optimieren Datenaustausch

Einen weiteren wichtigen Vorteil von Windchill PDMLink sieht Warema in der Verfügbarkeit einer SAP-Schnittstelle. Inneo liefert dafür die Software IFConneX für SAP des Partnerunternehmens Innoface aus Karlsruhe, die auch im Rahmen des PLM-Elite-Netzwerks angeboten wird (siehe dazu Interview CAD-CAM REPORT 6/2011, S. 42 – insbesondere S. 45). Um Fragen zur Abstimmung der Systeme aufeinander sowie ganz generell zur Leistungsfähigkeit eines Programms zu klären, hat sich bei Warema auch der Austausch mit Anwendern aus anderen Branchen etabliert. „Die Grundidee war, dass ja nicht jeder das Rad neu erfinden muss“, erinnert sich Bauer. „Wir haben deswegen Inneo gefragt, ob es nicht Unternehmen – abgesehen von unseren Wettbewerbern – gibt, die an einem offenen Dialog interessiert sind.“ Zwei Mal im Jahr trifft man sich seitdem reihum und stellt vor, welche Ziele man verfolgt und welche Erfahrungen man bislang gemacht hat. Seitens Inneo nimmt zudem ein Spezialist teil, der ein bestimmtes Thema vertieft – beispielsweise die Bauteilabsicherung per FEM.

Das Thema Simulation spielte auch beim CAD-Check eine Rolle. „Zuvor hatten wir kein FEM-Tool im Einsatz“, berichtet Administrator Günter Röhrig. „Dabei macht das durchaus Sinn; zumal dann, wenn direkt ein Produktentwickler die Berechnung durchführt.“ Wichtig sei vor allem, die angreifenden Lasten sauber zu bestimmen – das könne einem das Programm nicht abnehmen. „Genau das beherrschen aber unsere Entwickler am besten.“ In einem Pilotprojekt wurde deshalb bereits eine Wandkonsole optimiert. Mit Erfolg, denn das neue Bauteil ist nun leichter und dennoch in der Lage, größere Lasten abzutragen – die Sicherheit ist also trotz geringerem Materialeinsatz höher. Im Moment erfolgen gerade Tests mit den ersten Prototypen, um die theoretischen Ergebnisse in der Praxis zu bestätigen. Viel spräche dann für einen regelmäßigen Einsatz des Moduls Creo Mechanica, zumal das inzwischen für relativ wenig Geld Teil des Creo-Pakets sei, wie Röhrig betont.

Weitere Ergebnisse des CAD-Checks bezogen sich auf die Kontrolle von Konstruktionsrichtlinien und den Einsatz der Start-up-Tools von Inneo (für Creo sind diese als Teil der Genius-Tools verfügbar). Mit letzteren – Warema ist hier auch Betatester für Inneo – lässt sich Creo Elements/Pro beziehungsweise Creo Parametric leichter verwalten und konfigurieren. Für die CAD-Anwender heißt das, dass sie effizienter mit dem Programm arbeiten können, beispielsweise sogenannte UDFs (User-Defined Features) und Normteile schneller finden oder die so wichtigen Parameter einfacher managen können. Damit die Anwender das auch umsetzen können, erhalten bei Warema nur CAD-Anfänger eine Standard-PTC-Schulung. Alle aufbauenden und weiterführenden Schulungen sind zusammen mit Inneo auf die Bedürfnisse der Produktentwicklung von Warema abgestimmt. „Es macht keinen Sinn, Funktionen zu schulen, die bei uns nicht genutzt werden“, erläutert Jürgen Bauer. „Für uns wichtige Schwerpunkte lassen sich dagegen mit den spezifisch auf uns abgestimmten Schulungen von Inneo intensiver erlernen.“ Ergänzend ist bei Warema zudem das Key-User-Konzept etabliert, so dass bei Rückfragen zunächst auf das Know-how erfahrener Mitarbeiter zurückgegriffen werden kann. Nach und nach wird man auf diese Weise auch den Einsatz des ModelChecks von PTC voranbringen, mit dem sich die Qualität der Modelle bezüglich des Einhaltens von Arbeitsrichtlinien sicherstellen lässt. „Das ist immer ein etwas schwierigeres Thema“, schmunzelt Bauer, „man kann das nur schrittweise einführen, weil man sonst am Widerstand der Anwender scheitert.“ Im Intranet werden gerade die Konstruktionsrichtlinien aufgebaut. Regelmäßig werden diese dann über eine Webplattform im Intranet veröffentlicht, um den Zugriff darauf so einfach wie möglich zu gestalten.

Warema kann auf diese Weise Schritt für Schritt den Systemnutzen weiter steigern. Der Technische Service will in Zukunft beispielsweise auch die Einbausituation bereits in der Produktentwicklung berücksichtigen. „Bilde ich das in Creo über die Baugruppengestaltung auf Skelettbasis ab, so dass sich geänderte Abmessungen anpassen lassen, kann der Entwickler das Produkt in der jeweiligen Einbausituation analysieren“, erläutert Bauer. Über daraus abgeleitete Schnitte erleichtert das dann auch den Anwendungstechnikern die Arbeit. Vorausgesetzt, die Daten finden über die Technische Dokumentation den Weg zu ihnen. Doch auch diese Aufgabe hat Warema bereits umfassend gelöst. (Hinweis: Mit dem Thema der Technischen Dokumentation befasst sich Teil 2 unseres Beitrags zum IT-Einsatz bei Warema, der in Ausgabe 7/8 des CAD-CAM REPORTs erscheint.)

Inneo Solutions GmbH, Ellwangen Tel. 07961/890-0, http://www.inneo.com

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

MES

Die richtigen Daten in die Cloud

Das neue trendige „SaaS-Konzept“ (Software as a Service) ist ein kundenorientiertes Prinzip. Die Software liegt bei einem externen Dienstleister und der Kunde bezieht lediglich den Service der Dienstleistung, ohne sich um Hardware Gedanken machen zu...

mehr...
Anzeige

PLM

Bombardier und Siemens kooperieren

Bombardier, der weltweit führende Hersteller von Zügen und Flugzeugen, arbeitet mit Siemens zusammen, um das Teamcenter-Portfolio für Product Lifecycle Management (PLM) auszubauen. Ziel ist es, eigene Engineering-Prozesse für die Produktentwicklung,...

mehr...

PLM

Quick-Start für digitale Transformation

Aras bietet ab sofort einen PLM-Quick Starter an. Auf Basis der unternehmenseigenen Software Innovator soll das neue Produkt Unternehmen im produzierenden Gewerbe dabei unterstützen, über die verschiedenen Stationen des Produktlebenszyklus hinweg...

mehr...

ERP

Evolution des ERP

 „Wer 2018 auf der Gewinnerseite stehen will, muss sein Geschäftsmodell digitalisieren bevor das Geschäftsmodell des Wettbewerbs an einem vorbeizieht.“ Diesen Tipp geben die Mainzer ERP-Experten von godesys allen Unternehmen, die ihre Firmenabläufe...

mehr...