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Produktionssysteme

Sonderkonstruktionen in den Prozess integriert

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enn einer der Marktführer im Büromöbelbereich seine Erzeugnisse nur auf Bestellung baut, muss dort eine ausgeklügelte Fertigungsmanagementlösung implementiert sein – und auch eine extrem effiziente Konstruktionsumgebung, denn die Konstruktion darf nicht zum Flaschenhals des Prozesses werden. König + Neurath nutzt dazu eine Solidworks-Installation, die über Porta-X auf SAP zugreift.

König + Neurath in Karben nordöstlich von Frankfurt blickt auf eine lange Firmengeschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1925 von Heinrich Neurath gegründet, der seinen Schwiegersohn Heinrich König ins Unternehmen brachte. Die Familie König ist bis heute Inhaber des Büromöbelherstellers, der zu den Marktführern zählt. An zwei Standorten in Karben und nahe Erfurt arbeiten rund 1.000 Mitarbeiter, sieben Showrooms in Deutschland und zwei Niederlassungen in England und den Niederlanden vervollständigen die Standortkarte von König + Neurath.

Das Unternehmen vertreibt seine Produkte über den Fachhandel, der Bestellungen nach Karben übermittelt. Jeder Stuhl, jeder Tisch und jeder Schrank wird auf Bestellung gefertigt, und das mit einer Lieferzeit von maximal vier Wochen. In dieser Zeit gruppiert die Arbeitsvorbereitung die Bestellung möglichst optimal nach Liefertouren und Gleichteilen. Das Programm von König + Neurath umfasst mehr als 70.000 Artikel in einer Vielzahl von Farb- und Größenvarianten– ohne einen ausgeklügelten und effizienten Auftragsabwicklungsprozess ist dies nicht zu schaffen.

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Solidworks als Ausgangspunkt

Entworfen und konstruiert werden die meisten Möbel in Karben, für Sonderkonstruktionen sind auch am Standort Erfurt drei Konstrukteure angesiedelt. Bei den Sonderkonstruktionen handelt es sich ganz überwiegend um Varianten bestehender Möbel, beispielsweise um Tische in Sonderformaten. Nachdem bereits Mitte und Ende der Neunziger Jahre zwei 3D-CAD-Systeme eingeführt wurden, entschied sich König + Neurath schließlich 2003 für eine Umstellung auf Solidworks; zunächst allerdings nur in der Serienkonstruktion. Da dort ganz überwiegend Varianten von Holzplatten entstehen – beispielsweise Tischplatten oder Schrank-Einzelteile – wurde dort noch für einige Zeit ein 2D-System bevorzugt. Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass viele Fehler, die erst bei der Montage auffielen, etwa falsch gesetzte Bohrungen, in einer 3D-Baugruppe sofort bemerkt worden wären. So wurde 2008 auch in diesem Bereich Solidworks eingeführt. Von Beginn an vertraute König + Neurath hier auf das Systemhaus Solidline.

Im Gegensatz zur Serienkonstruktion, die zunächst recht frei konstruiert und die Bauteile erst gegen Ende der Konstruktionsphase an das

ERP-System übergibt, arbeitet die Sonderkonstruktion sehr viel mit SAP – denn sie müssen die Daten der Bauelemente mit SAP abgleichen. Konsequenterweise wurde daher im Jahr 2008 mit Solidworks die von der Solidline-Tochter HCV Data Management entwickelte SAP-Integration Porta-X eingeführt. Dank dieser Integration ist es sehr einfach, ein Produkt in SAP zu finden, die angehängte Stückliste zu kopieren und mit den geänderten Teilen wieder einzuchecken.

Aber auch im normalen Ablauf werden die Daten aus Solidworks, die über Porta-X in SAP gelangten, genutzt. So erzeugt das ERP-System zu jedem Auftrag Fertigungsunterlagen, auf deren Vorderseite die Auftragsdaten und auf deren Rückseite die zugehörige Zeichnung gedruckt ist. IT-Leiter Michael Hoppe ergänzt: „Mit Porta-X hat der CAD-Anwender immer direkten Zugriff auf die Daten des ERP-Systems, der Freigabeprozess und die automatische Erzeugung von Neutralformaten laufen sehr gut. Wir haben im Intranet ein einfaches Tool, mit dem jeder Mitarbeiter auf die Zeichnungen zugreifen kann, die im PDF-Format an den Materialstammdaten hängen. Das hilft im Arbeitsalltag ungemein, weil jeder direkt auf diese Informationen zugreifen kann.“

Beschleunigte Prozesskette

Um die Sonderkonstruktion weiter zu beschleunigen, führt der Büromöbelhersteller derzeit den Konfigurator Tacton ein. Diese Software ermöglicht es, Sonderkonstruktionen auf Basis bestehender Produkte sehr schnell zu erzeugen. IT-Leiter Michael Hoppe erläutert: „In Zusammenarbeit mit Solidworks funktioniert das schon sehr gut, jetzt arbeiten wir gemeinsam mit Solidline daran, Tacton und SAP über Porta-X zu verbinden, da bei den Sonderkonstruktionen die Arbeit mit SAP fast ebenso viel Zeit benötigt wie die Konfiguration des CAD-Modells. Von dieser Lösung versprechen wir uns eine große Zeitersparnis.“

Simulation und technische Kommunikation

Die weiteren Prozessschritte sind ebenfalls an Solidworks angebunden: Die NC-Systeme für Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen werden über das ERP-System mit SAT- und DXF-Daten versorgt, die eine schnelle NC-Programmerstellung ermöglichen. Das in Solidworks Premium integrierte FEM-Paket Solidworks Simulation wird benutzt, um die Bauteile so zu optimieren, dass bei geringstmöglichem Materialeinsatz die gesetzlichen Anforderungen an Tische und Stühle erfüllt werden. Die Solidworks-Toolbox stellt außerdem nicht nur Normteile, sondern auch firmeneigene Normalien zentral im Netzwerk zur Verfügung.

„Das Kinematikmodul Solidworks Motion setzen wir ein, um die Mechaniken der Stühle zu analysieren“, ergänzt Hoppe. „3DVIA Composer, das Dassault Systèmes-System für die technische Kommunikation, wird für Montage- und Bedienungsanleitungen benutzt. Zum einen erstellen die Kollegen mit 3DVIA Explosionsdarstellungen für unsere Montage, zum anderen liefern wir im Export nicht wie sonst komplette Möbel, sondern aus Platzgründen teilzerlegte. Dann erstellen wir auch für diese Produkte mit wenig Aufwand schöne und aussagekräftige Dokumentationen mit 3DVIA.“

Support – ein wichtiger Baustein

Ein wichtiges Thema in der Zusammenarbeit mit Solidline sind die unter dem Namen MyCAD-Services zusammengefassten Supportangebote des Systemhauses. „Wir haben einen Firmenzugang“, sagt Hoppe, „so dass jeder User selbst auf den Solidline-Support zugreifen kann. So ist die CAD-Administration entlastet und die User bekommen extrem schnell Feedback. MyCAD-Services ist internetbasiert und ich bekomme nur positives Feedback von meinen Kollegen.“

Hoppe ergänzt: „Ich bin mit unserer Software-Umgebung und unserem Partner Solidline sehr zufrieden. Mit Solidworks kann man unglaublich schnell sehr viel arbeiten, und durch Porta-X haben wir das CAD-System sehr eng mit der ERP-Software verknüpft. Porta-X ist für die CAD-Anwender sehr transparent und ermöglicht gleichzeitig einen einfachen Zugriff auf SAP. Die MyCAD-Services sind eine große Entlastung für die IT und eine sehr effiziente Wissensquelle für die Anwender. -sg-

König + Neurath AG, Karben, Tel. 06039/483-0, http://www.koenig-neurath.de

Solidline AG, Walluf, Tel. 06123/9950-0, http://www.solidline.de

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