Produktionssysteme

PTC: Ein Vorgeschmack auf die neuen Produkte

N
icht die Produkte, sondern die Kunden und ihre Herausforderungen standen in diesem Jahr im Mittelpunkt der Konferenz PTC Live, die mit insgesamt 72 Kundenvorträgen mehr Praxisbezug bot als jemals zuvor. In gemeinsamen Keynotes mit Vertretern von PTC erläuterten namhafte Kunden - darunter Airbus, John Deere und GE Appliances und der deutsche Automobilzulieferer GKN - dem Publikum, wie sie mit Lösungen von PTC den Wandel in der Fertigungsindustrie meistern.

Die Fertigungsindustrie wird nach Überzeugung von PTC in den nächsten Jahren einen tief greifenden Wandel durchmachen, an dessen Ende die Servitization steht: Die Verwandlung von softwareintensiven, immer stärker vernetzten Produkten in Dienstleistungen. Um die Dimensionen dieses Wandels zu analysieren, hat PTC bei Oxford Economics eine Untersuchung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse in Anaheim vorgestellt wurden. Außerdem erläuterte der PLM-Hersteller, wie er seinen Kunden hilft, diesen Wandel durch die Kombination von Product, Application und Service Lifecycle Management zu meistern.


Mit rund 1.900 Teilnehmern war die PTC Live in Anaheim eine der am besten besuchten Anwenderkonferenzen der letzten Jahre, und das obwohl heuer keine bahnbrechenden Produktneuheiten vorgestellt wurden. Einer der Gründe für die ungewöhnliche Zurückhaltung war, dass PTC den laufenden Migrationsprozess in der Kundenbasis nicht durch die Ankündigung von neuen Creo- und Windchill-Funktionen verzögern möchte. Mike Campbell, PTCs Executive Vice President (EVP) CAD Segment, hat das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahresende die Hälfte der CAD-Anwender auf die aktuelle Version Creo 2.0 umzustellen; zur Zeit wird sie von etwa einem Viertel der Bestandskunden genutzt. Deshalb soll Creo 3.0 abweichend vom ursprünglichen Release-Zyklus erst im Frühjahr 2014 in den Markt eingeführt werden.

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Campbell gab den Anwesenden jedoch einen viel versprechenden Vorgeschmack auf die künftigen Möglichkeiten der Multi-CAD-Bearbeitung. Die Anwender können Fremddaten aus gängigen CAD-Systemen wie Solidworks, Catia oder NX ohne Konvertierung in ihren nativen Datenformaten in Creo importieren und Referenzen zwischen Creo-Bauteilen und der Fremdgeometrie setzen, so dass sich wie eine native Baugruppe verhalten. Damit sei dann auch die Vision der AnyData Adoption umgesetzt, sagte Campbell. Das importierte Modell lässt sich durch eine neuere Version ersetzen, ohne dass die Beziehungen verloren gehen. Erst wenn der Anwender die Fremdgeometrie modifizieren möchte, muss sie in ein Creo-Modell umgewandelt werden. Creo 3.0 bekommt außerdem eine neue App für die Modellierung von Freiformflächen, die direkt mit parametrisch erzeugten Modellen verknüpft werden können. Auf die angekündigte Drawing-App werden die Anwender allerdings noch etwas länger warten müssen.

Ausbau der Windchill-Lösungen

Die Anwender der Windchill-Familie von Lösungen werden sich noch bis September dieses Jahres gedulden müssen, um in den Genuss der neuen Funktionen von Version 10.2 zu kommen, die ihnen Brian Shepherd, EVP Enterprise Segments in seiner Keynote in Aussicht stellte. Dazu gehört neben den Verbesserungen bei Anforderungsmanagement und Validierung, die im Wesentlichen das Ergebnis der Integration von Integrity sind, ein so genannter Relationship Navigator. Er visualisiert das Beziehungsgeflecht der miteinander verknüpften Anforderungen, Funktionen, Test Cases und anderer Objekte, unabhängig davon, ob sie sich in Windchill oder Integrity befinden. Außerdem können die Anwender künftig mit dem Windows Explorer direkt auf Dokumente in Windchill zugreifen, sie per drag & drop verschieben, öffnen oder zwei Versionen miteinander vergleichen. Dadurch sei die PLM-Lösung für nicht-technische Benutzer noch intuitiver zu bedienen, meinte Shepherd.

Sehr viel Arbeit ist in Windchill 10.2 in die Weiterentwicklung der Manufacturing Process Management-Funktionen geflossen, wie Tom Shoemaker, VP Marketing PLM Segment betonte. Die entsprechende Windchill-Lösung gebe es zwar schon länger, sie biete aber jetzt eine bessere Unterstützung bei der der Erstellung der Bill of Operations durch die Möglichkeit, die Komponenten einer Engineering-Stückliste direkt mit den Fertigungs- oder Montageoperationen zu verknüpfen und ihnen Ressourcen zuzuweisen. Allerdings können die Operationen nicht simuliert werden, um Alternativen auszuprobieren. Die Product Analytics-Funktionen werden in Windchill 10.2 dahingehend erweitert, dass auch die neuen US-Regeln für den Herkunftsnachweis von Mineralien unterstützt werden. Sie sollen den Mineralienhandel mit Krisengebieten wie dem Kongo unterbinden.

Erweitert wurden auch die Projektmanagement-Funktionen in der PLM-Lösungssuite. Sie erlaubt jetzt die Verknüpfung von verschiedenen Aufgaben, so dass bestimmte Workflows automatisch ausgeführt werden können. Die neue Funktionalität trägt zu einer spürbaren Reduzierung der Arbeitsbelastung für die Projektmanager bei, wie Shoemaker versicherte. In der Windchill-Lösung für die Qualitätssicherung hat PTC den Feedback-Kreislauf zwischen Engineering und Serviceorganisation geschlossen, so dass die Mitarbeiter in Qualitätsmanagement und in der Produktentwicklung eine synchronisierte Sicht auf das Produkt bekommen. So werden die Entwickler gezielt darüber informiert, wenn Teile häufiger ausfallen, um die Fehlerursache analysieren und entsprechende Gegenmaßnahmen treffen zu können.

Verstärkung für das SLM-Geschäft

Die Kunden, die Windchill in Verbindung mit der ALM-Lösung Integrity (Application Lifecycle Management) einsetzen, sind derzeit noch in der Minderheit, aber ihre Zahl hat sich nach Worten von Matt Klassen, Product Marketing Director ALM im letzten Jahr verdoppelt. PTC adressiert mit der Integrationslösung Hersteller von softwareintensiven Produkten, die einen ganzheitlichen Ansatz der (modellbasierten) Systementwicklung verfolgen. Die Adoption des Systems Engineering-Ansatzes sei von Branche zu Branche unterschiedlich, besonders stark wachse die Nachfrage zur Zeit in der Medizintechnik, sagte Klassen. Ein wesentlicher Treiber sei das Thema Compliance, das heißt die Notwendigkeit, die Regelkonformität der Produktentwicklung nachzuweisen.

Durch die Übernahme der Firma Servigistics hat sich PTC auf dem Gebiet des Service Lifecycle Managements (SLM) massiv verstärkt, gerade was die Unterstützung der Serviceplanung anbelangt. Die Übernahme sei eine riesige Chance, weil kein anderer Mitbewerber eine so vollständige Lösung biete, betonte Bill Berutti, EVP SLM Segment. Allerdings sieht die Integration-Roadmap nicht vor, alles in einer Architektur zusammenzuführen, wie Tom Sears, VP Product Management SLM erläuterte. Man adressiere jetzt unterschiedliche Ebenen in den Service-Organisationen und habe die Lösung deshalb in verschiedene Module zerlegt. Typischerweise starteten die Kunden mit dem Ersatzteil-Management bzw. dem Management der technischen Informationen, aber in der High-Tech-Industrie sei beispielsweise das Management der Depots und Service-Netzwerke wichtiger. Sears betonte, dass die Vernetzung der Produkte den Herstellern die Chance biete, mit den Käufern ihrer Produkte in Kontakt zu bleiben und das Potential des Servicegeschäfts besser auszuschöpfen.

Hinweis: Detaillierte Informationen zur neuen Creo-Produktpalette finden Sie in der Rubrik CAD-Technologie. -sg-


Michael Wendenburg, Sevilla (www.wendenburg.net)

Parametric Technology (PTC) GmbH, Unterschleißheim, Tel. 089/321060, http://www.ptc.com/germany

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