Produktentwicklung

CAD bei den Cowboys

Die jährliche Anwendertagung von Solidworks fand dieses Mal im texanischen Dallas statt. Neben stattlichen Cowboyhüten waren auch einige interessante neue Produkte zu sehen. Solidworks wird zukünftig noch stärker die 3D-Experience-Plattform von Dassault Systèmes für neue Produkte nutzen. Und auch die Cloud-Technologie wird eine immer größere Rolle spielen. 

Wo in den 80er Jahren einst die Ewing-Familie mit Fiesling J.R. Ewing ihren Geschäften nachging, fand im Februar die Solidworks World 2016 statt: Dallas/Texas. Offensichtlich wurde in der Region nicht nur mit Öl Geld verdient, sondern auch mit Beton. Denn wohin das Auge auch schweifte, alles aus Beton. Die Dassault Systèmes Tochter Solidworks veranstaltete ihre 18. Anwendertagung im Kay Bailey Hutchison Convention Center der Stadt. Mehr als 5.000 Teilnehmer waren vor Ort und laut Veranstalter rund 3.000 weitere per Web zugeschaltet. Generell hat der ehemalige CAD- und heutige PLM-Anbieter eine beachtliche Größenordnung erreicht: fünf Millionen Anwender weltweit, davon sind 175.000 von Solidworks zertifiziert. Auch der Nachwuchs ist bereits fleißig in den virtuellen Welten unterwegs, denn rund um den Globus setzen 29.900 Schulen und Universitäten – vorwiegend die CAD-Software – des Herstellers ein.

Schon immer hat Solidworks eine sehr enge Bindung zu seinen Kunden und Anwendern, was einen großen Teil des Erfolgs ausmacht. Schließlich kommt ein großer Teil der Verbesserungsvorschläge sowie Anregungen für neue Funktionen von der riesigen Anwender-Gemeinde. Solidworks weiß das offensichtlich zu schätzen und gibt den Teilnehmern der jährlichen Anwendertagung das Gefühl „Teil einer riesigen Community zu sein“. Wer die Veranstaltung aus den Vorjahren kennt und sich umschaut, stellt auch fest, dass viele Teilnehmer bereits seit Jahren dabei sind. Ganz offensichtlich wird dies mit Blick auf die T-Shirts, die jeder bei der Anmeldung erhält – viele tragen diese wie Trophäen. Je älter, desto besser. Gleichzeitig zeichnet sich deutlich ab, dass sich das Unternehmen seit der Übernahme durch Dassault Systèmes sehr verändert hat. Die Franzosen haben zwar versucht, ein Stück der Firmenkultur zu bewahren, dennoch ist aus dem Management der vergangenen Jahre kaum noch jemand an Bord geblieben. Dies wurde auch in Dallas sichtbar, denn die Hauptakteure Bernard Charlès (CEO von Dassault, Frankreich), Monica Menghini (Vorstand Dassault, Italien) und Gian Paolo Bassi (CEO von Solidworks, Italien) geben heute den Ton an. Hinter vorgehaltener Hand erfährt man, dass dies vor allem die Amerikaner irritiert.

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Näher zu den Wolken
Viel Neues konnte Gian Paolo Bassi über neue Produkte und Dienstleistungen berichten. Er hat offenbar einen engen Draht zu der Entwicklungsabteilung von Dassault in Frankreich und nutzt diese Ressourcen auch. Neue Produkte entstehen auf der 3D-Experience-Plattform der französischen Mutter. Eine zentrale Rolle spielt schon heute - und in Zukunft noch viel stärker - die Cloud-Technologie. Vorreiter waren hier die CAD-Lösungen Conceptual und Industrial Design, die mit der Cloud arbeiten (aber auch stationär). Zwei Neuentwicklungen, die bis 2017 marktreif sein sollen, basieren auf der Cloud: XDrive und XDesign. XDrive ist eine Online-Speicher- und Collaboration-Lösung, die in allen Subscriptions enthalten sein wird. Jeder Lizenzinhaber erhält fünf Gigabyte Speicher in der Dassault-Cloud. Dadurch soll das kollaborative Arbeiten in Entwicklerteams wesentlich vereinfacht werden. XDesign hingegen ist eine Browser basierte Lösung, die zum Skizzieren verwendet werden kann oder für Generative-Design-Funktionen. Interessant ist, dass XDesign auch vorhandene Geometrien finden kann. Der Anwender definiert eine grobe Form und lässt die Software dann in 3D-Content-Central suchen, ob dort passende Modelle vorhanden sind. Die Suche berücksichtigt dabei Geometrie, Metadaten und andere Ähnlichkeitsmerkmale.

Elektrisiert
Viel Beachtung fand das neue Produkt Solidworks PCB, das auf Basis einer Partnerschaft von Solidworks mit dem Elektronik-CAD-Anbieter Altium entstand. Deren Lösung PCB-Works wurde weiterentwickelt und soll im zweiten Quartal 2016 auf den Markt kommen. Das Produkt besteht aus zwei Teilen: Solidworks PCB ist eine Kombination aus Altium- und Solidworks-Software und dient als PCB-Entwicklungsumgebung. Die Oberfläche ist an die CAD-Software angelehnt und ermöglicht das dreidimensionale Darstellen bestückter Leiterplatten. Der Solidworks PCB Connector for Altium hingegen bindet die CAD-Lösung an PCB an. Weiterhin angeboten wird der Konnektor zwischen dem Vollprodukt Altium Designer und Solidworks. Auch Circuitworks, das EDA-Software über Standardschnittstellen anbindet, bleibt im Portfolio, so dass Solidworks-Anwender nach wie vor mit anderen EDA-Produkten arbeiten können. Die neue Lösung arbeitet mit Solidworks Electric zusammen, damit hat das Unternehmen als einziger Anbieter eine wirklich integrierte Lösung mit MCAD, Elektrik und Elektronik im Programm.

Flexibler Betrieb
Eine weitere Neuerung verkündete Bassi in Bezug auf die Lizenzierung der Software. Bislang bot der Hersteller nur den traditionellen Weg an: Kauf und Installation. Nun kann man die Software nicht nur kaufen, sondern auch mieten. Eine CAD-Version wird bald auch für den Betrieb im Browser verfügbar sein. Dies dürfte als Antwort auf Onshape zu sehen sein. Onshape wurde von den Solidworks-Gründern ins Leben gerufen und bieten eine 3D CAD-Software an, die ohne Installation im Cloudbetrieb verfügbar ist. Der neue Wettbewerber ist in Nordamerika bislang recht erfolgreich.

Stefan Graf

Dassault Systèmes, München, Tel. 089/960948-400, www.3ds.com/de

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