Produktdatenmanagement

PLM-Prozesse mit automatischer Dokumentenlenkung

Als der Automobilzulieferer Moll Automatisierung im Jahr 2010 von der Rofa-Gruppe akquiriert wurde, stand softwareseitig erst einmal ein Neuanfang in Sachen PDM/PLM und ERP an. Rofa ist langjähriger Anwender der PDM/PLM-Software Profile sowie des ERP-Systems Navision und gab damit die Richtung vor. Die Unternehmen arbeiten, was ihre Datenbasis angeht, eng zusammen und suchten einen Product Data Backbone, um Produktdaten und Dokumente durchgängig zu verwalten und Arbeits-Prozesse flexibel zu halten.

Bislang hatte die Moll Automatisierung GmbH ihre Zeichnungen mit Product Stream Professional (PSP) von Autodesk verwaltet. Konkreter Auslöser für die schnelle Einführung eines neuen PDM/PLM-Systems war die PSP-Abkündigung durch Autodesk im Jahr 2014. Vor allem war dem niederbayrischen Unternehmen die Multi-CAD-Fähigkeit der künftigen Lösung wichtig. Auch die CAD-Landschaft wollte man nämlich umbauen, weg von Autocad, hin zu Solidworks und Catia. Es war nur noch nicht klar, welche Produkte es schließlich werden würden. „Durch die Wahl von Profile hielten wir uns hier alle Wege offen“, so Hans-Peter Schmelber, IT-Leiter bei Moll Automatisierung, „das System ist von der Programmstruktur sowie der Maskengestaltung her außerdem moderner als PSP.“

Der Abschied von PSP fiel den Konstrukteuren bei Moll im ersten Augenblick nicht eben leicht. Auch die anderen Abteilungen hatten sich nach vielen Jahren an das System gewöhnt. Da die Strategie bei Moll jedoch klar in Richtung eines durchgängigen Product Lifecycle Managements geht, kam der von Autodesk ins Feld geführte Nachfolger Vault nicht in Frage. Mit der Procad-Lösung entschied sich das Unternehmen für ein einheitliches System, das neben PDM/PLM- zusätzlich umfängliche DMS-Funktionalitäten für einen unternehmens- und gruppenweiten Einsatz mitbringt.

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Beim Übergang übernahm Moll keine Altdaten, es wurde also mit einem Blanco-System gestartet. Stattdessen existiert für die Übergangszeit noch eine Schnittstelle für lesenden Zugriff auf das Altsystem, denn PSP wird nach wie vor noch für Ersatzteile vorgehalten. Wurde ein Artikel in PSP schon einmal erfasst und soll nun im neuen System angelegt werden, wird die Zeichnung einfach übertragen.

Dokumentenstrukturen beherrschen
Von Anbeginn war es das Konzept von Moll Automatisierung, das PDM/PLM-System auch als DMS für kaufmännische Dokumente und Projektunterlagen zu nutzen - also einen Einsatzbereich zu schaffen, der über die Konstruktion hinausgeht. Dafür muss ein DMS den in technischen Branchen hohen Komplexitätsgrad von Dokumentenstrukturen beherrschen und sich auf die projektorientierte Arbeitsweise in technischen Unternehmen einstellen. Experten bezeichnen dies als „DMStec“. Das System wurde mustergültig für den Standort Leiblfing aufgesetzt und dabei so ausgestaltet, dass es künftig auch für andere Unternehmen der Rofa-Gruppe, der Muttergesellschaft von Moll Automatisierung, nutzbar ist.

PDM eingebettet in ERP und PPS-Systeme
Die Lösung ist bei Moll Automatisierung in ein Netzwerk von IT-Systemen eingebunden, über das die Entwicklungs- und Fertigungsprozesse gesteuert werden. Es besteht aus Microsoft Navision als führender ERP-Software und dem Produktions- und Planungssteuerungssystem Fepa-Net. Letzteres ist erforderlich, weil Moll noch selbst fertigt. Rund die Hälfte der 200 Beschäftigten arbeitet in der Produktion.

Für den täglichen Einsatz ist eine leichte Konfigurierbarkeit im Bereich PLM wichtig, findet Hans-Peter Schmelber. Oft müssen zum Beispiel neue Dokumententypen und Nutzergruppen angelegt und dazu Workflows eingerichtet werden. Das funktioniert bei anderen Systemen zumeist nur durch Programmierung und Anruf bei der Hotline. Schmelber kann sein PDM/PLM-System heute zu 90 Prozent selbst pflegen und erweitern.

Nur anpassungsfähige Prozesse setzen sich durch
Prozessgestaltung ist ein derzeit vorrangiges Thema für Moll. Extra dafür wurde ein Projekt initiiert: Unter dem bezeichnenden Namen „Darwin“ ist das Unternehmen seit einiger Zeit damit beschäftigt, seine bestehenden Prozesse auf den Prüfstand zu stellen, neu zu definieren und zu verbessern. Dass mit der aktuellen Profile-Version 8.6 und der PLM-Ergänzung Pro-Ceed dafür eine passende Technologie bereitsteht, kommt Hans-Peter Schmelber entgegen. So kann der Automatisierungsspezialist kurzfristig in unterschiedlichen Arbeitsbereichen neu definierte Geschäftsabläufe softwaregestützt gestalten.

Dazu gehört zum Beispiel die Rechnungsbearbeitung. Derzeit werden Eingangsrechnungen noch traditionell auf dem Papierweg freigegeben, der Prozess ist definiert in Excel- oder Visio-Charts. Künftig wird dies vollautomatisch über die PLM-Lösung stattfinden. Das Reklamationsmanagement ist ein weiterer Standardprozess. Moll will ihn so gestalten, dass man im System mit entsprechenden Dokumentvorlagen arbeiten kann. Auch die Auftragsanlage soll künftig mit dem Prozesstool organisiert werden. Vom Arbeitsgang ändert sich in diesem Fall wenig, aber mit der neuen Software lässt sich viel besser überwachen, wie weit der Prozess fortgeschritten ist.

Zusammenarbeit mit externen Ingenieurbüros
Für den gesteuerten Dokumentenaustausch mit Externen nutzt Moll Automatisierung die Procad-Lösung Proom als eine im PLM integrierte Austauschplattform. Das Tool läuft in der Private Cloud auf den eigenen Moll-Servern. Genutzt wird es für alle Varianten des Datenaustausches mit Externen, auch innerhalb der Schwestergesellschaft, wenn es gemäß internen Informationssicherheitsrichtlinien so vorgeschrieben ist. Für den Austausch sensibler Daten werden in der Plattform virtuelle Projekträume installiert, in denen Projektbeteiligte Engineering-Daten ablegen und gemeinsam bearbeiten können.

Die Konstruktionsabteilung von Moll vergibt über die Austauschplattform komplette Unterbaugruppen an externe Zeichnungs- und Ingenieurbüros. Früher lief die Übermittlung ausschließlich per FTP. „Vom Handling her ist nun deutlich einfacher“ findet Hans-Peter Schmelber. „Wir haben für jede Abteilung einen Key User definiert, der Projekträume anlegen kann. Die Kollegen können dies selbständig regeln. Dies ist eine echte Entlastung für das IT-Team. Eine optimal gelöste Art des Dokumentenaustausches und die Akzeptanz unter den Anwendern ist sehr hoch.“ 160 Projekträume wurden bislang angelegt.

Ein für Moll besonders wichtiger Unterschied im Vergleich zum früheren Dokumentenaustausch ist die elektronische Bestätigung. Der Gegenüber kann demnach erst dann Dateien herunterladen, wenn er den Geheimhaltungserklärungen von Moll Automatisierung zugestimmt hat. Alle Abteilungen nutzen die Datenaustauschplattform mittlerweile, neben den Konstrukteuren auch Vertrieb und Einkauf für die Übermittlung von etwa Preisblättern an Elektriker oder Unterlieferanten, Marketing, Personal oder die Verwaltung. -sg-

Procad, Karlsruhe, Tel. 0721/96565-5, www.procad.de

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