Produktionssysteme

Pro.File meets eCl@ss – genau ein Name für jedes Bauteil

PDM-Anbieter Procad bietet nun für Pro.File eine vorinstallierte und auf die jeweilige Branche zugeschnittene Basis-Klassifikation an, mit direktem Bezug auf den Klassifikationsstandard eCl@ss. Dazu gehört auch die Installation fertiger Eingabemasken für die Zuordnung von Teilen in das System und für die Suche nach ihnen. Denn mit der Verfügbarkeit einer industrieweit anerkannten Klassifizierung der eigenen Teile bereits von den ersten Konstruktionsschritten an ersparen sich die Anwender nicht nur viel Zeit und Geld. Ihre Teile werden auch auf dem Markt schneller gefunden.

Sie ist ein Klassiker im Produktdatenmanagement, und es gab sie schon lange vor PDM: die Klassifikation von Teilen etwa mit Hilfe von Sachmerkmalleisten. Und doch bleibt es weiterhin eine große Herausforderung für die Industrie, die von ihr entwickelten und gefertigten Teile wirtschaftlich sinnvoll zu bezeichnen und zu verwalten. Allerdings bietet die Informationstechnologie auch hier neue Möglichkeiten: etwa das Scannen von Lagerlisten oder Katalogen und ihre teilautomatisierte Überführung in ein PDM-System – wenn das PDM-System denn damit umgehen kann.

Procad in Karlsruhe, Hersteller des Systems Pro.File, geht jetzt mit der eigenen Software einen Schritt weiter. Statt nur die Definition und Verwaltung von Hierarchien in Form von Teile-Klassen zu ermöglichen, können Kunden eine vorinstallierte und auf die jeweilige Branche zugeschnittene Basis-Klassifikation erhalten − und zwar mit direktem Bezug auf den Klassifikationsstandard eCl@ss. Bei der Installation werden die fertigen Eingabemasken für die Zuordnung von Teilen in das System und für die Suche nach ihnen mitgeliefert. PDM positioniert sich so erneut als Schnittstelle und Datendrehscheibe zwischen den Entwicklungsbereichen und dem Rest des Unternehmens, vor allem Beschaffung, Fertigung und Vertrieb. Denn mit der Verfügbarkeit einer industrieweit anerkannten Klassifizierung der eigenen Teile bereits von den ersten Konstruktionsschritten an erspart sich der Kunde nicht nur viel Zeit und Geld. Seine Teile werden auch auf dem Markt schneller gefunden.

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Der Klassifikationsstandard eCl@ss wurde von dem 2000 gegründeten gleichnamigen Verein definiert und verbreitet, dem Unternehmen wie Audi, BASF, Deutsche Bahn, Schneider Electric und Siemens angehören. Bei eCl@ss handelt es sich um ein hierarchisches System zur Gruppierung von Materialien, Produkten und Dienstleistungen nach einem logischen Schema, das als Standard für die elektronische Beschaffung von Produkten aller Art und generell für den Austausch von Informationen zwischen Lieferanten und Kunden implementiert wurde. Das System ist mittlerweile in der Version 6 verfügbar und hat innerhalb weniger Jahre einen hohen Verbreitungsgrad erreicht. Der Standard besteht aus einer vierstufigen Baumstruktur. Die vier Ebenen sind das Sachgebiet, die Hauptgruppe, die Gruppe und die Untergruppe. Dem Sachgebiet ‚Maschinenelemente‘ sind etwa Schrauben zugeordnet. Darunter gibt es eine Hauptgruppe ‚Schraube, Mutter‘, darunter eine Gruppe ‚Schraube mit Kopf‘ und auf der Ebene der Untergruppe schließlich eine ‚Holzschraube‘ mit der Bezeichnung 23-11-01-11. Das System erlaubt die Vergabe von unterscheidenden Sachmerkmalen, die sich auf der untersten Ebene finden, und dem einzelnen Element zugeordnet werden.

Um Kunden in der fertigenden Industrie bei der möglichst intensiven Wiederverwendung von Teilen zu unterstützen, verfügt Pro.File seit vielen Jahren standardmäßig über die Funktionalität der Erstellung und Verwaltung von Sachmerkmalleisten und des Normteilemanagements. Denn das eindeutige Bezeichnen und Ablegen von Produktmodellen und anderen zum Produkt gehörenden Daten beschleunigt die Suche und erleichtert das Auffinden gesuchter Elemente. Damit motiviert es den Entwickler, vorhandene Teile zu nutzen, statt neue zu erfinden.

Das PDM-System gestattet nun – anders als eCl@ss – die Vererbung von Merkmalen und Attributen. Das heißt: Merkmale, die einer Klasse von Teilen zugeordnet sind, gelten qua Vererbung automatisch auch auf den darunter liegenden Ebenen. Der mit der Klassifizierung Befasste muss das Merkmal ‚Durchmesser‘ nur einmal auf der Ebene der Klasse ‚Schrauben und Muttern‘ eingeben, während er das bei eCl@ss für jedes Teil, das einen Durchmesser hat, tun müsste.

Es war der Kunde Fresenius Medical Care, der den Anstoß gab, über die Kopplung der beiden Arten von Klassifizierungssystemen nachzudenken. Fresenius ist Mitglied des eCl@ss-Vereins und nutzt den Standard schon seit Jahren in der Kommunikation nach außen. Intern war dies für die Entwickler bis dato keine Hilfe, denn die technischen Aspekte wurden ja nicht aus Sicht der Ingenieure berücksichtigt, sondern aus der des Beschaffungsprozesses.

Wiederverwendung als oberstes Gebot um Kosten einzusparen

Ungefähr ein Dreivierteljahr Vorarbeit investierte das PLM-Team von Fresenius unter Leitung von Nico Michels für die Analyse und Klassifikation des Norm- und Katalogteilebestands und die Entwicklung einer Konfiguration von Pro.File-Masken und -funktionen, die das System für die Ingenieure aufbereitete und nutzbar machte. Beides wurde Ende 2010 abgeschlossen. Während die meisten Firmen das Klassifikationssystem hauptsächlich nutzen, um ihre Produkte unter normgerechter Bezeichnung auf dem Markt anbieten zu können, untersuchte das Fresenius-Team die Daten daraufhin, welche Merkmale sich in welchen Klassen und Gruppen finden lassen. Dann wurde analysiert, auf welcher Ebene der Klassenhierarchie ein bestimmtes Merkmal für alle Elemente zutrifft. Auf diese Weise kam eine Datensammlung heraus, die mit den Mitteln des Vererbungsprinzips von Pro.File nun die Möglichkeit bietet, ein Merkmal zur Suche zu verwenden. So findet der Anwender auf die Eingabe des Merkmals ‚Durchmesser‘ die Gruppe ‚Schraube, Mutter‘, und wenn er dann den Durchmesser mit einem Wert versieht, erhält er die eCl@ss-Spezifikation des zusammengehörigen Paars von Schraube und Mutter. „Wir haben die Vorteile des standardisierten Klassifikationssystems mit der Vererbungsfunktionalität von Pro.File kombiniert. Das Ergebnis geht über alles hinaus, was man mit der getrennten Nutzung beider Systeme erreichen kann“, beschreibt Michels das Resultat.

Jetzt geht Procad daran, ein Grundgerüst für solche Funktionalität allen Kunden zur Verfügung zu stellen. „Die größte Hürde für die konsequente Nutzung von Klassifikationssystemen ist der Aufwand, den es kostet, alle Stammdaten zu sichten, zu ordnen und in Pro.File einzugeben“, erläutert Geschäftsführer Volker Wawer. „Vor allem gilt dies für die mittelständische Industrie, die in der Regel keine zusätzlichen Kapazitäten für solche Aufgaben zur Verfügung hat. Genau hier bieten wir jetzt Hilfe an. Ein Grundstock von Klassifikation steht dem Kunden bereits zur Verfügung, wenn er das PDM-System installiert hat.“ Für den Rest stellt Procad den Kontakt zum Dienstleistungsunternehmen IFCC her, das sich im Umfeld des eCl@ss-Vereins bereits einen guten Namen gemacht hat und bei dem erwähnten Fresenius-Projekt involviert war. IFCC hat sich darauf spezialisiert, Firmen bei der Sichtung und Aufbereitung ihrer Teilestammdaten zu helfen und ihnen insbesondere einen Weg zu weisen, wie sie schnell und effektiv die Teile des Klassifikationssystems identifizieren können, die sie brauchen. Denn eCl@ss umfasst zwischen 30.000 und 40.000 Materialklassen, und damit ist sicher noch kein Endpunkt erreicht.

Sich darin zurechtzufinden, dazu bedarf es intelligenter Tools, die der Dienstleister früh entwickelt hat: zum Beispiel eine Software, die Kataloge etwa im PDF-Format in zirka 2 min pro Seite scannt und daraus eine relationale Datenbank macht, in der aus dem Fließtext die Informationen für Merkmale und Klassen destilliert werden. Am Ende sieht der Kunde sofort, welche Stammdaten er bisher doppelt verwaltet hat – unter leicht differierenden Bezeichnungen.


Ulrich Sendler, Technologieberater, München

Procad GmbH & Co. KG, Karlsruhe, Tel. 0721/9656-0, http://www.procad.de

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