Produktionssysteme

PIPE-Initiative macht Entwicklungsprozesse transparent

Im Rahmen der VDMA-Initiative PIPE werden derzeit Prozessindikatoren ermittelt, mit denen sich branchenübergreifend und herstellerunabhängig die Prozesse rund um die Produktentstehung bewerten lassen. Die Ergebnisse sollen später in Form eines Leitfadens veröffentlicht werden. Anstelle der langwierigen Aufnahme des Ist-Zustands könnte der Anwender dann auf Basis einer einheitlichen Bewertungsmethodik seinen Standort bestimmen - und schneller erkennen, welche Prozesse sich optimieren lassen.

Wie lassen sich die Prozesse im Produktentstehungsprozess (PEP) bewerten und vergleichen? Ist beispielsweise der Änderungsprozess ausreichend durchdacht und leistungsfähig? Da Fragen wie diese meist nur schwer zu beantworten sind, unterstützt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. die Initiative "Prozess-Indikatoren für Product Engineering" - kurz PIPE - und wird gemeinsam mit ihr einen Leitfaden erstellen, der Anwendern eine einheitliche Bewertungsmethodik an die Hand geben soll. "Dazu beschreiben wir zunächst den jeweils zugrunde liegenden Prozess und bestimmen dann standardisierte Indikatoren", erläutert Dr. Michael Schabacker, Oberassistent am Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, zuständig für die wissenschaftliche Begleitung und Beratung der Initiative. "Auf diese Weise wollen wir Unternehmen die Möglichkeit an die Hand geben, Optimierungspotenziale im PEP anhand einer system- und herstellerneutralen Referenzimplementierung zu identifizieren."

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"PDM-Systeme hüten einen wertvollen Schatz: die Rohdaten, aus denen sich aussagekräftige Kennzahlen über den Entwicklungsprozess wie etwa Durchlaufzeiten ableiten lassen", ergänzt Dr. Roland Drewinski, Leiter Marketing bei Contact Software. "Über die PIPE-Initiative wollen wir dazu beitragen, solche Kennzahlen in anerkannter und praxisgerechter Form zusammenzustellen." Contact Software ist neben Dassault Systèmes als PLM-Anbieter an der Initiative beteiligt, mit im Boot sind zudem IBM Deutschland und Transcat PLM. "Wer beurteilen kann, wie ausgereift seine Prozesse sind, kann mit Hilfe von PLM-Lösungen gezielt daran arbeiten, sie effizienter zu gestalten", betont auch Achim Löhr, Director PLM Value Selling für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Dassault Systèmes. "Dies kann letztlich wettbewerbsentscheidend sein."

Teilnehmer sind jederzeit willkommen

Fertig gestellt sei bereits die Beschreibung des Änderungsprozesses, fährt Dr. Michael Schabacker fort. Nun arbeite man an der Bestimmung der entsprechenden Indikatoren. "Dabei orientieren wir uns zum überwiegenden Teil an der Struktur des VDMA Einheitsblatts 66412-1, in der für Manufacturing Execution Systeme Kennzahlen beschrieben sind. Anstatt Kennzahlen in dieser Struktur verwenden wir in unserer Initiative Indikatoren, die Kennzahlen mit ihrer jeweiligen Interpretation beschreiben." Im nächsten Schritt wende man sich dann dem Praxistest bei den teilnehmenden Anwendern zu. Interessenten können sich übrigens jederzeit zur Begutachtung der Zwischenergebnisse bei der Initiative melden. Zwischenergebnisse sollen zur Messe IT & Business Mitte September veröffentlicht werden. Neben dem Änderungsmanagement liegt der Fokus der PIPE-Initiative anschließend bei weiteren Prozessen wie dem Konfigurations- und dem Anforderungsmanagement sowie der Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden.

Basis von PIPE ist damit gewissermaßen die Ist-Aufnahme des Reifegrades der PLM-Lösungen bei den Anwendern sowie die Aufbereitung und Vereinheitlichung der auf diese Weise ermittelten Daten. "Die Herausforderung besteht darin, nur solche Prozess-Indikatoren auszuwählen und zu beschreiben, die branchenübergreifend für eine einheitliche Bewertung von PLM-Lösungen zu nutzen sind", so Dr. Roland Drewinski weiter. Lägen diese aber vor, könne man mittels einer standardisierten Vorgehensweise Zeit bei der eigenen Standortbestimmung sparen und wertvolle Hinweise erhalten, wie sich Abläufe verbessern lassen.-co-

VDMA - Fachverband Software und Abteilung Informatik, Frankfurt/M., Tel. 069/6603-1660, http://www.vdma.org

Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel. 0391/67-18097, http://lmi.uni-magdeburg.de

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