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Artikel und Hintergründe zum Thema

Produktionssysteme

„Leichtere Interaktion fördert Umsetzung des PLM-Gedankens“

PTC spricht von der größten Einzelinvestition: Rund 100 Millionen Dollar seien in die Entwicklung von Version 10.0 der PLM-Plattform Windchill geflossen. Wie Fertigungsunternehmen als Ganzes und die Anwender davon profitieren und warum die Suiten InSight für Produktanalytik und Relex für das Qualitätsmanagement nun in Windchill integriert sind, fragte der CAD-CAM REPORT Heinz Hempert, Vice President Technical Presales bei PTC.

CCR: Herr Hempert, die Investitionssumme klingt beeindruckend. Welchen Nutzen haben Ihre Kunden davon?

Hempert: Sie können ein PLM-Konzept nun einfacher und schneller umsetzen. Um das zu verstehen, lohnt sich die Unterscheidung zwischen dem Anwender vor dem Bildschirm, der eine konkrete Aufgabe bearbeitet, und dem gesamten Unternehmen als unserem Kunden. Will das Unternehmen eine PLM-Strategie umsetzen, werden üblicherweise Arbeitsprozesse und -abläufe analysiert und gegebenenfalls angepasst. Für den Anwender bedeutet das, dass sich seine Benutzeroberfläche ändert – weil beispielsweise weitere Abfragen und Eingaben zu seinem Arbeitsablauf hinzukommen. Nun wissen wir, dass sich solche Veränderungen umso leichter durchsetzen lassen, je mehr wir dem Anwender dabei entgegenkommen – je leichter wir ihm die Umstellung machen. Will heißen: Je übersichtlicher und klarer die Benutzerschnittstelle für den einzelnen Anwender wird, desto einfacher kann das Unternehmen effizientere Prozesse etablieren und damit die Vorteile des PLM-Ansatzes nutzen. Um das zu erreichen, haben wir unsere Software sehr umfassend angepasst. Darüber hinaus haben wir aber auch die PLM-Plattform in ihrer Breite und Tiefe, was Erweiterungen in der Prozessabdeckung sowie den zugehörigen Funktionalitäten anbelangt, massiv ausgebaut. Das erklärt die hohe Investitionssumme.

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CCR: Man will dem Anwender also einen gewissen Mehraufwand schmackhaft machen, zum Wohle des Unternehmens?

Hempert: Ja, man kann das rückblickend mit dem Umstieg von der 2D- zur 3D-Welt im CAD-Bereich vergleichen. Für den einzelnen Konstrukteur – und seine konkrete Aufgabe im Unternehmen – mag ein 2D-System durchaus ausreichend gewesen sein. Mit einem 3D-System muss er zunächst etwas mehr Aufwand bei der Modellierung betreiben, was sich aber spätestens in Folgeprozessen wie etwa dem Werkzeugbau mehr als bezahlt macht. Letztlich profitiert also das Unternehmen von der Mehrarbeit des Konstrukteurs. Das gilt übertragen auch für die PLM-Thematik. So lange man nur einfache Word-Dateien austauscht, mag es ausreichend sein, diese in einen gemeinsamen Ordner zu legen. Über ein PLM-System kann ich die in den Dateien steckenden Informationen aber mit anderen Dokumenten verknüpfen und effizienter kommunizieren, insbesondere auch Veränderungen der Informationen über die Zeit hinweg verfolgen und entsprechende Maßnahmen ergreifen – was den höheren Aufwand rechtfertigt, diese Funktion in eine PLM-Umgebung einzubinden. Dem Anwender wollen wir das aber so leicht wie möglich machen.


CCR: Wie erleichtern Sie denn dem Anwender die Arbeit mit dem System?

Hempert: Ein entscheidender Punkt ist – genau wie bei unserer neuen MCAD-Produktentwicklungs-Suite Creo – ein AnyRole-Konzept. Die Idee dahinter ist, den Anwender nicht mit Features zu belasten, die er für seine Aufgabe im Unternehmen gar nicht benötigt. Indem wir ihm rollenspezifisch genau die Funktionen an die Hand geben, die er benötigt, erleichtern wir ihm erheblich die Bedienung. Und damit steigt die Akzeptanz beim Anwender. In einem weiteren Schritt können wir auf diese Weise auch zusätzlichen Anwendern im Unternehmen Informationen zugänglich machen.


CCR: Könnten Sie das etwas näher erläutern?

Hempert: In Windchill 10.0 haben wir unsere Software-Suiten Relex für das Qualitätsmanagement und InSight für die Produktanalytik integriert, letztere auch um Funktionen wie die Analyse der Produktkosten oder die Kohlendioxid-Thematik über den Entwicklungsablauf erweitert. Nun macht es Sinn, diese Funktionen auch einem größeren Anwenderkreis zur Verfügung zu stellen. Denken Sie etwa an das Anforderungs-Management zu Beginn des Entwicklungsprozesses. Um das umzusetzen, müssen wir einerseits tiefer in die Struktur der Software eingreifen, andererseits dürfen wir aber wiederum die leichte Bedienbarkeit nicht aus den Augen verlieren. Denn kann der Anwender die Informationen nicht einfach abrufen und bearbeiten, nützen ihm auch die Analysewerkzeuge nichts. Dem Anwender hier die Arbeit zu erleichtern, war einer der treibenden Gedanken bei der Entwicklung von Windchill 10.0.


CCR: Sie sprachen die InSight-Lösung an, die ja bislang auch separat angeboten wurde. Sie wollen also über die Integration in Windchill die Datennutzung verbessern?

Hempert: Die Idee dahinter ist, zu einer gegebenen Stückliste oder Produktstruktur Analysemöglichkeiten zur Verfügung zu stellen – etwa hinsichtlich der Umweltverträglichkeit oder der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen. Und zwar für ein Produkt, dass ich für einen bestimmten Markt in einer angepassten Konfiguration herstelle. Denn ich will ja sicherstellen, dass ich im Lieferland alle Anforderungen erfülle. Bisher wird eine solche Prüfung meistens ‚offline‘ über eine Excel-Tabelle oder ähnliches angestoßen, nicht über das System, das die Stückliste verwaltet. Letzteres ist aber sinnvoll, so dass ich jederzeit mit der jeweils gültigen Stückliste die Analyse durchführen kann. Interessant wird das vor allem bei Änderungen, deren Auswirkungen sich dann über die Integration in Windchill viel schneller erfassen lassen. Bei der Integration der InSight-Suite haben wir aber deren Bedienoberfläche beibehalten.


CCR: Wird man denn zukünftig InSight auch ohne Windchill erhalten und nutzen können?

Hempert: Ja, Windchill Product Analytics, wie wir die Lösung jetzt bezeichnen, gibt es wahlweise als Stand-alone-Lösung oder in Kombination mit Windchill.

CCR: Man versteht, dass Sie mit Windchill 10.0 Ihre Devise ‚do more, know more, get more‘ mit Leben füllen. Leidet bei diesem Ansatz nicht die Offenheit des Systems bezüglich der Einbindung weiterer Datenquellen aus Nicht-PTC-Systemen?

Hempert: Nein, denn wir nutzen ja Webtechnologien und -standards. Unser heutiger CEO Jim Heppelmann hat das von Anfang in Windchill implementiert – das ist eines der Hauptunterscheidungsmerkmale zu anderen Lösungen. Denn wichtiger noch als die Prozesse, die man anpassen kann, ist es, die zugrundeliegenden Daten abgleichen und austauschen zu können. Würden wir hier auf proprietäre Formate setzen, könnten wir das System nicht weiterentwickeln. Über die Lebensdauer von Windchill hinweg konnten wir deswegen immer wieder einzelne Technologie-Komponenten – etwa eine Suchmaschine – durch andere ersetzen, weil ihre Leistung besser war und mehr Funktionalitäten bot. Das ging nur aufgrund der Datenstruktur mit der Nutzung offener Standards. Dementsprechend können wir natürlich auch andere Datenquellen über diese Standards einfach einbinden.

CCR: Ziel ist aber dennoch, mit Windchill 10.0 eine verlässliche Datenquelle zu installieren?

Hempert: Ja, wir sprechen dabei von einer ‚single source of truth‘, die von der Planung eines Produkts bis zu dessen Support reicht, bis hin also zu den Servicethemen. Ziel ist unter anderem, bestimmte Prozesse, die bisher manuell angestoßen werden, möglichst automatisch ins Rollen zu bringen – gerade auch bei komplexen Produkten. Denken Sie beispielsweise an das Interference Management, mit dem ich die Wechselwirkungen – Kollisionen der Komponenten untereinander – bei Änderungen in den Griff bekommen will. Bezüglich des Themenfeldes Service läuft übrigens am Firmensitz in Boston-Needham eine Forschungs- und Entwicklungsinitiative mit ersten Piloteinsätzen, die zeigen soll, wie der Servicetechniker vor Ort über die Seriennummer der zu wartenden Maschine Zugriff auf die jeweils aktuelle Konfiguration und die dafür relevanten Serviceinformationen erhalten kann. Auch an dieser Stelle ist die Nutzung offener Webstandards ein großer Vorteil.

CCR: Noch eine Frage zum Thema Offenheit: Lässt sich Creo – insbesondere der Wechsel vom parametrischen zum direkten Modellieren und zurück – nur mit Windchill nutzen?

Hempert: Sie können Creo ohne Windchill betreiben – und genau diesen Transfer von der Parametrik zum direkten Modellieren und zurück nutzen. Denn das genau ist unser Ansatz, offen zu sein; Windchill und Creo sind hier nicht zwingend gekoppelt. Umgesetzt wird das über das gemeinsame CAD-Daten-Modell in Creo. Hier wird auch die Konstruktionshistorie gespeichert, die beim direkten Modellieren nur ‚ausgeblendet‘ wird, aber erhalten bleibt. Denn der Anwender muss sie in diesem Fall ja nicht sehen, gleichzeitig soll aber der Weg zurück in die Parametrik offen bleiben. Grundsätzlich sollte natürlich jede Entwicklungsarbeit in einem System wie Windchill gemanagt werden. Windchills Konfigurationsmanagement-Funktionen kommen aber im Zusammenhang mit Creo erst dann ins Spiel, wenn man eine hohe Produkt-Komplexität beherrschen will. Das Stichwort lautet hier Creo AnyBOM Assembly – dann spielt natürlich die Stückliste wieder eine entscheidende Rolle, so dass dann Windchill das richtige System ist.

CCR: Herr Hempert, wir danken für das Gespräch.


Michael Corban, CAD-CAM REPORT

Parametric Technology GmbH, Unterschleißheim Tel. 089/32106-0, http://www.ptc.com

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