PLM

Wenn PLM und Mode verschmelzen

Auf den Laufstegen der Modenschauen von Mailand und Florenz spielen nicht nur Stoffe oder Schnitte eine Rolle. Im Trend ist vor allem eins: Computertechnik. CAD und PDM/PLM hat inzwischen auch die Modewelt erreicht und ist zu unverzichtbaren Werkzeugen geworden.

Die Hersteller der Mode- und Bekleidungsbranche stehen vor großen Herausforderungen. Sie müssen sich nicht nur in einem global wachsenden Markt behaupten, sondern auch den steigenden Anforderungen der Konsumenten gerecht werden. Ständig aktuelle Mode bei günstigen Preisen und guter Qualität. Auch für die Modeindustrie bietet eine Product Lifecycle Management-Lösung (PLM) die nötige Struktur, um mithalten zu können. „Fast Fashion ist ein erfolgreiches Konzept in der Modebranche. High End-Entwürfe werden aufgenommen, in lediglich zwei bis drei Wochen vom Zeichenbrett an die Stange gebracht und weltweit zu erschwinglichen Preisen verkauft“, erklärt Robin Lemstra, Professional Service Director bei Lectra Deutschland.

Die französische Lectra Gruppe treibt hinter den Kulissen der Modebranche die technische Entwicklung hin zur Vernetzung. „So können Unternehmen wie H&M, Zara und Co bis zu 18 Kollektionen pro Jahr anbieten. Mittelständische und traditionelle Modehäuser hingegen nur zwei bis drei.“ Das liegt teilweise an veralteten und zeitaufwendigen Methoden in der Produktentwicklung, beispielsweise handgezeichnete Skizzen der Designer oder Produktdaten auf seitenlangen Excel-Listen. Oft blockiert auch eine umständliche Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen die schnelle Produktentwicklung. Da in den einzelnen Bereichen gerne auf unterschiedlichen Programmen und Plattformen gearbeitet wird, gestaltet sich der abteilungsübergreifende Informationsaustausch schwierig.

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„Solche Arbeitsweisen sind für das heutige Tempo in der Modeindustrie zu langsam, schränken die Transparenz ein und verursachen langatmige Entscheidungsprozesse“, sagt Lemstra. Auch die globalisierte Produktentwicklung bringt einige Nachteile. Aufgrund des verschärften Wettbewerbs im Marken- und Einzelhandel verlagern Modeunternehmen einen Teil der Produktionsaufträge ins Ausland. Etwa nach China oder, durch die gestiegenen Löhne, wieder in die osteuropäischen Nachbarländer. Eine solche Auslagerung bremst die logistischen und kommunikativen Prozesse in der Modellentwicklung, Mustererstellung oder der Produktion. Auch dies bezüglich hilft PLM.

Veränderungen erfolgreich umsetzen

Der Wandel der Produktentwicklung in der Mode- und Bekleidungsbranche ist langfristig keine Option, sondern unumgänglich. Die Frage ist, wie man den Wandel bewältigt. Mit PLM können Unternehmen nicht nur das Produkt während des gesamten Lebenszyklus begleiten, sondern auch die Organisation und Prozesse der Produktentwicklung vereinfachen und optimieren. Gleichzeitig wird die Kommunikation zwischen den Abteilungen vereinfacht. „PLM-Lösungen, die beispielsweise für die Automobilbranche entwickelt wurden oder in anderen Märkten ihren Ursprung haben, sind für die Modebranche jedoch ungeeignet. Die Arbeitsabläufe in der Entwicklung von Mode haben eigene Besonderheiten. Die zeitlichen Engpässe, die durch Fast Fashion entstehen oder die Anforderung, eine große Anzahl von unterschiedlichen Kleidungsartikeln, Textilien, Größen und Farben gleichzeitig zu verwalten sind nur zwei essentielle Aspekte“, führt Lemstra aus. Mit über 40 Jahren Erfahrung in der Modeindustrie verfügt Lectra über das Know-how sowie die Technologien und Methoden, mit denen die Veränderungen erfolgreich umgesetzt werden können. Dabei begleitet es die Modeunternehmen in jedem Schritt, von der ersten Analyse der Produktentwicklung bis hin zur Implementierung der Technologie und darüber hinaus.

Flexibel und von überall erreichbar

Es gibt PLM-Lösungen, die auf die Besonderheiten der Modeindustrie ausgerichtet sind und beispielsweise eine modularisierte Plattform zur nahtlosen Integration beliebig weiterer Unternehmensanwendungen bieten. Eine solche Plattform ist Lectra Fashion PLM. „Die Lösung basiert auf einer serviceorientierten Architektur und verbindet die unterschiedlichen Arbeitsbereiche miteinander. Lectra Fashion PLM enthält sowohl Module für Kollektions- und Terminplanung, Kostenkalkulation und Leistungsüberwachung, als auch prozessorientierte Anwendungen für Design, Modell- und Schnitterstellung“, erklärt Lemstra. „Designer arbeiten etwa mit dem Modulen Kaledo und Modaris. Kaledo ist eine Designsoftware, mit der Muster für Kleidungsstücke kreiert und auf unterschiedlichen Stoffen und Texturen simuliert werden. Die erstellten Designs können pattformübergreifend dann in Modaris verwendet werden. Hier werden Schnittmuster und Prototypen der Kleidungsstücke digital angefertigt. Im dreidimensionalen Raum werden in Echtzeit animierte Stoffe an virtuellen Schnittpuppen drapiert. Durch die digitale Arbeit können Designer Anpassungen in Schnitt und Muster sowie Farbe mit wenigen Klicks direkt umsetzen. So kann die Anzahl der physischen Prototypen von bis zu drei auf einen einzigen reduziert werden. Das spart sowohl Zeit als auch Kosten“, erklärt Lemstra.

Designs teilen

Auch Anwendungen von Drittanbietern, wie die Adobe Creative Cloud, können mit dem Fashion PLM verbunden werden. So ist der Adobe Illustrator in die Plattform integriert. „Kreativ- und Technikdesigner können dort neue Stile und Muster kreieren, diese in die Designsoftware importieren und sie so mit anderen Teams teilen. Einmal verbunden, werden die Design-Änderungen automatisch aktualisiert und die erfassten Daten müssen nicht mehr konvertiert, komprimiert oder neu eingelesen werden“, erläutert Lemstra. Da alle Daten auf einem Server gespeichert werden können, haben die Mitarbeiter durch diese Cloud-Struktur von überall darauf Zugriff. Jeder – sowohl der Designer in Deutschland als auch der Zuschnittleiter in Rumänien – arbeitet mit dem gleichen Datenstamm. „Bereits in der Anfangsphase der Kollektion benötigen die Entwickler genaueste Informationen. Durch den fließenden Datenaustausch in einer PLM-Plattform können sie frühzeitig Zahlen und Stückpreise der Modelle festlegen, diese mit dem Produktionspreis vergleichen und vorab kommunizieren, ob Änderungen am Modell vorgenommen werden müssen oder nicht. Die Design- und Entwicklungsteams sparen durch die automatisierten Workflows Zeit", führt Lemstra an.

Sieben Tage vom Design bis zum Verkauf

Die positiven Auswirkungen, die eine Fashion PLM-Lösung haben kann, zeigen sich bei den Herstellern der Modeindustrie, die eine solche bereits in ihre Produktentwicklung implementiert haben. „Mit Lectra Fashion PLM dauert der Prozess vom Design bis zum Verkauf nur noch eine Woche“, sagt Adriano Aere, Eigentümer von Imperial. Das italienische Fast-Fashion-Unternehmen versorgt 4.000 Kunden weltweit mit Herren- und Damenbekleidung und hat 2014 Lectra Fashion PLM integriert. “Die Experten von Lectra unterstützten uns von der Prozessanalyse bis zur endgültigen Implementierung”. Eine PLM-Lösung beschleunigt nicht nur den Entwicklungsprozess und spart dabei Kosten, sie verändert auch die Kommunikation und die Zusammenarbeit im Unternehmen. „Durch eindeutige, zuverlässige und zugängliche Daten wird auch die Teamarbeit verbessert. Einzelpersonen und das gesamte Team arbeiten kollaborativ zusammen und endlose Besprechungen, Telefonate und E-Mails, die bisher zum Erreichen eines gemeinsamen Ziels notwendig waren, gehören der Vergangenheit an“, sagt Luca Lazzari, Projektleiter bei Imperial.

Stefan Graf

Lectra, Ismaning, Tel. 089/996260, www.lectra.com/de

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