Produktionssysteme

One Size Doesn’t Fit All

Was ist das Besondere an PLM-Lösungen für die Bekleidungsindustrie?
In den vergangenen Jahren ist zu beobachten, dass Unternehmen der Bekleidungsindustrie ein zunehmendes Interesse für das Thema Product Lifecycle Management (PLM) entwickeln. Ganz allgemein gesprochen handelt es sich bei einer PLM-Lösung für die Bekleidungsindustrie lediglich um eine konfektionierte PLM-Lösung, die einige branchenspezifische Funktionalitäten aufweist, die es den Bekleidungsherstellern ermöglicht, ihre Produktentwicklung effizienter zu gestalten, Kosten zu reduzieren, die Zusammenarbeit zu verbessern und die Kontrolle über Ihre gesamte Wertschöpfungskette zu behalten.

Die Bekleidungsindustrie befindet sich seit Jahren in einem tief greifenden Veränderungsprozess. Die zunehmende Globalisierung stellt die Strukturen in den Entwicklungsabteilungen, in der Produktion, sowie in Vermarktung und Vertrieb vor neue Herausforderungen. In immer kürzeren Zeiten müssen immer mehr Kollektionen entwickelt und in den Markt gebracht werden; bei einigen großen Unternehmen bis zu zwölfmal im Jahr. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die Produktentwicklung durch die zunehmende globale Ausrichtung der Unternehmen in der Vermarktung. Kaum ein Unternehmen produziert nur noch für den heimischen Markt; die Erschließung europäischer und internationaler Märkte sind primäre Ziele der Vertriebsabteilungen.

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Bedingt durch diesen Strukturwandel entsteht in der Bekleidungsindustrie zunehmend eine Nachfrage nach Managementkonzepten zur Integration von Organisationseinheiten, Prozessen, Anwendungen und Daten. Einen solchen integrativen Lösungsansatz stellt das Product Lifecycle Management dar.

Auf der Seite der Hersteller von PLM-Systemen ist zu beobachten, dass einige der etablierten Anbieter ihre Bemühungen nun auch auf die Bekleidungsindustrie ausweiten. Um aber ein PLM-System im Umfeld der Bekleidungsindustrie erfolgreich zu implementieren, ist es ebenso wichtig – vielleicht sogar das Wichtigste – die branchenspezifischen Anforderungen zu erkennen, wie um die allgemeinen PLM-Ansätze zu wissen.
Bei vielen PLM-Anbietern ist zu erkennen, dass sie versucht haben, ihre angestammten Lösungen (überwiegend stammen diese aus der Automobil- und Maschinenbaubranche) ebenfalls für die Bekleidungsindustrie anzubieten, in der Hoffnung, dass es mit einigen Anpassungen getan ist. Zu meist waren diese Versuche nicht von Erfolg gekrönt und die Hersteller mussten erkennen: „One Size Doesn’t Fit All.“

So lässt sich beobachten, dass sich lediglich diejenigen PLM-Lösungen erfolgreich in der Bekleidungsindustrie etablieren konnten, die von Grund auf die spezifischen Bedürfnisse dieser Branche berücksichtigten, wie etwa die assyst GmbH mit ihrem PLM Go-Live.

Was ist das Besondere an PLM for Fashion?

Was macht nun die Bekleidungsindustrie so besonders, wenn es darum geht eine PLM-Lösung an diese speziellen Anforderungen anzupassen? Ein Blick auf die Merkmale der Bekleidungsprodukte und den dazugehörigen Geschäftsprozessen kann hierbei hilfreich sein.

In der Vergangenheit hatten es die meisten Anbieter von PLM-Lösungen mit Produkten zu tun, die eine komplexe bis hin zu einer hoch komplexen Produktstruktur aufwiesen. So weisen zum Beispiel die Produkte des Anlagen- und Maschinenbau, der Luftfahrtindustrie, der Petrochemie oder Pharmaindustrie in der Regel eine hoch komplexe Produktstruktur auf. Im Gegensatz dazu ist die Struktur der Produkte der Textil- und Bekleidungsindustrie vergleichsweise einfache und flach.

Obwohl die Produktstruktur vergleichsweise einfach ist liegt der Schmerz der Bekleidungsindustrie in dem Management der Produktvielfalt – für jeden Brand oder Lable gibt es mehrere Kollektionen, mitunter mit verschiedenen Styles und Produktlinien sowie einer Variation an Farben und Größen je Produkt.

In anderen Worten ausgedrückt: Nicht die Struktur der Bekleidungsprodukte ist komplex sondern die Struktur der Produktlinie weist eine enorme Komplexität auf. Die wiederum erfordert einen erheblichen Managementaufwand, um die Informationen einer Produktlinie in sich konsistent zu halten. Hinzu kommt, dass sich die Produkte in der Bekleidungsindustrie kontinuierlich von einer Saison zur nächsten (mitunter auch innerhalb einer einzelnen Saison) innerhalb eines festen Zeitrahmens verändern. Die Bekleidungsprodukte weisen heute einen erheblichen kürzeren Lebenszyklus auf, teilweise liegen hier nur einige Wochen zwischen den ersten Designideen bis das Produkt in den Läden der Einkaufszentren erhältlich ist, wie es beispielsweise bei Zara und H&M zu beobachten ist.

Das Management der immer komplexer werdenden Kollektionen in immer kürzeren Zyklen stellt eine der großen Herausforderungen in der Bekleidungsindustrie dar. Mit Hilfe der Kollektionsrahmenplanung versuchen die Unternehmen diese steigende Komplexität zu bändigen.

Komplexität in der Kollektionsplanung

Neue Wachstumsfelder der Modebranche erfordern andere Produkte – teils ganz neue, teils nur weitere Farben, Materialien oder Schnitte. Damit geraten die Unternehmen in einen Teufelskreis, der sie zwingt ständig neue Artikel zu kreieren, herzustellen und zu vermarkten. Diese Entwicklung wird dadurch verstärkt, weil es immer mehr Kollektionen gibt und die klassische Vororderphase oder die saisonale Planung in ihrer Bedeutung eingebüßt haben – zu Gunsten von „Flash“ und „Never out of stock“, Programmen mit kleineren Stückzahlen.

Die Forderung nach immer mehr Produktvarianten bei verringerten Durchlaufzeiten führt zu steigender Komplexität in Entwicklung und Produktion. Diese steigende Komplexität schlägt sich in der Kollektionsplanung nieder und wird für viele Unternehmen zunehmend zu einem Problem – allerdings ein lösbares. Mit Hilfe einer IT-gestützten Kollektionsrahmenplanung wird die zunehmende Komplexität in der Kollektionsplanung beherrschbar. Deshalb ist eine Kollektionsrahmenplanung einer der strategischen Schlüsselfaktoren für den erfolgreichen Einsatz eines PLM Systems bei Unternehmen der Bekleidungsindustrie.

Die Kollektionsrahmenplanung bildet in der Regel den ersten Schritt im Produktentwicklungsprozess eines Bekleidungsunternehmens. Ihr Ziel ist es, die benötigte Anzahl an Styles (Kombination aus Form, Farbe, Größe und Material) für eine neue Kollektion zu bestimmen und dem Design damit eine quantitative Bezugsgröße zu geben.

Hersteller sowie vertikal integrierte Händler legen möglichst detailliert fest, wie viele Artikel sie benötigen. Als Grundlage für die Rahmenplanung werden frühere Kollektionen untersucht. Die wichtigste Frage: Welche Artikel, Materialien oder Farben erwiesen sich als effizient? Darüber hinaus werden im Kollektionsrahmenplan aber auch so genannte Wachstumsbudgets berücksichtigt.

Noch besser, aber auch schwieriger ist es, die Kollektionsgröße von der Fläche ausgehend zu planen. Beispielsweise erstellt S.Oliver für jeden Sortimentsbaustein eine Kollektionsrahmenplanung zugeschnitten auf jeden Point of Sales (POS). Bei der Planung gilt es die folgenden Fragen zu beantworten: Wie viele Artikel sollten wir dem Endverbraucher gleichzeitig auf einer Verkaufsfläche anbieten? Wie viel Varianz zwischen den einzelnen Geschäften brauchen wir? Wie oft wollen wir das angebotene Sortiment erneuern?

Diese Informationen wirken sich auf die Gestaltung des künftigen Produkts aus, einschließlich der Produktattribute wie Stoffart, Silhouette, Farbe und „Modetrend“. Die logische Zusammenführung dieser Unmenge an Informationen ist eine große Herausforderung, wenn keine IT-technische Unterstützung zur Verfügung steht. Mit Hilfe einer flexiblen, reaktionsschnellen und funktionsübergreifenden IT-Unterstützung können Unternehmen besser auf die stetig steigende Komplexität im Kollektionsrahmenplanungsprozess reagieren.

Komplexität beherrschen

Mit einer IT-gestützten Kollektionsplanung, wie etwa der Kollektionsrahmenplanung von assyst, ist es für Unternehmen der Bekleidungsindustrie nun möglich die Komplexität im Kollektionsrahmenplanungsprozess in den Griff zu kriegen. Nach einem Top-Down-Ansatz wird das „Planungshaus“ Kollektionsrahmenplan systematisch von oben nach unten aufgebaut. In jeder Planungsebene werden die Vorgaben aus den darüber liegenden „Etagen“ herunter gebrochen und weiter detailliert.

Der Vorteil in der Verwendung einer IT-gestützten Kollektionsrahmenplanung liegt darin, dass eine strukturierte Abarbeitung der Planungsparameter gewährleistet ist – von oben nach unten („top-down“). Darüber hinaus bietet das Tool vielfältige Funktionalitäten, die den Planungsprozess unterstützen und erleichtern. Dazu gehören Funktionalitäten, wie beispielsweise Navigationshilfen, Konsistenz- und Plausibilitätsprüfungen, automatische Konsolidierung von Informationen, Abgleich von Ist zu Soll, Arbeitserleichterung bei der Produktanlage und einiges mehr.

Navigationshilfen ermöglichen es von jedem Punkt innerhalb der Kollektionsplanung direkt in die jeweilige übergeordnete Planungsebenen zu springen oder aber in die nächst tiefere Planungsebene abzutauchen („drill-down“). Damit wird das Bewegen und Orientieren im Kollektionsrahmenplan erheblich vereinfacht.

Konsistenz- und Plausibilitätsprüfungen helfen dabei festzustellen, ob die Vorgaben aus den jeweils übergeordneten Planungsebenen erfüllt und/oder eingehalten werden. Durch den top-down-Ansatz bei der Kollektionsplanung werden die Planungen einer Ebene zu Vorgaben für die darunter liegenden Planungsebenen. Beispielsweise wird vom Produktmanagement geplant in der Produktgruppe ‚Sakko casual‘ fünf Modelle zu entwickeln. Dann gilt diese für den weiteren Verlauf der Planung und der anschließenden Produktentwicklung als Vorgabe, an der man den Erreichungsgrad ständig messen kann.

Konsolidierung der Informationen

Während man beim Aufbau der Planungsstruktur von oben nach unten vorgegangen ist („top-down“), werden beim Füllen des Kollektionsrahmenplans die Informationen auf einer Ebene konsolidiert und in die darüber gelegene Planungsebene aggregiert. Dieses erspart Arbeit und hilft Fehler beim Zusammentragen der Daten zu vermeiden. So lässt sich beispielsweise direkt aus der geplanten Eckpreislage eines Modells und der geplanten Stückzahl der voraussichtliche Umsatz errechnen. Auf der darüber gelegenen Planungsebene steht somit der voraussichtliche Umsatz ohne weitere zutun zur Verfügung.

Abgleich von Ist zu Soll ist eine der wesentlichen Vorteile, die Kollektionsrahmenplanung mit sich bringt. Aus der geplanten Eckpreislage eines Modells und der geplanten Stückzahl lässt sich auf der Planungsebene darüber der voraussichtliche Umsatz errechnen Damit ist ein direkter Vergleich möglich in wie weit die Vorgaben mit der gewählten Eckpreislage und den Stückzahlen erfüllt werden.

Die Kollektion muss zu einem festgelegten Termin stehen und damit müssen bis dahin alle Modelle entwickelt – spezifiziert – sein, so dass mit der Fertigung rechtzeitig begonnen werden kann. Mit der Kollektionsrahmenplanung erhalten nun die Verantwortlichen ein Hilfsmittel womit sie den Fortschritt in der Produktentwicklung nachverfolgen können.

Arbeitserleichterung bei der Produktanlage erfahren insbesondere diejenigen Mitarbeiter, die für die Anlage und Spezifikation der Produkte verantwortlich sind. Sobald alle Planungsinformationen erfasst und mit einander verknüpft sind, lässt sich daraus automatisch die zu entwickelnden Produkte anlegen. Zwar handelt es sich hierbei zunächst einmal nur um leere Container, in die im weiteren Verlauf die Produkte „hinein zu entwickeln“ sind. Aber diese Produktcontainer verfügen bereits über die wesentlichen Attribute, die für die folgende Produktentwicklung und deren späteren Verwaltung unerlässlich sind. -sg-

assyst GmbH, Aschheim-Dornach Tel. 089/90505-0, http://www.assyst.de

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