Produktionssysteme

Mit MES den Überblick behalten

Eine hohe Produktionsausleistung bei gleichzeitigem Termindruck: Um den Überblick zu behalten, hat sich ein norddeutsches Unternehmen, das auf die Konfektion von Planen und Folien spezialisiert ist, für ein Manufacturing Execution Systems (MES) mit enger Integration zum eingesetzten ERP-System entschieden.


„Ich vergleiche das immer mit einem Kartenspiel. Wenn ich fünf Karten auf der Hand habe, dann habe ich den Überblick. Wenn ich zehn Karten auf der Hand habe, auch noch. Spannend wird es bei 20 und mehr Karten. Spätestens bei der 30. Karte bricht das System zusammen und man verliert den Überblick. Und das ist mit unserem Werkstattleiter und den Fertigungsaufträgen fast passiert“, erzählt Karsten Daedler, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Daedler, einem 30 Mitarbeiter starken Familienbetrieb in Trittau bei Hamburg, der sich auf die Fertigung und Konfektionierung von klassischen Teichfolien, Sonnensegeln, Schutzhüllen, textiler Architektur und von widerstandsfähigen Systemen für den Hochwasserschutz spezialisiert hat. Um das oben geschilderte Szenario zu vermeiden, machte sich Karsten Daedler für die Einführung eines Manufacturing Execution Systems (MES) stark. Denn er will auch in Zukunft halten, was er gegenüber seinen Kunden verspricht – bei jedem Auftrag und jedem Termin. Damit das auch weiterhin gelingt und auf die Fertigstellungstermine Verlass ist, hat sich das Unternehmen mit cronetwork von Industrie Informatik eine moderne, innovative und zuverlässige Hilfe ins Haus geholt.

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Nach einer Marktsondierung entschied sich der Nachfahre eines renommierten Segelmachers für diese Software-Lösung, weil alle an das Tool gestellten Anforderungen hinsichtlich der Funktionalität, Release- und Webfähigkeit voll und ganz erfüllt wurden. Auch die Anbindung an das ERP-System wurde problemlos realisiert. „Diese MES-Lösung liefert uns als ein System alle Daten zu Aufträgen und Personal, die wir brauchen. Dazu fühle ich mich als Kunde bei Industrie Informatik sehr gut aufgehoben, weil keine Frage und kein Wunsch offen bleiben“, sagt Geschäftsführer Daedler. So bestimmen heute neben der Finanzbuchhaltung, der Materialwirtschaft und der Warenwirtschaft des ERP-Systems die Module Feinplanung, Betriebsdatenerfassung (BDE) und Personalzeiterfassung (PZE) die IT-Umgebung. „Dennoch“, so Karsten Daedler, „war die Anschaffung des MES für uns als kleineres Unternehmen eine sehr große Investition, die aber unsere Zukunft sichert und sich zudem in kurzer Zeit mehr als rentiert hat.“

Schweißen an der langen Bahn

Herzstück der Produktion bei Daedler sind drei Hochfrequenz-Schweißmaschinen, die mit einer Anlagenlänge von 66 Metern in Deutschland nahezu einmalig sind. Mit ihrer Hilfe können auch sehr lange Nahtverbindungen extrem präzise, schnell und effizient gearbeitet werden. Zusätzlich zeichnen diese Maschinen jeden einzelnen Takt während des Schweißens auf und belegen ihre saubere Arbeit durch Prüfprotokolle. Komplettiert wird dieser Maschinenpark durch weitere Schweißgeräte, Cutter, eine Zugprüfmaschine und zahlreiche Nähmaschinen. Eine engmaschige Qualitätskontrolle – bei der jede einzelne Naht und alle vernähten Stoffe beispielsweise einer Abdeckplane oder eines ganzen Zirkuszeltes auf Reißfestigkeit überprüft werden – sorgt für maximale Produktqualität und Sicherheit.

In dieser besonderen Fertigungsumgebung stehen für BDE und PZE die vier cronetwork-Terminals an zwei Standorten für die Mitarbeiter-Identifikation sowie für die Auftragsanmeldung über Barcode bereit. Über den Aufruf einer Zusatzfunktion an diesen Terminals können sich die Mitarbeiter auch wichtige materialspezifische Dokumente anzeigen lassen. Der cronetwork-Produktionsinfo-Viewer liefert alle Informationen über zu fertigende Aufträge in der Produktion. Aus so genannten Discoverer-Berichten können dann weitere Auswertungen vorgenommen werden, die entsprechend grafisch aufbereitet allen berechtigten Mitarbeitern bereitgestellt werden. Einzelne Auswertungen werden automatisch täglich am Server generiert. Diesen Analysen können beispielsweise alle fertig gewordenen Aufträge des Vortages mit entsprechenden Soll-Ist-Vergleichszahlen entnommen werden.

„Mit unserer Betriebsdatenerfassung haben wir eine werkseitige Qualitätskontrolle geschaffen, die auch unseren Kunden zugute kommt“, beschreibt Daedler die Stärken des Systems. Denn einerseits berechnet das System permanent wie ein Navigationsgerät selbsttätig Produktions-, Personal- und Maschinendaten wie Bearbeitungszeiten, Stückzahlen, Auftragsstatus und Laufzeiten. Andererseits dokumentiert die BDE-Lösung bis zur kleinsten Öse jeden Arbeitsschritt und gibt automatisch Zwischenmeldungen aus. Dadurch sei man in der Lage, Kunden auf Anfrage jederzeit den aktuellen Status ihres Auftrages zu nennen.

Aufträge im Blick

Die Software cronetwork virtualisiert heute alle Aufgaben und unterteilt jeden Auftrag in einzelne Arbeitsgänge. Ein neuer Auftrag wird sofort automatisch und optimal in die Abläufe integriert – vom Start- bis zum Fertigstellungstermin und von der Formfindung bis zum Versand. „Auch die Wahl des qualifiziertesten Mitarbeiters für einen bestimmten Auftrag sowie die bestmögliche Auslastung unserer Maschinen und Kollegen werden ebenso berücksichtigt“, erläutert Daedler. Die Integration der Aufträge in die Abläufe betrifft sowohl die Vorwärtsplanung – ausgehend vom Start des Auftrags, als auch die Rückwärtsplanung – ausgehend vom Fertigstellungstermin.

Ein Blow Up für Dubai

Die Situation davor war dadurch gekennzeichnet, dass das ERP-System die Aufträge in einer Art lieferte, welche es der Plantafel schwer ermöglichte den Arbeitsfortschritt zu visualisieren. Mitte des Jahres 2011 wurde die Auftragsstruktur im ERP-System geändert und die Schnittstelle zum Manufacturing Execution System entsprechend angepasst. „Das ERP-System liefert seitdem auch die Arbeitsgangbeziehungen zwischen den Aufträgen mit, sodass in der Plantafel Abhängigkeiten zwischen den Aufträgen dargestellt und berücksichtigt werden können. Der Fortschritt eines Kundenauftrags ist für uns dadurch in der Plantafel wesentlich besser erkennbar“, sagt Daedler. So wie etwa der Auftrag der Blowup media project GmbH. Bei diesem Auftrag stellte Daedler als Partner des Druck- und Mediendienstleisters Kleinhempel (Hamburg) wahrscheinlich einen Fertigungsrekord auf. Aufgabe war es, in nur 14 Tagen – statt der von Karsten Daedler in einer ersten Kalkulation hochgerechneten 10 Wochen – ein 17.300 Quadratmeter großes Riesenplakat, ein so genanntes Blow Up, für das World Trade Center in Dubai zu konfektionieren. Karsten Daedler übertraf dieses enge Timing sogar noch und fertigte mit seinem Team das riesige textile Werbemittel in nur zehn Tagen aus insgesamt 164 Bahnen mit 130 Metern Länge und 8 Metern Breite. Das gigantische Plakat wurde eigens für den sich erstmalig jährenden Amtsantritt von Scheich Mohammed Bin Rashid Al Maktoum produziert und stellt eine riesige Sonderbriefmarke mit dem Konterfei des arabischen Staatsmannes dar. „Das ganze Projekt war eine menschliche Riesenleistung einschließlich der Just-In-Time-Lieferung“, bilanziert Daedler, „aber ohne das MES mit seiner Planungsstärke wäre es nicht zu schaffen gewesen.“

Denn Planung ist bei Daedler (fast) alles oder wie es Karsten Daedler formuliert: „Die elektronische Plantafel und PZE sind für uns eine Halsschlagader.“ Denn die Entscheidungen, wann wird Schicht gearbeitet oder wie viele Schichten werden gefahren sind für den Einzelfertiger Daedler elementar. Und exakt diese extrem wichtigen Informationen kommen aus dem MES, so dass auch die stark risikobehafteten und personenabhängigen ‚Bauchentscheidungen’ der Vergangenheit angehören. Die positive Folge für Karsten Daedler und seine Belegschaft: „Dank der genauen Daten aus cronetwork haben wir neben einen deutlichen Zeitersparnis auch eine immense Reduzierung der Kosten, denn es kam immer mal wieder auch zu krassen Fehlentscheidungen, die dann richtig Geld gekostet haben. Das haben wir mit dem MES jetzt im Griff.“

Im Bereich PZE werden also an den Online-Terminals die Zeiten erfasst, die auch für die BDE verwendet werden. Das aktuelle Planungsbild – wer arbeitet in welchem Schichtmodell, wer hat Urlaub und wer ist krank – ist an zentraler Stelle auf einem TFT-Monitor für alle Mitarbeiter sichtbar. „Als wesentliche Nutzenaspekte von cronetwork, das wir nahezu im Standard nutzen, sind die komfortable Unterstützung der Arbeitsvorbereitung bei der Planung, eine optimale Planungssicherheit, eine markante Reduktion der Durchlaufzeiten, eine hohe Transparenz in der Fertigung sowie eine für uns lebenswichtige Optimierung der Liefertreue hervorzuheben“, fasst Daedler die fünf großen Pluspunkte der MES-Lösung zusammen. Bewährt hat sich das System bereits 2011: In diesem Jahr wurden 1,5 Millionen Quadratmeter Material verarbeitet, davon ein sehr großer Anteil an textilen Dächern für Biogasanlagen. „Das Auftrags-Volumen im Bereich der Biogasanlagen 2011 wäre ohne die MES-Lösung nicht zu stemmen gewesen. 2011 war für uns schließlich das beste Jahr der Firmengeschichte. Wir konnte dreischichtig planen und bei Spitzen problemlos auch Zeitarbeiter dazu holen.“ -sg-



Tino M. Böhler, Dresden

Daedler, Trittau, Tel. 0 41 54-795300, http://www.daedler.de

Industrie Informatik GmbH, Kenzingen, Tel. 07644/92318-0,

www.industrieinformatik.com

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