Enterprise Resource Planning

Kalkuliert auf Knopfdruck

Die Aufstellung von Angeboten zählt in der spanenden Fertigung zu den häufigsten Arbeiten – und zu den ineffektivsten. Das hessische Unternehmen BWP hat eine Lösung zur Berechnung von Stückzeiten, Aufwand und Materialkosten entwickelt, die am Ende ein ausführliches Angebot samt Mengenstaffel ausgibt. Das System, das auf jedem herkömmlichen PC läuft, benötigt dazu nur eine Zeichnung im PDF- oder einem der üblichen Windowsformate. Eine CAD-Datei ist nicht erforderlich. Nachdem der Maßstab festgelegt und die Material- sowie Werkstoffinformationen aus den internen Datenbanken ausgewählt wurden, berechnet Osiris-Calc die erforderlichen Verfahrwege. Die Präzision der Berechnung liege laut Anwenderaussagen bei 98 Prozent – zumal die Software nicht typischen Fehleinschätzungen wie „Doppelte Schnittgeschwindigkeit gleich halbe Stückzeit“ erliegt.

Bislang werden Stückzeiten meist nach Erfahrung geschätzt oder umständlich mit Taschenrechner oder Excel ausgerechnet, was einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet und Fehlerrisiken birgt, da der Überblick über die verschiedenen Posten fehlt. Zudem werden einzelne Faktoren häufig falsch gewichtet: So klingt beispielsweise ein um 30 Prozent schnellerer Fräsvorgang nach viel, fällt aber bei realen Prozesszeiten von wenigen Sekunden etwa gegenüber den Rüstzeiten kaum ins Gewicht. „Erst mit einer ausführlichen Kalkulation werden solche Verhältnismäßigkeiten deutlich und man erkennt etwa, dass sich das teurere Werkzeug letztlich nicht rechnet“, erklärt Peter Helfrich, Geschäftsführer der BWP GmbH. Seine Software Osiris-Calc schlüsselt daher einzelne Schritte auf, berechnet deren Dauer sowie Kosten und ermöglicht es dabei auch, verschiedene Parameter wie etwa Maschine oder Material zu variieren, so dass der Effekt sofort ersichtlich wird. Selbst Konflikte, zum Beispiel wenn ein Vorgang auf einer Anlage nicht umsetzbar ist, werden aufgezeigt. Auf diese Weise lassen sich mit wenig Aufwand realistische Angebote für unterschiedliche Ausgangsbedingungen ausfertigen.

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Kalkulation anhand von Zeichnungen und Stammdaten
Grundlage hierfür ist ein Arbeitsplan, der die einzelnen Arbeitsgänge je Maschine auflistet. Diese werden wiederum in Bearbeitungsschritte auf der jeweiligen Anlage unterteilt, welche die Software dann weitgehend selbsttätig kalkuliert. Dazu muss lediglich eine einfache, proportionale Zeichnung des betreffenden Werkstücks eingescannt und in das Programm importiert werden, ein komplexer CAD-Plan wird nicht benötigt. Nach dem Kalibrieren der Zeichnung errechnet das System den Maßstabsfaktor der Darstellung und kann alle weiteren Maße selbständig ableiten. Bis zu acht Ansichten lassen sich pro Kalkulationsposition verwalten, anhand derer automatisch die Werkzeugverfahrwege für die verschiedenen Bearbeitungen gemäß der Technologieparameter der gewählten Maschine errechnet werden. Gleichzeitig stellt das System die Verfahrwege grafisch dar, so dass der Bediener jeden Schritt einfach kontrollieren kann.

Auch Varianten möglich
Die erforderlichen Werte zur Ermittlung der Prozessdauer entnimmt Osiris-Calc seinen Stammdaten, die unter anderem eine vorgefertigte Schnittdatenbank umfassen. Andere Angaben, wie die Maschinenkennwerte mit Drehzahlminimum und -maximum, dem maximalen Vorschub, Eilgang und Korrekturfaktoren, müssen bei der Einrichtung des Systems einmalig eingegeben werden und stehen in der Folge immer zur Verfügung. Auf Wunsch überträgt BWP aber auch vorhandene Kataloge, etwa Excel-Sheets der Maschinen, ins System. Wie differenziert der Datenbestand sein soll, kann der Nutzer zudem selbst entscheiden und beispielsweise auch die Schnittdaten mit eigenen Zahlen ergänzen. „In der Regel genügen aber die Standardangaben zu Maschineneckwerten und Schnittgeschwindigkeiten“, berichtet Helfrich. Darüber hinaus lassen sich neben den vorgegebenen Bearbeitungsarten sehr leicht weitere Varianten für die Berechnung einprogrammieren. Auch kann jeder Maschine beziehungsweise Kostenstelle eine Tabelle mit Rüstzeiten zugeordnet werden, wodurch sich insgesamt die individuellen Arbeitsabläufe und Bedingungen im Unternehmen umfassend abbilden lassen.

Individuelle Angebotsdokumente
Außerdem enthält die Software eine Materialdatenbank mit gängigen Werkstoffen beziehungsweise Technologiegruppen gleich zu bearbeitender Materialien. Um die konkret möglichen Schnittgeschwindigkeiten und Vorschübe zu bestimmen, wählt der Nutzer aus dieser einfach den Werkstoff aus, aus dem das Bauteil gefertigt werden soll. Mit dieser Angabe, der Zeichnung und den Maschinendaten errechnet das Programm die Stückzeiten und entsprechend die Arbeitskosten. „Laut Berichten unserer Kunden deckt sich das Ergebnis zur 98 Prozent mit bei der realen Bearbeitung gemessenen Zeiten“, so der BWP-Geschäftsführer. Zusätzlich lassen sich bei Bedarf auch die Materialkosten ausweisen, da für die verschiedenen Werkstoffe kalkulatorische Preise im System hinterlegt sind und das jeweilige Gewicht des Werkstücks aus Format und Masse berechnet werden kann. Für einen noch exakteren Kostenvoranschlag kann das Programm sogar optional um eine Funktion zum regelmäßigen Abruf der tagesaktuellen Preise erweitert werden.

Auf der Basis von Zeiten und Kosten stellt das integrierte Reporting-Tool schließlich auf Knopfdruck ein Angebot zusammen, in dem jeder Posten detailliert ausgewiesen und jede Kostenstelle nachvollziehbar dargestellt ist. Da das Reportsystem von der eigentlichen Kalkulationssoftware getrennt ist, können die optische Aufmachung und die verschiedenen Positionen des Formulars dabei ohne Aufwand abgeändert und personalisiert werden. Die Individualisierung durch die Profis bei BWP ist im Paketpreis inbegriffen. Das fertige Dokument wird als PDF ausgegeben und kann direkt per Mail an den Kunden verschickt werden.

Anbindung an andere Systeme
Gleichzeitig stehen die Daten im Fall der Auftragsvergabe für die weitere Verwendung zur Verfügung, etwa in der Bestellverwaltung oder der Arbeitsplanung. Dazu kann die Software auch problemlos an andere Programme wie gängige ERP-Systeme oder auch die weiteren Osiris-Lösungen von BWP angebunden werden. Die entsprechende Anpassung wird – wie auch sonstige Änderungen und kundenspezifische Zusatzfunktionen – vom Entwickler als optionale Serviceleistung angeboten, so dass die Betriebszuverlässigkeit und Kompatibilität der Software immer gegeben bleibt.

Osiris-Calc eignet sich in der Standardausführung für Dreh-, Bohr- und Fräsbearbeitungen, wobei sich insbesondere Dreh-Aufträge aufgrund der Rotationssymmetrie der Teile sehr schnell und mit minimalem Aufwand innerhalb von nur rund 3,5 Minuten kalkulieren lassen. Die Software läuft auf jedem handelsüblichen PC ab Windows XP und ist dank der selbsterklärenden Benutzeroberfläche sehr einfach zu bedienen. Vorausgesetzt wird lediglich eine gewisse Erfahrung in der mechanischen Werkstückbearbeitung, damit die diversen Einflussfaktoren und Bearbeitungsschritte bekannt sind.

Stefan Graf

BWP, Groß-Umstadt, Tel. 06078/911180, http://www.osiris-software.de

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