Produktionssysteme

Gut auf Draht

Drahthersteller plant, produziert und archiviert mit einem integrierten ERP-System
Das Drahwerk Elisental arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit der ERP-Software von Abas. Der Hersteller plant damit seine Ressourcen, organisiert Einkauf, Lagerverwaltung und Fertigung, um in einem Markt, der von teuren Rohstoffe und Marktschwankungen geprägt ist, zu bestehen. Mit Erfolg: Obwohl die Wirtschaftsleistung von Elisental seit der ERP-Einführung um rund 100 Prozent stieg, blieb der Personalstand gleich. Der Lagerbestand konnte auf eine absolut notwendige Menge reduziert werden. Die Termintreue stieg und eine optimierte Reklamationsverwaltung trug zur Steigerung der Kundenzufriedenheit bei. Ein weiterer großer Vorteil ist die Integration von ERP und DMS: Im ERP erstellte Dokumente werden automatisch archiviert.

Das 1919 gegründete Traditionsunternehmen Drahtwerk Elisental zählt zu den führenden Anbietern in einem hart umkämpften Markt. Die Sauerländer setzen auf drei Geschäftsbereiche: Mechanische Drähte, Sonderdrähte und Thermische Drähte. Mit den daraus resultierenden Produkten bewegen sich die Sauerländer auf sehr unterschiedlichen Märkten, die mehr oder weniger wettbewerbsintensiv sind. Der größte Geschäftsbereich der mechanischen Drähte basiert auf individuellen Ordern, in den anderen Bereichen werden die Kundenbedarfe auch über Zwischenläger gesteuert. Die Anforderungen an Produktion und Warenwirtschaft sind daher sehr unterschiedlich. Eine weitere Herausforderung stellt der Einkauf dar. Wenige Anbieter weltweit sowie stark schwankende Preise erfordern eine sorgfältige Kalkulation und hohe Flexibilität in der Fertigung. Seit die abas-ERP-Software 1999 bei Elisental von den IT-Experten Steinhilber-Schwehr eingeführt wurde, hat sie sich bewährt und das Unternehmen auf seinem Wachstumskurs begleitet. Heute betreuen rund 140 Mitarbeiter 750 aktive Kunden. Für die ERP-Software sind 32 Lizenzen im Einsatz.

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Geringere Kapitalbindung durch Lagerverwaltung

Der Lagerverwaltung kommt bei Elisental eine große Bedeutung zu, denn rund 50 Prozent der Kosten sind Warenkosten. „Aluminium ist ein teurer Rohstoff, er wird an der Börse mit sehr schwankenden Preisen gehandelt. Wir müssen deshalb nicht nur beim Einkauf sehr umsichtig vorgehen, sondern auch bei der Lagerverfügbarkeit sehr genau planen. Es gilt daher, trotz geringer Lagerbestände eine optimale Verfügbarkeit zu gewährleisten“, sagt Christof Bergmann, verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Personal bei Elisental. Das kapitalintensive Rohwarenlager, das vor abas-ERP noch manuell verwaltet wurde und nur am Inventurstichtag genaue Auskünfte über die aktuellen Bestände zuließ, ist heute einfacher zu verwalten und befindet sich ständig auf dem neuesten Stand. Dadurch ergibt sich eine hohe Transparenz für den Auftragsbestand. „Wir sind optimistisch, dass wir in diesem Bereich noch weiter kommen“, sagt Christof Bergmann und ergänzt: „mit einer verbesserten Betriebsdatenerfassung und abas-ERP haben wir bereits den Bestand und die Verfügbarkeit des Rohwarenlagers und des Durchganglagers spürbar optimiert. Wir sehen hier allerdings noch weiteres Optimierungspotenzial, das allerdings von einer optimierten Datenerfassung abhängt. Deshalb stehen in naher Zukunft weitere BDE-Projekte an, um so exaktere Daten für Planungen und Auswertungen zu erhalten.“

Elisental verfügt über einen modernen Maschinenpark an Zieh-, Richt- und Umspulmaschinen. Um die Auslastung der teuren Maschinen zu gewährleisten arbeitet das Unternehmen nicht nur im Dreischichtbetrieb, auch die Belegung der Maschinen muss exakt geplant werden. Der Auftragsfertiger muss zudem eine Vielzahl von Bestellungen mit sehr unterschiedlichen Mengen verarbeiten und hierfür sinnvoll die Maschinenkapazitäten einplanen. Die Kunden verlangen größtmögliche Termintreue, da kaum ein Unternehmen über größere Lagerbestände verfügt.

Der Drahthersteller sieht hier weiteres Optimierungspotenzial durch die Unterstützung eines Werkzeugs für die Fertigungsfeinplanung. Mithilfe des Simulationssystems Simcron soll nach der Einführung der zeitliche Ablauf von Fertigungsprozessen schnell und erstaunlich präzise im Voraus berechnet werden. Das ermöglicht zukünftig unter anderem die Erprobung von Planungsalternativen und die Vorhersage ihrer Auswirkungen. Informationen über ablaufcharakteristische Größen, wie Termineinhaltung, Durchlauf- und Liegezeiten, Auslastung und Engpässe werden als Ergebnis der Simulation ermittelt und können direkt zur Entscheidungsfindung herangezogen werden. „Uns gefällt, dass das Planungs- und Simulationswerkzeug vollständig in abas-ERP integriert ist. Wir können damit die Maschinenauslastung verbessern und die Durchlaufzeiten verringern“, erklärt Arndt Kollhorst.

Die besondere Marktsituation und teure Rohstoffe erfordern eine möglichst genaue Kalkulation von Aufträgen. Als Basis hierfür greift der Drahthersteller auf Daten aus dem ERP-System zu und bezieht Börsen und Währungskurse ein. Dienstleister Steinhilber-Schwehr unterstützte hier bei der Umstellung der Kostenrechnung und Anlagenbuchhaltung von einem externen System zu abas-ERP. Auch der gesamte Kalkulationsprozess wurde wesentlich verschlankt und optimiert. „Nun ist eine verlässliche Kostenrechnung darstellbar“, erklärt Christof Bergmann. In Kürze wird vom Unternehmen zusätzlich eine aussagefähige Nachkalkulation in Form einer Kostenträgerrechnung genutzt werden. Die Nutzung der Daten aus den abas Modulen FiBu und Kostenrechnung ermöglichen hierbei unter anderem eine artikel- und kundenbezogene Erfolgsrechnung. Dadurch ergeben sich wesentliche Vorteile für das Controlling.

Integration von ERP und DMS

Eines der jüngeren Projekte bei Elisental drehte sich um die Einführung eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) von Habel. Die Berater von Steinhilber-Schwehr empfahlen das leistungsfähige DMS, da eine sehr gute Integration zu abas-ERP besteht. Die Software zur Verwaltung und Archivierung von Dokumenten und E-Mails wurde bereits in 2010 implementiert. „Wir haben uns hier bewusst Zeit gelassen, um zuerst die Prozesse und Workflows sauber zu definieren. Danach folgten Tests und Schulungen für die Key-User. Inzwischen läuft das DMS produktiv in den Abteilungen Einkauf und Vertrieb und wird sukzessive auch in anderen Bereichen eingeführt“, erklärt Arndt Kollhorst. Ein großer Vorteil ist hier die Integration von ERP und DMS. Die in abas-ERP erstellten Dokumente werden automatisch archiviert. Der Anwender kann direkt per ERP auf archivierte Dokumente zugreifen. Durch die tiefgehende Integration in abas-ERP muss der Anwender für Arbeiten im DMS-System die gewohnte Oberfläche nicht verlassen. Alle Funktionen eines modernen Archivsystems wie revisionssichere Ablage, Volltextrecherche, schnelles Anzeigen und Ausdrucken mit Originalformular sind gegeben. Eingehende Papierdokumente werden gescannt und über Barcode mit den in abas-ERP erfassten Vorgängen sowie Kunden-/Lieferanten- und Artikelstämmen verknüpft, was eine doppelte Erfassung überflüssig macht. Von praktischem Vorteil ist eine leistungsfähige Suche über Bereiche wie Stammdaten, Einkauf, Verkauf oder E-Mail hinweg sowie eine Volltextsuche.

Mit einer Reklamationsverwaltung wurde eine Access-Insellösung abgelöst. Seitdem ist keine doppelte Stammdatenverwaltung mehr notwendig und es stehen wesentlich mehr Funktionen zur Verfügung. Mit der Funktion werden unter anderem Ausfallmengen erfasst und Gutschriften erstellt. „Früher haben wir nur Kunden- und Lieferantenrekalamationen bearbeitet, mit abas-ERP erfassen wir nun auch interne Reklamationen. Treten beispielsweise während der Produktion Fehler auf, dann wird dies in der Reklamationsverwaltung erfasst und die notwendigen Gegenmaßnahmen ergriffen. Wir erstellen außerdem Statistiken mit Qualitätsmängeln, die als Grundlage für Fehlerbehebungen beziehungsweise Verbesserungsprozesse dienen.“, sagt der IT-Leiter.

Die kontinuierlichen Bemühungen zur Qualitätsverbesserung und das zeitnahe Reagieren im Falle von Reklamationen zahlen sich für Elisental auch in der Kundenzufriedenheit aus. Das Analysieren der internen Prozesse ermöglicht zudem einen fortschreitenden Verbesserungsprozess.

Den Chargen auf der Spur

Der Drahthersteller liefert seine Produkte auch in Märkte, die hohe Ansprüche an ihre Zulieferer stellt, wie beispielsweise die Lebensmittelindustrie oder der Automobilbau. Hier ist die Möglichkeit der Rückverfolgbarkeit von Chargen zwingend notwendig. Bevor die Chargenverwaltung mit abas-ERP organisiert wurde, war bei Elisental eine Insellösung im Einsatz. Der Aufwand für die Pflege und das Handling war allerdings zu groß und gipfelte in per Hand ausgefüllten Materialbegleitkarten. Mit der Chargenverwaltung in abas-ERP konnte dies weitgehend automatisiert und vereinfacht werden. Diese erlaubt beispielsweise die Rückverfolgbarkeit der Chargenbewegungen, gibt Auskunft über die Chargenherkunft sowie die Chargenverwendung und ermöglicht die Chargenverfolgung. „Unser Aufwand hat sich hier durch den Einsatz des ERP-Systems wesentlich reduziert und wir sind immer auf dem aktuellen Stand“, sagt Arndt Kollhorst.

Stabiles System

Bewährt hat sich die ABAS-Software nicht nur wegen ihrer Stabilität – „in fast zwölf Jahren hatten wir nicht einen Ausfall“, so Arndt Kollhorst – auch die Update-Strategie der Karlsruher kommt an: „Trotz vieler Anpassungen und Eigenentwicklungen gab es nie große Probleme, wenn ein Update eingespielt wurde. Auch der Aufwand hierfür hält sich in Grenzen, da diese Arbeiten von uns selbst erledigt werden können.“
Für die hohe Ausfallsicherheit und kurze Antwortzeiten ist auch die vom Komplettanbieter Steinhilber-Schwehr installierte Hardware verantwortlich. Die Server werden unter VMware Vsphere betrieben, das als führendes Betriebssystem einer virtualisierten Umgebung fungiert. Der Vorteil: Obwohl mit diesem Konzept ganz unterschiedliche Hard- und Softwarekomponenten betrieben werden, ermöglicht die Virtualisierung den einfachen und sicheren Betrieb.

Aus dem Tagesgeschäft wäre das ERP-System bei Elisental nicht mehr wegzudenken. Nicht nur in der Produktion und der Verwaltung nutzen viele Anwender das System, auch die Geschäftsleitung profitiert von aktuellen Daten und aussagekräftigen Auswertungen. „Der Metalleinkauf ist bei uns Chefsache, da wir mit sehr teuren Rohstoffen arbeiten.

Mit den Infosystemen für den Einkauf erhält unser Geschäftsführer aktuelle Daten und übersichtliche Auswertungen für seine Entscheidungen. Früher mussten hierfür sehr zeitaufwändig eine Vielzahl von Excel-Übersichten aufbereitet werden“, erinnert sich Arndt Kollhorst.
Den Nutzen der ERP-Software seit ihrer Einführung beschreibt diese Aussage sehr deutlich: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre konnte Elisental seinen Umsatz verdoppeln, die Personalzahl in Produktion und Verwaltung blieb jedoch gleich. -sg-

Drahtwerk Elisental GmbH, Neuenrade Tel. 02392/697-0, http://www.elisental.de

Abas Software AG, Karlsruhe Tel. 0721/967230, http://www.abas.de

Steinhilber-Schwehr AG, Rottweil Tel. 0741/1752-0, http://www.computerkomplett.de,

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