Produktionssysteme

Vernetzte Produktentwicklung

Thomas Ohnemus u. Nadine Hülsen, SAP AG

Innovation ist immer noch – oder gerade jetzt – ein wichtiger Faktor, der den langfristigen Erfolg von Unternehmen sichern soll. Wie schafft man es aber, über weltweit verteilte Entwicklungsteams hinweg, innovativ und Kosten sparend neue Produkte zu entwickeln? Die Herausforderung lautet kollaborative Produktentwicklung, mit einer abteilungs-, standort- und unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit von Entwicklungsteams.

Die Anforderung an produzierende Unternehmen, die Balance zwischen Kostenreduzierung und Nutzen zu halten und sich gleichzeitig durch qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen von der Masse abzuheben, wird Unternehmen auch in 2010 begleiten und maßgeblich ihre Zusammenarbeit innerhalb und über Unternehmensgrenzen hinweg bestimmen. Dieser Herausforderung lässt sich mit Collaborative Engineering Technologien begegnen. Diese unterstützten eine offene, flexible und sichere Zusammenarbeit und helfen, global verteilte Intelligenz zusammenführen – egal, ob sie um die Ecke oder am anderen Ende der Welt angesiedelt ist.
Die Möglichkeiten, Synergien durch Zusammenarbeit zu schaffen, sind vielfältig. Heutzutage ist es keine Seltenheit mehr, dass Entwicklungsteams, die zusammen eine Einheit bilden, über den Erdball verstreut sind. Somit sind auch innerhalb einer Abteilung Medien und Werkzeuge gefragt, die allen Projektmitgliedern volle Visibilität und Kontrolle über alle Produktdaten und Dokumente verschaffen, um ihnen zu helfen, Innovation, technische Änderungen oder Kosten im Griff zu behalten.

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Innerhalb von Fertigungsunternehmen gewinnt die bereichsübergreifende Zusammenarbeit schon im frühen Entwicklungsstadium immer mehr an Bedeutung. Werden andere Abteilungen, wie Marketing, Einkauf, Fertigung, und Service frühzeitig in den Produktentwicklungsprozess mit eingebunden, kann dies erheblich zum Erfolg des Produktes beitragen. Dies wird durch verschiedene Aspekte deutlich:

Neue Produkte sind nur sinnvoll, wenn es für sie auch einen Absatzmarkt gibt. Eine Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Marketing ermöglicht, dass Kundenanforderungen und Markttrends den Entwicklungsprozess positiv beeinflussen.

Die Einbindung des Einkaufs ermöglicht größere Verhandlungsspielräume bei der Beschaffung von Materialien und Komponenten, die Anzahl von Fehlbestellungen sinkt.

Die Zusammenarbeit mit der Fertigung stellt von Anfang an sicher, dass neue Produktentwicklungen auch produzierbar sind, die Übergabe an die Produktion reibungslos verläuft, die Produktion von Ausschuss und die Fertigung nicht den Kostenrahmen sprengt.

Durch eine frühe Einbeziehung der Service-Manager können alle Designs rechtzeitig dahingehend überprüft werden, ob die Wartung des Produkts problemlos und unkompliziert möglich ist. Ausführliche und transparente Produktdokumentationen erleichtern das Leben der Serviceingenieure und rüsten sie mit allen Informationen aus, die sie für Wartungen und Reparaturen benötigen.
Nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch über Unternehmensgrenzen hinweg erfüllen verschiedene Formen der Kollaboration verschiedenste Anforderungen. Anhand der VDA Empfehlung 4961/2 »Klassifizierung von Lieferanten« wird offensichtlich, dass in der Regel immer mehr als eine Kollaborationslösung in größeren Unternehmen zum Einsatz kommen.

Arten der Kollaboration

Für jeden Typ der Lieferantenbeziehung ist eine optimale technische Lösung zur Kollaboration zu etablieren. Während ein Teile- oder Komponentenlieferant relativ lose in die Prozesse und Systeme des OEM eingebunden wird, benötigen Entwicklungsdienstleister Zugriff auf umfangreiche, aktuelle Daten des Produkts.

Kunden profitieren ebenfalls von der engen Zusammenarbeit mit dem Hersteller. Sie können sicherstellen, dass ihre Produktanforderungen mit in das Produkt einfließen und können sich, wenn gewünscht, jederzeit einen Überblick über den Projektfortschritt verschaffen.

Anforderungen an PLM Kollaborationslösungen leiten sich aus der Art der Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Partnern und der Art der geteilten Informationen ab. Grundsätzlich unterscheiden lassen sich diese in Offline- und Online-Lösungen, wobei es für jede dieser Kategorien wiederum eine Vielzahl von Lösungen gibt. Einflussfaktoren bei der Entscheidung für eine der angebotenen Lösungen sind beispielsweise die Komplexität des Gesamtprodukts, die Aufteilung der Verantwortlichkeiten, die vorhandene Infrastruktur und nicht zuletzt die Branche und die Unternehmenskultur.

Wenn es um den Austausch von weniger detaillierten Produktinformationen, um Vorgehensweisen oder andere Verhandlungen geht, bestimmen moderne Kommunikationsmedien wie E-Mail, Telefon- und Video- und Webkonferenztools zunehmend den Arbeitsalltag von Entwicklungsteams und machen persönliche Meetings zu einem großen Teil überflüssig.

Mit der Web 2.0-Technologie hat jedoch ein Paradigmenwechsel von prozess- zu personenorientierter, zu so genannter Social Software stattgefunden. Verkörperte das Web 1.0 noch vor gut fünf Jahren vorrangig lineare, absatzorientierte Kommunikation, so steht heute die interaktive, multimediale und personalisierte Kommunikation im Mittelpunkt. The Economist sprach kürzlich sogar vom »Zeitalter der Partizipation«. Dieser Trend hält auch in der Produktentwicklung Einzug.

Geht es um komplexe, sensible Daten und geistiges Eigentum des Unternehmens, wie Designspezifikationen, Testdaten, Produktstrukturen oder Kinematik, sind besondere Kollaborationslösungen mit speziellen Berechtigungskonzepten gefordert.

Design Collaboration im CAD-Umfeld

Online-Collaboration-Lösungen, mit denen es möglich ist, zeitgleich in einer Multi-CAD-Sitzung von verteilten Standorten aus verschiedenste CAD-Formate, etwa für den Automobil- oder Maschinenbau, zu verarbeiten und zu verändern, gehören mittlerweile zur Grundausstattung für weltweit verteilte Entwicklungsteams. Dies führt zu einer deutlichen Beschleunigung der Engineering-Prozesse.

Der Mehrwert einer solchen Lösung erhöht sich allerdings nochmals deutlich, wenn Kollaboration im CAD-Umfeld zusätzlich noch in ein PLM-System integriert ist. Mit einer solchen Erweiterung können Ingenieure und ihre Partner ihre Design-Daten nicht nur in Echtzeit austauschen und bearbeiten; die »Auswirkungen« der Design-Änderungen werden sofort im PLM-System beispielsweise in der Stückliste, der Dokumentation oder in den Produktkosten sichtbar.

Auch der Schutz der Daten und der Unternehmensinformationen ist nicht zu vernachlässigen. Unternehmensübergreifende Zusammenarbeit in der Produktentwicklung darf nicht zu einem unerlaubten Zugriff auf das geistige Eigentum eines Unterneh- mens führen.

Um dies zu gewährleisten, gibt es verschiedene Wege: Eine Möglichkeit besteht darin, die Daten aus dem PLM-System auf eine Kollaborationsapplikation zu replizieren, auf die externe Teams kontrolliert zugreifen können. Der Vorteil einer solchen Lösung ist, dass externe Benutzer keinen direkten Zugriff auf das PLM-System haben und damit selbst im Fall des Eindringens von Hackern in die Applikation die Integrität der sensiblen Daten im PLM-System nicht gefährdet ist. Insbesondere in Bereichen, die oft mit neuen externen Partnern zu tun haben, wie zum Beispiel der technische Einkauf, ist dies der bevorzugte Weg. Allerdings ist bei dieser Herangehensweise mit zusätzlichem Aufwand für die Datenreplikation aus dem PLM-System zu rechnen.

Direktzugriff auf das PLM-System

Alternativ kann man externen Dienstleistern einen direkten kontrollierten Zugang zum PLM-System gewähren. Durch ein geeignetes IT-Sicherheitskonzept wie »Layered Defense« kann auch der Direktzugriff von außen mit höchster Sicherheit realisiert werden. Diese Methodik nutzt auf redundante Weise verschiedene spezialisierte Sicherheitskonzepte (Wechsel der Übertragungsprotokolle, separater Server für die Benutzeroberfläche in der demilitarisierten Zone, feingranulares Berechtigungssystem im PLM System), um den unerlaubten Zugriff praktisch auszuschließen. Damit ist der direkte Zugriff auf das PLM-System eine Alternative zu einer Kollaborationsapplikation – vorausgesetzt, der externe Kollaborationspartner genießt das Vertrauen des OEM.

Eine umfassende PLM-Lösung sollte sowohl einen sicheren direkten Zugriff auf die Produktdaten im PLM-System, als auch Möglichkeiten der Zusammenarbeit über eine separate Kollaborationsplattform bieten, um den unterschiedlichen Anforderungen in global agierenden Unternehmen gerecht zu werden. SAP PLM unterstützt alle Arten der Zusammenarbeit von Entwicklungsteams vom Direktzugriff auf die Datenbasis mit granularen Berechtigungskonzepten, über die Integration von CAD-Systemen, bis hin zum Datenaustausch über die Kollaborations- plattform SAP cFolders.

Durch die Integration von SAP PLM in die SAP Business Suite haben Anwender einen Rundumblick auf alle produktbezogenen Daten, die weit über die PLM-Grenzen hinausgehen, wie beispielsweise Qualitätsdaten, Materialverfügbarkeit, Klassifizierungen von Materialien, bis hin zum Preis einzelner Bauteile.

Wenn alle Teammitglieder im Engineering, der Produktion, dem Einkauf, Vertrieb und Service Zugriff auf eine einheitliche Datenbasis haben und die selben Kollaborationstools benutzen, treten im Entwicklungsprozess weniger Fehler und Zeitverzögerungen auf.

Für die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern regeln Berechtigungskonzepte zuverlässig den Direktzugriff auf Produktdaten in SAP PLM – abhängig von der Rolle des Nutzers im entsprechenden Projekt. Mit SAP cFolders wurde eine intelligente Austauschplattform geschaffen, die sich besonders durch ein Versionsmanagement für Dokumente auszeichnet.

Zusammenfassung:

Die unternehmensübergreifende, integrierte Zusammenarbeit im Bereich der Produktentwicklung zielt vor allem auf die gemeinsame Erarbeitung technologischer beziehungsweise wettbewerblicher Vorteile, die durch einzelne Akteure allein nicht erreichbar wären. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Beteiligten im gleichen Unternehmen, in der gleichen Stadt oder auf dem gleichen Kontinent ansässig sind. Wichtig ist es die richtigen Wissensträger zusammen zu führen um Mehrwert und dadurch Vorsprung für Teams und Unternehmen zu schaffen. Mit Hilfe geeigneter Technologien, die einerseits der Datenverfügbarkeit und dem Datenaustausch kaum noch Grenzen setzen, aber gleichzeitig durch flexible, rollenbasierte Berechtigungskonzepte die Sicherheit unternehmenseigener Daten garantieren, geht die Produktentwicklung einen weiteren Schritt in Richtung »Zeitalter der Partizipation«. -sg-

SAP AG, Walldorf Tel. 0800/5343424, http://www.www.sap.de/plm

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