Produktionssysteme

Einsatztraining verbessert Softwarenutzung

PLM-Lösungen lassen sich umso effizienter nutzen, je mehr Wert der Anwender auf die zugrundeliegenden Arbeitsabläufe und Prozesse legt. Babcock nutzt beispielsweise im Rahmen von Wartungsaufgaben für die britische Marine die Teamcenter- und NX-Software von Siemens PLM Software, um Entwicklungsdaten vielfältiger zu nutzen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Schulung der Mitarbeiter: Über das E-Learning-Portal ‚Learning Advantage‘ werden die unternehmensspezifischen Abläufe vermittelt – die Produktivität steigt.

Sicherheit und Präzision sind gefragt, wenn sich die Ingenieure der Division ‚Marine and Technology‘ der Babcock International Group an die Arbeit machen. Der Bereich ist strategischer Partner der Royal Navy des Vereinigten Königreichs und des britischen Verteidigungsministeriums. Über 9000 Mitarbeiter des Unternehmens konstruieren, bauen, verwalten, betreiben und warten Anlagen und Systeme in Großbritannien und weltweit – neben Marinestützpunkten auch komplexe Systeme wie U-Boote und Kriegsschiffe. Babcocks Geschäftsbereich ‚Systems and Equipment‘ entwickelt und liefert zudem so genannte TLM-Systeme (Through Life Management), die den gesamten Lebenszyklus von Ausrüstung, Systemen und Plattformen im Marinebereich abdecken; dazu gehören beispielsweise auch die kritischen Komponenten eines U-Boots.

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Bereits seit 2001 setzen die Ingenieure von Systems and Equipment auch die PLM/PDM-Software Teamcenter sowie im CAD/CAM/CAE-Bereich die NX-Lösung von Siemens PLM Software ein. Eines der Ziele dabei: Die Verantwortlichen wollten bereits vorhandene Informationen und Teile häufiger wiederverwenden. Verbunden mit einem Upgrade legte Babcock dann beginnend ab 2007 ein weiteres Mal den Schwerpunkt auf das Lebenszyklusmanagement. Denn: „Unsere Entwicklungssoftware wurde damals von zwei Babcock-Teams verwaltet – einem zuständig für die Arbeitsabläufe und einem weiteren für die Systeme“, erläutert Nick Trahair, Manager Technische Anwendungen und verantwortlich für das Projekt rund um das Upgrade. „Im Laufe der Jahre hatte sich allerdings der Schwerpunkt hin zur Technik verschoben, wobei ein gewisses Maß an operativer Konsistenz verloren ging.“

Unter anderem führte das dazu, dass die Bibliothek für die Standardteile nicht konsequent genutzt wurde. Die Ingenieure berichteten, dass sie Probleme bei der Entscheidung hatten, wann sie Baugruppen in die Bibliothek aufnehmen sollten. Da die Entwürfe nicht regelmäßig eingepflegt wurden, konnten aber viele Teile oftmals nicht gefunden werden. Ein weiteres Problem war die schwankende Qualität der 3D-Modelle. „Das Upgrade bot uns daher die Gelegenheit, die Technik und Geschäftsprozesse der Software-Plattform wieder besser zu verzahnen, Teamcenter sollte effektiver genutzt werden“, so Trahair weiter. Nach der Installation neuer Server ging die Teamcenter-Aktualisierung im Dezember 2008 in den produktiven Betrieb.

Anwender rücken in den Fokus

Anfang 2009 führte Siemens dann für Babcock einen Workshop durch, um die Software noch effizienter zu nutzen (Value Optimization Analysis). „Das hat uns sehr geholfen“, sagt Trahair. „Siemens sammelte Rückmeldungen von Anwendern, erkannte so die Hauptprobleme und half uns, einige Grundsätze festzulegen.“ Eines der Ergebnisse war, dass künftig nicht mehr die IT die treibende Kraft sein sollte. „Stattdessen müssen die Ingenieure als Anwender festlegen, welche Funktionalitäten sie benötigen und wie das System arbeitet – im Einklang mit der Unternehmensstrategie.“ Deswegen folgten dem Workshop eine Reihe von Seminaren, in denen die Ingenieure das Wort hatten. Dabei wurde festgestellt, dass Modellierungsqualität, Compliance sowie Arbeitsabläufe verbessert werden konnten. „Mit Unterstützung von Siemens entwickelten wir ein Drei-Phasen-Konzept, um uns auf Kernkompetenzen, Standardprozesse und Prozessautomatisierung zu konzentrieren.“

Unter anderem wurde dann eine Vollzeitstelle für den Support geschaffen. Ingenieure, die zuvor am Support beteiligt waren, konnten sich dadurch voll auf das System als Ganzes konzentrieren. Einer der ersten Schritte war, mit Hilfe von NX die Konstruktion bestimmter Teile zu verbessern, Teilefamilien zu schaffen, Standardteile in unterschiedlichen Größen zu erzeugen und sie alle in die Teilebibliothek einzupflegen. „Diese umfassende Bibliothek war der erste klare Gewinn für uns, da sie unverzüglich die Wiederverwendung von Teilen förderte“, berichtet Trahair. „Da zudem unsere neue Standardteile-Bibliothek nun mit dem Einkauf verbunden ist, erwarten wir auch hier entsprechende Einsparungen.“

Babcock widmete sich anschließend der Art und Weise, wie die Ingenieure konstruieren. Vorgaben für NX und Teamcenter waren zuvor in umfangreichen Handbüchern dokumentiert worden, die sich aber als einigermaßen unzugänglich erwiesen. Daher wurden die wichtigsten Informationen auf doppelseitigen A5-Bögen zusammengefasst. Weitere Einzelheiten wurden in Form von farbigen, gut lesbaren PDF-Dateien zum Nachlesen und Ausdrucken über NX zur Verfügung gestellt. Rückmeldungen der Anwender machen deutlich, dass es ihnen nun leichter fällt, Probleme zu beheben. Insbesondere in Prozessen, die selten genutzt werden.

Auch die Schulung rückte deswegen in den Fokus. Der zuvor beauftragte Anbieter von Onlinekursen erfüllte nicht in vollem Maße die speziellen Anforderungen des Unternehmens, erinnert sich Trahair. „Unsere Ingenieure müssen nicht nur wissen, wie sie NX im Allgemeinen nutzen können – es geht auch darum, wie sie die Software bei Babcock nutzen können.“ Dazu wurde ein CAD-Forum geschaffen und Siemens führte eine Reihe von Schulungen durch. Das Unternehmen führte zudem das E-Learning-Portal ‚Learning Advantage‘ ein, über das Babcock eigene, maßgeschneiderte Trainingsmodule bereitstellen kann. „Genau das haben wir gesucht, unsere Schulungen sind nun viel zielführender.“ Über einfach zu verstehende Richtlinien, Online-Schulungen und Qualitätskontrollen konnte die Produktivität deutlich gesteigert werden.

Folgeprozesse profitieren von Entwicklungsdaten

Im März 2010 führte Siemens ein zweitätiges Seminar bei Babcock durch. „Wir bildeten den Lebenszyklus unserer Produkte genau ab“, führt Projektmanager Trahair aus. „Dadurch konnten wir leicht feststellen, an welchen Stellen wir bestimmte Funktionalitäten benötigen – und damit Bereiche mit Verbesserungspotenzial erkennen.“ Dazu gehörten auch Aufgaben, die zuvor ohne Unterstützung von Teamcenter arbeiteten, davon aber profitieren können. Etwa im Bereich ‚Service Support‘, über den Babcock einen Großteil des Umsatzes erwirtschaftet. Hier war klar ein Nutzen durch die verstärkte Nutzung der Entwicklungsdaten zu erkennen. „So ist es beispielsweise sinnvoll, Bauteile auch im Nachhinein zu ändern, um sie ‚as built‘ abzuspeichern; oder Seriennummern für jedes Teil und jedes Schiff oder U-Boot zu speichern.“

Babcock sieht auch künftig Möglichkeiten, Arbeitsabläufe intelligenter zu gestalten und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. „Wir hinterfragen, ob wir Teamcenter in entsprechender Art und Weise nutzen, beispielweise im Hinblick auf Schnittstellen zu anderen Konstruktionstools, sei es für Leiterplatten, Hydraulik oder Elektrik.“ Einer der nächsten Schritte wird sein, den Mitarbeitern in der Produktion Zugriff auf die Teamcenter-Materialien zu ermöglichen. Interessant dabei: Die früher kaum genutzten Visualisierungslizenzen sind nun deutlich gefragter. Der Anteil der Nicht-CAD-Anwender stieg dabei von 25 auf 95 Prozent. „Die umgesetzten Verbesserungen an unserem Teamcenter-System ermöglichen uns messbare Einsparungen – und dienen uns als Grundlage für die künftige Entwicklung“, freut sich denn auch Richard Drake, Leiter der Entwicklungsabteilung bei System and Equipment. -co-

Siemens Industry Software GmbH & Co. KG, Köln Tel. 0221/20802-0, http://www.siemens.com/plm

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