Produktionssysteme

Gut beleuchtet mit PDM

Autor: Dr. Philipp Grieb, München

Mit einem PDM-System von Autodesk organisiert Bäro, ein Hersteller für Beleuchtung im Lebensmittelhandel, seine technische Kommunikation neu. Das Unternehmen verspricht sich hiervon mehr Effizienz und Datensicherheit für alle Beteiligten und Entlastung der Konstrukteure von unproduktiven Hilfstätigkeiten.

»Licht lockt Leute« – eine alte Erfahrung, die sich aber immer wieder bewahrheitet und bei der Planung der Beleuchtung von Verkaufsräumen eine wichtige Rolle spielt. Die Firma Bäro im nordrhein-westfälischen Leichlingen und ihre Lichtplaner befassen sich seit über 40 Jahren mit lebensmittel-spezifischer Beleuchtung und sind deshalb für viele tausend Bäckereien, Fleischereien, Obst- und Gemüsegeschäfte, Supermärkte und Lebensmittelhandelsketten der bevorzugte Partner. Die Ansprüche an eine perfekte Beleuchtung von Brotregalen, Wurst-, Käse- oder Gemüsetheken sind höchst differenziert. Deshalb arbeitet Bäro im eigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum permanent an Innovationen zur immer besseren, energiesparenden und ökonomischen Warenbeleuchtung für Kunden weltweit.

Leuchtenkonstruktion und Lichtplanung

Vor gut zehn Jahren nahm die Firma einen ergänzenden Produktbereich dazu: Systeme für die Lufthygiene, das sind Produkte zur Entkeimung von Luft, Wasser und Oberflächen, zur Fettvernichtung und Geruchsbeseitigung.

Anzeige

Bäro beschäftigt im Stammhaus rund 150 Mitarbeiter. Etwa ein Drittel ihres Umsatzes erwirtschaften die Lichtexperten aus dem Export. Sie arbeiten in der Entwicklung und Fertigung eng mit Partnern zusammen. Wichtige Komponenten wie Reflektoren und Filterscheiben entwickeln sie selbst, andere Teile entwickeln und bauen die Zulieferer. Die reibungslose Zusammenarbeit im Entwicklungsbereich ist daher für Bäro von großer Bedeutung.

Seit Anfang der 90er Jahre konstruieren die Entwickler und Planer mit Autodesk CAD-Systemen, zunächst ausschließlich mit AutoCAD Mechanical. Im Jahr 2001 wechselten die Konstrukteure auf das 3D-System Autodesk Mechanical Desktop, während die Lichtplanung weiter bei der 2D-Software blieb. Für die Zeichnungsverwaltung begnügten sie sich mit den Möglichkeiten des Explorers.

Derzeit sind in der Konstruktion drei und in der Lichtplanung zwölf CAD-Arbeitsplätze installiert. »Die Grundkonstruktion der Leuchten steht im Wesentlichen fest. Das Standardproduktprogramm läuft meist über viele Jahre und erfährt Änderungen nur in Teilbereichen« erklärt Hans-Jürgen Thies, Konstrukteur und verantwortlich für die technische EDV. »Gelegentlich will ein Kunde eine Sonderausführung einer Leuchte, die vom Standard abweicht. Solche Sonderkonstruktionen und Anpassungen müssen dokumentiert werden. Diese Aufgaben liegen bei mir.« Neue Leuchten werden teilweise von den Fertigungspartnern entwickelt. Das hat den Vorteil, dass sie diese Konstruktionen maschinengerecht planen können. »Wir kontrollieren die Entwürfe und korrigieren sie. Erst wenn alles in unserem Sinne ist, geben wir sie für die Fertigung frei«, so Thies. Die drei Konstrukteure sind verantwortlich für die Koordination der Fertigungspartner und die konstruktiven Aufgaben im Hause. Sie erstellen auch Bedienungsanleitungen und verwalten die Produktdokumentation.

Die Lichtplaner erstellen Beleuchtungskonzepte anhand der Grundrisse von Geschäften oder Warenhäusern. Diese Planung führen sie ausschließlich auf 2D-CAD-Arbeitsplätzen mit AutoCAD Mechanical durch. »In den letzten Jahren kam in der Konstruktion immer häufiger Inventor ins Spiel, unter anderem deshalb, weil unsere beiden Hauptlieferanten Inventor benutzen. Und wenn wir Daten austauschen wollten, mussten wir irgendwann auch auf Inventor umsteigen um kompatibel zu bleiben. Unsere Entscheidung für Inventor, die vor zwei Jahren erfolgte, ist vor allem auf diese Zulieferer zurückzuführen, die für uns die meisten Leuchten fertigen. Beide setzen Inventor schon länger ein und haben damit gute Erfahrungen gemacht. Wir beschafften deshalb Inventor, ließen uns aber dahingehend beraten, dass es für eine effiziente Organisation unserer Daten und Abläufe sinnvoll wäre, von Anfang an mit einer PDM-Lösung zu arbeiten«, erzählt Thies. Die Bäro-Verantwortlichen setzten die Prioritäten neu: Die Datenverwaltung sollte an die erste Stelle rücken und Inventor folgen.

PDM – schnellere und bessere Kommunikation

Mit dem Essen kam der Appetit: Aus der Diskussion des Themas PDM entstand der Wunsch nach einer Verbindung zum ERP-System Proalpha, das bei Bäro im Einsatz ist. Ging es zunächst nur um die Konstruktion, so sollte am Ende auch die gesamte Lichtplanung einbezogen werden. »Wir holten uns mehrere Anbieter ins Haus, ließen uns ihre Konzepte vorstellen und analysierten sie. Die Vorgehensweise von Cideon Systems hinsichtlich Einführung und Implementierung überzeugte uns am meisten und erschien uns als der sicherste Weg. Cideon bot das Autodesk-Sys- tem Productstream Professional und eine Schnittstelle zu Proalpha an. Es war für uns ausschlaggebend, dass die CAD-Software und das PDM-System aus einem Hause kommen und wir keine Kompatibilitätsprobleme haben. Deshalb erhielt Cideon den Zuschlag«, erinnert sich der Konstrukteur.

Die Mechanical Desktop-Dateien lagen in einem separaten Ordner, der dann in das PDM-System eingelesen wurde. Cideon konnte die Daten ohne Probleme verarbeiten und die vorhandene Struktur fast eins zu eins übernehmen. Der Aufwand für die Installation und den Datenimport betrug zwei Manntage. Danach folgte eine Testphase von vier Wochen mit einer begrenzten Zahl von Mitarbeitern. In dieser Zeit kam der Projektleiter von Cideon zur Unterstützung wöchentlich ins Haus und führte ad hoc Anpassungen durch. Auch auf der Bäro-Seite gab es einen Projektleiter, der die Einführung koordinierte. Die Zusammenarbeit funktionierte reibungslos.

Cideon richtete die wichtige Schnittstelle für die Datenübergabe zwischen ERP- und PDM-System ein. Diese bidirektionale Dateischnittstelle ermöglicht eine unabhängige Übergabe von Artikeldaten zwischen den Systemen ohne starre Kopplung. Die Übergabedaten werden zyklisch ausgelesen. ERP- und PDM-System können dabei völlig unabhängig voneinander laufen. Darüber hinaus nutzt Bäro den Productstream Professional Replicator, um seine Produktdaten zwischen dem Stammsitz in Leichlingen und den Außenbüros in Wiesbaden und Allershausen regelmäßig zu aktualisieren. Diese Standorte führen die Lichtplanung für die regionalen Kunden durch. Auch der Productstream Job Server wird eingesetzt. Er erzeugt automatisch aktuelle DWF-Dateien der Konstruktionen. »Wir verwalten nicht nur die Produktdaten sondern auch Projektdaten wie beispielsweise E-Mails im PDM-System. Das ist für alle sehr nützlich«, meint Thies und ergänzt: »Die Einführung des PDM-Systems war nach der Testphase, in der wir bereits mit Live-Daten arbeiteten, wie vorgesehen abgeschlossen. Inzwischen läuft der Umstieg auf Inventor. Zug um Zug konvertieren wir unsere Konstruktionen auf das neue System, mit dem wir jetzt alle Neuentwicklungen durchführen.«

»Die PDM-Lösung ist ein großer Fortschritt. Wir erhielten früher oft Anrufe: ›Ich brauche mal schnell eine Zeichnung von dem Produkt xy‹. Jetzt hat jeder in der Firma selbst die Möglichkeit, sich die Zeichnung zu suchen und anzusehen. Die berechtigten Anwender klicken sich im PDM-System in die Konstruktion einer Leuchte und sehen sofort alle Einzelteile, die relevant sind, oder auch die komplette Leuchte im Zusammenbau.

75 Prozent weniger Aufwand für die Suche

Diejenigen, die kein CAD-System haben, benutzen die kostenlose Autodesk Design Review-Software, um Konstruktionen auf den Bildschirm zu holen. Das ist eine Entlastung für uns in der Konstruktion«, sagt Thies. Früher riefen die Außendienstkollegen und -partner zudem häufig an und wollten Zeichnungen von Leuchten haben. Heute können sie selbstständig und ohne Wartezeiten an die Daten herankommen. Auch die Suchzeiten in der Konstruktion sind mit der konsequenten Ordnung des Systems kürzer geworden. »Ich suche nur noch in einem Projekt und nur im PDM-System. Früher gingen wir in mehrere Systeme und Verzeichnisse hinein, um Daten zu suchen. Es gibt jetzt nur noch eine Stelle für die Suche. 75 Prozent der Suchzeiten, die wir früher brauchten, fallen jetzt komplett weg«, schätzt Thies. Inventor hilft jetzt, Einzelteile in Baugruppen direkt zu bearbeiten. Wenn sich ein Bauteil ändert, genügt eine Änderung im entsprechenden Teil und der Konstrukteur muss nicht in jede Baugruppe hineingehen, um die Änderung nachzuvollziehen. Die Änderung ist automatisch überall durchgeführt, wo das Bauteil vorkommt. Und er kann auch mit Hilfe des PDM-Systems erkennen, wo dieses Bauteil überall eingesetzt ist. »Wir verwenden für unsere Einzelteile immer die korrekten Materialangaben, also die korrekte Dichte, um Gewichte korrekt zu ermitteln. Denn es ist wichtig, zu wissen, wie schwer die Leuchte ist, wenn wir sie fertig konstruiert haben. Wir müssen prüfen, ob die verwendeten Halterungen und Adapter das Gewicht zulassen. Das muss vor der Fertigung geklärt sein«, stellt der Konstrukteur fest. »Uns fehlt noch die Routine mit Inventor, aber in ein paar Monaten werden wir mit Inventor wesentlich flotter arbeiten als mit dem alten System«, prognostiziert er. -sg-

Autodesk, München, Tel. 089/54769-0, http://www.autodesk.de Bäro, Leichlingen, Tel. 02174/799-0, http://www.baero.de Proalpha, Weilerbach, Tel. 06374/800-0, http://www.proalpha.de Cideon Systems, Bautzen, Tel. 03591/3744-0, http://www.cideon.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Produktdatenmanagement

Stimmige Daten für alle

Wie stellt der rein kundenspezifisch arbeitende Werkzeug-, Modell- und Formenbau sicher, dass Produktentwicklung und Auftragssteuerung mit einheitlichen Daten arbeiten? Die Ausgangsbasis dafür könnte kaum anspruchsvoller sein.

mehr...
Anzeige