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Produktionssysteme

Der Codex of PLM Openness – eine Chance für Offenheit (Teil 2)

Einmal erstellte Daten sollte man durchgängig im gesamten Produktlebenszyklus verwenden können, fordert eine Initiative des ProSTEP iViP Vereins. Der Codex of PLM Openness (CPO) soll hier Abhilfe schaffen (siehe Teil 1 in CAD-CAM REPORT 4/2012). Teil 2 unseres Berichts zur ersten Version des CPO geht der Frage nach, ob insbesondere das Systems Engineering von der versprochenen 'Offenheit' profitiert.

Michael Corban, CAD-CAM REPORT

Mit Version 1.0 des Codex of PLM Openness (CPO, einzusehen unter http://www.prostep.org/de/cpo.html) sei es gelungen, ein einheitliches Grundverständnis zum Thema Offenheit von IT-Systemen im Kontext PLM zu erarbeiten, betonen die Verantwortlichen. Beteiligt an der Erstellung waren Automobilhersteller – BMW, Daimler und Volkswagen – und IT-seitig Dassault Systèmes, IBM, Oracle, PTC, SAP, Siemens PLM Software und T-Systems. Über die in Teil 1 unseres Berichts zum CPO gestellten Fragen hinaus wollte der CAD-CAM REPORT wissen, ob sich dadurch auch beim Systems Engineering Weichen stellen lassen. Denn letztlich fußt ja die ‚Offenheit‘ vor allem auf dem Zugang zu Informationen – und hier zuvorderst denjenigen, die im CAD-System erarbeitet werden. Damit müsste also der richtige Zeitpunkt gekommen sein, im Rahmen des CPO die Grundlagen für das Systems Engineering zu legen – auch wenn bislang noch kein E-CAD-Hersteller oder Programmierspezialist beim CPO mit an Bord ist. Bei der Zusammenführung der Disziplinen Mechanik, Elektrotechnik und Software könnte ein Standard zur Beschreibung von Verhalten und Aufbau solcher Systeme die Integration und das Zusammenspiel der verschiedenen IT-Systeme sehr erleichtern. Verwendet man dazu die kostenlos verfügbare Systems Modeling Language SysML, müsste auch ein Großteil der in Teil 1 häufiger genannten rechtlichen Bedenken von vornherein entfallen.

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„Das ist ein sehr interessanter Aspekt unseres PLM-Tagesgeschäfts“, berichtet Dr. Thomas Wendel, Head of Project Center PDM Solutions bei der T-Systems International GmbH. „Unbestritten ist, dass die Verschmelzung von Mechanik, E-Technik und Software zu einem Systemverbund immer neue Herausforderungen hervorbringt – die Bereitstellung von passenden Standards zu einer effizient handhabbaren Verbundbeschreibung ist dringend notwendig.“ Kandidaten für solch eine Beschreibung seien unter anderem SysML, RIF (Requirements Interchange Format) oder in Teilbereichen STEP AP242. Diese müssten aber auf ihre Eignung noch weiter untersucht werden. „Insofern: Ja, der Zeitpunkt ist da, um sich intensiv mit der Standardisierung zu beschäftigen.“ Das sieht man auch bei dem PDM/PLM-Anbieter ISAP so und begrüßt den Vorstoß, die PLM-Anbieter ‚unter einen Hut‘ zu bringen. „Unabhängig davon, ob es beim Systems Engineering um die Beschreibung von Gesamtsystemen, einzelnen Bestandteilen in Form von Sub-Prozessen oder auch atomare Prozessfragmente geht, erleichtert eine standardisierte Modellierung auf der Basis einer allgemein akzeptierten Sprache die Kommunikation zwischen allen Beteiligten wesentlich“, betont Lars Kalveram, Bereichsleiter PLM-Consulting bei ISAP. „Hier lassen sich sicherlich die Erfahrungen aus der Softwareindustrie übertragen, in der die Entwicklung komplexer Systeme basierend auf einer einheitlichen Modellierungssprache – wie beispielsweise UML – für eine erhebliche Erleichterung über den gesamten Entwicklungsprozess gesorgt hat.“

Ähnlich sieht man das auch bei dem Zulieferer Continental. „Unser Produktportfolio umfasst heute die gesamte Bandbreite von Mechanik/Hydraulik und mit wachsenden Anteilen Elektronik und Software. Die Zusammenführung der Disziplinen im Systems Engineering ist daher nicht Zukunft, sondern bereits heute eine Notwendigkeit, die durch den ‚Geist des CPO‘ ergänzt und unterstützt wird“, so Corporate CIO Elisabeth Höflich. „Der Einsatz von IT-Standards und IT-Schnittstellen unterstützt diesen Prozess – löst ihn aber nicht. In der Tagesarbeit wird nur zu deutlich, dass noch diverse Lücken existieren. Diese wollen wir im Zusammenwirken mit den IT-Anbietern und IT-Integratoren über den CPO verringern und in der Folge schließen.“

Kritischer sieht man das bei PTC, obgleich das Unternehmen die Bedeutung des Systems Engineerings hervorhebt und zuletzt mit der Übernahme von MKS eine Lösung für das Application Lifecycle Management (ALM) – und damit alle Aktivitäten rund um den Softwareentwicklungsprozess – in das Produktportfolio aufnahm. „Es ist mit Sicherheit ein guter Zeitpunkt, zum Systems Engineering Standards zu erarbeiten“, sagt Dominik Rüchardt, bei PTC Director Business Development Automotive Center of Excellence. „Allerdings sollten diese eher ein Angebot darstellen denn eine Verpflichtung im Rahmen des Codex. Der CPO hebt – so wie er definiert ist – sehr schnell diejenigen Unternehmen hervor, die sich an den neuen Standards orientieren und somit die Geschäftsziele der Kunden am besten unterstützen.“ Auch BMW sieht die Definition solcher Standards nicht als Aufgabe des CPO. „Die Initiative beschreibt generelle Eigenschaften und Vorgehensweisen, die als Basis für Offenheit erfüllt sein müssen – generische Prozessdefinitionen standen dabei nicht im Fokus“, so Dr. Dietmar Trippner, Vice President Process IT bei BMW, „ebenso bleibt die technische Definition oder Auswahl von Schnittstellen anderen Gremien vorbehalten.“ Der CPO solle vielmehr Grundlagen für diese Tätigkeiten schaffen.

Aus Sicht des PDM/PLM-Anbieters Contact Software ist am wichtigsten, dass die Anwender ihre Prozesse und Methoden in den Fokus nehmen – und nicht ihre Werkzeuge, wie Business Development Manager Michael Murgai erläutert. „Damit die für die jeweilige Aufgabenstellung am besten geeigneten Tools zusammenwirken können, werden viele Standards notwendig sein.“ Gute Standards müssten sich zudem auf eine spezifische Aufgabenstellung beschränken und schnell eine praxistaugliche Reife erreichen. „Zu große Frameworks sind nicht beherrschbar und fördern nur die Abhängigkeit von proprietären Lösungen. Außerdem brauchen wir starke Organisationen, die die notwendigen Standards fördern und durchsetzen, beispielsweise dadurch, dass Referenzimplementierungen entstehen.“

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