Produktionssysteme

Auf Veränderungen eingestellt

Autorin: Yvonne Giebels, Düsseldorf

Technische Änderungen, so genannte Engineering Change Orders (ECO), stellen für Unternehmen heute nicht selten ein großes Problem dar. Denn die vielfach noch papiergebundenen Prozesse sind teuer und fehleranfällig. Ein Lösungskonzept auf Basis des Pdf-Formats soll hier zukünftig Abhilfe schaffen.

Technische Änderungen sind heute ein Teil des Lebenszyklus von Produkten. In Zeiten der globalisierten Wirtschaft betrifft das Änderungsmanagement aber inzwischen nicht mehr nur das eigene Unternehmen des Herstellers. Meist sind dabei auch etliche Partner entlang der Lieferkette beteiligt, häufig sogar in verschiedenen Ländern. Etwa Produktdesignbüros, Entwicklungsdienstleister oder Zulieferer. Schon in frühen Life-Cycle-Phasen, in denen das Produkt nur als digitales Abbild im Rechner existiert, ist deshalb eigentlich ein systematisches Änderungsmanagement notwendig. Vor allem, um die zu erwartenden Herstellungskosten im Griff zu behalten und die Qualität zu sichern. Gerade wenn verschiedene Disziplinen wie Konstruktion, Elektronik- und Softwareentwicklung, Simulation, Werkzeugbau oder Fertigungsplanung simultan an einem Produkt arbeiten.

Manuelle Tätigkeiten überwiegen

Zwar setzten viele Unternehmen inzwischen Systeme für das Product Lifecycle Management (PLM) ein, die ihre Produkte über den gesamten Lebenszyklus hinweg begleiten – von der ersten Idee über die CAD-Konstruktion (Computer Aided Design), die Fertigung, das Marketing bis hin zur Entsorgung. Alle notwendigen Daten werden dabei zusammengeführt, gemeinsam gespeichert und verwaltet, so dass sie jeder Mitarbeiter bei Bedarf auf Knopfdruck abrufen kann. Doch immer noch lagern viele Daten auf unterschiedlichen, teils proprietären IT-Systemen, die entweder gar nicht oder nur mit großem Aufwand miteinander kommunizieren können.

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Eine durchgängige PLM-Lösung macht es jedoch erforderlich, die Daten aller Lagerverwaltungs- oder Warenwirtschafts-Systeme auf einer einheitlichen Plattform unter einer einheitlichen Bedienoberfläche zusammenzuführen. Dafür stellen die PLM-Anbieter verschiedene Lösungen bereit, die sich in vorhandene IT-Systeme integrieren lassen. Wichtig ist heute aber auch die Kommunikation mit den externen Partnern und Zulieferern. Und da haben die meisten PLM-Lösungen noch ihre Schwächen. Speziell wenn es um die unternehmensübergreifende Kommunikation auf Basis von 3D-Daten geht und räumlich verteilte Entwicklungsprozesse unterstützt werden müssen. Denn hier erfolgt der Informationstransfer meist über die bisherigen PLM-Systemgrenzen hinweg. »Heute werden etwa die Hälfte aller Produktdaten außerhalb der Kontrolle durch die PLM-Systeme ausgetauscht«, weiß Peter Pfalzgraf, Bereichsleiter bei der Darmstädter Prostep AG. Das Beratungs- und Lösungshaus hat renommierte Unternehmen wie Airbus, BMW Group, Bosch, Brose, Continental, Delphi, EADS, Honda, Opel, Renault, Valeo oder ZF in den letzten Jahren bei der Gestaltung und Optimierung ihrer Entwicklungsprozesse und bei der Umsetzung von PLM-Konzepten unterstützt und arbeitet dabei mit den führenden Lösungsanbietern auf diesem Gebiet zusammen. Seit 2006 ist der Systemintegrator zudem ein »Certified Adobe Solution Partner«, der Lösungen auf Basis der Technologien des amerikanischen Softwarehauses Adobe entwickelt.

Medienbrüche vermeiden

»Viele Prozesse im unternehmensübergreifenden Engineering Change Management basieren heute hauptsächlich noch auf Papierdokumenten und laufen vielfach unstrukturiert ab«, hat Pfalzgraf festgestellt. Und obwohl die meisten Produkte heute dreidimensional (3D) in CAD-Systemen entwickelt werden, findet die Weiterleitung der Produktdaten nur in 2D statt. »Dabei sind digitale Modelle für den Nicht-Techniker viel anschaulicher als Zeichnungen«, sagt der Experte. Eine Vielzahl von Geschäftsprozessen im Änderungsmanagement erfordere heute zudem die Informationen mehrerer Dokumenttypen. Sie stammten aus unterschiedlichen Anwendungen und enthielten Daten aus unterschiedlichen Quellen. Dabei kommt es häufig zu Medienbrüchen, was die automatisierte Weiterverarbeitung der Informationen zusätzlich erschwert.

Ralph Weiß, Sales Manager Industries bei Adobe in München, nennt noch weitere Gründe für den hohen Anteil von manuellen Tätigkeiten bei den Engineering Change Orders (ECO): »Die Ingenieure in der Produktion oder in der Entwicklung können vielleicht mit einem komplexen PLM-System gut umgehen, aber entlang der globalen Supply Chains müssen auch viele Mitarbeiter aus anderen Bereichen informiert werden.« Und da seien häufig noch nicht einmal die gleichen Applikationen wie beim Hersteller eines Produkts installiert. Dazu komme, dass die meisten PLM-Lösungen webbasierte Portale nutzten. Um an bestimmte Informationen heranzukommen, sei zunächst ein Online-Zugang erforderlich. Weiß: »Und die Weiterverteilung aus dem Portal heraus ist kompliziert und mit Sicherheitsproblemen verbunden.«

Deswegen hat Adobe Lösungen für eine Optimierung der firmenübergreifenden ECO-Prozesse gesucht – und gefunden. Denn mit Hilfe der Technologien des US-Softwarekonzerns können bestehende PLM-Systeme durch einen einfach zu bedienenden elektronischen Workflow über Unternehmensgrenzen hinweg ergänzt und vorhandene Unzulänglichkeiten behoben werden. Sie reduzieren die Abhängigkeit von Papierformularen, beschleunigen die Kommunikation zwischen allen Beteiligten, automatisieren die Freigabeprozesse und sorgen für ein hohes Maß an Sicherheit, Zuverlässigkeit und Schutz des geistigen Eigentums.

Die Basis dafür sind Pdf-Formulare, die automatisch mit CAD-Zeichnungen, Bildern oder Metadaten aus dem PLM-System bestückt werden können, und die Adobe Livecycle Enterprise Suite (ES). Mit diesem interaktiven Lösungspaket zur Prozessverwaltung lässt sich die Erfassung, Verarbeitung und Archivierung von Informationen in Unternehmen durch den Aufbau komplett elektronischer Workflows deutlich vereinfachen. Konnektoren und einheitliche Schnittstellen zu allen marktführenden PLM-Systemen sorgen dabei für einen reibungslosen Datenaustausch.

Das »Portable Document Format« (Pdf) wurde von Adobe vor 15 Jahren entwickelt und ist seit dem Sommer 2008 unter der Bezeichnung ISO 32000-1 ein internationaler Standard. Seine Details liegen für alle Interessierten offen und können für eigene Zwecke genutzt werden. Lesen lassen sich die Pdf-Dokumente mit Hilfe des plattformübergreifenden und betriebssystemunabhängigen Adobe Readers, der heute weltweit auf über 90 Prozent der Computer installiert ist und mit dem nahezu jeder Anwender bereits umgehen kann.

Über ein spezielles Formular, das die bisher meist ungenutzten Funktionen dieser Lesesoftware aktiviert, können die Dokumente direkt mit den IT-Systemen im Unternehmen verbunden werden. »Die positiven Eigenschaften von Papierformularen wie zum Beispiel Lesefreundlichkeit oder hohe Akzeptanz bei den Benutzern lassen sich so mit einem elektronischen Arbeitsfluss kombinieren«, sagt Weiß. Und bei Bedarf – etwa wenn rechtliche Gründe dies erforderlich machen – ist jederzeit ein Wechsel zwischen digitalen und papiergebundenen Abläufen möglich.

Das »Geheimnis« dieser Dokumente steckt in strukturierten Dateien auf Basis der Seitenbeschreibungssprache Xml (Extensible Markup Language). Mit Hilfe des grafischen Autorenwerkzeugs »Adobe Livecycle Designer« lassen sich die benötigten Eingabefelder sehr einfach – je nach dem für Texte, Zahlen, Grafiken oder Bilder – auf eine Vorlage ziehen. Standardelemente wie Formularköpfe, Unterschriftsfelder und Barcodes sind in einer Bibliothek abgelegt und können ebenfalls per Drag und Drop ins Formular übernommen werden. Beim Ablegen der Objekte auf der Seite wird im Hintergrund der dazugehörige Xml-Code automatisch erzeugt und es findet eine Verknüpfung der Formularfelder mit den dazugehörigen Strukturelementen des IT-Systems statt. So ist zum Beispiel die Integration von Plausibilitätskontrollen in Echtzeit möglich. Sie stellen sicher, dass die eingegebenen Daten bereits bei der Erfassung korrekt sind und im Falle von Eingabefehlern nicht erst im Backend-System mühsam berichtigt werden müssen.

Dreidimensionale Modelle

Ein Kernstück von individuellen ECO-Lösungen ist der »Livecycle Pdf Generator 3D ES« von Adobe. Dabei handelt es sich um eine Server-basierte Lösung, die im Unternehmen zentral bereitgestellt wird, um Produktdaten in sichere Pdf-Dateien zu konvertieren. Damit lassen sich zum Beispiel 2D- und 3D-Konstruktionsdaten aus verschiedenen CAD-Systemen mit den dazugehörigen Produktinformationen aus einer Vielzahl von Anwendungen – wie etwa Fertigungsdaten, Datenblätter, Angaben aus Änderungsaufträgen, Microsoft Office-Dokumente – in einer einzigen Pdf-Datei integrieren. Dank zahlreicher Einsatzvarianten – etwa überwachte Netzwerkordner, E-Mail, Web-Schnittstelle oder Java-APIs – stehen die Informationen bei den Empfängern maßgeschneidert zur Verfügung. Darüber hinaus ist gewährleistet, dass alle generierten Pdf-Dokumente hinsichtlich Dateigröße, Detaillierungsgrad und Sicherheit den vorgegebenen Prozessen, Richtlinien und Auflagen im Unternehmen (»Compliance«) entsprechen.

Die erzeugten Pdf-Dateien behalten das Erscheinungsbild und den Inhalt der Originaldokumente bei, wie etwa Text, Layout, 2D-Zeichnungen und 3D-Konstruktionsdaten – unabhängig davon, welche Anwendung für die Erstellung eingesetzt wurde oder in welcher Umgebung die Datei mit Hilfe des kostenlosen Adobe Readers angezeigt wird. Die Installation der ursprünglichen CAD-Anwendungen oder eines besonderen Viewers ist nicht erforderlich. Der Livecycle Pdf Generator 3D ES bietet auch Funktionen, um einfache Bilddateien – beispielsweise im Tiff-Format – zu importieren und in durchsuchbare Pdf-Dateien umwandeln lassen. Wenn das daraus resultierende Dokument im Reader geöffnet wird, entspricht sein Erscheinungsbild demjenigen des Originals, doch können die Anwender jetzt nach bestimmten Textteilen suchen und sie markieren. Für die rechtsverbindliche Dokumentation erfolgt eine automatische Umwandlung der Dateien in das Pdf/A-Format, dem Standard für die langfristige Aufbewahrung digitaler Unterlagen. Erste Erfahrungen aus verschiedenen Projekten mit dem ECO-Konzept fallen positiv aus. »So lassen sich mit dem Umstieg auf einen automatisierten Prozess mit Pdf-Dokumenten Zeitvorteile zwischen 10 und 20 Prozent erzielen«, berichtet Ralf Weiß. Und wenn man bedenke, so der Adobe-Manager, dass der Veränderungsprozess heute in vielen Unternehmen zwischen 30 bis 50 Prozent der Ingenieurkapazitäten binde, stecke hier ein erhebliches Potenzial zur Erhöhung der Produktivität. -sg-

Adobe, München Tel. 089/31705-0, http://www.adobe.de

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