Produktionssysteme

Daten aus einem Guss

Transparenz in der Fertigung beruht auf Daten. Diese müssen allerdings akribisch erfasst und verwaltet werden. Ein Hersteller von Feingussteilen kann seit der Einführung einer Lösung für die Betriebsdatenerfassung (BDE) mit integrierter Personalzeiterfassung wesentlich besser planen. Die validen Daten zudem für eine hohe Datenqualität im ERP-System.

Wer die Formel 1, Airbus und Boeing zu seinem Kundenkreis zählt, der muss gleich bleibende und beste Qualitätsstandards garantieren. Denn hiervon hängen in all diesen Fällen nicht nur die Zufriedenheit des Kunden ab, sondern vor allem Menschenleben. Die Zulieferfirma Tital GmbH mit Hauptsitz in Bestwig ist sich dieser Verantwortung wohl bewusst. Deshalb wird bei dem Hersteller für Feingussteile aus Titan- und Aluminiumlegierungen ausnahmslos auf beste Qualität geachtet, entlang der gesamten Produktionskette. Rund 450 Mitarbeiter beschäftigt der Mittelständler heute und beliefert von Deutschland aus anspruchsvolle, namhafte Kunden in aller Welt. Das Unternehmen besteht seit 1974 und ist vor allem in den letzten fünf Jahren enorm gewachsen. Von 2004 bis 2009 konnte der Jahresumsatz verdoppelt werden. Für solche Ergebnisse müssen die vorhandenen Kapazitäten so effizient wie möglich genutzt, sinnvoll verplant und ständig überwacht werden. Nur auf diese Weise ist das nötige Maß an Transparenz aller Kernprozesse gewährleistet. Aus diesem Grund setzt Tital seit Jahren erfolgreich auf elektronische Betriebsdatenerfassung mit integrierter Personalzeiterfassung.

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Bis Anfang 2009 handelte es sich dabei um ein für Tital speziell konzipiertes System. Weil das Unternehmen aber eine neue Personalabrechnung einführte, zu der das Altsystem keine Schnittstelle bot, wurde die Ablösung durch eine neue BDE-Software mit entsprechenden Schnittstellen notwendig. Gesucht wurde eine Standardsoftware, die aber dennoch in der Lage sein sollte, den spezifischen Anforderungen des Herstellers von Feingussprodukten gerecht zu werden. Auf der Cebit 2008 entstand zwischen den Entscheidungsträger und dem Essener Softwarehaus Gfos ein erster Kontakt. Nach ausführlicher Präsentation war man sich in Bestwig sicher, mit dem Produkt X/Time aus Essen das richtige System gefunden zu haben. "Im Gegensatz zu anderen Systemen kommt diese Software den Eigenheiten unserer Produktionsprozesse sehr nahe. Obwohl es sich um eine Standardsoftware handelt, ist es möglich, sie durch zahlreiche Parametrierungen genau an unsere Bedürfnisse anzupassen und unsere Produktionsprozesse exakt abzubilden", erläutert der Projektverantwortliche Joachim Hofius die Entscheidung für das Produkt aus Essen.

Viele Betriebsdaten, ein System

Bei Tital kommt zum Breispiel der Gruppenarbeit eine zentrale Rolle zu. Vom System wurde daher verlangt, dass zum einen Gruppen abgebildet werden können und zum anderen mehrere Gruppen für einen Arbeitsplatz zugelassen werden. Auch für den Bereich der Personalzeiterfassung gab es neben der Schnittstelle zum Abrechnungssystem noch weitere Anforderungen. Bei dem Mittelständler kommen beispielsweise ganz unterschiedliche Arbeitszeitmodelle zum tragen, darunter Gleitzeit, normale Schichten und versetzte Schichten. "Im Schichtbetrieb wird zweischichtig mit je siebeneinhalb Stunden gearbeitet. Außerdem ist X/Time in der Lage, alle unsere Zeit-, Arbeitsplatz, Arbeitsgang-, Gemeinkosten- sowie Qualitätsmeldungen zu erfassen und sie in einem System sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Darüber hinaus deckt die Software auch unsere Materialverbrauchsdaten und Kostenstellenmeldungen für unsere Handwerker ab", so Hofius.

Im Februar 2009 fiel schließlich der Startschuss für die Implementierung des neuen Systems. Der gesamte aktuelle Auftragsbestand wurde zusammen mit den Arbeitsfortschritten des Alt-Systems aus dem ERP-System von SAP übernommen und nach kurzer Anlaufphase konnten bereits die ersten Rückmeldedaten aus X/Time nach SAP übermittelt werden. Während der gesamten Einführungsphase verlief das Projekt reibungslos und ist seit Mai 2009 abgeschlossen.

Mehr Transparenz

Alle erforderlichen Aufgaben wurden inzwischen in die BDE-Software übernommen. Heute werden neben den Arbeitszeiten vor allem zahlreiche Daten aus der Produktion erfasst, wobei das integrierte Rückmeldesystem in der Betriebsdatenerfassung eine zentrale Rolle spielt. "Sämtliche Arbeitsgänge eines Fertigungsauftrages werden durch die Software erfasst und kontrolliert. Auf Basis der von uns routinemäßig angefertigten Fotos unserer Gussteile bietet uns das System sogar die Möglichkeit, diese Bilddokumente zu integrieren. So können in der Fertigung an jedem BDE-Terminal zu den jeweiligen Aufträgen auch die zugehörigen Bilder eingesehen werden", zeigt man sich bei Tital zufrieden mit dem Projektverlauf. "40 BDE-Terminals haben wir inzwischen im Einsatz, dort können die Mitarbeiter Saldenstände, Arbeitsfortschritte und Leistungen je Arbeitstag über die "Sofortbeauskunftungsfunktion" jederzeit abrufen. Damit haben wir in Sachen Unternehmenstransparenz einen enormen Schritt nach vorn gemacht", so Hofius weiter. Durch die lückenlose Aufzeichnung und Überwachung des Produktionsgeschehens sowie des gesamten Fertigungsauftragsfortschrittes ist also auch zukünftig nicht nur beste Produktqualität sichergestellt, sondern wir sind "auf Knopfdruck" in der Lage, unserem Kunden über den aktuellen Fertigungsstand seiner Teile Auskunft zu geben. Die Mitarbeiter sind mittlerweile ebenfalls von der guten Leistung des Essener Produktes überzeugt. "Vor und während der Einführung gab es intern durchaus skeptische und kritische Stimmen, da die Ablösung der alten Individualsoftware nicht von allen Seiten als positiv empfunden wurde. Heute allerdings sind diese Stimmen durchweg verstummt, denn X/Time leistet hervorragende Arbeit. Besonders von den Abbildungen von Nacharbeits- und Bedarfsarbeitsvorgängen profitieren auch unsere Mitarbeiter. Alles ist lückenlos dokumentiert, weshalb Missverständnisse oder Fehler deutlich seltener auftreten", so Hofius.

Schon nach nur kurzer Zeit mit dem neuen System X/Time haben sich bereits deutliche Verbesserungen herauskristallisiert. So ist durch die im System integrierte Plausibilitätsprüfung eine wesentlich genauere Erfassung der einzelnen Daten möglich, wodurch die Datenqualität entscheidend verbessert werden konnte. "Auch der administrative Bereich unseres Unternehmens hat von der Ablösung des Altsystems profitiert, denn wir konnten den Aufwand für etwa 3.000 bis 5.000 Meldungen pro Tag durch effizientere Erfassungsdialoge deutlich reduzieren. Der manuelle Aufwand, der zuvor durch die Nachbearbeitung und Pflege der Daten entstand, hat sich zudem enorm verringert", so das zufriedene Fazit von Joachim Hofius. -sg-

Tital GmbH, Bestwig, Tel. 02904/981-0, http://www.tital.de

Gfos mbH, Essen, Tel. 0201/61300-0, http://www.gfos.com

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