CAD-Software

CAD Cowboys

Solidworks lud im Februar zur Anwenderkonferenz nach Phoenix/Arizona und rund 5.500 Anwender, Kunden und Vertriebspartner folgten der Einladung. Das Solidworks-Management berichtete über Strategien und neue Produkte und die begleitende Partner Pavilion zeigte mit mehr als 100 Ausstellern ein buntes Portfolio an Lösungen, rund um die 3D CAD-Software.

Bis zu mörderischen 48 Grad Celsius im Sommer, angenehme 27 Grad im Februar. Solidworks veranstaltete seine 17. Anwendertagung in Phoenix/Arizona. Der Blick durch das Flugzeugfenster offenbart einige Überraschungen: Eine Stadt mitten in der Wüste mit einer riesigen Ausdehnung und erstaunlich viele Solaranlagen auf Dächern. Am Boden befördern Hybrid-Taxis und Leihfahrräder solche Besucher, denen die Umwelt am Herzen liegt. Der Trend zu Zukunftstechnologien setzt sich auch in den Vorträgen der Solidworks World 2015 fort: Virtuelle Welten, grenzenlose Zusammenarbeit und Technologien der Zukunft stehen für eine sehr interessante und vielseitige Konferenz. Doch dazu später mehr.

Rund 5.500 Kunden, Mitarbeiter und Vertriebspartner aus aller Welt sind nach Phoenix gereist, um Neuigkeiten auszutauschen und zu Networken. Der Veranstalter hatte ein unterhaltsames wie inspirierendes Programm organisiert. Neben der Vorstellung der aktuellen Produkte lag ein Schwerpunkt auf der 3D-Experience-Technologie von Dassault Systèmes und den darauf basierenden Möglichkeiten für die Produktentwicklung, aber auch Fertigung und Visualisierung im geschäftlichen wie privaten Bereich.

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Italian-French-Connection
Bereits zwei Wochen vor der Tagung kündigte Solidworks an, dass der Nord-Italiener Gian Paolo Bassi als neuer CEO nominiert wird. Der „Alt-CEO“ Bertrand Sicot reichte zum Veranstaltungsauftakt den Staffelstab an Bassi weiter. Der Technik affine Norditaliener war zuvor Entwicklungsleiter bei Solidworks. Seine Bühnenpremiere mit Witz (sowie zeitweilig mit Cowboyhut) und fundierten Informationen kamen bei den Zuhörern gut an. Bertrand hinterlässt seinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld, denn die Version Solidworks 2015 soll die bis dato (wirtschaftlich) erfolgreichste sein. Beeindruckend sind die Marktdaten: 2,8 Millionen Anwender bei 210.000 Unternehmen weltweit, rund zwei Millionen Lizenzen an Schulen und Hochschulen (mit drei Millionen aktiven Nutzern) sowie ein Umsatzzuwachs von 50 Prozent in 2014. Insgesamt umfasst das Solidworks-Portfolio nun 13 Produkte, vom CAD über E-CAD, Simulation bis hin zum Produktdatenmanagement.

Dassault-Chef Bernard Charlès stimmte die Zuhörer auf eine „Connected World“ ein: Themen wie cloudgestütztes Konstruieren, kollaborative Entwicklung, soziale Interaktion und intuitives Design stehen immer mehr im Vordergrund. Dazu stellt Dassault seinem Tochterunternehmen Solidworks die 3D-Experience-Plattform zur Verfügung. Auf dieser Technologiebasis entstanden unter anderem die neuen Produkte Industrial Design und Conceptual Design (vormals als Mechanical Design bezeichnet). Beide Anwendungen laufen im lokalen Betrieb, nutzen jedoch die Cloud zur Datenhaltung und für die Kollaboration. Unter der Haube steckt der CAD-Kernel („CGM“) von Dassault. Womöglich ist dies der Einstieg in eine neue Solidworks CAD-Generation, über die immer wieder spekuliert wurde. Dassault beziehungsweise Solidworks halten sich diesbezüglich inzwischen sehr bedeckt, da sich offenbar Kunden, welche die CAD-Version mit Parasolid-Kernel einsetzen, irritiert zeigten.

Von der Idee zum Prototyp
Solidworks Industrial Design soll den Prozess von der Produktidee bis zur Fertigung unter Einbeziehung eines Teams wesentlich vereinfachen. Man startet mit einer Skizze auf Tablet oder PC und kann bereits auf CAD-Funktionalitäten (inklusive Parametrik) zugreifen. Die Konstruktionsidee kann so schnell umgesetzt und später auch in ein „echtes“ CAD-System übernommen werden. Am Ende dieses Prozesses steht die Ausgabe auf einem 3D-Drucker oder die Fertigung im Rapid Prototyping-Verfahren. Conceptual Design arbeitet im Prinzip ähnlich, wobei hier zusätzlich kinematische Funktionen bereitstehen. Während der Präsentation wurden unter anderem neue Feature wie Federn und Dämpfer gezeigt, die dynamische Bewegungssimulationen ermöglichen. Conceptual Design unterstützt in der neuen Version nun auch dynamische Simulationen mit dynamischem Kontakt (zwischen sich bewegenden Elementen). Eine enge Verknüpfung von CAD- und Konzept-Anwendung soll Produktentwickler einfach und schnell zum Ziel führen.

Uwe Burk, Senior Director Sales für Deutschland, sieht gute Chancen für die neuen Produkte: „Mit den neuen Tools adressieren wir neben unseren Bestandskunden auch neue Kunden beziehungsweise Anwender, die einen anderen Produktentwicklungsansatz verfolgen.“

Die Zukunft mit Mikro-Chips
Die Veranstalter der Solidworks World schaffen es immer wieder, interessante Redner zu engagieren, deren Vorträge sich mit der Thematik der Produktentwicklung und Innovation verbinden. Einen bemerkenswerten Vortrag hielt Michio Kaku. Der promovierte Physiker und Zukunftsforscher sagt eine Welt voraus, in der alles vernetzt und internetfähig sein wird. Leistungsfähige Chips zu einem Bruchteil des heutigen Preises werden wohl in Millionen von Anwendungen stecken. Milliarden von Geräten werden mit dem Internet kommunizieren und Computer als solche nicht mehr erkennbar sein. Denn wir werden von Computer umgeben sein. Zum Beispiel in Brillen, die uns fortwährend Daten einblenden oder in virtuelle Welten transportieren. Selbst in Pillen, die wir schlucken, werden Chips und Kameras stecken. In der Medizin wird weitgehend digital gearbeitet.

Dass diese Vision nicht nur furchterregend sein muss, zeigte ein weiterer Vortrag: Der israelische Elektroingenieur Seffi Udi ist seit einem Autounfall querschnittsgelähmt. Anstatt sich seinem Schicksal zu ergeben, erlernte er den Umgang mit dem 3D-CAD und begann zu konstruieren. Unter anderem plante er sein Haus als 3D-Modell. Aber auch seinen Alltag erleichtert er sich mit eigenen Ideen und Konstruktionen. So entstand beispielsweise eine mundgesteuerte Computermaus mit Vorrichtung, die es ihm erlaubt, sein elektronisches Buch per Atmung umzublättern. Ein beeindruckendes Beispiel, was CAD auch in solchen Bereichen zum Positiven verändern kann.

Wie jedes Jahr kündigte der Solidworks-CEO den Veranstaltungsort für das nächste Jahr an: Die Solidworks World 2016 wird vom 31. Januar bis 3. Februar in Dallas/Texas stattfinden.

Stefan Graf

Solidworks, München, Tel. 089/960948-400, www.3ds.com/de

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