Produktionssysteme

Flexibel für Formenbauer

Flexibler Standard oder Branchenlösung? Diese Frage stellt sich sehr oft bei der Auswahl eines PPS/ERP-Systems. Besonders projektorientierte Fertiger, wie Werkzeug- oder Sondermaschinenbauer, haben besondere Anforderungen an ihre Organisation und somit an die eingesetzte Software. Die Software Workplan Enterprise von Sescoi ist speziell für solche Branchen konzipiert und flexibel anpassbar. Aus diesem Grund entschied sich Harting Applied Technologies, Hersteller von Formwerkzeugen und Montagesystemen, für diese Lösung.

Harting Applied Technologies hatte bereits vor Jahren in ein ERP-System investiert, das individuell entwickelt auf die spezifischen Bedürfnisse des Fertigers zugeschnitten war. Steigende Anforderungen an die Software sowie Kapazitätsengpässe bei den Entwicklern machten ein Umdenken notwendig. Das zur Harting Technologiegruppe gehörende Unternehmen produziert zum einen Werkzeuge und Formen für Spritz-, Druckguss- sowie Stanz-Biege-Maschinen. Zum anderen werden komplette Montagesysteme (Sondermaschinenbau) hergestellt. Bei beiden Bereichen handelt es sich um projektorientierte Einzelfertigung, für die Harting Aufgaben von der Produktentwicklung bis zur Serienfreigabe (bei Werkzeugen) übernimmt. Während der Montagebereich von Harting Applied Technologies vielfach für externe Auftraggeber arbeitet, werden 95 Prozent aller Werkzeuge und Formen in die eigene Unternehmensgruppe geliefert, was jedoch den Wettbewerbsdruck zu vergleichbaren Anbietern nicht mindert.

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Die Verantwortlichen hatten bereits seit etwa drei Jahren die Ablösung des Altsystems ins Auge gefasst. Da der Harting-Konzern weltweit SAP einsetzt, untersuchten sie zunächst, ob SAP die hier vorhandenen Prozesse ausreichend gut unterstützen kann. Geschäftsführer Volker Franke berichtet: „Leider konnte SAP nicht die erforderliche Flexibilität bieten, um unser Tagesgeschäft abzubilden. Besonders was den Detaillierungsgrad anbelangt, wollen wir für Fertigungsaufgaben nur grobe Planungsdaten eingeben und in Gruppen bleiben. SAP dagegen benötigt frühzeitig im Prozess sehr detaillierte Informationen, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht bieten können.“

Flexibel im Detaillierungsgrad

Als auch von der IT-Abteilung die Aussage vorlag, dass es mit SAP keine Lösung gäbe, machten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einem anderen passenden System. Zwar haben es sich einige Anbieter auf die Fahne geschrieben, speziell den Werkzeugbau und Sondermaschinenbau zu unterstützen, doch die Wünsche von Harting Applied Technologies blieben dort unerfüllt. „Erst mit Sescoi und Workplan haben wir eine Lösung gefunden, die flexibel genug war, unsere Prozesse so abzubilden, wie wir wollten“, resümiert Franke.

Die Entscheidung für Workplan hatte mehrere Gründe. Ein wichtiger war, dass Harting dort den Detaillierungsgrad der Planung selbst bestimmen kann. „Wir können zwar auf der Einzelteilebene Vorgabezeiten und viele Details eingeben, müssen das aber nicht. Es ist ebenso möglich, auf einer übergeordneten Stufe zu bleiben. Wir machen vielmehr eine Vorplanung mit Platzhaltern, die in unseren Bilanzen als Merkposten erscheinen. In den anderen Systemen hätten wir dafür im Prinzip schon eine relativ genaue Definition treffen müssen“, sagt Franke. Auch die Bildschirmdarstellung sprach für die neue Lösung. Franke lobt die einfach anzulegenden Baumstrukturen sowie die Art und Weise der Querverknüpfung zwischen den verschiedenen Sichtweisen. Man könne bei Workplan problemlos zwischen den Ansichten hin- und herspringen, also vom Kundenblatt über die Angebote in die Aufträge und wieder zurück. Außerdem kam die Flexibilität und einfache Bedienung gut an. Formulare, Ansichten, Filter sind problemlos zu generieren und exakt auf die Bedürfnisse anzupassen. Sofern ein Anwender die Berechtigung für diese Daten hat, kann er das selbst übernehmen. So lässt sich Workplan sukzessive weiterentwickeln, ohne dass jedes Mal ein IT-Spezialist benötigt wird.

Im Eiltempo zur Inbetriebnahme

Als für den Geschäftsführer und seine involvierten Kollegen Ende 2009 feststand, dass Workplan für ihr Unternehmen am besten passt, ging es im Eiltempo voran. Man entschloss sich zu einer Testinstallation und schickte die Hauptanwender noch im Dezember zur Schulung zu Sescoi nach Neu-Isenburg. Mitte Januar stand die Testinstallation. Im März wurden alle laufenden Aufträge ins neue System eingetragen, und im April konnten die Mitarbeitenden bereits auf die eingepflegten Aufträge zurückmelden. Der Monatsabschluss April wurde bereits mit Daten durchgeführt, die in Workplan erzeugt und an SAP transferiert wurden. Heute erfolgt das komplette Rechnungswesen inklusive Rechnungsstellung im neuen ERP-System. Ein Informationssatz geht an SAP, das die Nachverfolgung beziehungsweise das Mahnwesen übernimmt.
Auch die Personalabrechnung und Finanzbuchhaltung laufen über SAP, weshalb verschiedene Schnittstellen definiert werden mussten. Kein großes Problem bei Workplan, schließlich ist die Sescoi-Software seit Dezember 2009 SAP-zertifiziert.

Warum Workplan Enterprise für Harting Applied Technologies eine ideale ERP-Software ist, erklärt Sescoi-Projektmanager Frank Welzel so: „Unser Unternehmen hat sich von Anfang an, also seit über 20 Jahren, auf Softwarelösungen für den Werkzeug- und Formenbau spezialisiert. Wie Work-NC, unsere automatische CAM/CAD-Lösung für 2- bis 5-Achs Bearbeitungen, wurde auch Workplan auf die speziellen Bedürfnisse der Einzelteilfertiger, projektorientierten Unternehmen und Auftragsfertiger ausgerichtet.“ Die Software ist modular aufgebaut. Zur Verfügung stehen Funktionen zur Ressourcenplanung, die die Automatisierung und Verwaltung von entscheidenden betrieblichen Tätigkeiten erlauben. Daneben bietet das System viele Optionen, die speziell für die Werkzeug- und Formenbau-Branche entwickelt wurden. Dazu gehört unter anderem eine spezielle Datenbankstruktur, die alle Änderungen aufzeichnet und die Rückverfolgung von Angebotsdaten und Kosten erlaubt. Schließlich ist es üblich, dass im Lebenszyklus eines Projekts mehrere Änderungen an den Projektdaten erfolgen. Die Verfolgbarkeit ist auch für das spätere Management von Kundendienst und Reparaturleistungen nützlich.

Bei Harting Applied Technologies ist heute ein so genanntes Concurrent-User-Modell im Einsatz, mit 15 parallel zur Verfügung stehenden Workplan-Arbeitsplätzen. Es ist in einem Citrix-Umfeld installiert.

Hand in Hand mit SAP

Durch die besonderen Umstände bei Harting Applied Technologies – wie zum Beispiel die Einbindung in eine Konzern-Struktur – wurde Workplan zunächst nur in reduziertem Leistungsumfang installiert. Nach dem Softwarestart mit Angebotserstellung, Auftragsverwaltung und Rechnungswesen nutzen die Werkzeug- und Sondermaschinenbauer inzwischen auch das Modul Warenwirtschaft, also Bestellwesen und den Wareneingang. Während Kostenstellen-Material nach wie vor über SAP läuft, wird der projektbezogene Einkauf jetzt über Workplan realisiert. Seitdem haben die Verantwortlichen deutlich mehr Informationen über die Bestellvorgänge und den tatsächlichen Zugang der Materialien.

Bei der Zeiterfassung, die in SAP verankert ist, werden heute die Kommt/Geht-Meldungen parallel ins Workplan gespielt, so dass die Anwesenheit der Mitarbeitenden dort automatisch mitgeführt wird. Der Terminkalender für Abwesenheiten wie Urlaub und Krankheit wird derzeit in Workplan aufgebaut. Er löst die bisherige Excel-Liste ab.

Auch die Kalkulation findet mittlerweile in Workplan statt, obwohl das bisherige Vorgehen schwierig abzubilden war. „Wir hatten etwas verzwickte Zuschlagssysteme, aber in der Zwischenzeit haben wir auf eine Kalkulation mit Herstellkosten umgestellt. Diese können wir sauber und transparent darstellen“, erklärt Franke. Der Geschäftsführer treibt den Workplan-Ausbau voran: „Aktuell haben wir in Workplan die Kapazitätsplanung für die Konstruktion in Angriff genommen, anschließend wird sie für die Montage umgesetzt. Das sind Bereiche, die wir 1:1 zuordnen können. Die Planung für den Fertigungsbereich dagegen wird auch in Zukunft nur grob erfolgen und im Detail den Meistern überlassen.“ -sg-

Harting GmbH & Co. KG, Espelkamp, Tel. 05772/4797500, http://www.harting.com

Sescoi GmbH, Neu-Isenburg, Tel. 06102/7144-0, http://www.sescoi.de

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