Produktionssysteme

Standardisierte Kollaborationsplattform für EADS

Simon Pilhar, Manching

Martin Frenzel, Leinfelden-Echterdingen

Standardisiert, sicher und hochgradig automatisiert: Industrielle Partner von EADS werden technische Datenpakete künftig über eine einheitliche Collaboration-Plattform mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern austauschen können. Die in der Business Unit Military Air Systems (MAS) von EADS als Pilotprojekt zusammen mit T-Systems realisierte Datendrehscheibe ist als Blueprint für den gesamten Konzern angelegt.

Die Luft- und Raumfahrtbranche durchlebt einen grundlegenden Wandel. Sie folgt dem Trend vieler Industriezweige hin zu immer kürzeren Innovationszyklen bei gleichzeitig steigenden Produktanforderungen an Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Die Hersteller allein können die sich rasant beschleunigenden Durchlaufzeiten insbesondere in der Entwicklung kaum bewältigen. Deshalb entwickeln und modernisieren Unternehmen die verschiedenen Flugzeugtypen zunehmend zeitgleich in einer Gemeinschaft. Um über alle Stufen hinweg maximale Produktqualität garantieren zu können, sind leistungsstarke Kollaborationswerkzeuge gefragt, die in die jeweiligen PLM-Landschaften der Austauschpartner angebunden sind. Diese Werkzeuge müssen in der Lage sein, die Vielzahl der Datenaustauschwege und -formen zu vereinheitlichen. Die Art der Partneranbindung muss sich an den Prozessen orientieren und nicht an den auszutauschenden Daten. Neue Partner im Wertschöpfungsnetzwerk sollen zum richtigen Zeitpunkt schnell Zugriff auf genau jene Daten erhalten, die für ihre Arbeit relevant sind, auch wenn sie mit mehreren Partnern gleichzeitig an einem Projekt arbeiten.

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EADS hat bereits 2007 mit dem breit angelegten gestarteten Konzernprogramm Phenix (PLM Harmonization Enhanced Integration and Excellence) die Harmonisierung der PLM-Landschaft als Top-IT-Thema in Angriff genommen. Der europäische Luftfahrtkonzern ist davon überzeugt, damit große Synergiepotenziale zwischen den unterschiedlichen Industriezweigen Zivil, Militär und Raumfahrt heben zu können. Phenix adressiert jedoch nicht nur EADS-eigene Divisionen, sondern auch das wachsende Netzwerk der Entwicklungs- und Produktionspartner (Extended Enterprise).

Ein Ergebnis der neuen PLM-Strategie ist die Collaboration Platform Phusion, die die EADS Business Unit Military Air Systems (MAS) zusammen mit T-Systems seit Juli 2009 als Prototyp realisiert hat. Die Plattform stellt eine leicht zugängliche Umgebung dar, die die Zusammenarbeitsprozesse zwischen den Partnern nahtlos instrumentiert.

Konzernweite PLM-Harmonisierung

Das gilt für den gesamten Lebenszyklus eines Flugzeugs. Dazu stellt die Plattform standardisierte Prozesse, Methoden und Werkzeuge bereit, und dass die Austauschpartner auf ihre eigene heterogene PLM-Landschaft verzichten müssen. Ein weiteres Merkmal der Plattform ist die sichere Übermittlung der Datenpakete, so dass Vertraulichkeit und der Schutz des geistigen Eigentums gewährleistet ist.

Die Standardisierung von Phusion umfasst vier Bereiche. Zum einen implementiert Phusion an den Bedürfnissen der effizienten Zusammenarbeit orientierte Anwendungsfälle. Sie orientieren sich am spezifischen Bedarf einer Partnerkollaboration und wurden in Abstimmung mit allen EADS Geschäftseinheiten festgesetzt. Dazu gehört der Austausch von vereinfachten DMU-Daten mit dem Zweck, Arbeitspakete gemeinsam mit den Partnern auf der Plattform zu betrachten. Auch das Abonnement von Teilkomponenten einer Struktur, inklusive Freigabeprozess für die Abonnementanfragen beim Eigentümer der Daten, gehören zu den gesetzten Standards von Phusion.

Genauso wie der Transfer von Dokumenten und CAD-Geometriedaten zur weiteren Bearbeitung beim Partner. Zweitens ist der Kern von Phusion ausschließlich an den Datenaustauschprozessen orientiert und ist vollkommen unabhängig von den PLM-Systemlandschaften der jeweiligen Partner. Die Umsetzung wird durch eine Harmonisierungsschicht (Interoperability Layer) erreicht. Die Prozesse selbst werden durch die Orchestrierung von Standard Webservices definiert, wodurch sie leicht anpassbar sind. Die Architektur von Phusion ist somit vollständig service-orientiert.

Ein weiterer entscheidender Bereich ist die Sicherheit. Phusion berücksichtigt die strengen Sicherheitsauflagen – insbesondere der EADS MAS. Der Zugang zur Kollaborationsplattform wird nur über Zertifikate ermöglicht, die die Unternehmen für jeden beteiligten Mitarbeiter über eine zentrale Authentifizierung mittels SIM-Karte (Subscriber Identity Module) beziehen. Die Datentransfers selbst werden ausschließlich über sichere Protokolle (SFTP; SSL/TLS) durchgeführt. Kritische Daten werden beim Sender verschlüsselt und erst am Ziel wieder entschlüsselt. Schließlich sind alle Datenpakete, die die Nutzer zur oder über die Plattform transferieren gleich aufgebaut. Die Inhalte liegen ebenfalls in Standardformaten (Step AP239, Step AP214, JT) vor. Alle Webservices sind zudem W3C-kompatibel. Des Weiteren ist es eine wichtige Vorgabe von EADS, soweit wie möglich auf Standardsoftwarekomponenten zurückzugreifen. Beispielsweise wird auf der Plattform und im Interoperability Layer das T-Systems Produkt PDM-Web-Connector eingesetzt, das wesentliche Anforderungen seitens EADS von Hause aus bereitstellt.

Standardisierte Anwendungsfälle

Der im Dezember 2009 vorgestellte Prototyp stellt unter Beweis, dass es möglich ist, mittels einer standardisierten Kollaborationsplattform dedizierte Prozesse zu implementieren, die unabhängig von konkreten PLM-Systemen einzig dem Zweck der nahtlosen Lieferantenintegration dient. Nachdem der Prototyp die prinzipielle Machbarkeit erwiesen hat, sollen im Jahr 2010 weitere Anwendungsfälle ausgearbeitet werden und im Rahmen einer Pilotimplementierung auch externe Austauschpartner angebunden werden. Einer Ausweitung auf alle EADS Business Units steht danach nichts mehr im Wege. -sg-

T-Systems International GmbH, Leinfelden-Echterdingen Tel. 0711/972-47896, http://servicenet.t-systems.de/plm

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