Produktionssysteme

Engineering im Zeichen der Globalisierung

Der Anlagenbau mit seinen komplexen Projekten stellt an die eingesetzte Soft- und Hardware außerordentliche Anforderungen. In der Anwendung bei der Textilmaschinenfabrik Trützschler stellt die Anbindung internationaler Standorte eine zusätzliche Herausforderung dar.

Die Trützschler Textilmaschinenfabrik hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Maschinen und Anlagen für Spinnerei und Nonwoven-Industrie spezialisiert. Das Traditionsunternehmen, das auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblickt, hat sich zum Global-Player und Technologieführer entwickelt. Dabei ist Trützschler nach wie vor ein Familienunternehmen. Im Stammwerk in Mönchengladbach konzentrieren sich auf einem Areal von mehr als 100.000 qm die Bereiche Verwaltung, Entwicklung und Konstruktion, Forschungs- und Versuchszentrum sowie die Fertigung.

Das Unternehmen plant, produziert und montiert komplette Anlagen für die Textilindustrie, individuell für die Anforderungen des Kunden konfiguriert und optimal in die vorgegebenen Räumlichkeiten eingepasst. Das Maschinenprogramm umfasst die komplette Palette vom Ballenöffner über Mischer und Reiniger bis hin zu Karden und Strecken. Im Nonwoven-Bereich wird die komplette Faservorbereitung abgedeckt, vom Ballenöffner bis zum Flockenspeiser.

2D/3D-Durchgängigkeit entscheidend

Die Anlagen erreichen in der Projektierung schnell eine Größenordnung von mehreren 10.000 Teilen: Schwerstarbeit für Hard- und Software.

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Trützschler entschied sich im Jahr 2000 für den Einsatz der CAD-Lösung Hicad und PDM-Software Helios des Dortmunder IT-Hauses ISD. Die Grundlage der Entscheidung für ein System bildete ein detailliertes Pflichtenheft, anhand dessen die verschiedenen Systeme bewertet wurden. In mehreren Produktpräsentationen wurden die Anbieter genau unter die Lupe genommen und hinsichtlich Leistung und Kosten verglichen. Letztlich war Hicad das einzige System, das alle Punkte des Pflichtenheftes erfüllte, darunter auch die problemlose Übernahme der 2D-Altdaten. Die anderen Systeme hatten hier deutliche Schwierigkeiten: »Die Übernahme unserer Altdaten war für die anderen Anbieter ein K.O.-Kriterium«, so Thomas Sprünken, Projektleiter für die Einführung. Allerdings »nicht die Übernahme als solches, sondern die 2D/3D-Durchgängigkeit und somit die Möglichkeit der sofortigen Weiterbearbeitung gab letztlich den Ausschlag.« Denn auch heute noch werden von den Kunden fast ausschließlich 2D-CAD-Daten geliefert. Meist handelt es sich um Grundrisse, die der ansässige Architekt zur Verfügung stellt. Die bei diesen Dokumenten oft notwendige, umfangreiche Nacharbeit wäre mit einem 3D-System nicht möglich. Darüber hinaus gewährleisten Hicad und Helios nach wie vor den Zugriff auf den kompletten 2D-Altdatenbestand – immerhin 37.000 Zeichnungen. In die 2D-Zeichungen werden die 3D-Modelle der Maschinen platziert. Hierbei konnten die einzelnen Arbeitsschritte durch die intensive Nutzung der Makrotechnik weitgehend automatisiert werden. Die mit den Projekten einhergehende Informationsflut beherrschen die Anlagenbauer mit Hilfe des PDM-Systems.

Ein wichtiger Aspekt der PDM-Anwendung ist das Stücklistenmanagement. In Helios lässt sich die Produktstruktur unabhängig vom verwendeten CAD-System direkt aus der Teilestruktur ableiten. Aus der Produktstruktur wird automatisch die Stückliste erstellt. Zur Bearbeitung und flexiblen Weiterverwendung der Stückliste, stellt der Reportmanager weitergehende Funktionen zur Verfügung. Die Listen können nach verschiedenen Kriterien gefiltert, um Spalten mit individuellen Berechnungsformeln erweitert oder in Formate wie MS Excel, Html oder Text – für die Kopplung an ein PPS/ERP-Format – exportiert werden.

Informationen sicher im Griff

Projektleiter Sprünken erklärt: »Alle unsere Maschinen sind im Stücklistenmanagement verhaftet. Die Stücklisten bieten einen hohen Informationsgehalt für unser Projektmanagement, wie beispielsweise elektrische, lufttechnische und sonstige Daten. Diese Daten dienen dem Kunden als Informationsgrundlage zur weiteren Dimensionierung seines Gesamtanlagenkonzeptes.« Für zahlreiche Unternehmen hat in den vergangenen Jahren die internationale Verflechtung zugenommen. Gerade im asiatischen Raum ist dabei die erste zu überwindende Hürde der Unterschied im Zeichensatz. Mit dem traditionell im Westen verwendeten Ascii-Code lassen sich die asiatischen Schriftzeichen nicht darstellen. International einsetzfähige Software muss daher den neueren Unicode-Zeichensatz nutzen, um alle Zeichen darstellen zu können. Helios und Hicad unterstützen diesen Standard vollständig. Aber nicht nur die Darstellung von Informationen, auch deren Verfügbarkeit bringt angesichts der räumlichen Entfernung und der Zeitverschiebung Schwierigkeiten mit sich. Um trotzdem jederzeit auf sichere und aktuelle Daten zugreifen zu können, stellt Helios spezielle Funktionalitäten zur Verfügung. Mit dem Replikationsmanagement und der Implementierung eines Vault-Servers lässt sich der Datentransfer zwischen den verschiedenen Standorten sicher und schnell steuern. Darüber hinaus können diese Instrumente auch für verlängerte Werkbanken oder die Telearbeit von Mitarbeitern effektiv eingesetzt werden.

Auch für Trützschler als international aufgestelltem Unternehmen ist das Replikationsmanagement ein wichtiger Bestandteil der PDM-Lösung. In der Unternehmensgruppe ist an den Standorten Deutschland, Indien und China die CAD-Lösung zur Projektierung im Einsatz. Dabei wird an einem Projekt nicht nur an einem Standort, sondern eben international übergreifend gearbeitet. Die permanente Verfügbarkeit aller relevanten Daten spielt daher eine entscheidende Rolle – und dies rund um die Uhr, denn Trützschler ist in allen Zeitzonen vertreten (neben den genannten auch Brasilien, USA u. a.). Gleichzeitig muss natürlich sichergestellt sein, dass immer nur an der aktuellen Version gearbeitet wird und diese für den gleichzeitigen Zugriff gesperrt ist. Dies übernimmt der Replikationsmanager.

Daten international verfügbar

Die Daten liegen auf Vault-Servern an den jeweiligen Standorten, auf die über eine zentrale Helios-Datenbank zugegriffen wird. Will ein Anwender eine Datei laden, erkennt das PDM-System auf welchem Vault-Server die aktuelle Version vorliegt und sorgt dafür das nur diese geladen wird, gegebenenfalls nach Synchronisation von einem anderen Standort. Der bearbeitende Zugriff für andere Anwender ist nun gesperrt – und zwar weltweit. Eine technische Schwierigkeit für das Unternehmen war die nicht immer zuverlässig vorhandene Internetverbindung zu den Tochterfirmen. Bei einer Verbindung zwischen Client und Server mittels Odbc-Protokoll ist aber die Stabilität der Verbindung von höchster Wichtigkeit. Denn je nach Datenbankserver können schon kurze Unterbrechungen dazu führen, dass die Verbindung komplett gekappt wird und alle Vorgänge abgebrochen werden – mit möglichen Datenverlusten und einem zusätzlichen Zeitaufwand für die erneute Herstellung der Verbindung. Da aber gerade der gemeinsame Datenzugriff mit den außereuropäischen Töchtern für den Projektablauf absolut notwendig war, musste eine zuverlässige Lösung gefunden werden Die ISD hat hierfür einen eigenen Ansatz entwickelt, der auch bei Trützschler das (Verbindungs-) Problem beseitigte. Die Kommunikation zwischen Client und Server verläuft nicht mehr direkt, sondern über einen Data Base Connector, einer Art Empfänger auf beiden Seiten. Der Client kommuniziert per Odbc mit dem DB-Connector, der sendet über ein eigenes Protokoll an den DB-Connector des Servers, der wiederum per Odbc mit dem Server kommuniziert. Durch dieses Zwischenschalten eines eigenen Protokolls werden die Auswirkungen einer instabilen Verbindung und der DB-Time-Outs vermieden. Denn die Verbindung der DB-Connectoren bleibt auch bei Unterbrechungen ohne Datenverlust bestehen.

Typischerweise wird am Standort Mönchengladbach ein Projekt mit den Bereichen Vertrieb oder Auftragsbearbeitung technisch ausgearbeitet und dann zur Feinplanung zum Beispiel an den Standort Indien überwiesen. »Im Zuge der Globalisierung und immer zunehmenden Wettbewerbs ist es für uns sehr wichtig Manpower effizient zu koordinieren. Hicad und Helios sind effiziente Werkzeuge, um dies zu erreichen«, stellt Thomas Sprünken zufrieden fest. -sg-

ISD Software und Systeme GmbH, Dortmund Tel. 0231/97930, http://www.isdgroup.de

Trützschler GmbH & Co. KG, Mönchengladbach Tel. 02166/607-0, http://www.truetzschler.de

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