Produktionssysteme

PLM für die unterbrechungsfreie Stromversorgung

Moderne, mechatronische Produkte zeichnen sich durch ein optimales Zusammenspiel der Komponenten Mechanik, Elektronik und Software aus. Entsprechend hoch sind die Anforderungen im Produktentstehungsprozess: Jedes Zahnrad muss ineinandergreifen, um Erfolgsfaktoren wie Innovationsfähigkeit, Kundenorientierung, Produktivität und Fehlersicherheit von der ersten Idee bis zum Produktlebensende zu maximieren. Eine wichtige Rolle spielen hierbei nicht zuletzt die eingesetzten Software-Lösungen.

Die Anforderungen, die Benning täglich meistert, sind vielfältig: So verlangt der globale Markt für viele Aufgaben exakt zugeschnittene Stromversorgungen, was wiederum ein ständig steigendes Entwicklungspotenzial im Umfeld der Mechanik, Elektronik sowie der Software erfordert. Ein Beispiel ist der zunehmende Einsatz von Hochleistungs-Signalprozessoren sowie die Datenübermittlung über Bus- beziehungsweise Netzwerk-Management-Systeme, woraus unter anderem ein immer höherer Software-Entwicklungsaufwand resultiert. Die Komplexität ist in diesem Umfeld besonders hoch, weshalb immer mehr Kunden die Zertifizierung nach anerkannten Qualitätsstandards voraussetzen. So wurde auch Benning durch diverse Zertifizierungen eine durchgängige Qualität in allen Bereichen bescheinigt. Je komplexer die Produkte sind, desto komplexer sind auch die zugrundeliegenden Unternehmensprozesse für deren Entwicklung und Herstellung – das trifft vor allem auf mechatronische Produkte zu, wie Robert Tepaße, EDV-Leiter bei Benning, erklärt: »Benning wird vor allem für seine individuellen Kundenlösungen mit speziellen Anforderungen weltweit geschätzt. Das erhöht zwangsläufig die Prozesskomplexität, die wir bisher mit vielen hochgradig automatisierten Software-Lösungen gut im Griff hatten.« Allerdings ist damit auch ein vergleichsweise großer Aufwand verbunden, um einerseits die einwandfreie Funktion dieser Architektur zu gewährleisten, und andererseits die nicht vermeidbaren, redundanten Datenbestände zu kontrollieren. »Wir wussten, dass wir die hohen Qualitätsanforderungen unter Berücksichtigung des weiteren Firmenwachstums nur noch mit viel Aufwand gewährleisten konnten. Daher war klar: Dieses Vorgehen kann zukünftig nicht mehr sinnvoll sein«, betont der EDV-Leiter. Die Verantwortlichen entschieden sich daher, die Systemlandschaft auf den Prüfstand zu stellen, mit dem Ziel, die unterschiedlichen Insellösungen idealerweise durch eine zentrale, umfassende Plattform abzulösen.

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Im Jahr 2005 wurde die Migration von einem älteren ERP-System zu Microsoft Dynamics AX als Anlass genutzt, um zu prüfen, ob sich die ERP-Lösung selbst als zentrale Datendrehscheibe im technischen Umfeld positionieren ließe. Diese Überlegung wurde jedoch aufgrund umfangreicher Anpassungsaufwände verworfen. »Also haben wir uns Ende 2005 eingehend mit den am Markt verfügbaren PLM-Plattformen beschäftigt und untersucht, welche Lösung unsere Anforderungen mit einem praxiserprobten Standard umfassend erfüllen würde«, sagt Richard Telaar, bei Benning im Bereich Konstruktion Seriengeräte / Engineering Serial Products tätig. »Dabei erregte vor allem die PLM-Lösung CIM Database der Bremer Contact Software unsere Aufmerksamkeit – einerseits durch die umfassende Funktionalität, andererseits durch das Auftreten des Unternehmens. Contact hat unsere Anforderungen schnell erfasst und auf der Basis moderner Software-Komponenten in konkrete Lösungsansätze überführt. Hier hoben sich die Bremer ganz klar vom Wettbewerb ab. Als Konsequenz haben wir uns im Sommer 2006 für die Einführung von CIM Database entschieden.«

Als eine erste und zentrale Maßnahme wurde die Grunddatenverwaltung angegangen. Das betraf unter anderem die gesamte Artikelstammverwaltung, angefangen bei der Anlage, Pflege und Klassifizierung von Artikeln bis hin zur Stücklistenverwaltung – und das Änderungsmanagement, welches bisher durch viele manuelle, zeitaufwändige Vorgänge gekennzeichnet war. »Heute haben wir dank CIM Database das Änderungsmanagement wesentlich transparenter und damit besser nachvollziehbar gestaltet«, betont Telaar. Dabei werden in der täglichen Praxis die wesentlichen Daten wie beispielsweise der betreffende Artikel, die zu ändernde Baugruppe, der Änderungsanlass und die Änderungsherkunft, die Lösungsbeschreibung sowie die Priorität benutzerfreundlich innerhalb einer digitalen Änderungsmappe im PDM-System erfasst. Diese Mappe wird dann – koordiniert durch CIM Database – durch das Unternehmen zu allen involvierten Personen geschleust. Die Beteiligten werden nun immer eindeutig auf die Sachverhalte und Maßnahmen hingewiesen, wobei sie automatisch alle relevanten Informationen vorliegen haben. »Dadurch konnte der Zeitaufwand für den administrativen Teil eines Änderungsprozesses in vielen Fällen um bis zu 50 Prozent reduziert werden. Hieraus ergibt sich der hohe Stellenwert des Änderungsmanagements bei Benning. Aber auch die Anwender waren froh, mit der PDM-Lösung ein Werkzeug zu erhalten, das sie bei ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Das trug immens zur hohen Anwenderakzeptanz bei«, betont Telaar.

Ähnlich positive Effekte will Benning jetzt mit der Umsetzung einer technischen Auftragsbearbeitung erzielen. Mit Hilfe der Software sollen zukünftig neue Aufträge technisch formuliert und konfiguriert werden. Ziel ist es unter anderem, die Ergebnisse für alle Projektbeteiligten auf Mausklick abrufbar zu machen. Im konkreten Anwendungsfall werden technische Informationen wie beispielsweise Abmessungen, Ströme, Spannungen und Leistung sowie weitere Anforderungen, die sich etwa aus klimatischen Bedingungen ergeben, in bestimmten Sachmerkmalleisten des PDM-Systems hinterlegt. Diese werden dann den zu entwickelnden Geräten eindeutig zugeordnet. Dadurch wird jeder Artikel in der Software einerseits suchfähig, und andererseits werden die wesentlichen Informationen technischer Art aus der Sachmerkmalleiste an das ECAE-System Engineering Base der Firma Aucotec übergeben. Der ECAE-Konstrukteur verfügt so automatisiert über alle Daten, die er beispielsweise für die Erstellung von Schaltbildern oder den mechanischen Aufbau benötigt.
Interessant ist dabei vor allem, dass sich die im PDM-System hinterlegten Strukturen auch in anderen Systemen verwenden lassen. Dank der Sachmerkmalleisten können beispielsweise solche Warengruppen automatisch abgeleitet werden, die für den Einkauf wichtig sind. Das wurde bisher manuell durchgeführt. »Indem wir neu anzulegende Artikel heute gezielt klassifizieren, erfolgt die Zuordnung in Warengruppen sogar automatisch. Das hilft nicht zuletzt auch der Geschäftsleitung oder dem Vertrieb, um festzustellen, welche Art von Endprodukten wie häufig und in welcher Form in unseren Projekten Verwendung findet«, sagt der EDV-Leiter. Vor allem der Vertrieb soll schon bald in besonderem Maße von der Sachmerkmalleisten-Funktionalität profitieren: Auf der Basis einer bidirektionalen PDM-ERP-Integration werden die Informationen aus der Sachmerkmalleistenstruktur dem Vertrieb in seiner gewohnten ERP-Systemumgebung zugänglich sein, wodurch die Auftragsabwicklung nochmals beschleunigt wird. So soll der Vertrieb leichter und besser nachvollziehbar hinterlegen können, welche Systeme und Geräte für einen Auftrag benötigt werden. Bei Benning spricht man hier von einer Konfiguration, die dann nicht mehr in Textform, sondern durch entsprechende ERP-Attribute beschrieben wird. Diese Attribute lassen sich im Anschluss an CIM Database übergeben, wodurch ein Kundenauftrag in der Produktentwicklung automatisch eindeutig definiert sein wird.Die Flexibilität einer Software-Lösung zeichnet sich vor allem auch durch ihre Skalierbarkeit und Offenheit aus – zwei Garanten für eine hohe Investitionssicherheit. »Wir haben quasi am eigenen Leibe erlebt, wie wichtig die Flexibilität der Software-Lösung ist. Ein Beispiel ist das Thema Projektmanagement, das anfangs eigentlich nicht explizit auf der Agenda stand, aufgrund der gestiegenen Qualitätsanforderungen unserer Kunden aber immer weiter in den Mittelpunkt rückt«, erklärt Tepaße.

Die Anforderung, das Projektmanagement auf eine moderne Basis zu stellen, entstand ursprünglich im Unternehmensbereich Medizintechnik: Kunden verlangen hier nachvollziehbare und definierte Schritte, die detailliert dokumentieren, auf welche Art und Weise ein Produkt entwickelt und produziert wurde, welche Dokumente dabei entstanden sind und welche Spezifikationen beachtet wurden.

Mit der Projektmanagement-Lösung des Bremer IT-Hauses sehe man sich im komplexen Umfeld der Produktentwicklung bestens aufgestellt, betont Telaar: »Das System erlaubt es uns, vielfach bewährte Projektabläufe quasi auf Mausklick zu reproduzieren – mit Hilfe von Projektvorlagen. Diese Projekttemplates definieren den kompletten Produktentwicklungsprozess, wie ihn beispielsweise die ISO 9000-Vorschriften verlangen.« Das Template beschreibt jeden einzelnen Schritt im PEP, angefangen bei der Ideenfindung, über die Prototypen- und Vorserienphase bis hin zur Serie. Dabei werden alle Aufgaben und Checklisten, die im Projektverlauf abgearbeitet und entsprechend von den Entwicklern oder Projektleitern freigegeben werden müssen, detailliert festgelegt. Bei Benning verspricht man sich davon vor allem in drei Bereichen kurzfristig große Vorteile: erstens im Produktentwicklungsprozess von Serienprodukten, der recht schematisiert abläuft; zweitens in der oben genannten Auftragsbearbeitung; und drittens bei der Dokumentation sehr großer Projekte, die sich häufig über mehrere Jahre erstrecken, viele Beteiligte und mehrere Unteraufträge einschließen. »CIM Database bietet gerade hier die Möglichkeit, mit wenig Aufwand detaillierte Informationen über den gesamten Projektstatus zu erhalten und so beispielsweise Ressourcen besser zu planen. Dieses Reporting, das uns die PLM-Lösung sehr rationell ermöglicht, ist eine häufige Anforderung der Kunden und wird in manchen Fällen sogar regelmäßig – manchmal monatlich – verlangt. Wir denken, dass wir mit dieser Lösung bestens für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sind«, schließt Tepaße. -sg-

Contact Software GmbH, Bremen Tel. 0421/20153-0, http://www.contact.de

Benning Elektrotechnik und Elektronik GmbH & Co. KG, Bocholt Tel. 02871/93-0, http://www.benning.de

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