Diese Seite empfehlen:
An (E-Mail Adresse des Empfängers)
Ihr Name (Optional)
Von (Ihre E-Mail Adresse)
Nachricht (Optional)
Datenschutz-Hinweis: Die Mailadressen werden von uns weder gespeichert noch an Dritte weitergegeben. Sie werden ausschließlich zu Übertragungszwecken verwendet.

Produktionssysteme

Gut integriert über Grenzen hinweg

Viele Mittelständler sind mit ihren Produkten weltweit erfolgreich und müssen deshalb auch auf den ausländischen Märkten präsent sein. Um eine standortübergreifende, weltweite Zusammenarbeit zu organisieren, hat der deutsche Mittelständler Argo-Hytos ein einheitliches Produktdaten-Management (PDM) für die beiden Produktionswerke in Kraichtal (Deutschland) und Vrchlabí (Tschechien) sowie die internationalen Vertriebsgesellschaften entwickelt. Auf Basis einer gemeinsamen technischen Grunddatenstruktur wird das PDM-System Profile von Procad den unternehmensweiten Austausch von Produktdaten sichern, von der ersten Produktidee über Konstruktion und Fertigung bis zu Vertrieb und Service.

Die Argo-Hytos GmbH im badischen Kraichtal ist ein typischer Mittelständler mit verteilten Produktionsstandorten, neben Deutschland und Tschechien seit 2008 auch in Indien. Die zur Zeit rund 1200 Mitarbeiter des inhabergeführten Unternehmens entwickeln und vertreiben Standardkomponenten sowie individuelle Lösungen für die Fluidtechnik, die entweder stationär, beispielsweise in Pressen und Kunststoff-Spritztechnik, oder mobil in Maschinen der Bau- und Landwirtschaft eingesetzt werden. Lösungen für die Hydraulikfiltration, Ölpflege und Ölreinheitsdiagnose werden von der Argo-Hytos in Kraichtal entwickelt und hergestellt, während bei Argo-Hytos in Tschechien die Steuer- und Regelungstechnik (Ventile und Aggregate) im Vordergrund steht. Beide Unternehmensteile haben seit Jahren unter einer gemeinsamen Holding eng zusammengearbeitet und sich 2003 zur Argo-Hytos zusammengeschlossen, um verstärkt als Anbieter kundenspezifischer Hydraulik-Systemlösungen auf dem Markt aktiv zu werden. Die Vertriebsgesellschaften werden kontinuierlich ausgebaut. Das Werk in Indien hingegen bedient vorrangig die asiatischen Märkte.

Anzeige

Einer der Gründe für das starke Wachstum des Unternehmens in den letzten Jahren ist für Geschäftsführer Christian H. Kienzle die hohe Investition in Forschung und Entwicklung. Argo-Hytos investiert aber nicht nur in Produkte, sondern auch in IT-Systeme und entsprechend innovative Prozessstrukturen. Um der abzusehenden dynamischen Entwicklung des Unternehmens auch künftig gerecht zu werden, wurde Anfang 2007 mit SAP R3 ein neues ERP-System eingeführt. Das PDM-System Profile war bereits seit den neunziger Jahren im Einsatz. Eingeführt und betreut wird Profile von Beginn an vom Procad-Vertriebspartner Steinhilber-Schwehr aus Rottweil. Toni Renken, Leiter Serienkonstruktion und verantwortlich für das PDM-System: »Unterstützt durch den modularen Aufbau von Profile nutzten wir die PDM-Software zu Beginn nur als reines Zeichnungsverwaltungssystem. Mit der Einführung des 3D-CAD-Systems Ideas wurden dann zusätzlich die 2D- und 3D-Modelle an Profile übergeben. Das, was eigentlich den größte Nutzen des PDM-Systems darstellt, das auf Sachmerkmalen und Produktstrukturen aufbauende Datenmanagement, begannen wir ab 2001 umzusetzen.«

Wiederfinden und Wiederverwendung von Teilen

Da wurde erstmals begonnen, den Wildwuchs bei den Teilebenennungen im Werk Kraichtal zu reduzieren. Mit der Zuordnung von Merkmalen zu den Objekten (Teile, Baugruppen, Dokumente, Projekte) konnten die Bauteile mittels Sachmerkmalleisten (SML) klassifiziert werden. Renken: »Anhand der Sachmerkmale haben wir eine Bereinigung der Teile durchgeführt, in dem wir viele alternative oder mehrfach angelegte Bauteilvarianten streichen konnten. Dadurch haben wir im ersten Schritt mehr als 300 Teile allein im Werk Kraichtal eingespart.« Eine beachtliche Rationalisierung, legt man die Ergebnisse einer VDI-Umfrage zugrunde, dass für jedes durch Wiederverwendung eingesparte Teil Kosten in Höhe von 700 bis 5.000 Euro eingespart werden.

Zudem sei mit der Objektsuche über die Merkmale ein schnelles und sicheres Wiederfinden möglich, was Mehrfachkonstruktionen wie bisher vermeidet und die Wiederverwendung von Teilen optimiert. Und bei Änderungen von Teilen, die in Baugruppen verbaut sind, weist Profile auf alle bestehenden Verwendungen hin, so dass unbeabsichtigte Änderungen in anderen Konstruktionsergebnissen vermieden werden können.

Mit der Entscheidung für SAP fiel dann 2006 auch die Entscheidung, das PDM-System für die gesamte Gruppe weltweit einzusetzen. Voraussetzung war, die in jedem Land unterschiedlichen ›sprechenden‹ Benennungen in eine einheitliche Artikelnummer zu überführen, die aufgrund des angestrebten Datenaustausches mit dem ERP von der Feldgröße und -struktur her auch im SAP verwendbar sein musste. Die gesamte technische Struktur (Benennung, Produktstrukturen, Klassifikation, technische Ablaufprozesse) wurde besonders auch in Abstimmung mit dem tschechischen Werk neu erstellt. Das betraf in weiten Teilen auch noch mal das Werk Kraichtal, obwohl dort seit 2001 schon wichtige Grundlagen gelegt wurden. »Dazu haben wir uns mit der IGS aus Hannover einen externen Partner ins Boot geholt, der mit solchen Projekten vertraut war. Mit Unterstützung des Beraters haben wir die neuen Strukturen und Prozesse festgelegt und konnten uns in der Gruppe auf heute 700 Benennungen einigen, von ehemals rund 70.000«, betont Toni Renken.

Eine eigens eingerichtete Normungsabteilung (Material-Datenmanagement) sorgt jetzt dafür, dass neue Materialstammdaten inhaltlich richtig angelegt und korrekt organisiert werden. Mittlerweile sind gut 145.000 Materialstämme im System.

Einheitliche technische Grunddatenstruktur

Der Normungsabteilung obliegt auch die Pflege des Klassensystems, das sowohl in Profile, als auch in SAP verfügbar ist. Und sie hält ein waches Auge auf die technischen Prozesse. Konstruktionsleiter Renken: »Wir haben heute die kompletten Konstruktionsprozesse mit zirka 15 Workflows in Profile abgebildet, so dass jeder Mitarbeiter immer genau erkennen kann, in welchem Zustand sich ein Teil befindet.« Das sind beispielsweise der Entwicklungsprozess, der Muster- und Prototypen-Prozess, der Serienprozess oder der Änderungsmanagement-Prozess.

Bei der gesamten technischen Grunddatenstruktur ist Profile das führende System. Um eine einheitliche Struktur zu sichern und eine Mehrfacherfassung der Daten zu vermeiden, werden eine Reihe von Daten an SAP übergeben. Damit die Schnittstelle zwischen Profile und den ERP-Systemen flexibel und transparent wird, setzt Procad so genannte Middleware ein. Im Fall von Argo-Hytos ist das der Biztalk Server von Microsoft. »Mit dem Biztalk Server sind wir in der Lage, Änderungen bei den zu übergebenen Daten relativ einfach selbst einzurichten, ohne eine aufwändige Programmierung. Außerdem haben wir mit diesem Software-Werkzeug die Möglichkeit, den tatsächlich durchgeführten Datenaustausch zu protokollieren«, sieht Toni Renken die Vorteile.

Mittels Biztalk werden weitgehend automatisch die Materialstämme (bei SAP die so genannten Grunddaten 1+2), die Klassifikation beziehungsweise die Objekt-/Produktstruktur und die Konstruktionsstückliste an SAP übergeben. Die Konstruktionsstückliste wird dann in SAP in eine Fertigungsstückliste überführt, damit fertigungsbedingte Änderungen nicht immer auch Rückwirkungen bis in die Konstruktion mit der Änderung des 3D-Modells haben. Das Normungsteam kontrolliert die Stücklistenübergabe und legt in SAP rund 90 Prozent der Sichten und Datenstrukturen für einzelne Bereiche wie etwa den Einkauf, den Vertrieb oder die Fertigung bereits an. Renken: »Diese zentrale Funktion des Normungsteams ist für unsere Abläufe entscheidend, bringt sie doch die bisher abweichenden Strukturen in den verwendeten Altsystemen auf einen gemeinsamen Nenner.«

Über das PDM-System werden bereits die Konstruktionsdaten des in Kraichtal eingesetzten 3D-CAD-Systems Ideas strukturiert abgelegt und verwaltet. Durch die Vorgaben des Normungsteams ist ein Materialstamm mit zwei, drei Eingaben angelegt und zwar so, dass ihn auch andere Konstrukteure schnell und sicher anhand der Merkmale wieder auffinden können. Da ein großer Teil der Konstruktionsarbeit aus Variantenkonstruktion besteht, wird dies als ein großer Vorteil anerkannt. Auch die Konstruktionsarbeit gestaltet sich einfach: Mit einem Klick sind die Daten aus Ideas heraus in Profile abgespeichert oder es wird von der CAD-Oberfläche aus die PDM-Maske geöffnet.

Das Ziel ist es, für die komplette Gruppe sowohl sämtliche CAD-Modelle, als auch alle Dokumente zu verwalten, die in der Konstruktion anfallen. Zusätzlich wird die E-Mail-Integration und das Projektverwaltungstool in Profile genutzt. Die Verwendung der Produktdaten in AV/Fertigung, Vertrieb oder Service wird weiter sukzessive ausgebaut. Der nächste konkrete Schritt hier ist, dass Fertigungszeichnungen in einem neutralen Format (tiff, pdf) auch auf den SAP-Terminals aufgerufen werden können und somit auch Bereichen zur Verfügung stehen, die über keine Profile-Arbeitsplätze verfügen. In Kraichtal arbeiten bereits 100 Mitarbeiter mit Profile, in Vrchlabí sind 40 PDM-Installationen im Einsatz. »Wir haben die integrierten Produktdaten-Prozesse von der Entwicklung und Konstruktion bis zu Fertigung, Vertrieb oder Service ausgearbeitet. Die Umsetzung einer so stark in die Betriebsabläufe sich auswirkenden IT-Neuorientierung, kann aber nur in praktikablen Teilprojekten erfolgen,« ist Toni Renken realistisch.

Viele Dokumente – eine Ordnung

In Vrchlabí und bei einer Reihe der internationalen Vertriebsgesellschaften ist das 3D-CAD-System Pro/Engineer Wildfire bereits im Einsatz. Die Einführung von Profile in den internationalen Vertriebsgesellschaften ist geplant. In der Planung ist auch, das Werk in Indien einzubinden. Für einen zentralen PDM-Zugriff der Auslandsgesellschaften wurde bei der Firma Bechtle in Friedrichshafen eine externe Serverstruktur aufgebaut und das PDM- und ERP-System dorthin verlagert. Damit wird die Zusammenarbeit zwischen den Produktionswerken und den Vertriebsgesellschaften wesentlich vereinfacht und der Zugriff auf einer einheitlichen Datenstruktur erreicht. Toni Renken: »Profile ist die Drehscheibe eines effektiven Produktdaten-Managements, das die beiden CAD-Systeme Ideas (Umstellung auf NX ist geplant) beziehungsweise Pro/Engineer und die Fertigungs- und Kundenbereiche standort- und länderübergreifend verbindet. Diese durchgängigen und vereinfachten Kommunikationsprozesse innerhalb unseres Unternehmens sind einfach notwendig und werden uns auch international in eine stärkere Wettbewerbsposition bringen.« -sg-

Argo-Hytos GmbH, Kraichtal, Tel. 07250/76-0, www.argo-hytos.com

Procad GmbH & Co KG, Karlsruhe, Tel. 0721/96565-5, www.procad.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Produktdatenmanagement

Stimmige Daten für alle

Wie stellt der rein kundenspezifisch arbeitende Werkzeug-, Modell- und Formenbau sicher, dass Produktentwicklung und Auftragssteuerung mit einheitlichen Daten arbeiten? Die Ausgangsbasis dafür könnte kaum anspruchsvoller sein.

mehr...
Anzeige

Automationslösungen von item

Erweitern Sie Ihr Wissen innerhalb der Automation und erfahren Sie alles rund um Motoren, Getriebe und Steuerungen im Leitfaden von item Industrietechnik.

mehr...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

Interessenten können ab sofort auf der Homepage der ACE Stoßdämpfer GmbH die für Ihre Anwendung maßgeschneiderte Gasfeder berechnen und auslegen. Unter ‚Berechnungen' ist das Gasfeder-Berechnungstool auf der Website ace-ace.de zu finden.

Zum Highlight der Woche...
Anzeige
Anzeige

Highlight der Woche

MES macht Schluss mit Stillstand
Die MES-Software von PROXIA unterstützt die Kieselmann GmbH bei der Herstellung von umfangreichen Leitungs- und Ventilsystemen, den Überblick über eine äußerst komplexe Produktion zu behalten. Das MES ermöglicht, die Fertigung wirtschaftlich zu planen und zu organisieren sowie mit sicheren Kennzahlen Effizienzpotentiale aufzudecken und zu nutzen.
Bericht lesen

Zum Highlight der Woche...