Produktionssysteme

„Produktlebenszyklen bis zu fünfzig Jahren“

Ein gutes Beispiel für den Umgang mit sehr langlebigen Anlagen ist der Ziegeleianlagenbauer Keller HCW. Das Unternehmen aus Ibbenbüren entwirft und fertigt industrielle Ziegelwerke und stattet diese mit der erforderlichen Fertigungs- und Transportanlagentechnik aus. Die rein kundenspezifischen Bauvorhaben weisen ein hohes Maß an Komplexität auf. In Großprojekten beläuft sich die Zahl der aktiven Lieferanten nicht selten auf mehr als 500 Unternehmen aus dem In- und Ausland. Der eDM-REPORT sprach mit Roland Dammers, Technischer Leiter und Thomas Recht, Service-Leiter über die Herausforderungen dieser Branche.

eDM: Wie lang sind Ihre Anlagen im Einsatz?

Thomas Recht: Industrielle Ziegelwerke können Produktlebenszyklen bis zu fünfzig Jahren und mehr erreichen. Kleinere Umbauten und Modernisierungen finden nahezu permanent statt. Hinzu kommt der Austausch von Aggregaten, Maschinen oder kompletten Anlagenbereichen. Hier beobachten wir Investitionszyklen von zehn bis fünfzehn Jahren. Da die Ziegler ihre Produkte in immer kürzeren Zeitabständen an geänderte Marktanforderungen anpassen müssen, nimmt die Zahl der Umbauten permanent zu. Zudem verschärfen sich die ressourcen- und energietechnischen Anforderungen an die Anlagen.

eDM: Sie nutzen das Auftragsmanagementsystem ams.erp, um Ihr Projektgeschäft durchgängig zu steuern. Vertrieb, Konstruktion, Einkauf, Fertigung und Montage gehören ebenso dazu wie das Servicemanagement. Verfügen Sie somit schon über ausreichend Transparenz, um Umbauten lückenlos zu dokumentieren?

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Roland Dammers: Im Prinzip ja. Mit der integrierten Informationsverarbeitung haben wir die Grundlage für eine Anlagenverwaltung geschaffen, die tatsächlich den gesamten Lebenszyklus unserer Ziegelwerke umfasst. Im Moment schauen wir uns den Ursprungsauftrag und die Folgeaufträge noch einzeln an und schließen daraus auf den Bauzustand der Anlage. In Zukunft wollen wir dieses Vorgehen automatisieren und die Einzelinformationen in einem Gesamtzusammenhang verfügbar machen. Bevor wir so weit sind, müssen wir allerdings noch eine Reihe von Hausaufgaben erledigen.

eDM: Worin bestehen diese Aufgaben?

Roland Dammers: Abgesehen von einigen datentechnischen Dingen ist die eigentliche Herausforderung organisatorischer Art: Um den Produktlebenszyklus systematisch zu erfassen, müssen wir unsere bisherige Arbeitsweise ändern. Hierbei gilt es die erforderlichen Prozessschritte zunächst präzise zu beschreiben. Anschließend müssen wir die Änderungen in das gesamte Unternehmen hineintragen. Als Mittelständler werden wir uns schrittweise dorthin bewegen und das Change-Management unseren Rahmenbedingungen anpassen.

Thomas Recht: Um den Aufwand einschätzen zu können, müssen Sie sich vor Augen halten, wie komplex unsere Werke sind. Die Zahl der darin verbauten Maschinen für Rohstoffaufbereitung, Formgebung, Handling und Transport sowie der verfahrenstechnischen Aggregate zum Trocknen und Brennen der Produkte geht in die Hunderte. Wenn wir einen Kunden dann längere Zeit nicht besucht haben, können wir problemlos mehrere Tage im Werk umherlaufen und haben noch immer nicht alle Änderungen im Detail gesehen. Änderungen, die im Übrigen zu einem großen Teil vom Kunden selbst ausgeführt werden. Bei weltweit über 700 aktiven Bestandskunden ist die systematische Erfassung der Umbauten alles andere als eine triviale Aufgabe. Nichtsdestotrotz steht sie auf unserer Agenda oben. Schließlich ist der Ausbau unseres Servicegeschäfts ein wichtiger Teil unserer weiteren Unternehmensstrategie. Doch wie Herr Dammers bereits sagte, schaffen wir einen solchen Wandel nur Schritt für Schritt. Wir müssen die Mit- und Zusammenarbeit der Kollegen aus Konstruktion, Fertigung und Service tragfähig organisieren. Das braucht seine Zeit. Anderenfalls bleibt auch die intelligenteste Anlagenverwaltung nur ein Stück Software. -sg-

Keller HCW GmbH, Ibbenbüren-Laggenbeck Tel. 05451/85-0, http://www.keller.de

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