Produktionssysteme

„PDM-Funktionen müssen in der CAD-Oberfläche verfügbar sein“

Immer besser, immer schneller – Konstrukteure und Ingenieure stehen heute unter immensem Zeitdruck. Neben dem CAD spielt inzwischen das Produktdatenmanagement eine tragende Rolle. Einen besonderen Part übernimmt hier die ISAP AG. Das IT-Systemhaus agiert als Vertriebspartner von Siemens-PLM-Software-Produkten, entwickelt aber auch eigene Software für das PLM. Der CAD-CAM REPORT sprach mit Matthias Barz, Vorstand der ISAP AG und verantwortlich für die Produktentwicklung, über die Besonderheiten dieser Produkte und die Zusammenarbeit mit mittelständischen Kunden.

CCR: Herr Barz, Sie bieten unter der Bezeichnung EdgePLM Series eine Reihe von Anwendungen an. Welche Funktionen haben die einzelnen Produkte?

Barz: Dabei handelt es sich um ein komplettes PLM-Lösungsportfolio speziell für Solid-Edge-Anwender, zusätzlich unterstützen wir aber auch Multi-CAD-Umgebungen. Das Basisprodukt ist die Produktdatenverwaltung EdgePLM Compact; flankierend bieten wir Zusatzapplikationen wie beispielsweise ein Integrationsmodul zu SAP PLM, EdgePLM Affinity für die geometrische Ähnlichkeitssuche, EdgePLM parts & components zur Unterstützung der Standardisierung in der Produktentwicklung sowie weitere Werkzeuge zur Unterstützung des Konstruktionsprozesses an.

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CCR: Warum greifen Sie im Solid-Edge-Umfeld nicht auf Lösungen des Herstellers Siemens PLM Software zurück?

Barz: Von Anfang an haben wir uns auf die 3D-CAD-Lösung Solid Edge konzentriert und hatten dazu zunächst die Produktdatenverwaltung Smarteam im Portfolio. Dann änderten sich die Eigentümerverhältnisse: Solid Edge wurde von Intergraph an Unigraphics Solutions – heute Siemens PLM Software – verkauft und Smarteam von SolidWorks erworben, das heute wiederum zu Dassault Systèmes gehört. Mit anderen Worten: Es war abzusehen, dass wir bald zwischen den Stühlen sitzen würden. Da wir mit Solid Edge zu diesem Zeitpunkt schon viele Erfahrungen gesammelt hatten, entschlossen wir uns 2005, eine eigene PDM-Lösung zu entwickeln. Diese Strategie hat sich bewährt, denn: Wenn der Kunde uns die Chance gibt, unsere Lösung vorzustellen, gewinnen wir das Projekt.

CCR: Was machen Sie besser als Siemens oder Dassault?

Barz: Nach einer Vielzahl von Projekten haben wir damals immer wieder festgestellt, dass wir nicht so auf Kundenwünsche eingehen konnten, wie wir uns das gewünscht hätten. Dazu waren die verfügbaren PDM-Systeme zu unflexibel. Uns war klar, dass eine speziell auf Solid Edge abgestimmte Datenverwaltung große Vorteile bieten könnte. Auch die unabhängigen PDM-Hersteller arbeiteten damals mit Standardintegrationen. Wenn wir für Solid Edge anfragten, versprach man uns eine Integration innerhalb kurzer Zeit. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass das eine Fehleinschätzung war. Es dauerte länger und die Funktionalitäten waren nicht so, wie wir uns das für unsere Kunden beziehungsweise Projekte vorgestellt hatten. Die Strukturen von Solid-Edge-Daten sind sehr komplex. Viele Konstruktionen sind sehr umfangreich, oft mit zehntausenden von Teilen und Metainformationen. Dies muss alles sauber verwaltet werden.

CCR: Hier können Sie dann mit der tiefen Integration zwischen Solid Edge und EdgePLM Compact punkten?

Barz: Ja, das zeigt sich in der Praxis sehr schnell. Denn der Anwender arbeitet mit unserem Angebot nicht wie mit zwei getrennten Programmen, bei denen er ständig zwischen den Oberflächen wechselt. Unsere Datenverwaltung ist in die CAD-Oberfläche integriert. Dem Anwender stehen also aus der CAD-Anwendung heraus PDM-Funktionalitäten zur Verfügung. Er merkt nicht, dass er eigentlich mit zwei Anwendungen arbeitet – das verstehen wir unter tiefgehender Integration.

CCR: Wie wurde das technisch realisiert?

Barz: Alle Befehle von Solid Edge, die Datenbank-relevant sind, werden direkt von EdgePLM Compact verarbeitet und gehen nicht erst Umwege über Schnittstellen. Dies bringt nicht nur mehr Performance, sondern wir können auch alles sauber programmieren. Der Anwender hat auf diese Weise auch stets auf einen Blick alle Baugruppen mit den entsprechenden Informationen verfügbar. Nicht alle neutralen PDM-Systeme bieten dies. Und: Da wir als PLM-Systemhaus und Solid-Edge-Vertrieb eng mit dem Hersteller kooperieren, können wir bei Änderungen oder Neuerungen sehr schnell reagieren. Wer mit Systemen arbeitet, die nicht gut aufeinander abgestimmt sind, muss oft notwendige Funktionen erst bei seinem PDM-Anbieter erfragen. Sind diese nicht verfügbar, müssen diese aufwändig und kostenintensiv ergänzt werden.

CCR: Fragt man Konstrukteure nach der Bedienung von PDM-Systemen, brechen die selten in Jubel aus. Wo sehen Sie den Grund hierfür?

Barz: Aufgrund der jahrelangen Erfahrung mit CAD-Installationen haben wir gelernt, dass Konstrukteure sich am liebsten auf ihre Arbeit und Kreativität konzentrieren. Über Hilfsmittel wie ein leicht bedienbares CAD-System freut man sich. Alle weiteren Programme oder zusätzliche Arbeiten werden zwar akzeptiert – sind aber nicht wirklich willkommen. Dazu zählt insbesondere die Suche nach CAD-Daten oder das Organisieren von Datenbeständen beziehungsweise das Hinterlegen von Informationen zu den Konstruktionen. Je einfacher und automatisierter dies zu erledigen ist, um so offener sind die Anwender. Unsere Produktdatenverwaltung läuft mit allen Funktionalitäten im Hintergrund. Der Entstehungsprozess von CAD-Daten wird durch vielseitige Automatismen unterstützt – etwa für die Vergabe eindeutiger Dateinamen, die Kontrolle und Verwaltung aller CAD-Referenzen oder die automatische Versionsnummernvergabe. Der Konstrukteur kann sich also besser auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

CCR: PDM-Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass neben den Konstrukteuren auch andere Mitarbeiter Zugriff haben. Wo drückt die der Schuh?

Barz: Wir sind ein Partner auf Augenhöhe, der nicht nur auf Management-Ebene kommuniziert, sondern auch die Sorgen und Nöte sowie die Anforderungen der ‚Power-User‘ versteht. Insbesondere bei PDM-Projekten ist dies unbedingt erforderlich. Denn alle am Produktentwicklungsprozess Beteiligten stehen heute unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck. Oft wird dabei verkannt, dass der Konstrukteur sich in seinem eigenen Datenbestand ja gut auskennt. Viel wichtiger ist es darum, dass sich auch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen in einer Datenstruktur ebenfalls zurechtfinden und die gewünschten Suchergebnisse erhalten. Wichtig ist, dass es dabei nicht immer nur um Benchmarks geht – man darf bei diesem Thema auch die Arbeitsweisen und die PLM-Strategien nicht aus den Augen verlieren.

CCR: Mit welchen Werkzeugen – neben CAD und PDM – können Sie die Anwender unterstützen?

Barz: Mit EdgePLM parts & components steht dem Anwender ein Werkzeug zur Erstellung und Pflege eines zentralen Ablagesystems für Norm- und Wiederholteile zur Verfügung. Ein weiteres Beispiel ist unser Dokumenten-Navigator. Im modernen Änderungswesen muss die Verwendung einer Komponente in allen CAD-Strukturen geprüft werden. Unser Navigator ermöglicht es, eine komplette versions- und revisionsübergreifende, sowie baugruppen- und projektbezogene Verwendungskontrolle durchzuführen. Fast unverzichtbar ist darüber hinaus in der Praxis die Möglichkeit einer geometrischen Ähnlichkeitssuche. Anwender können beispielsweise basierend auf einem vorgegebenen Entwurf nach bereits vorhandenen 3D-Daten suchen und somit die Kosten einer aufwändigen Neuentwicklung reduzieren. Für Kalkulationszwecke können bereits realisierte, ähnliche Projekte gefunden und weiterverwendet werden. Neben Sachmerkmalen und CAD-Daten lassen sich außerdem fertige Produktstrukturen oder Werkzeugdaten in den Suchprozess einbeziehen, um somit eine Bestimmung der bereits vorhandenen Elemente vorzunehmen.

CCR: Lassen sich Optimierungen in der Produktentwicklung quasi nach Lehrbuch planen und umsetzen?

Barz: Nein, dies ist individuell immer sehr verschieden. Jedes Unternehmen ist anders organisiert, jedes hat seine Stärken und Schwächen. Genau hier liegt der Vorteil der Beratung auf Augenhöhe und der großen Nähe zum Kunden, die wir haben. Wir schauen uns gemeinsam mit dem Kunden seine Prozesse an, besprechen die erreichbaren Ziele und welche Möglichkeiten es gibt, Verbesserungen umzusetzen. Zuerst müssen die Arbeitsweisen klar sein, dann erst geht es um die Werkzeuge – also CAD, PDM und ergänzende Tools.

CCR: Sie bieten EdgePLM auch für Multi-CAD-Umgebungen an. Welche CAD-Systeme lassen sich einbinden und welche Datenformate betrifft dies?

Barz: Dieses ist eine wichtige Funktionalität. Auch mittelständische Unternehmen wollen oder müssen als Zulieferer mit mehreren CAD-Systemen arbeiten. Wir unterstützen das Anbinden weitverbreiteter Lösungen – etwa von Autodesk oder SolidWorks – und selbstverständlich auch das Management von Office-Daten oder gängigen Formaten wie pdf, tiff, JT – um nur einige zu nennen.

CCR: Viele mittelständische Unternehmen arbeiten an verschiedenen Standorten. Wie unterstützen Sie diese Anforderung?

Barz: Wir bieten mit Multisite Professional und Multisite Exchange zwei Methoden zur direkten und indirekten Verbindung von PLM-Anwendern über Unternehmensgrenzen hinweg. Mit Multisite Basic arbeiten beide Standorte mit einer Compact-Datenbank und sie sind mit einer Standleitung verbunden. Diese Lösung ist einfach zu installieren, zu administrieren und eignet sich für den Betrieb innerhalb einer überschaubaren Region. Multisite Exchange eignet sich dagegen für die Anbindung von Standorten oder externen Dienstleistungsunternehmen ohne direkte Datenverbindung zum Hauptstandort. Diese Variante erlaubt es, an allen Standorten eine in sich geschlossene und unabhängige PDM-Lösung zu betreiben. Mit Multisite Professional ist sogar die weltweite Verfügbarkeit von Dokumenten für alle am System angeschlossenen Anwender gewährleistet. Mithilfe einer automatischen Replikation wird der gesamte Datenbestand dann an allen Standorten verfügbar gemacht. Die Anwender arbeiten mit aktuellen Daten und haben alle Änderungen im Blick.

CCR: Herr Barz, vielen Dank für das Gespräch.


Interview: Stefan Graf, CAD-CAM REPORT

ISAP AG, Herne Tel. 02323/9922-0, http://www.isap.de

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