Prozesssicherheit auf der einen und kreative Freiräume auf der anderen Seite stehen sich oft im Weg. PLM-Lösungen müssen beide Anforderungen verbinden können, denn für Anlagenbauer wie MBB Fertigungstechnik sind sie beide wichtig." />

Produktionssysteme

„Effizient und flexibel im Konstruktionsprozess“

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rozesssicherheit auf der einen und kreative Freiräume auf der anderen Seite stehen sich oft im Weg. PLM-Lösungen müssen beide Anforderungen verbinden können, denn für Anlagenbauer wie MBB Fertigungstechnik sind sie beide wichtig. Das Unternehmen entschloss sich deshalb für den Einsatz der Software CIM Database in Verbindung mit dem Workspace Manager. Volker Haselhorst, Leiter Prozesse & IT, sowie Key-User Stephan Krampe erläutern im Interview die Vorteile der Lösung von Contact Software.

Wendenburg:

Herr Haselhorst, Sie setzen seit kurzem die PLM-Software CIM Database – kurz CDB – ein. Welche Rolle spielten der Workspace Manager und das CAD-Datenmanagement bei der Systemauswahl?

Haselhorst:

Eine ganz entscheidende. Wir haben vorher die Anwender befragt und dabei immer wieder gehört, wie wichtig es für den Konstrukteur ist, dass seine Kreativität nicht behindert wird. Die traditionellen Ansätze der CAD-Integration zielen aber alle darauf ab, dass er sofort das PLM-System nutzen und zeitaufwändig Stammdaten für seine Bauteile erfassen muss, auch wenn er sie nachher verwirft. Der Workspace Manager – oder abgekürzt WSM – gibt ihm hingegen die Freiheit zurück, erst einmal etwas auszuprobieren. Der Konstrukteur checkt seine Komponenten erst dann in das PLM ein, wenn er sicher ist, dass sie in die Maschine oder Anlage einfließen werden. Das war für uns ein wesentlicher Grund für die Auswahl von CDB, weil Contact hier unseres Wissens nach ein Alleinstellungsmerkmal hat. Für den Anbieter sprach auch die Multi-CAD-Fähigkeit der Lösung. Wir selbst setzen primär Catia und Inventor ein, aber als Automobilzulieferer können wir nicht wissen, was unsere Kunden mittelfristig von uns im CAD-Bereich erwarten. Das sieht man am Beispiel Daimler, die jetzt von Catia zu NX wechseln.

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Wendenburg:

Das Zusammenspiel mit Partnern spielt also eine große Rolle?

Haselhorst:

Wir sind darauf angewiesen, externe Partner sehr gut in unsere Prozesse einzubinden. Wir haben einen hohen Anteil an externer Konstruktion und einen hohen Anteil an Zulieferern, die für uns fertigen oder auch montieren. Das macht uns sehr flexibel, stellt aber hohe Anforderungen an die Prozessunterstützung. Im konstruktiven Bereich müssen wir externe Ressourcen irgendwo auf der Welt so integrieren, dass die Daten hin und her fließen können und gleichzeitig sicherstellen, dass diese Unternehmen nach unseren Richtlinien arbeiten. In der Unterstützung dieser Szenarien übernimmt der Workspace Manager eine führende Rolle. Um auch die Stücklistenerfassung bei externen Partnern zu ermöglichen, wird zudem ein Zusatzmodul namens BomCube eingesetzt. Dadurch erreichen wir ein Arbeiten unter PLM-Kontrolle, ohne immer online mit dem System verbunden sein zu müssen.

Wendenburg:

Wie haben sich die internen Arbeitsprozesse durch den Einsatz des WSM und des Zusatzmoduls BomCube beziehungsweise das PLM verändert?

Haselhorst:

PLM hilft uns, den Konstruktionsprozess durch ein Regelwerk zu unterstützen, das jedoch dank des WSM-Ansatzes nicht zu starr ist. Es unterstützt beispielsweise die Versionierung und die Einhaltung von Richtlinien, unter anderem durch die Einbindung von Benennungskatalogen. Früher hatten wir da überhaupt keine Unterstützung – die Anwender verwalteten ihre Daten im Windows-Verzeichnis. Der WSM erlaubt zudem ein stärker teamorientiertes Arbeiten. Wir entwickeln unsere Anlagen in größeren Projektteams aus mehreren Konstrukteuren gemeinsam mit Mitarbeitern externer Büros. Das machen wir schon lange so, nur dass die neuen Werkzeuge jetzt für mehr Effizienz sorgen. Der WSM unterstützt die Kollaboration vom Konzept her sehr gut, weil man relativ unabhängig voneinander arbeiten und die Ergebnisse sauber zusammenführen kann.

Wendenburg:

Herr Krampe, was sagen die Anwender zu den neuen Werkzeugen?

Krampe:

Da das Thema PLM für die Konstrukteure völliges Neuland war, mussten sie sich natürlich erst einmal an die neue Arbeitsweise gewöhnen. Die Umstellung ist jedoch dank der Flexibilität des WSM nicht so groß wie mit einer klassischen CAD-Kopplung. Irgendwann muss man seinen lokalen Workspace mit dem PLM-System synchronisieren und seine Daten publizieren. Das ist dank der komfortablen Bedienung des WSM aber vergleichsweise einfach und erfordert keine lange Einarbeitung. Grundsätzlich arbeitet jeder in seinem Workspace, in dem natürlich dieselben Daten wie in anderen Workspaces liegen können. Zum Beispiel Normteile, die in viele Workspaces dupliziert werden. Der WSM erkennt, dass es sich um dieselben Teile handelt und bringt sie beim Einchecken in CDB nur einmal ins PLM-System zurück. Es ist außerdem möglich, einen Workspace in einen anderen zu verbauen. Zudem kann man sehr einfach zwischen mehreren Workspaces hin- und herschalten, was für unsere Anwender wichtig ist, weil sie meistens mehrere Projekte von externen Partnern koordinieren.

Wendenburg:

Wie sieht es mit der Performance des WSM aus?

Krampe:

Der WSM ist in der Lage, hunderte Dateien zu überwachen und performant mit dem PLM-System zu synchronisieren. Komplette Großanlagen in einem einzigen Workspace konstruieren zu wollen, wäre aus mehreren Gründen ungewöhnlich – man sollte das Projekt entsprechend aufteilen. Aber das ist ja genau Sinn und Zweck des WSM.

Wendenburg:

Wie wird denn bei lokalen Änderungen an eigenen Teilen sichergestellt, dass die Anwender sich ihre Daten bei der Zusammenführung nicht gegenseitig überschreiben?

Krampe:

Das ist mit der klassischen Kopplung sicher einfacher, weil man sofort erkennen kann, ob jemand an dem Teil arbeitet. Im WSM ist das natürlich auch möglich. Voraussetzung ist, dass der Anwender das Teil beim Auschecken gezielt sperrt, wenn er es bearbeiten möchte.

Haselhorst:

Der Knackpunkt ist, dass man – wollte man die Software hundertprozentig wasserdicht machen – nicht mehr effizient mit ihr arbeiten könnte. Jede Software erfordert deshalb ein gewisses Regelwerk in der Organisation. Unser Ziel ist es, die Anwender so zu schulen, dass sie das WSM-Konzept und seine Vorteile optimal nutzen können. Übrigens: Die Fehlerquellen waren viel zahlreicher, als wir noch keine PLM-Unterstützung hatten.

Wendenburg:

Wie hat sich der WSM seit der Vorstellung der ersten Version weiterentwickelt?

Krampe:

Wir arbeiten seit der ersten Stunde mit dem WSM. Eine wesentliche Neuerung ist die Möglichkeit, mehrere Dateien in einer Art Dokumentencontainer zusammenzufassen und trotzdem die Änderungen auf Dateiebene zu kontrollieren. Das ist der große Vorteil des WSM: Ich muss meine Teile erst dann als individuelle Objekte registrieren, wenn dies für andere Prozesse nötig ist, wie beispielsweise für die Ableitung der Stückliste. Und ich habe meine Daten trotzdem von Anfang an sicher im System.

Wendenburg:

Gibt es seitens der Anwender Verbesserungswünsche?

Krampe:

Die neue Welt von miteinander verknüpften Artikeln, Dokumenten und Dateien stellt eine Herausforderung dar – wir wünschen uns eine noch einfachere Darstellung und Verwaltung dieser komplexen Zusammenhänge.

Wendenburg:

Haben die CAD-Kopplungen des WSM die nötige Integrationstiefe, um alle aus Unternehmenssicht erforderlichen Daten im PLM-System verfügbar zu machen?

Krampe:

Die CAD-Integrationen zu Catia und Inventor sind wirklich gelungen. Man hat sehr viele Einstellmöglichkeiten, welche Attribute und Informationen man aus CDB an die CAD-Systeme und welche man wieder zurück übertragen möchte. Ich kann über die Kopplungen zum Beispiel vordefinierte Rahmen auf die Zeichnungen bringen und automatisch befüllen. Natürlich hat man nicht die Möglichkeit, CDB direkt aus dem CAD-System zu steuern, aber das ist aus unserer Sicht kein Nachteil, weil wir eben viel mit externen Konstrukteuren zusammenarbeiten, die keinen direkten Zugriff auf unsere Datenbank haben sollen.

Wendenburg:

Über wie viele externe Partner reden wir da eigentlich und wie lernen die den Umgang mit dem WSM?

Haselhorst:

In Peak-Phasen müssen wir uns mit fast 100 externen Mitarbeitern ergänzen. Ihre Schulung übernehmen wir selbst, weil sie ja nicht nur die Werkzeuge beherrschen, sondern auch unsere Projektumgebung und unsere Anforderungen kennen müssen.

Wendenburg:

Sind Sie bei der Zusammenarbeit mit externen Partnern effizienter geworden?

Haselhorst:

Unsere Erfahrungen bei den ersten Projekten haben gezeigt, dass die Anwender die PLM-Einführung zunächst als Verlangsamung empfunden haben, weil sie sich erst an die neue Vorgehensweise gewöhnen mussten. Wir sehen aber, dass diese Phase gerade bei den Konstrukteuren – die ja primär mit dem WSM arbeiten – sehr kurz ist. Inzwischen bekommen wir aus den Fachabteilungen das Feedback, dass der Konstruktionsprozess mit dem WSM deutlich effizienter wird, was Zeit und Kosten anbelangt. Auch die externen Partner sind von dem Konzept überzeugt. Der große Einspareffekt wird übrigens erst noch kommen, wenn wir den Anwendern mehr und mehr Komponenten zur Verfügung stellen, die sie wiederverwenden können.

Wendenburg:

Welche Einsparpotenziale versprechen Sie sich mittelfristig vom PLM-Einsatz und sind Sie dank PLM wettbewerbsfähiger?

Haselhorst:

Wir gehen davon aus, dass wir die Projektkosten in etwa anderthalb Jahren durch Effizienzgewinne in den Prozessen wieder einfahren können. Zum einen durch die bessere Unterstützung der Konstruktionsarbeit, was die Verwaltung und Wiederverwendung der Daten angeht, zum anderen durch die Automatismen bei Freigabe und Änderungen, durch die mögliche Fehler minimiert werden. Das verbessert auch unsere Wettbewerbsfähigkeit: Wenn wir schneller sind als andere und unseren Kunden engere Termine anbieten können, ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Wendenburg:

Gibt es Pläne, den WSM auch für andere Anwendungen zu nutzen, beispielsweise die Elektro/Elektronik-Entwicklung?

Haselhorst:

Sowohl unsere Kunden als auch wir sind überzeugt davon, dass Mechanik- und Elektronik-Entwicklung enger zusammenwachsen müssen. Unsere Anlagen werden eigentlich erst durch die Elektronik zum Leben erweckt. Momentan ist das aber nur eine Vision.

Wendenburg:

Meine Herren, vielen Dank für das Gespräch.


Interview: Michael Wendenburg, Fachjournalist, Sevilla

Contact Software GmbH, Bremen Tel. 0421/20153-0, http://www.contact.de

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