Produktionssysteme

„Das Rad nicht neu erfinden“

Verlässlich und schnell neue Aufträge kalkulieren und konstruieren: Dazu entwickelte Konstruktionsbüroleiter Herbert Bübel die Software Tool4Search. Mit ihr finden Formenbauer in der Kunststoff-und Druckguss-Industrie schnell bereits bearbeitete, ähnliche Anfragen und Aufträge, so dass alle Mitarbeiter das vorhandene Wissen nutzen können.

Monika Corban, freie Mitarbeiterin, CAD-CAM REPORT


Standardisieren, das Rad nicht jedes Mal neu erfinden und dadurch Geld und Zeit einsparen und so nicht zuletzt auch international wettbewerbsfähig bleiben, lautet das Credo von Herbert Bübel. Der gelernte Formenbauer ist seit über 30 Jahren Leiter eines Konstruktionsbüros, das vor allem Werkzeuge für die Kunststoff- und Druckgusstechnik konstruiert. Schon vor Jahren hat er dazu eine eigene Formendatenbank entwickelt, zuletzt unter dem Namen Tool4Tool bekannt, und nebenher vertrieben. Doch vielen Kunden war diese zu umfangreich. Sie suchten vor allem ein Werkzeug, mit dem ohne großen Zeitaufwand schnell und sicher kalkuliert werden kann. „Ein Kalkulator muss im Jahr im Schnitt zwischen 200 und 500 Werkzeuge kalkulieren“, berichtet Bübel. Daher sei es nicht verwunderlich, wenn er sich bei einem neuen Auftrag nicht mehr erinnere, ein paar Monate zuvor einen ganz ähnlichen kalkuliert zu haben. „Er erfindet das Rad neu, kalkuliert vielleicht 30 Prozent teurer oder günstiger als beim letzten Mal und der Kunde wundert sich darüber.“ Für Bübel fehlte außerdem eine Möglichkeit in seiner Software, ähnliche 3D-Artikel schnell wiederzufinden. Und dies ist nicht nur für den Kalkulator wichtig. Auch den Entwicklern und Konstrukteuren würde es ihre Arbeit erleichtern, da sie auf schon vorhandene Lösungen zugreifen und damit Aufträge effizienter bearbeiten könnten. Eine Zeitersparnis von bis zu 40 Prozent sei − seiner Erfahrung nach − durchaus realistisch, aber natürlich abhängig von dem spezifischen Unternehmen.

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Hier soll die vor kurzem fertiggestellte Software Tool4Search Abhilfe schaffen. Bübel kombinierte dazu die Klassifizierte Ähnlichkeitssuche seiner bestehenden Datenbank mit dem Cadenas-Modul Geosearch für die Geometrische Ähnlichkeitssuche. Die Klassifizierte erfolgt über technische Merkmale der Werkzeuge und Artikel, die Geometrische mittels Fingerprint-Erkennung der 3D-Daten. Das ergab für ihn ein gutes Paket für Entwicklung, Kalkulation, Werkzeug-Konstruktion/-Fertigung und Kunststoff-/Druckguss-Fertigung. Neue Nutzer bräuchten maximal einen Tag Schulung, denn „die Datenbank ist so einfach ausgelegt, dass sich auch wirklich jeder herantraut“, betont Bübel.

Sobald ein neuer Auftrag hereinkommt, wird dieser in Tool4Search eingepflegt. Nun finden Nutzer binnen Sekunden mittels Suchfunktion heraus, ob in ihrem Unternehmen schon ein vergleichbarer Auftrag bearbeitet wurde. Sie haben sofort direkten Zugriff auf alle Daten und technischen Informationen. „Ein Unternehmen kann durch den Einsatz eines solchen Systems einfacher, schneller und sicherer Anfragen und Aufträge bearbeiten. Die Firma ist wieder wettbewerbsfähiger, etwa im Vergleich zu fernöstlichen Anbietern“, betont Bübel.

Klassifizierte und Geometrische Ähnlichkeitssuche kombiniert

Einen weiteren Vorteil sieht der Formenbauer darin, dass seine Software Standardisierungen unterstützt – und das spart Zeit. „Bei jedem Produkt, das man heute in die Hand nimmt, sieht man zu 95 Prozent den Designbereich. Den für den Werkzeug- und Formenbau aufwendigen Funktionsbereich wie Schraubdome, Schnapphaken oder Versteifungsrippen an den Kunststoffteilen erkennt man gar nicht. Die kann ein Entwickler jeden Tag neu erfinden, oder sich einfach eines Repertoires von zahlenmäßig begrenzten, innerbetrieblich genormten Schraubdomen, Schnapphaken und dergleichen bedienen“, plädiert er. Durch Standardisierung werden auch viele Funktionstests und sonstige Versuche überflüssig. „Dieser Vorteil zieht sich weiter durch die Werkzeug-Konstruktion und -Fertigung bis hin zur Wartung und Instandhaltung“, verdeutlicht Bübel am Beispiel von Schnapphaken. „Hätten bei einem Artikel alle Schnapphaken die gleiche Kontur, würden dem Kunden für diesen Bereich drei Werkzeug-Ersatzteile im Lager reichen. Da es aus unerklärlichen Gründen vielleicht vier verschiedene Konturen gibt, muss er schon zwölf Teile im Lager haben.“

Einen Auftrag komplett in Tool4Search einzupflegen, dauert im Schnitt weniger als zwei Stunden. „Nimmt man im Vergleich dazu die Fertigungsdauer eines Werkzeuges, ist diese Eingabezeit absolut zu vernachlässigen“, sagt Bübel. Verfügt ein Unternehmen bereits über eine Datenbank mit Auftragsdaten, sei es in einem ERP-System oder selbst in Form von Excel-Dateien, können diese in Tool4Search – auch automatisiert − übernommen werden. Bübels eigenes Büro hat schon mehr als 1600 Werkzeuge in der Datenbank hinterlegt. Sehr viele Funktionen können nun komplett aus vorherigen Werkzeugen übernommen werden oder müssen nur noch abgeändert werden.

Der konsequente Einsatz einer Wissensdatenbank könnte auch bei einem anderen Problem Abhilfe schaffen: dem nachvollziehbaren Erfahrungsmangel vieler junger Konstrukteure. „Leider gehört es zu unserem Alltag, dass wir Werkzeuge für Artikel konstruieren sollen, bei denen schlichtweg vergessen wurde, dass sie auch entformbar sein müssen“, berichtet Bübel. Meist ist die nachträgliche Artikeländerung jedoch schwierig, da die Teile mit dem Endkunden abgestimmt und schon freigegeben sind. Eine konsequente Standardisierung von Funktionen und der Einsatz bewährter Lösungen könnte dieses Problem reduzieren.

Eine gut gepflegte Datenbank schützt zudem vor Datenverlust. Offensichtlich auch ein alltägliches Problem, denn mindestens einmal im Monat bekommt Bübel einen Anruf von Großfirmen: „Sie haben doch vor sechs Jahren ein Werkzeug für uns konstruiert. Da ist jetzt eine Reparatur daran fällig, aber wir finden die Daten bei uns im Haus nicht mehr.“

Organisationsbüro Herbert Bübel, Nürnberg Tel. 0911/93477-14, http://www.tool4tool.de

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