Produktionssysteme

„BIM bewältigt bis zu 100.000 Teile“

Neben dem klassischen Maschinenbau bedient die Dortmunder ISD Software und Systeme GmbH auch andere Branchen und spricht mit der BIM-PLM-Suite insbesondere den Stahlbauer an sowie Anlagenbauer, die Anforderungen im Bauwesen erfüllen müssen. Der CAD-CAM REPORT sprach mit Arnd Paulfeuerborn, Leiter PDM Solutions, über die spezifischen Anforderungen und Unterschiede der einzelnen Branchen und die Bedeutung des Building Information Modeling (BIM).

CCR: Herr Paulfeuerborn, was unterscheidet Maschinenbau und Bauwesen hinsichtlich des CAD- und PDM-Einsatzes?

Paulfeuerborn: Auch im Bauwesen spielen die Themen Datenverwaltung und Management – bis hin zur Nachvollziehbarkeit von Prozessen und Unterlagen – eine wichtige Rolle. Hinsichtlich der Umsetzung eines PLM-Konzepts gibt es aber einen wesentlichen Unterschied: Traditionell versucht der Maschinenbauer, die Teilewiederverwendung zu steigern; im Bauwesen handelt es sich dagegen überwiegend um jeweils in sich abgeschlossene Projekte, das Ganze ist also eher projektgetrieben und die Wiederverwendung von Bauteilen spielt eine untergeordnete Rolle. So gelten beispielsweise sämtliche Nachweise nur für das jeweilige Projekt und die Anzahl der Artikelnummern ist viel höher – das muss in der Software abgebildet werden. Verwendet der Maschinenbauer eine Artikelnummer für eine bestimmte Bauteilgröße, so besitzt im Bauwesen jede Position eine Artikelnummer, an der ein Bauteil zum Einsatz kommt – nur so lässt sich die Nachvollziehbarkeit sicherstellen. Vergleichbares gilt übrigens auch für die Metall- und Fassadentechnik, die wir neben dem klassischen Maschinen- und Sondermaschinenbau sowie dem Stahl- und Stahlhochbau als dritte Branche abdecken. Zu rund zwei Dritteln finden wir unsere Anwender aber im Bereich der mechanischen Konstruktion im Maschinenbau.

Anzeige

CCR: Lassen sich diese unterschiedlichen Anforderungen überhaupt in einer Systemumgebung erfüllen?

Paulfeuerborn: Ja – zumal wir Synergien finden und nutzen. Beispielsweise im Sondermaschinenbau. Der Anwender benötigt hier neben dem Maschinenbau auch Funktionalitäten aus dem Profil- und Stahlbau. So greift etwa ein Aufzug- oder Hebebühnenbauer einerseits auf Serienprodukte zu, muss andererseits aber die spezifische Einbausituation im jeweiligen Gebäude berücksichtigen. Wir haben eine ganze Reihe von Kunden, die beide Welten – Standardkomponenten und Individualprojekte – beherrschen und letztlich über ein zugrundeliegendes Backbone-System abwickeln wollen. Das ist der Ansatzpunkt für unsere BIM-PLM-Suite, die basierend auf HiCAD als CAD-System und Helios als PDM-Lösung die projektspezifisch erforderlichen Daten bereitstellt und über das Building Information Modeling – kurz BIM – bündelt.

CCR: Lässt sich das mit den im Maschinenbau verwendeten Product Manufacturing Information (PMI) vergleichen?

Paulfeuerborn: Nein, es handelt sich vielmehr um eine andere Aufgabenstellung. Im Maschinenbau gibt es zu jedem Bauteil eine Einzelteilzeichnung – das alles lässt sich gut überschauen. Im Stahlbau muss es dagegen nicht notwendigerweise Einzelteilzeichnungen geben, vielmehr finden sich einzelne Position in mehreren Dokumenten beziehungsweise Zusammenstellungen. Der Bauherr erhält ja mit den BIM-Daten projektbezogen die individuell an seine Gegebenheiten angepassten Informationen – was mit 20.000 bis 100.000 Teilen sehr umfangreich sein kann. Entscheidend ist nun, dass es dabei weniger darum geht, wie gefertigt wird, sondern wann. Die zeitlichen Abläufe muss man in den Griff bekommen oder anders gesagt: Der Anwender will die richtigen Teile just in time vormontieren, liefern und auf der Baustelle montieren – ohne Material an irgendeiner Stelle im Prozess sammeln zu müssen.

CCR: Im Fokus steht also der gesamte Fertigungs- und Auslieferungsprozess?

Paulfeuerborn: Genau, und aufgrund der Komplexität lässt sich diese Arbeit nur datenbankgestützt bewältigen. Denn die Schwierigkeit besteht darin, den Datenfluss transparent und nachvollziehbar zu machen. Zudem muss ich bei einer Änderung im Hauptmodell wissen, welche Unterlagen betroffen und nachträglich zu aktualisieren sind. Hinzu kommt – wie auch im Maschinenbau – die Einbindung von externen Konstruktionsbüros sowie Zulieferern. Deswegen ist es wichtig, hier PDM-Funktionalitäten zu verwenden. Dabei können wir auf die umfangreichen Normierungen durch den Deutschen Stahlbau-Verband DSTV zurückgreifen und Daten in die entsprechenden Strukturen überführen – was es erlaubt, Gewerke aufzuteilen und anschließend wieder zu synchronisieren. Häufig übernehmen beispielsweise Zulieferer die Statikberechnungen oder liefern direkt die jeweiligen NC-Daten. Das funktioniert übrigens auch dann, wenn der Dienstleister mit einem anderen CAD-System arbeitet.

CCR: Spielt der Gedanke der Teilerückverfolgung dabei eine ähnliche Rolle wie beispielsweise in der Automobilindustrie?

Paulfeuerborn: Weniger, der Fokus liegt eher wieder auf dem Zeitaspekt. Will heißen: Ein Stahlbauer muss Materialien beschaffen, sägen, vormontieren ausliefern und montieren – diesen Logistikprozess will er nachbilden und nachvollziehen können. Das gilt insbesondere für das Änderungswesen. Gibt es eine Modifikation, will er wissen, ob die Träger schon auf der Baustelle sind und montiert werden oder ob gerade erst die Beschaffung läuft – der Zeitpunkt spielt hier die entscheidende Rolle. Gleichwohl gibt es aber auch den Aspekt der Nachvollziehbarkeit, etwa bei sicherheitskritischen Einrichtungen im Kraftwerksbau.

CCR: Ist die BIM-PLM-Suite eine in sich abgeschlossene Software-Umgebung?

Paulfeuerborn: Ja und nein. Zunächst einmal ist die BIM-Thematik direkt in unser CAD-System HiCAD integriert, weil sie einiges an CAD-Funktionalität fordert. Um die Arbeitsprozesse transparent zu machen, bot sich zudem eine starke Integration mit unserem PDM-System Helios an. Das unterscheidet dieses Angebot sicherlich vom klassischen Maschinenbau, in dem CAD und PDM eher nebeneinander existieren und von verschiedenen Anbietern stammen können. Bei unserer BIM-PLM-Suite handelt es sich eher um eine zentrale Anwendung, die aber Daten auch bis hinein in die verschiedenen ERP-Lösungen distribuiert.

CCR: Herr Paulfeuerborn, herzlichen Dank für das Gespäch.


Michael Corban, CAD-CAM REPORT

ISD Software und Systeme GmbH, Dortmund Tel. 0231/9793-0, http://www.isdgroup.de

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Euroblech

Doppelgehrungsbandsägen für den Stahlbau

Auf der Euroblech zeigt Meba in Halle 12 Stand H40 eine durchdachte Lösung für den Stahlbau: Mebasteel 1250 DG. Bei den kräftigen Doppelgehrungsbandsägen dieser Baureihe können beidseitige Gehrungen auf einfache und wirtschaftliche Weise eingestellt...

mehr...

Großteile verzinken

Große Teile

verzinken gehört zu den Spezialitäten der Siegener Verzinkerei Gruppe. Das Unternehmen ist mit seinen mächtigen Kesseln an verschiedenen Standorten und auf den Stahlbau zugeschnittenen Dienstleistungen bestens positioniert.

mehr...

Auftragsfertigung

Eine feste Größe

Das Unternehmen Kinkele besteht seit 1885 und gilt als der größte deutsche Auftragsfertiger. Als verlängerte Werkbank realisiert es für Kunden in über 30 Branchen komplette Großbauteile, komplexe Funktionseinheiten und auch ganze Produktionsanlagen.

mehr...
Anzeige

Betriebsjubiläum

Eine kleine Feierstunde

gab es zum 125-jährigen Betriebsjubiläum der Firma Kinkele Maschinen-, Apparate-, Stahlbau. Der Vorsitzende der IHK, Professor Jahn überreichte an die drei Geschäftsführer Thomas Götz, Friedrich A. Kinkele und Steffen Schwerd sowie an Manfred...

mehr...

MES

Die richtigen Daten in die Cloud

Das neue trendige „SaaS-Konzept“ (Software as a Service) ist ein kundenorientiertes Prinzip. Die Software liegt bei einem externen Dienstleister und der Kunde bezieht lediglich den Service der Dienstleistung, ohne sich um Hardware Gedanken machen zu...

mehr...