Produktionssysteme

Flexibel und produktiv mit ERP

Industrie 4.0 im ländlichen Raum funktioniert auch trotz geringer Bandbreite: Mit steter Prozessoptimierung durch eine fortschreitende Digitalisierung stellt sich BASS erfolgreich den globalen Herausforderungen.

In vielen Branchen wie der beispielsweise der Automobilindustrie sind die Gewindebohrer, -fräser und -furcher der Bass GmbH & Co. KG gefragt. Das Unternehmen aus Niederstetten entwickelt, produziert und vertreibt ein umfangreiches Sortiment an Werkzeugen zur Herstellung von Innengewinden. „Das Landleben 4.0 hat auch seine Vorteile“, sagt Martin Zeller, Geschäftsführer von Bass. „Wir müssen zwar momentan mit einer 10 Mbit-Internetanbindung auskommen, wo wir eigentlich 60 Mbit benötigen würden, können hier aber eine hohe Wertschöpfungstiefe, umfassende Prozesssicherheit und exzellente Produktqualität umsetzen. Die Produktinsfläche des Unternehmens ist in drei Trakte aufgeteilt, die entsprechend der Verrichtungen in Weichbearbeitung, Hartbearbeitung und Lager mit Versand angeordnet sind. Um einen reibungslosen Materialfluss gewährleisten zu können, ist ein schneller Maschinen-, Auftrags- und Unternehmensdatenfluss von Nöten. Dafür ist das moderne Produktionsgebäude mit einem Glasfasernetz und Bussystem ausgestattet. Tag und Nacht werden riesige Datenmengen zwischen den Maschinen, der Gebäudetechnik und dem ERP-System ausgetauscht, um nahezu in Echtzeit stets aktuelle Auswertungen über den Fertigungsprozess zu erhalten. „Das ist Industrie 4.0“, sagt Martin Zeller.

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Auf dem Weg zu 4.0
Die permanente Weiterentwicklung von Bass machte eine Restrukturierung der Prozesse unumgänglich. Dies betraf auch das bis 2004 genutzte Warenwirtschaftssystem, das sich aufgrund fehlender Transparenz und Durchgängigkeit nicht für den weiteren Einsatz bei Bass eignete. Bei der Suche nach einem neuen ERP-System setzte das Unternehmen auf die Unterstützung des IT-Dienstleisters Computer-Komplett aus Rottweil. Die Wahl fiel dann letztlich auf abas ERP, da es durch seine einfache Oberflächenanpassung, seine Schnittstellen und neue Middleware, Raum für neue Vernetzungen und Branchenlösungen schuf. Besondere Lösungen in der Kostenrechnung und im Projektmanagement sowie signifikante Prozessverbesserungen in der Fertigung waren nur einige Vorteile der Neueinführung. Das Unternehmen konnte von 50 auf 150 Mitarbeiter wachsen. Heute ist das ERP-System die Basis für die seit 2015 gestarteten Industrie 4.0-Projekte, die nun Schritt für Schritt umgesetzt werden.
Bass setzte auf abas-Standardfunktionalitäten, entwickelte seine Prozessabläufe sowie das ERP weiter und konnte dadurch eine qualitativ bessere und schnellere Bearbeitung, eine effizientere Auftragsabwicklung sowie optimierte Prozesssteuerung erzielen. Mithilfe des abas Partners Computer-Komplett wurden Bereiche wie Verkauf, Einkauf, Materialwirtschaft, Fertigungsplanung, Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung in ERP-System integriert. Auch die Einbindung der Tools wie Fertigungsfeinplanung (Simcron), Absatzplanung, Projektmanagement (alltrotec Project-Suite) sowie PLM von Siemens an das ERP-System setzte Computer-Komplett um.

Schneller und effizienter
Nun stehen neue Ziele an: Industrie 4.0 soll Kennzahlen wie „Time-to-Customer“ und „Time-to-Market“ weiter verkürzen. In den kommenden drei Jahren soll die Effizienz um zehn Prozent steigen. In nur zwei Jahren sollen der Lieferservicegrad um zwei Prozentpunkte auf immerhin 98 Prozent angehoben und die Rüstzeiten halbiert werden. Dabei wird abas ERP weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Das ERP-System sichert den Datenfluss, kommuniziert mit allen sekundären Systemen und ermöglicht, dass alle Daten nur einmal eingegeben werden müssen. Daten der statistischen Prozesssteuerung, die in die Maschinen- und Betriebsdatenerfassung eingehen, werden an das ERP übergeben, welches wiederum Berichte in gewünschter Form an die Entscheider übergibt.
Das ERP-System stellt die Basis aller Materialflüsse und Arbeitsschritte dar und bildet diese transparent ab. Das beginnt schon beim ersten Kundenkontakt, fernab von Niederstetten, im Ausland. Zukünftig sollen in abas mobile bereits die wichtigsten Stammdaten von Neukunden sowie vorgangs- und projektbezogene Daten bestehender Kunden angezeigt oder direkt erfasst werden können – und zwar einmalig. Eine weitere Herausforderung besteht in der oft lästigen Aufgabe des Erfassens eines Besuchsberichtes. Über intuitiv bedienbare mobile Anwendungen sollen selbst unter schwierigeren lokalen Gegebenheiten, beispielsweise im Ausland ohne Internetverbindung, Daten einmalig erfasst, zeitnah transportiert und ohne redundante Bearbeitung zur Verfügung gestellt werden. „Früher mussten wir fünf Tage warten bis unser Vertriebsmitarbeiter aus dem Ausland zurückkehrte. Nun werden die Daten direkt nach dem Kundenbesuch weiterverarbeitet, nicht erst nach seiner Rückkehr. Wir sind viel schneller und Doppelarbeiten fallen weg“, erklärt Geschäftsführer Zeller.

Informationen in Echtzeit
Zukünftig können in Echtzeit Informationen an den Innendienst übermittelt werden. Nach einmaliger Erfassung der Kundenanforderungen können mit Hilfe eines Konfigurators automatisiert Stücklisten und Produktionslenkungspläne abgeleitet werden. Für Mensch und Maschine stehen alle Wissensdatenbanken bereit. So stellt beispielsweise das ERP-System in kürzester Zeit 3D-Zeichnungen aus dem CAD-System zur Verfügung. Am Ende des Fertigungsprozesses werden alle notwendigen Daten automatisch kommuniziert, zum Beispiel die zur Kennzeichnung des Produktes.
Einsparungspotenziale lassen sich über eine Flussorientierung identifizieren. „Wenn nur auf die Effizienz der einzelnen Arbeitsschritte geachtet wird, kommt es leicht zu Wartezeiten zwischen den Arbeitsschritten, Produkte müssen immer wieder neu angefasst werden und mehr Nebenarbeiten fallen an“, weiß Zeller. Deshalb wird bei Bass jeder Schritt dokumentiert, samt Durchlaufzeit. Dazu hat der Hersteller von Werkzeugen in Komplettbearbeitungsmaschinen investiert. Um solche Investitionen wirtschaftlich zu nutzen, ist eine Flussorientierung enorm wichtig, damit Stillstands- und Umrüstzeiten so kurz wie möglich gehalten werden.
„Die Herausforderung ist die steigende Komplexität, die unser ERP-System beherrschbar macht. Es ist ganzheitlich und stellt die Datenerfassung und -qualität sicher, bietet uns im betrieblichen Alltag alle Stamm- und Bewegungsdaten, sorgt für Durchgängigkeit und Transparenz. Uns entsteht durch intelligente Vernetzung und Datenaustausch ein Mehrwert. Man ist nur so gut, wie die Summe des Ganzen. Diese Ganzheitlichkeit leistet abas“, sagt Geschäftsführer Zeller. -sg-

Autor: Till Konstanty, Düsseldorf

Abas, Karlsruhe, Tel. 0721/9672301, www.abas.de

Bass, Niederstetten, Tel. 07932/892-0, www.bass-tools.de

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