Editorial

Andrea Gillhuber,

Herrschaftszeiten!

Die Robotik boomt. Anders lassen sich die Zahlen des aktuellen World Robotics Report der International Federation of Robotics nicht interpretieren, laut welchem sich der Absatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.

Andrea Gillhuber, SCOPE-Chefredakteurin. © Andrea Gillhuber

Nicht verwunderlich ist Chinas Führungsposition als nachfragestärkstes Land. Doch wichtig ist wie bei jeder Interpretation von (Wachstums-)Zahlen die Ausgangslage. Länder mit traditionell hohem Automatisierungsgrad werden weit weniger Industrieroboter neu installieren. Auch ändern sich die Anwendungsfelder von Robotern. Gründe dafür sind Trends und Technologien wie die Mensch-Roboter-Kollaboration, Künstliche Intelligenz und der wachsende Bereich der Servicerobotik. All das wird dazu beitragen, dass die Roboter ihren Siegeszug auch außerhalb von Produktion und Montage fortsetzen werden: Sie werden in Zukunft Menschen als intelligente und vernetzte Maschine unterstützen.

Wie und in welcher Form das passieren könnte, erforschen Wissenschaftler an der TU München in der Munich School of Robotics and Machine Intelligence, kurz: MSRM, welche im Oktober feierlich eröffnet wurde. Das fakultätsübergreifende integrative Forschungszentrum betreibt Grundlagenforschung, Lehre sowie die praktische Arbeit an Robotersystemen. Zentrale Themen sind Forschung und Lehre an der Maschinenintelligenz und darin verknüpft die Disziplinen Robotik und Künstliche Intelligenz.

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Sowohl Roboter als auch KI haben enorme Auswirkungen auf die Gesellschaft. Die beiden Technologien sorgen für Bedenken und auch Angst. Schon heute gibt es mehr oder minder ernst zu nehmende Diskussionen darüber, dass Roboter den Menschen in der Industrie ersetzen und somit ihre Arbeitsplätze in Gefahr bringen, dass KI sich verselbstständigt und ähnlich wie in den Filmen „I, Robot“ und „Matrix“ die Herrschaft über den Menschen an sich reißen könnte – die Herrschaftszeit der Roboter?

Ich bin mir sicher, der ein oder andere wird jetzt schmunzeln und sich denken, dass das doch sehr weit hergeholt sei. Dem stimme ich zu, doch hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass Unwohlsein und Ängste in der Gesellschaft schnell zu Ablehnung führen können, sei es nun gegen politische und wirtschaftliche Entscheidungen oder gegenüber dem technologischen Fortschritt.

Den Auswirkungen der beiden Technologien auf die Gesellschaft ist sich auch die TU München bewusst. Um diese schon bei der Entwicklung neuer Systeme zu berücksichtigen, wird das MSRM daher eng mit dem Munich Center for Technology in Society zusammenarbeiten, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, die vielfältigen Wechselwirkungen von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu verstehen und zu gestalten.

Denn Zweifel haben auch etwas Gutes: Sie führen zu Diskussionen und zwingen uns dazu, über die Dinge nachzudenken.

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