Editorial

Ding im Ranzen

Als ich die Schulbank drückte, galt das Geo-Dreieck als Technik-Highlight. Fürs Abi hatten wir dann Taschenrechner, die oft schon mehr drauf hatten als ihre „User“. Heute hat mancher ABC-Schütze ein Ding im Ranzen, das leistungsmäßig ganz locker das gesamte Lehrerkollegium in die Tasche steckt: das Smartphone.

Für Kids und Teenies nicht mehr wegzudenken, mausern sich Smartphone & Co. derzeit auch zum wichtigsten Bestandteil von Technik-Entwicklungen. Wohin die Reise geht, zeigen die aktuellen Messen die IFA (Bildschirme), IAA (selbstfahrende Autos), EMO (Steuerung von Maschinen) und IT+ Business (Management). Auf der Elektronikmesse IFA wurde das Smart-TV vorgestellt, mit dem sich alle im Heimnetzwerk angeschlossenen Geräte fernsteuern lassen – via Smartphone. Der PC sowieso, aber auch Kaffeemaschine, Kühlschrank und Klimaanlage.

Ähnliches geschieht auf der IAA. Gut 14 Jahre nachdem James Bond im Kino seinen BMW per Smartphone pilotierte, startet das Handy nun seine automobile Karriere. Es mutiert zum Autoschlüssel, der Türen öffnet, Motoren startet und alle Features und Funktionen auf den autorisierten Fahrer anpasst: Der Lieblingssender wird ebenso eingestellt wie die passende Sitzposition. Der Fahrer sitzt vorm iPad, Sensoren registrieren jede Fingerbewegung und regeln der Rest. Neben den Fahrinfos erscheinen auf dem Bildschirm E-Mails, Webseiten und Traffic-News. Zum Fahren bleibt da freilich keine Zeit. Forschungsautos von Audi und VW bringen Sie bereits heute ohne Gas geben, lenken oder bremsen ans Ziel. Auch in der Industrie ziehen Smartphones mit großen Schritten in Maschinen und Unternehmen ein, wie auf der EMO oder der IT+Business zu sehen ist. Smartphones werden zur Basis für Service und Instandhaltung; sie steuern Maschinenfunktionen und Organisationsprozesse.

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Anwender dürfen hoffen, dass die Technik der Smarten wirklich smart ist. Denn heutige Smartphones können alles nur ein bisschen, aber nichts wirklich gut: Videos und Fotos sind verwackelt, unterbelichtet oder farbstichig. Damit im Web zu surfen oder Mails zu lesen, dürften nur hartgesottene Fans als Vergnügen empfinden. Beim Datenschutz fallen die Smartphones vollends durch: Wer früher gegen die Volkszählung wütete, gibt heute per Smartphones der ganzen Welt zu jeder Zeit alles preis. Mit dem Ergebnis, dass wir Dinge wissen, die wir gar nicht wissen wollen. Und was passiert, wenn der Smart-Akku schlapp macht oder das Handy sich während der Eingabe der SPS-Kommandos verabschiedet?

Die ABC-Schützen von heute werden ihr Abi längst in der Tasche haben – und ich hoffentlich nicht mehr betroffen sein, wenn Smartphones in der Industrie die Herrschaft übernehmen.


Hajo Stotz, Chefredakteur
stotz@hoppenstedt.de
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