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Hajo Stotz über Windows 10

Hajo StotzDie Abhörmaschine

Facebook, Google, WhatsApp, iPhones und Androids wissen mehr über ihren Nutzer als dessen Großmutter. Für viele User ist es heute normal, dass die Anwendung weiß, welche Freunde und Hobbys man hat, welche Orte man gerne besucht, welche Webseiten man bevorzugt, welche Musik und Filme einen interessieren etc.

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SCOPE Chefredakteur Hajo Stotz

Microsoft hat sich bei der Datensammelei bislang etwas zurückgehalten, zumal man für die Programme bisher teuer bezahlen musste: Für Windows 7 lag der UVP bei der Einführung bei 309 Euro, für Office Professional 2010 bei 699 Euro. Bei Google und Apple gibt’s ähnliche Programme als Apps längst kostenlos oder zu einem Bruchteil des Microsoft-Preises. Kleiner Nachteil dieses Geschäftsmodells: wie oben erwähnt.

Mit Windows 10 hat Microsoft dazugelernt: Das Betriebssystem gibt es kostenlos. Wer nun glaubt, die Gates-Company verschenkt das Programm aus lauter Liebe zu seinen Kunden, glaubt wahrscheinlich auch, dass TTIP vor allem dem Verbraucherwohl dient. Für die meisten privaten Anwender mag das in Ordnung gehen – für die Industrie wird das aber zum Problem. Denn, so etwa die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, mit Windows 10 hole man sich eine „Abhörmaschine“ ins Haus. Das Programm sammelt Nutzerdaten eifriger als seine Vorgängerversionen zusammen. Das sei nötig, sagt der Hersteller, um viele neue Funktionen sinnvoll verwenden zu können. So sammelt es zum Beispiel Name, Alter, Geschlecht, Standort, Suchbegriffe, digitale Einkäufe oder besuchte Webseiten. Zudem nutzt es Infos, die aus demographischen Daten, Interessen, Nutzungs- und Standortdaten abgeleitet werden und erstellt daraus ein detailliertes Profil des Nutzers und seiner Kontakte.

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Zudem vergibt Windows 10 eine eindeutige Identifikationsnummer, die von Werbern genutzt werden kann. Diese können damit präzise Informationen über den Nutzer bei Microsoft kaufen. Nicht nur Werbung, sondern auch Vertragskonditionen, Preise und Rabatte könnten so an die Verhaltensprofile angepasst werden, warnt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale RP. Die mögliche Folge: Wenn etwa der selbstständige Konstrukteur in Meck-Pomm und der Entwicklungsingenieur bei BMW zukünftig auf Windows 10 zu Zulieferkomponenten recherchieren, erhalten sie von Microsoft unterschiedliche Anbieter genannt – der eine vielleicht osteuropäische preisgünstige Anbieter, der andere international agierende High-End-Anbieter.

Dennoch wird sich Windows 10 durchsetzen. Nicht weil es einfacher zu bedienen, installieren, warten oder einfach „das beste Windows ist, das Microsoft bisher entwickelt hat“, wie etwa der Spiegel schreibt. Sondern weil sich mit den Nutzerdaten prächtige Umsätze machen lassen und die meisten Nutzer bereit sind, für kostenlose Apps und Betriebssysteme diesen weit mehr persönliche Informationen zur Verfügung zu stellen als ihrer eigenen Oma. hs

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