Editorial: E-Mobilität

Pedal-Drohnen boomen

Eine Million Elektroautos bis 2020 hat die Regierung Merkel vor zwei Jahren noch angekündigt. Inzwischen hört man zu dem Thema von der Politik kaum noch etwas, die verzettelt sich unter Führung von Verkehrsminister Dobrindt gerade lieber im Thema Maut. Doch das Thema E-Mobilität boomt. Nicht auf vier, aber auf zwei Rädern: Auf der weltgrößten Fahrradmesse Eurobike, die Ende August in Friedrichshafen stattfand, gab es praktisch nur ein Thema: E-Bike.

Und die Verkaufszahlen sind auch beeindruckend: Von den fast vier Millionen Fahrrädern, die in Deutschland 2014 verkauft werden, sind laut Schätzung des Branchenverbandes ZIV rund 450.000 E-Bikes. 2007 waren es noch 70.000 Stück. Die Gesamtanzahl aller E-Bikes in Deutschland wird damit 2014 auf rund 2,25 Millionen ansteigen und zwölf Prozent des gesamten Marktes ausmachen. Bereinigt man diese Zahlen um Kinder- und Sporträder, liegt der Marktanteil elektrounterstützter Räder sogar bei fast 20 Prozent.

Und während Rahmen, Brems- und Schaltungskomponenten bei den Rädern überwiegend aus Fernost kommen, ist bei deren Antrieben ein deutscher Hersteller ganz vorn mit dabei: Bosch stieg im Auto-Krisenjahr 2007 mit der Gründung von Bosch eBike Systems in den Markt ein und ist heute Marktführer. Rund jedes vierte E-Bike, das im vergangenen Jahr auf dem europäischen Markt verkauft wurde, fährt inzwischen mit einem Bosch-Motor; das macht für Europa mit rund 1,2 Millionen verkauften Elektrorädern rund 300.000 mit einem Bosch-Antriebssystem. In Deutschland lag der Marktanteil 2013 sogar bei 30 Prozent.

Für den Autozulieferer sind das zwar noch kleine Stückzahlen -  fürs Auto baut er jährlich etwa 80 Millionen E-Motoren, und mehr als 60 Prozent des Jahresumsatzes von ca. 50 Milliarden Euro entfallen auf den Automobilsektor. Doch der E-Bike-Markt wächst weltweit rasant. Claus Fleischer, der Leiter von Bosch eBike Systems, rechnet im Branchengespräch auf der Eurobike schon in naher Zukunft mit rund einem Drittel Marktanteil für E-Bikes: "Und auch 50 Prozent sind später möglich." Ähnlich sehen das inzwischen wohl auch andere deutsche Hersteller: Continental, Brose und SEW Eurodrive stellten auf der Eurobike ihre Antriebe für E-Bikes vor.

Persönlich habe ich ein zwiespältiges Verhältnis zu den Pedal-Drohnen: Auf Asphalt sind sie eine hervorragende Ergänzung des Mobilitätskonzeptes - z.B. als Pendler mit dem E-Bike längere Distanzen überbrücken, ohne dann schweißtriefend im Büro anzukommen. Aber im Gelände haben sie nichts verloren. Vom Motor den Berg hoch schieben lassen und dann querbeet durchs Gelände wieder runter? Da schütze uns noch lange das Gewicht der Akkus und Motoren davor. 

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Hajo Stotz, Chefredakteur SCOPE

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