Editorial

Wer kein Ziel hat

findet auch keinen Weg. Jürgen Schrempp schwärmte nach der Fusion 1998 zwischen Daimler-Benz und Chrysler: "Diese Ehe wurde im Himmel gestiftet". Doch außer ihm und Chrysler-Boss Robert Eaton war bereits damals wenigen klar, was das Ziel dieser Fusion aus zwei völlig unterschiedlichen Unternehmenskulturen war. Der Wert des Konzerns halbierte sich in den neun Jahren, während sich Schrempps Einkommen bis zu seinem Rücktritt auf sieben Millionen fast verdreifachte.

Daimler ist eines der jüngsten Beispiele dafür, dass Fusionen oft schief gehen. 70 Prozent aller Übernahmen scheitern. Dennoch nimmt der Trend zu. Weit über zwei Billionen Euro, so schätzen Experten, wurden im ersten Halbjahr 2007 für Mergers hin- und hergeschoben. Auch in der mittelständisch geprägten Fertigungsindustrie nehmen die Zusammenschlüsse zu: MAG hat mit FMS das 13. Werkzeugmaschinenunternehmen aufgekauft, Sandvik vereint seine Tochtergesellschaften Walter, Titex und Prototyp, Berndorf übernimmt Hasco, Gildemeister kauft WKZ, Georg Fischer verschmilzt seine Töchter Agie, Charmilles und Mikron, Continental übernimmt VDO, Schulter und Müller Weingarten fusionieren, etc, etc.

Warum scheitern diese Zusammenschlüsse so häufig? Da gibt es zum einen die Manager mit ausgeprägtem Streben nach Macht. Durch die Fusion maximieren sie nicht unbedingt den Nutzen des Betriebes, eher ihre eigene Vorteile. Zum anderen gibt es etliche Unternehmenslenker, die die Synergiegewinne viel zu optimistisch einschätzen. So können beispielsweise die Einsparungen durch Zusammenlegung von doppelten Funktionen zwar einfach kalkuliert werden ¿ der Schaden, der durch diese Personalverschiebungen dabei der Motivation der Mitarbeiter zugefügt wird, aber nicht. Mitarbeiter, die aus dem Zugehörigkeitsgefühl zu einem erfolgreichen Team eine starke Motivation bezogen, verlieren sie - trotz derselben Tätigkeit - in einem anderen Umfeld ohne diese Gruppen- und Projektzugehörigkeit sehr schnell. Einer der häufigsten Fehler bei Umstrukturierungen ist es, die Mitarbeiter nicht aktiv in den Prozess einzubinden und damit vorhandenes Know-how brach liegen zu lassen.

Anzeige

Unternehmen sind nicht dann langfristig erfolgreich, wenn sie viele Mitarbeiter haben und hohen Umsatz machen. Sondern wenn sie innovativ, flexibel und kundenorientiert sind und es verstehen, ihre Mitarbeiter entsprechend zu motivieren. Und gute Manager haben und leben eine Unternehmensvision, an deren Gestaltung sie ihre Mitarbeiter selbst aktiv mitbestimmen und -arbeiten lassen. Dieser Weg ist sicher anstrengender als eine einmalige Fusionsentscheidung, denn er muss ständig gelebt werden - auf Dauer ist es aber der Erfolgreichere. Hajo Stotz, Chefredakteur

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Editorial: Robotik in der Produktion

Charakter-Bot

R2-D2, C-3PO und Marvin – wer kennt sie nicht, die intelligenten Roboter aus der „Star Wars“-Reihe und aus Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“. Und wer hätte sie nicht gerne als intelligente Helfer täglich an seiner Seite?

mehr...

Editorial

Beständiger Wandel

Im Jahr 1947 fand die Hannover Messe erstmals statt, damals noch unter dem Namen „Exportmesse 1947 Hannover“. Initiiert wurde sie als Gegengewicht zur Leipziger Messe. Ziel war es, Hannover als internationalen Messestandort zu etablieren.

mehr...
Anzeige

Kongress OT meets IT

Der Kongress OT meets IT bringt die beiden Welten zusammen. Welches Wissen bringen die beiden Bereich in eine Produktion mit ein? Wie können OT und IT voneinander lernen? Wie lässt sich OT-Kompetenz in IT-Lösungen abbilden? Antworten drauf liefern Referenten aus beiden Welten.

mehr...

Editorial

Risikofaktor Mensch

Vor einigen Wochen kam wieder einmal eine Warnung aus der IT: Hacker beziehungsweise Cyberkriminelle versenden Bewerbungs-E-Mails mit Trojanern oder anderer Schadsoftware im Anhang. Das Problem bei den E-Mails ist, dass sie auf den ersten Blick...

mehr...
Anzeige

Editorial

Herrschaftszeiten!

Die Robotik boomt. Anders lassen sich die Zahlen des aktuellen World Robotics Report der International Federation of Robotics nicht interpretieren, laut welchem sich der Absatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.

mehr...

Editorial

Aufbruch trotz Volatilität

Im Jahr 2010 führte ich ein Gespräch mit Christian Wolf, Geschäftsführer von Turck, über das damals enorme Wachstum des Automatisierungsspezialisten: Kurz nach der Krise 2008/2009, in dem das Unternehmen einen Einbruch von 30 Prozent verkraften...

mehr...
Anzeige

Highlight der Woche

Automatisierte Sonderlösung von ACI Laser
Ein Handlingsystem aus Lasermarkierstation und Industrieroboter wird von ACI Laser zur Messe CONTROL in Stuttgart in Halle 4 an Stand 4309 vorgestellt.

Zum Highlight der Woche...

Editorial

Stimmungshoch

Im letzten Jahr konnte der deutsche Maschinen- und Anlagenbau ein teils zweistelliges Wachstum in einigen Branchen verkünden und auch für das laufende Jahr 2018 gab der VDMA eine gute Umsatzprognose ab.

mehr...

Editorial

Wettbewerbsfaktor Daten

Die Automatica brachte viele neue Eindrücke unter anderem in den Bereichen Mensch-Roboter-Kollaboration, Servicerobotik und Greiftechnik. Sie brachte aber auch neue Abläufe beim Visitenkartentausch mit sich.

mehr...

Editorial

Im Sinne des Erfinders

Sie saugen, mähen den Rasen oder weisen uns im Einzelhandel den Weg zum gesuchten Produkt – die Rede ist von Servicerobotern. Persönlich mag man die Vorteile beispielsweise eines Saugroboters zu schätzen wissen, doch einen 16-Jährigen trieb ein...

mehr...